Ich will gehört werden.

Das will ich.

Ich will, dass meine Worte nicht einfach nur Schallwellen sind. Ich will, dass sie einen Inhalt haben. Ich will, dass sie irgendwo ankommen und etwas bewegen, Denkvorgänge in Gang setzten, Menschen Freude machen oder sie provozieren. Ich will, dass meine Worte nicht einfach egal sind.

Ich will, dass meine Bilder und Fotos nicht einfach nur Farben sind. Ich will, dass sie etwas darstellen, mehr als einfach nur Farben. Ich will, dass sie eine Wirkung haben, inspirieren, etwas auslösen, Gefühle hervorrufen. Ich will, dass meine Bilder und Fotos nicht einfach egal sind.

Ich will, dass meine Musik nicht einfach nur Töne sind. Ich will, dass sie Menschen berührt und dass sie Gefühle macht. Ich will, dass Menschen etwas darin finden oder wiederfinden. Ich will, dass sie Freude macht und etwas anregt. Ich will, dass meine Musik nicht einfach egal ist.

Ich will, dass meine Texte nicht einfach Buchstabenketten sind. Ich will, dass sie irgendwo ankommen und etwas hervor kitzeln. Ich will, dass sich Menschen darin wiederfinden. Ich will, dass Wahrheit darin steckt. Ich will, dass sie schön sind. Ich will, dass meine Texte nicht einfach egal sind.

Ich will, dass ich nicht einfach ein Mensch bin. Ich will, dass ich gehört werde, gesehen werde. Ich will etwas verändern. Ich will Menschen berühren. Ich will Menschen herausfordern. Ich will für manche Menschen wichtig sein. Ich will geliebt sein. Ich will, dass ich nicht einfach egal bin.

Das will ich.

Eine einzige Person, die sich von meinen Worten angesprochen fühlt, und es war nicht umsonst. Eine einzige Person, die Freude an einem Foto oder an einem Bild hat, und ich bin zufrieden. Eine einzige Person, die gerne meiner Musik zuhört, und mein Ziel ist erreicht. Eine einzige Person, die sich in meinen Texten wiederfindet, und es hat sich gelohnt.

Eine einzige Person, für die ich nicht egal bin.

Das will ich.

Gute Vorsätze

  1. Aus der Pubertät rauskommen. Mein Körper funktioniert nicht mehr wirklich, meine emotionale Welt verhält sich alles andere als logisch und ich hab kaum noch Energie für alles, was ich eigentlich schaffen will.
  2. Mir einen einzelnen Dread machen lassen. So einen, der dann zwischen meinen wilden Locken ist. Sähe bestimmt toll aus.
  3. Zunehmen. Ich sollte endlich mal sicher im Normalgewicht liegen, nicht immer knapp unter der Untergrenze.
  4. Alles (entgegen meinen Gewohnheiten) langsam angehen, nicht zu hohe Ansprüche an mich stellen und mir mehr Zeit für alles lassen. Mehr chillen. Mehr Zeit für mich. Mehr Zeit zum beten und Bibel lesen. Meinen Perfektionismus ablegen. Klappt eh nicht, aber ich will es wenigstens versuchen.
  5. Sowieso alles viel besser machen, generell mehr Gutes tun, weniger blöde Sachen sagen, lieb und nett sein, mehr für die Schule tun blablubbblabla…

Ratsch, Hals durch.

(Ein Text von Weihnachten.)

Weihnachtsessen.

Gans.

Was auch sonst.

Da liegt sie nun auf dem Teller. Sechs Schenkel. Für jeden einen. Aus den Schenkeln gucken Knochen raus. Die Beine. Das Fleisch ist rosig, viel röter als Hähnchen oder Schwein. Dazu gibt es Klöße und Rotkohl. Alles auf weißem Porzellan. Mama hat die Gans schon Tage vorher vorbereitet. Sie ist aufwändig hergerichtet. Mama ist stolz auf das Ergebnis.

„Guten Appetit!“

Mama teilt aus. Jeder kriegt einen Schenkel. Papa, Bruder, Schwester…

Und ich sehe währenddessen vor meinem inneren Auge ständig nur sterbende Gänse. Wie diesen weißen oder braunen Vögeln bei vollem Bewusstsein der Hals durchgeschnitten wird. Ich höre nur mit panischer Angst erfülltes, schreiendes Geschnatter. Ich sehe das ganze Blut und höre das hässliche Geräusch, das entsteht, wenn die rotierende Messer in der Schlachterei das Fleisch und die Knochen der Gänse durchtrennen. Ratsch, Hals durch.

Woher habe ich diese Bilder? Aus einem Film in der Schule? Aus dem Fernsehen?

Es ist grausam. Immer wieder diese Bilder, diese Geräusche. Sterbende Gänse. Mir wird übel. Ratsch, Hals durch. Eine nach der anderen. Ratsch. Ratsch. Die Gans auf dem Teller sieht aus, als wäre sie gerade eben noch rumgelaufen. Sie wirkt, als wäre sie vor kurzem noch geflogen, hätte mit anderen Gänsen geschnackt. Sie wirkt, als könnte sie jetzt vom Teller aufstehen und loslaufen und gleichzeitig sieht sie so traurig aus, weil es jetzt zu spät ist. Ratsch, Hals durch.

„Sina, welchen Gänseschenkel willst du?“

„Ne, sorry, ich nehme nur Klöße und Rotkohl…“

Die Welt ist gerettet!

Ich hab die ultimative Idee, wie wir mit der Überbevölkerung auf der Welt umgehen können! Es ist doch ganz einfach. Wir pflanzen den Menschen einfach Kiemen ein und dann leben wir als Unterwasserwesen weiter! Yey! Ist doch super. Über siebzig Prozent der Welt ist doch mit Wasser bedeckt – wie viele Menschen wir da noch vertragen könnten! Außerdem lassen wir die menschliche Haut einfach durch gezielte Mutation so verändern, dass wir Photosynthese betreiben können. Dann wäre das mit der Versorgung auch zur Hälfte geklärt. Bei den Ernährungslücken fressen wir dann einfach Atommüll. Bis dahin gehört Radioaktivität nämlich zu den Grundnahrungsmitteln, ist doch klar. Und Gorleben bräuchte dann auch kein Schwein mehr. Außerdem hängen wir an unser „homo sapiens sapiens“ (auf Deutsch: Mensch weise weise) noch ein sapiens dran! Der homo sapiens sapiens sapiens, der Mensch weise weise weise, das ist doch mal mega geil. Wer lebt schließlich sonst noch wie wir Photosynthese betreibende weise weise weise Menschen auf dem Meeresgrund und frisst Atommüll. hm?

Boah, entweder leide ich an extremen Realitätsverlusten oder ich bin ein Genie!
(Ich vermute, dass das Erste eher zutrifft. Das kommt davon, wenn man zu viel Zeit bei seiner komplett durchgeknallten Familie verbringt.)

Von Samichläusen, Discos und Gewalt unter Jugendlichen

(Mein Weihnachtsgeschenk an euch: Dieser Gastartikel von der unentdeckten Literatin Schildi (Schildkröte) aus Sparta.)

Endlich.

Die Läden haben uns schon sehr lange auf diese besondere Zeit vorbereitet. Weihnachtsmänner haben uns die neusten Produkte vorgestellt und Christbäume halten standhaft in unserem lokalen Schwimmbad die wohligen Tropenklimata aus.

Doch was ist, wenn man sich trotz des fürsorglichen Programmes sich nicht auf bestimmte Geschenke für bestimmte Personen festlegen möchte? Auch da hat man vorgesorgt! Gutscheine, wohin das Auge reicht. Manche laufen gar nie ab, manche zwei Tage nach Heiligabend, manche geben 80% Rabatt, andere weisen nur auf die Existenz des Ladens hin.

Ich erinnere mich auch immer wieder gerne an die alten Zeiten in der Pfadi zurück, als man im Wald den Samichlaus suchen musste und zur Belohnung in einer warmen Hütte am Waldrand die Leviten gelesen wurden und man vom Schmutzli eins mit der Rute aufs Dach bekam. Hach. Aber nach den Highlight folgte das eher Unspektakuläre, Zeitraubende Sackausleeren, Nüsschen und Mandarinchengefresseten und das Anfeuern des Schmutzlis, während er unsere Leiterinnen verprügelte.

Immer wieder werde ich daran erinnert, wenn ich durch Quartierstrassen fahre und mir ein Weihnachtsmann im Gartenzwergformat und mit der herrlich leuchtend blinkender Kulisse des Hauses ein „hohoho“ zuruft. Wehmütig sehe ich ihm jeweils nach und überlege mir, ob der echte Weihnachtsmann auch eine solche Disco bei sich zuhause hat.

Ihr seht, diese besondere Zeit erleuchtet nicht nicht nur kindliche Gemüter, sondern ganze Städte und Einkaufsmärkte. Die Wirtschaft wird angekurbelt, die Stromkosten haben längst die Höhe des K2 überschritten, Baumschulen werden gerodet.

Flexibel, wie unsere Gesellschaft ist, macht es keinen Unterschied, ob nun September oder Dezember ist.

Frohe Weihnachten!

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Für Nicht-Schweizer:
Pfadi=Pfadfinder
Samichlaus= Sankt Nikolaus
Jemandem die Leviten lesen=jemanden zurechtweisen, ins Gewissen reden, ernsthaft ermahnen, tadeln, zusammenstauchen, zur Ordnung rufen
Schmutzli= Der Typ mit dem Sack, der Rute und dem Esel

gereizte Stimmung

Alle begegnen mir gerade irgendwie gereizt. Ich werde angemeckert, muss mir blöde Sprüche anhören, kriege „aus Versehen“ eine Ball an den Kopf mit der entsprechenden „sorry, ich kanns echt nicht unterdrücken“-Lache dahinter… Eigentlich will ich ja nur entspannt letzte Vorbereitungen für morgen machen und sonst einfach gar nichts tun. Schließlich sind seit gestern Ferien.

Aber da bin ich wohl irgendwie die einzige.

dieser Kampf im Kopf

Es liegt mir wie ein Stein auf dem Herzen, rumort in meinem Bauch, drückt, drängelt, will gesagt werden. Es ist ungeduldig. „Komm, mach schon!“, drängelt es, die ganze Zeit. „Jetzt sags endlich, das wäre für alle Beteiligten besser. Das weißt du auch.“

Mein Gehirn antwortet: „Nein, was da alles schief gehen kann… Und wie soll ich das überhaupt sagen? Und wenn dann irgendwas falsch verstanden wird? Dann hast du es dir versaut. Außerdem machst du dich damit so verletzlich…“

Und mein Gehirn hadert und zögert und weiß gar nicht so genau, was es will. „Nein, mal langsam. Erst mal überlegen. Also, wenn es klappt, wäre natürlich alles besser. Wenn es nicht klappt, dann…“ Und es rattert vor lauter denken, mein Gehirn, und kommt zu keinem Ergebnis. Es kann ja auch gar nicht richtig denken, denn es hat auch gar keine Ruhe, weil der Stein auf meinem Herzen gar keine Ruhe gibt. Er hüpft da rum und sagt die ganze Zeit das selbe. Er verseucht alle Gedanken. Und gleichzeitig liegt er mir schwer im Bauch und verbreitet ein Unwohlsein.

„Ruhe!“, rufe ich dann. „Reißt euch zusammen. Ich brauche jetzt klare Gedanken.“ Das Gehirn hat sich aber inzwischen in allen eventuell möglichen negativen Konsequenzen festgefahren und der Stein plärrt wie am Spieß, dass er jetzt verdammt noch mal raus will und diese Spannungen nicht mehr ertragen kann. Ich will einfach nur eine Entscheidung und meine Ruhe.

„Also“, beginne ich leise. „Ich werde es jetzt einfach aussprechen.“ Sofort schreit mein Gehirn auf. „Waaas?! Das geht doch gaaar ni…“ Ich unterbreche es mit einem: „Fresse!“ Das Gehirn schweigt kurz. Der Stein verbreitet noch mehr Unwohlsein. „Tus, machs einfach.“ Da klopft mein Gehirn wieder an und sagt mit leiser Stimme: „Und wenns schief geht? Wie willst du das überhaupt anstellen?“

Und ich könnte schreien, weil ich das alles nicht ertragen kann. Mein Gehirn hält mich davon ab, es zu klären. Der Stein gibt keine Ruhe. Und ich will das alles nicht.

Und dann, mit ein paar Worten, reißen alle Spannungen.

Der Stein fällt mir zum Mund raus und verwandelt sich zu einem verständnisvollen Lächeln auf dem Gesicht meiner Freundin gegenüber.

Danke <3