blöd.

Ich schließe Minecraft, dieses alberne Kästchenspiel, das ich nur spiele, wenn meine beiden kleinen Geschwister dabei sind und weil wir dann so einen Spaß haben, und schmeiße die beiden raus, denn sie müssen ins Bett. Ich gehe auf das Skype-Fenster und ändere meinen Status von „Beschäftigt“ auf „Online“. Es sind drei andere Leute online. Bei zweien von ihnen würde ich mich freuen, wenn sie mich anschreiben würden. Nein, eigentlich nur bei einem, gestehe ich mir ärgerlich ein. Kann das denn wahr sein? Warum ist er mir nicht egal? Ich habe doch beschlossen, dass er mir egal ist. Hoffentlich schreibt er mich an. Nein, hoffentlich nicht!, verbessere ich mich. Wehe! Ich runzle die Stirn. Wenn er mich anschreibt, dann ist er wieder so… da in meinem Kopf. Dann macht er mir wieder was aus. Ich werde noch ärgerlicher. Ich benehme mich ja, als wäre ich verliebt. Ich schüttle meinen Kopf, um meine Gedanken frei zu machen und reflektiere den Tag.

Müde.
Sechs Stunden Schule, eine Freistunde. Viel Hausaufgaben. Zwei alte und zwei neue Freunde. Klavier, lesen, PC. Nichts besonderes.

Im Bus habe ich Nina getroffen. Nina ist voll nett. Ich befürchte nur, wie eigentlich bei allen neuen Bekanntschaften, dass sie mir viel wichtiger ist als ich ihr. Das ist irgendwie immer so und es nervt mich. Man fühlt sich immer so unterlegen und abgelehnt. Wenn ich es mir genau überlege, ist das nicht nur bei neuen, sondern eigentlich bei fast alles meinen Freundschaften so. Na toll. Jedenfalls habe ich Nina im Bus getroffen. Ich finde sie toll. Wir haben über alle möglichen Oberflächlichkeiten geredet und ich war mir selbst mal wieder irgendwie peinlich. Nein, jetzt auf keinen Fall meine Peinlichkeiten analysieren, davon werde ich immer unausstehlich und fühle mich scheiße. Außerdem wird mir dann immer heiß und kalt. An was anderes denken, schnell.

Lernen ist doof. Deswegen habe ich heute noch schnell Bio von einem schriftlichen in ein mündliches Fach umgeändert und dafür Chemie schriftlich gemacht. Ich frage mich, wie sehr ich das bereuen werde. Aber Chemie kann ja nicht so schwer sein! Es ist weniger Stoff und die Lehrerin ist gar nicht so schlecht und… Moment, wen will ich hier eigentlich überzeugen? – Mich. Noch ein ärgerliches Geständnis. Ich seufze. Ich will den Tag nicht mit solchen Gedanken abschließen.

Ich denke daran, dass ich heute was gelesen habe. Einen dämlichen Liebesroman, den ich immer nur heimlich lese und dessen Namen ich sicher niemandem verraten werde. Und dass das Mädchen da einen Jungen hat, der sie gönnerhaft an sich ranlässt und sich dabei als Opfer darstellt. Scheißgeschichte. Naja, wenigstens hat sie da voll das Drama. Was hab ich? Nichts. Semi-glückliches Existieren, eine gewisse Zufriedenheit und Frieden. Gut, das ist mehr als die meisten anderen, aber jetzt hätte ich gerne Drama, voll die megamelodramatische, unrealistische Story. Hab ich aber nicht. Nicht mal ansatzweise.

Oh man, was ist heute nur mit mir los? Wenn ich mir unrealistische Liebesgeschichten wünsche, dann bin ich immer irgendwo falsch abgebogen. Und dann ekel ich mich selber an, weil ich das ja eigentlich abartig finde, so ein Verhalten. Sich Drama wünschen. Märchenprinzessin in modern uns so, pah, da stehe ich doch eigentlich drüber.

Eigentlich.

Ich gucke wieder bei Skype nach.

Er hat mich nicht angeschrieben.


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