Zwei Straßenseiten, zwei Welten

Die eine Straßenseite. Meine Schule. Viele, junge Leute. Die meisten haben noch keine Idee von dem, was sie mit ihrem Leben machen sollen. Einige haben noch keine Ahnung vom Leben. Einige andere schon. Die meisten haben Träume, und für ein paar ist die Schule einfach nur Qual. Es ist eine eher zufällige Ansammlung von Kindern und Jugendlichen, die von einem Team von Erwachsenen in das Leben eingeführt werden sollen. Es ist ein Gymnasium, eine Scheinwelt der Vorzeigefamilien, eine Scheinwelt der Normalen, der Bürger, der (oberflächlich gesehen) Problemlosen.

Die andere Straßenseite. Mein Praktikumsplatz. Psychiatrie. Wohnverbund. Viele, erwachsene Leute. Ein Auffangbecken für alle, die die Gesellschaft nicht halten kann. Menschen, die das Leben erfahren haben, denen es geschadet hat oder die nie einen Zugang zur Welt hatten. Jedenfalls nicht zu der Welt, die ich von der Schule her kenne. Es sind die unterschiedlichsten Menschen. Psychisch Kranke. Geistig Behinderte. Manche auf Stationen, andere im Wohnverbund, wieder andere ambulant. Es sind so viele Menschen. Nicht die paar Irren der Stadt, nein. Sie sind ein Teil der Gesellschaft, wie die Schüler.

Ich will nicht dazu aufrufen, mehr Gedanken an die geistig Eingeschränkten zu geben. Ich will nicht beklagen, dass sie zu wenig Aufmerksamkeit hätten. Ich will einfach nur den Unterschied zwischen meinem Praktikumsplatz und der Schule feststellen.

Geographisch sind es zehn Meter von einem zum anderen. Gefühlsmäßig sind es Welten.


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