nicht am Mitdenken

Manchmal … weiß ich nicht mehr so genau, ob ich mir noch die Mühe machen soll, mich zu erklären. Diese Menschen, die einen berichtigen, weil sie glauben, sie hätten Recht, und einen dann herablassend auslachen, obwohl sie totalen Müll erzählen.

SoWi, Bildbeschreibung.
Ich: „Man sieht ein Schiff im Vordergrund … blablabla“
Junge von zwei Plätze weiter: „Ach, das hätte ich jetzt selber nicht gesehen… Dumm, ey.“
Aufgabenstellung, du Horst…?

Chemie. Schülerversuch. Zwischendurch einer dieser herrlich ironischen Gespräche mit meiner Chemielehrerin.
Lehrerin: „Der gefährlichste Stoff der Welt ist ja bekanntlich H2O.“
Eitel-Mädchen: „Hä, wieso?“
Lehrerin: „In jeder Krebszelle ist H2O drin. Und es ist nachgewiesen, dass jeder tote Mensch vor seinem Tod H2O zu sich nimmt.“
Ich muss lachen. Der Humor dieser Lehrerin ist köstlich.
Ich: „Genauso, wie der gefährlichste Ort der Welt das Bett ist.“
Lehrerin versteht, grinst.
Eitel-Mädchen: „Pff, Sina, haha … kein Sinn oder so?! Haha! H2O im Bett, haha!“
Ähm … nachdenken hilft weiter!

Nervt!

Eigentlich fehlt mir noch eine dritte Anekdote, damit dieses Posting irgendwie „rund“ wird, aber mir sind heute eben nur diese beiden Sachen passiert und auch sonst erinnere ich mich an nichts. Sorry, Kinder, heute nur die halbe Portion Schokolade.

Was so alles passiert, wenn man in Chemie Kopfschmerzen kriegt

Man geht zu Beispiel raus vor die Tür und bereut sofort, keine Jacke angezogen zu haben. Man schaut zum hundertsten Mal auf den Vertretungsplan. Und erst jetzt, als man für sich alleine einen schönen Platz zu ausruhen auf den Schulhof sucht, wird einem klar, wie hässlich dieser Schulhof wirklich ist, wenn er ohne Menschen im Nieselregen daliegt. Man atmet tief durch.

Man hört zum Beispiel auch Schritte hinter sich und trifft Gitarrenmädchen mit einem Kumpel. Ihr Freund? Man weiß es nicht. Sie will einen erschrecken, aber man bemerkt sie vorher. Sie fragt, was ich mache und smalltalkt ein bisschen mit mir, währen ihr vielleicht-Freund den Vertretungsplan studiert. Dann gehen sie rein.

Man könne auch versuchen, Mamas Bessergeh-Tricks anzuwenden, wie zum Beispiel „In die Knie atmen!“. Man könnte merken, dass es klappt, wenn man nicht zum Beispiel bei diesen Atemübungen von völlig fremden Mitschülern überrumpelt wird, die sich verlegen entschuldigen (oder auch nicht) und schnell ins Gebäude verschwinden. (Was die wohl jetzt von mir denken…)

Als nächstes käme beispielsweise Eichhörnchen vorbei. Man begrüßte sie, obwohl man nicht wüsste, was sie von einem hält, und prompt klagte sie erst mal über den ganzen Tag und das Weihnachtskonzert und wie kaputt sie doch wäre. Man redete über dies und das und Chemie und die Welt und dann verschwand sie zum Stufenbrett, möglicherweise, weil sie nicht mehr wüßte, was sie sagen könnte.

Kaum versucht man sich wieder auf Kopfschmerzen und Atmung zu konzentrieren, käme dann eine der ehemaligen Englischlehrerinnen, die Frau Blume, die immer bunte Kärtchen ausgeteilt hat., mit ihrem noch wirklich sehr kleinen Baby vorbei. „Die kleine Jette“, könnte sie sagen und vor Mutterglück nur so strahlen. Man könnte ihr dann dabei helfen, eine andere Englischlehrerin zu finden, zu der sie aus irgendeinem Grund muss. Man könnte noch einen letzten Blick in den Kinderwagen auf das kleine, herzige Mädchen werfen und das Herz könnte einem aufgehen, bevor sich Frau Blume wieder auf den Weg machen könnte.

Dann könnte man vielleicht auch endlich mal ein paar tiefe Atemzüge Luft holen, und das ganze 2-Propanol, Ethansäure, Lavendel-Aroma und Schiff’s Reagenz aus der Lunge zu bekommen. Und den Gestank des Gases für die Bunsenbrenner auch.

Schließlich könnte man sich vielleicht auch wieder dafür entscheiden, zurück in den Unterricht zu gehen. Auf dem Weg nach oben könnte man beiläufig in einen der Flure gucken und innehalten, weil dort zufällig Herr Grinselispel mit einer Neuntklässlerin mit langen, braunen Haaren und cremerosanen Loop vor der angelehnten Klassentür stünde und mit ihr wahrscheinlich ihre mündliche Note besprächet. Er könnte dabei zum Beispiel – grinsen und sich zu ihr vorbeugen, worauf sie einen Minischritt zurückweichen und zurückhaltend lächeln könnte. Ach ja, Herr Grinselispel, würdest du dann denken. Den muss ich heute auch noch mal sprechen.

Bevor er dich bemerken könnte, würdest du die letzte Treppe hinter dich bringen und zurück in Geschwader von unangenehmen Düften tauchen können und dich dabei fragen, warum ich dir das jetzt alles erzählt habe.

Du würdest wohl keine Antwort finden können.

Und Herr Grinselispel grinst und lispelt …

Pause, Schulhof. Feundin zu mir: „Hey, ich hab vorhin mit Herr Grinselispel geredet und der meinte irgendwie, wenn wir nicht mit zu den Orientierungstagen wollen, müssen wir das schriftlich bei der Schulleitung begründen.“

Ach so?! Ich frage bei dem Lehrer nach, der die Infos an uns weitergeleitet hat: „Nein, ich weiß von nichts. Ich schaue noch mal nach … Ah, hier sind die Zettel … nee, da steht sonst nichts dazu drauf. Nur, dass ihr auf der Abmelde-Liste stehen müsst, aber das steht ihr ja. Aber ich frage noch mal nach.“ Später: „Ja, Herr Grinselispel hat gesagt, dass das wirklich so ist.“

Ich – stinksauer. Wenn mir meine Freundin das jetzt nicht erzählt hätte? Warum erzählen die uns erst was anderes, entscheiden dann um und erwarten dann, dass wir das wissen?!

Also – ich in der Pause zu Herr Grinselispel.

Ich habe soeben per Zufall erfahren, dass wir nun eine schriftliche Erklärung einreichen müssen, wenn wir die Besinnungstage verweigern wollen, stimmt das?

Äh, also ‚verweigern’…

Jaaa, nicht teilnehmen. Stimmt das?

Ja, das stimmt, und ich finde das auch berechtigt, weil … Fahrtenplan … religiöse Gründe … Schulleitung … einreichen… blablabla

Ja, das finde ich ja auch völlig okay und verständlich, aber warum wurde uns das nicht gesagt? Ich habe das nur durch Zufall erfahren.

Die Schulleitung sagt, dass es notwendig ist, dass ihr das einreicht.

Das sagten Sie bereits, aber warum haben wir nicht die entsprechenden Informationen gekriegt?

Es ist IHR Wunsch, nicht daran teilzunehmen,also müssen Sie sich auch selbstständig darum kümmern.

Aber Sie haben uns gesagt, dass es reicht, sich in die Liste einzutragen. Wenn sich das ändert, erwarte ich schon von Ihnen, dass sie uns darüber informieren.

Also ich finde es schon in Ordnung, wenn das verlangt wird, dass Sie das was einreichen.

Ich auch, aber wie kann es sein, dass wir die Informationen nicht bekommen haben?

Die Besinnungstage gehören zum Fahrtenplan, und ich finde es angemessen, dass Sie die nicht so einfach ohne Grund absagen können.

Jaaahaaarrr…“ -seufz-

Grr. Manche Leute sind echt gut im nicht-zuhören … und dieser Mensch ist dabei ganz besonders schlimm, weil er die ganze Zeit manisch grinst und beim Sprechen seinen Speichel durch seine Zähne hindurch auf den eigenen Pulli katapultiert.

 

Glücklich.

Glücklich, weil …

  • ich dieses Jahr keine einzige Klausur mehr schreiben muss und damit einfach so ein Druck wegfällt.
  • bald Weihnachten ist und ich mich schon total drauf freue.
  • dann auch bald das neue Jahr anfängt und ich damit wieder eines beenden kann. 2012 – gebongt.
  • ich so tolle Freunde habe, die tolle Sachen für mich machen oder einfach da sind. Die mir und denen ich wichtig bin/ sind.
  • ich Geschenke vorbereite und das immer Spaß macht.
  • ich endlich wieder Zeit finde – zum Bloggen, Malen, Schreiben, Shoppen, Klavier spielen, Bibel lesen … zum Leben halt.
  • ich heute gut geschlafen habe.
  • ich mir keine Sorgen um irgendwas machen muss.
  • mein Zimmer endlich wieder mal so ordentlich ist, dass ich mich wirklich drin wohl fühle.
  • Schnee liegt.
  • ich recht gute Klausuren wieder bekomme.
  • ich eine wundervolle Gemeinde habe, die mir so krass viel gibt.
  • ich nach einem erfolglosen Versuch endlich neue Sachen zum Anziehen finde.
  • sich in meiner Stufe langsam herauskristallisiert, wer meine Freunde sind und wer nicht.
  • ich jetzt gerade einfach zu Hause sein kann.
  • meine Haare nicht mehr so lang sind.
  • ich mich geliebt und geborgen fühle.

Was mich fertig macht

Heute: Meine Stufe.

Dieses Klima. Diese Atmosphäre. Was so in der Luft liegt, die Themen. Dieses unausgesprochene „Wenn ich mehr Freunde habe als du, bin ich schon irgendwo cooler.“ Und seinen alten Freunden erzählen, wen man noch alles so total toll findet, um ihnen zu demonstrieren, dass man sie nicht braucht und auch noch andere Freunde hat. Und wenn sie dann zu mir hinkommen, dieses leicht überlegene Lächeln à la „Sorry, aber die Anderen sind gerade mal wichtiger als du.“ Dieses subtil etwas mitteilen wollen, dass man dann verstehen und auf das man reagieren soll, ohne dass man wirklich weiß, worum es geht. Die Freunde, mit denen man nicht so sehr befreundet sein will und die Freunde, die mit einem gar nicht befreundet seinen wollen.

Dieses Reden über jenen und solchen Exfreund, denn man ja jetzt total schlimm findet und der der größte Fehler des Lebens waren. Das Reden über die letzte Saufparty. Über Pille, Drogen und „Bitches“. Dieses ganze, ewige Lästern. Diese stumpfe Sprache, die manche benutzen. Dieses ständige Motzen über Lehrer, Noten, Unterricht, Familie, Stufenkameraden, Stress, wenn einem gar nichts einfällt auch übers Wetter …

Und dieses unauffällige Abheben von mir. „Ich bin ja nicht so wie du, bei mir ist das alles ganz anders.“ „Da bin ich eher soundso (->also besser).“ „Ich muss dann auch mal zu XY, ne.“ Dieser Schönheitswettbewerb zwischen den Mädchen, die meinen, sie wären Frauen. Dieser Druck und dieser Zwang, der dadurch in der Luft liegt und einem kaum Bewegungsfreiheit lässt. Dieses komische Gucken, wenn man mal was anderes anhat als sonst. Dieses ständige Abchecken. Dieses prüfen, wie ich bin und ob man mich zur Freundin haben will, äußerlich und vom Auftreten her. Und dann irgendwann auch vom Charakter,

Dass mir eingeredet wird, ich soll die Pille nehmen, dann hab ich keine Pickel mehr und man weiß ja nie. Dass ich genießen soll, dass ich keinen Exfreund habe, das sei ja so schlimm. Dass XY voll zu mir passen würde. Dass mir aller Beziehungsstress erzählt wird, von Leuten, von denen ich noch nicht mal weiß, wo sie wohnen. Ob ich denn nicht auch zur Hausparty von XY kommen soll, sie dürfe noch wen mitnehmen. Ob ich denn denunden kennen würde und wie ich den so fände.

Das alles.

Die meisten mag ich trotzdem total gerne. Sie liegen mir irgendwo auch am Herzen. Vielleicht liegt das an meiner Art, aber ich sehe in allen einzeln irgendwie gute und tolle Menschen. Und normalerweise nehme ich diesen ganzen Kram auch nicht so und vor allem nicht so überspitzt war. Vielleicht liegt das daran, dass ich heute nicht ganz gut drauf war und dass ich mich einfach mal nicht darauf einstellen wollte und jetzt total übertreibe. Vielleicht auch nicht. Jedenfalls, diese Atmosphäre …

Es hat mich einfach fertig gemacht.

Momentaufnahme des ersten Schultages

Mit einer merkwürdigen Gefühlsmischung verlasse ich den Englischraum, halb Zufriedenheit, halb Resignation. Ich muss los in den nächsten Raum, genau ein Stockwerk höher an der selben Stelle. Ein Junge, ich kenne ihn ganz grob aus einem Kurs aus dem letzten Jahr, brabbelt irgendwas von Musik und geht vor mir her die altmodische Wendeltreppe hoch. Nennt man es überhaupt noch Wendeltreppe, wenn sie nicht rund ist?, frage ich mich. Wenn er jetzt auch Musik hat, sind wir im gleichen Kurs. Richtig, er steuert meinen Raum an.

Vor der Tür steht eine Busbekanntschaft von mir mit dem Handy. Ich begrüße sie knapp und gehe in den Raum. Es sind schon etwa neun Leute da, vorne unterhalten sich zwei Mädchen, die ich noch nie gesehen habe. Ich kenne den Raum. Er ist nicht besonders schön. Irgendwie ist er unordentlich und kahl. Mitten in dieser Kahl- und Unordentlichkeit sitzt eine Frau am Lehrerpult, deren Gesicht mich spontan an einen Pfannkuchen erinnert. Noch kann ich sie nicht besonders gut einschätzen, weil sie in ihre Unterlagen vertieft ist. Ich schaue mich um. Ich kenne keinen wirklich. Da sitzt ein Mädchen, dass mit einer guten Freundin von mir befreundet ist, aber ich möchte nicht neben ihr sitzen. Ich finde sie nicht besonders nett. Soll ich mich an einen leeren Tisch setzten? Und wenn ich dann alleine bleibe? Ich drehe mich unentschlossen im Kreis. Schließlich setzte ich mich zu meiner Busbekanntschaft.

Die anderen im Kurs beäuge ich neugierig. Der eine Junge hat einen merkwürdigen Namen. Sein Gesicht kommt mir bekannt vor… Die Lehrerin entpuppt sich als recht entspannt. Ich mag sie ganz gerne, auch mit Pfannkuchengesicht. Bei einem dämlichen Kennenlernspiel begegne ich Vera. Sie ist mir auf Anhieb sympathisch, als sie sagt, dass sie im Musikunterricht auf keinen Fall alleine singen müssen will. Wir lächeln uns an, da sind wir uns einig. Frau Pfannkuchen behauptet, dass ihr Fach ausgerechnet Singen ist. Ich muss sie mir sofort beim singen vorstellen. Heraus kommt ein Graue-Maus-Stimmchen: hoch, brav und nicht herausragend schön. Wie singen eigentlich Pfannkuchen? – Später, bei der Auswertung des Kennenlernspiels, sagen Vera und ich beide, dass auf keinen Fall jemand alleine vorsingen müssen darf, und zwinkern uns zu. Frau Pfannkuchen findet diese Forderung okay.

Beim Herausgehen grinsen Vera und ich uns zufrieden an. Vielleicht wird Vera ja meine Freundin.

lieber nicht laut sagen

Heute – erster Schultag nach den Ferien. Ich hab mich diesmal nicht auf die Schule gefreut, wie es sonst häufig so ist, aber an sich war der Tag ganz schön. Anstrengend, ja, aber schön. Und ich mag es auch, zu arbeiten und was zu schaffen. Und ich hatte mal wieder Freude über die Mensa. Das Essen war voll lecker und eigentlich sieht sie ganz cool aus, und der neue Asphalt-Teil des Schulhofes auch. Hat so ein bisschen Streetstyle. Ja, und auch insgesamt so ist Schule ganz cool, wenn man erst mal den Einstieg hat und gerade keine schweren Prüfungen sind.

Das sind alles Sachen, die man in der Schule nicht laut sagen sollte, weil man sonst als Streber abgestempelt wird oder zumindest schief ein paar Bemerkungen kassiert. Da müsste es so klingen:

Heute – erster Schultag nach den Ferien. Stress pur. Wir sollten heute schon richtig arbeiten. Wie gern hätte ich heute den ganzen Tag im Bett gechillt. Und dann kommt auch noch ne Französischklausur am Donnerstag. Und das Mensa-Essen ist eh grottig. Wer so was essen kann, frage ich mich nur… Und dazu sieht sie auch noch richtig scheiße aus und passt überhaupt nicht zum Rest der Schule. Vielleicht gerade so zum neuen Asphaltteil des Schulhofes. Voll hässlich. Eigentlich könnte beides verschwinden und stattdessen ein bisschen Grünfläche angelegt werden. Aber darauf kommen die ja nicht…

Wie gut, dass ich in meinem Blog schreiben kann, was ich will. :P