Was so alles passiert, wenn man in Chemie Kopfschmerzen kriegt

Man geht zu Beispiel raus vor die Tür und bereut sofort, keine Jacke angezogen zu haben. Man schaut zum hundertsten Mal auf den Vertretungsplan. Und erst jetzt, als man für sich alleine einen schönen Platz zu ausruhen auf den Schulhof sucht, wird einem klar, wie hässlich dieser Schulhof wirklich ist, wenn er ohne Menschen im Nieselregen daliegt. Man atmet tief durch.

Man hört zum Beispiel auch Schritte hinter sich und trifft Gitarrenmädchen mit einem Kumpel. Ihr Freund? Man weiß es nicht. Sie will einen erschrecken, aber man bemerkt sie vorher. Sie fragt, was ich mache und smalltalkt ein bisschen mit mir, währen ihr vielleicht-Freund den Vertretungsplan studiert. Dann gehen sie rein.

Man könne auch versuchen, Mamas Bessergeh-Tricks anzuwenden, wie zum Beispiel „In die Knie atmen!“. Man könnte merken, dass es klappt, wenn man nicht zum Beispiel bei diesen Atemübungen von völlig fremden Mitschülern überrumpelt wird, die sich verlegen entschuldigen (oder auch nicht) und schnell ins Gebäude verschwinden. (Was die wohl jetzt von mir denken…)

Als nächstes käme beispielsweise Eichhörnchen vorbei. Man begrüßte sie, obwohl man nicht wüsste, was sie von einem hält, und prompt klagte sie erst mal über den ganzen Tag und das Weihnachtskonzert und wie kaputt sie doch wäre. Man redete über dies und das und Chemie und die Welt und dann verschwand sie zum Stufenbrett, möglicherweise, weil sie nicht mehr wüßte, was sie sagen könnte.

Kaum versucht man sich wieder auf Kopfschmerzen und Atmung zu konzentrieren, käme dann eine der ehemaligen Englischlehrerinnen, die Frau Blume, die immer bunte Kärtchen ausgeteilt hat., mit ihrem noch wirklich sehr kleinen Baby vorbei. „Die kleine Jette“, könnte sie sagen und vor Mutterglück nur so strahlen. Man könnte ihr dann dabei helfen, eine andere Englischlehrerin zu finden, zu der sie aus irgendeinem Grund muss. Man könnte noch einen letzten Blick in den Kinderwagen auf das kleine, herzige Mädchen werfen und das Herz könnte einem aufgehen, bevor sich Frau Blume wieder auf den Weg machen könnte.

Dann könnte man vielleicht auch endlich mal ein paar tiefe Atemzüge Luft holen, und das ganze 2-Propanol, Ethansäure, Lavendel-Aroma und Schiff’s Reagenz aus der Lunge zu bekommen. Und den Gestank des Gases für die Bunsenbrenner auch.

Schließlich könnte man sich vielleicht auch wieder dafür entscheiden, zurück in den Unterricht zu gehen. Auf dem Weg nach oben könnte man beiläufig in einen der Flure gucken und innehalten, weil dort zufällig Herr Grinselispel mit einer Neuntklässlerin mit langen, braunen Haaren und cremerosanen Loop vor der angelehnten Klassentür stünde und mit ihr wahrscheinlich ihre mündliche Note besprächet. Er könnte dabei zum Beispiel – grinsen und sich zu ihr vorbeugen, worauf sie einen Minischritt zurückweichen und zurückhaltend lächeln könnte. Ach ja, Herr Grinselispel, würdest du dann denken. Den muss ich heute auch noch mal sprechen.

Bevor er dich bemerken könnte, würdest du die letzte Treppe hinter dich bringen und zurück in Geschwader von unangenehmen Düften tauchen können und dich dabei fragen, warum ich dir das jetzt alles erzählt habe.

Du würdest wohl keine Antwort finden können.


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