12 Gründe für einen Mädchensporkurs

mit Schwerpunkt Ballsportarten

  1. Endlich spielen, ohne diesen übertriebenen Wettbewerbsgeist der Jungs drinzuhaben. Endlich nicht bei jedem Fehler angemault werden und endlich nicht mehr so unglaublich viele Fouls oder Beinahe-Fouls, nur um zu gewinnen.
  2. Mehr gemeinsam, mehr team play, mehr fair play, mehr Spaß.
  3. Nicht mehr diese meist nur semi-erfolgreichen Versuche der Lehrer, die Geschlechterunterschiede zu händeln und die Mädchen nicht zu kurz kommen zu lassen.
  4. Vernünftigere Bewertungsmaßstäbe.
  5. Keine Jungs, die dir unter deine Kleidung gucken wollen und fast durchgehend weibliche Körper begaffen und analysieren. Mädchen sein, ohne auf diese Weise beobachtet zu werden. Nicht schlimm, wenn das eingesteckte Sport-T-Shirt irgendwie ein bisschen durchsichtig ist.
  6. Bis zu 90% weniger fiese oder anzügliche Kommentare. Bis zu 70% weniger Auslachen.
  7. Wenige bewegungsverweigernde „Mit-verschränkten-Armen-hinten-drin-steh“-Mädchen, da diese eher die Mädchensportkurse mit Schwerpunkt Gestalten (d.h. Tanzen) wählen.
  8. Mehr ein Niveau durch die fehlenden Jungs und den Filter der Schwerpunktwahlen.
  9. Klischeehaft eher männlich zugeordnete Verhaltensweisen (wie z.B. Kampfgeist und Rumschreien) an den Tag legen dürfen, ohne dass das irgendwer komisch findet. Ihr glaubt gar nicht, wie „männlich“ die süßen Mädels sein können, wenn die Jungs mal weg sind. (Also auf weibliche Art männlich – macht das Sinn?)
  10. Kein Paartanz mit Jungs machen müssen, mit denen man einfach nicht tanzen will.
  11. Sicher sein von der viel zu stark vertretenen Art Sportlehrer, die vor allem gerne in der Oberstufe Sport unterrichten und dann irgendwas mit Reck oder Turnen machen, um den hübschen, jugendlichen Damen Hilfestellung geben zu können. Wir als Mädchenkurs dürfen zum Glück nur Lehrerinnen kriegen.
  12. Ein kleinerer Kurs. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Umkleiden. Für jede der drei Hallen eine Jungs- und eine Mädchenumkleide. Klar, wie sich das bei einem reinen Mädchenkurs auswirkt.

So gern ich Jungs auch mag und so gern ich mit ihnen auch Unterricht habe – bei Sport braucht man sie echt nicht.

Wenn ich groß bin, werde ich …

Es scheint für erwachsene Menschen höchst interessant zu sein, Kinder oder Jugendliche zu fragen, was sie denn mal werden wollen. Und so habe ich diese Frage auch schon hunderttausendmillionentrillionenundein Mal gehört. Meine Standartantwort ist „Weiß ich noch nicht, aber ich habe ja auch noch zwei Jahre Zeit (bis zu meinem Abitur), mit das zu überlegen.“ Jetzt sage ich euch mal wirklich, was ich werden will. Also.

Wenn ich groß bin, werde ich stark. Ich werde nicht bei Kleinigkeiten einknicken, sondern aufrecht stehen bleiben. Schwierigkeiten werden mich nicht umpusten. Beleidigungen können dann zwar mein Ohr, aber nicht mein Herz treffen, und wenn doch, dann werde ich die Stärke haben, das zu sagen und zu weinen.

Wenn ich groß bin, werde ich klug und weise. Ich werde mir selbst und anderen Menschen Rat geben können. Wenn ich vor schwierigen Situationen stehe, werde ich eine Lösung finden. Und wenn es die falsche ist, dann werde ich daraus lernen.

Wenn ich groß bin, werde ich ganz ruhig. Also nicht ruhig im Sinne von leise, sondern ruhig im Sinne von entspannt und friedlich. Ich werde in mir oder in Gott ruhen und nicht aufgeregt oder überdreht sein. Ich werde Ruhe ausstrahlen. Andere Leute werden bei mir zu Ruhe kommen können.

Wenn ich groß bin, werde ich aber auch laut. Ich werde meinen Mund aufmachen und alle werden es hören. Ich werde die Menschen aufmischen. Sie werden mit mir und meinen Themen konfrontiert werden. Vielleicht werde ich sie provozieren, vielleicht ermutigen, aber ich werde auf jeden Fall eine Reaktion von ihnen fordern.

Wenn ich groß bin, werde ich Lehrer. Also nicht Lehrer in einer Schule, sondern Lehrer im Leben. Es wird Menschen geben, denen ich dann etwas beibringen kann und die dann davon profitieren können. Ich werde sie ein bisschen in ihrem Leben begleiten. Sie werden sozusagen meine Schüler sein.

Wenn ich groß bin, werde ich wissen, was ich kann. Ich werde mich einschätzen können und über meine Stärken, Schwächen, Fähigkeiten und Leidenschaften Bescheid wissen. Selbst wenn ich nicht viel kann, werde ich dass, was ich kann, richtig zu nutzen wissen. Ich werde mich kennen.

So wirst du sicher nicht, wenn du groß bist, Sina. Das schaffst du nie.

Ich weiß.

Und ich werds trotzdem.

Menschen beobachten

Im Deutschunterricht.

Ganz ruhig sitzt er da, ganz aufmerksam, nicht steif, aber gerade. Er dreht seinen Kopf zu dem, der gerade redet und sieht die Person direkt an. Ich weiß, dass er unseren Deutschlehrer bewundert, aber das ist auch nichts besonderes, denn das tun viele im Kurs. Wenn der Lehrer etwas sagt, Denkanstöße gibt, dann scheint es, als würde er die Wörter in sich aufsaugen. Überhaupt scheint er alles aufzusaugen, was passiert. Er lächelt in sich hinein, wenn er etwas versteht. Und dann, ganz manchmal, meldet er sich und präsentiert einen wohl überlegten und reflektierten Beitrag.

Die ganze Zeit hibbelt sie mit ihrem Bein. Dadurch wackelt der uralte Holzboden und durch den Boden auch mein Stuhl. Alle paar Wackler mit dem Beim schaut sie auf ihr Handy, und alle paar Blicke auf ihr Handy schreibt sie jemandem etwas. Ab und zu wendet sie sich mir zu, um mich etwas zu fragen, weil sie es verpasst hat, oder um mir mitzuteilen, a) dass ihr langweilig ist, b) dass sie Hunger hat oder c) dass sie müde ist. Der ganze Inhalt der Stunde zieht ziemlich spurlos an ihr vorbei. Nur ganz manchmal streift er sie, und wenn das mal so ist, dann erklärt sie ihren Gedankengang kurz mir – zur Sicherheit – und dann dem Lehrer. Wenn er das gut aufnimmt, wendet sie sich zufrieden wieder ihrem Handy zu. Alle paar Unterrichtsstunden erzählt sie mir ein bisschen was aus ihrem Leben – einem sehr kaputten Leben mit ihr als gebrochene Protagonistin. Aber sie wird nicht emotional, sie zuckt mit den Achseln. Das ist halt so, sagt sie – hibbelt, schaut auf ihr Handy und schreibt irgendwem zurück.

Manchmal erinnert er mich an ein Maschinengewehr. Tatatata – alles raus, hintereinander weg geschossen. Seine Ideen, seine Gedanken, seine Fragen, seine Antworten – alles wirft er erst mal in den Raum. Dabei ist es für ihn kein Kriterium, ob es peinlich sein könnte oder ob es komisch klingen mag. Dabei kommen ganz unterschiedliche Beiträge hervor – von totalem Müll bis zu genialen Ideen ist alles dabei. Manchmal knackt er nachdenklich mit seinen Fingern oder kaut auf seiner Unterlippe herum. Er liebt es, Aussagen mit Mimik, Gestik und Tonfall zu unterstreichen. Er ist ein Schauspieler, der sich selbst spielt, und der auch keine Angst davor hat, sich selbst auf die Schippe zu nehmen.

Wenn mein Deutschlehrer ein Tier wäre, dann wäre er zweifellos ein Wolf. Nicht der böse Legendenwolf, sondern der weise, alte Denkerwolf. Oder auch ein Leitwolf. Er bildet Referendare aus, und wenn man ihn dann mit seiner Horde von drei bis zehn jungen Refs über den Schulhof ziehen sieht, ist er wirklich wie ein Wolf mit seinem Rudel. Er ist so durch und durch Lehrer, wie es nur geht. Wie er es liebt, uns etwas beizubringen, uns Zusammenhänge zu erklären und uns manchmal auch in unser Weltanschauung herausfordern! Er scheint gegen allen Stress immun. Seine Stimme wird kein bisschen aggressiver, wenn etwas nicht klappt oder er angegriffen wird. Manchmal wirkt er ein bisschen wie ein Philosoph, der die Gesetze der Welt durchschaut hat. Und wenn er uns ein Gedicht vorstellt oder uns einer Lektüre näher bringt, erinnert er mich manchmal an einen kleinen Jungen mit seinem Lieblingsspielzeug. Der Lehrer.

Das alles beobachte ich im Unterricht. Alles Menschen, hinter denen eine Geschichte steht. Spannend. Wie würde ich wohl beschrieben werden?

Was so alles passiert, wenn man in Chemie Kopfschmerzen kriegt

Man geht zu Beispiel raus vor die Tür und bereut sofort, keine Jacke angezogen zu haben. Man schaut zum hundertsten Mal auf den Vertretungsplan. Und erst jetzt, als man für sich alleine einen schönen Platz zu ausruhen auf den Schulhof sucht, wird einem klar, wie hässlich dieser Schulhof wirklich ist, wenn er ohne Menschen im Nieselregen daliegt. Man atmet tief durch.

Man hört zum Beispiel auch Schritte hinter sich und trifft Gitarrenmädchen mit einem Kumpel. Ihr Freund? Man weiß es nicht. Sie will einen erschrecken, aber man bemerkt sie vorher. Sie fragt, was ich mache und smalltalkt ein bisschen mit mir, währen ihr vielleicht-Freund den Vertretungsplan studiert. Dann gehen sie rein.

Man könne auch versuchen, Mamas Bessergeh-Tricks anzuwenden, wie zum Beispiel „In die Knie atmen!“. Man könnte merken, dass es klappt, wenn man nicht zum Beispiel bei diesen Atemübungen von völlig fremden Mitschülern überrumpelt wird, die sich verlegen entschuldigen (oder auch nicht) und schnell ins Gebäude verschwinden. (Was die wohl jetzt von mir denken…)

Als nächstes käme beispielsweise Eichhörnchen vorbei. Man begrüßte sie, obwohl man nicht wüsste, was sie von einem hält, und prompt klagte sie erst mal über den ganzen Tag und das Weihnachtskonzert und wie kaputt sie doch wäre. Man redete über dies und das und Chemie und die Welt und dann verschwand sie zum Stufenbrett, möglicherweise, weil sie nicht mehr wüßte, was sie sagen könnte.

Kaum versucht man sich wieder auf Kopfschmerzen und Atmung zu konzentrieren, käme dann eine der ehemaligen Englischlehrerinnen, die Frau Blume, die immer bunte Kärtchen ausgeteilt hat., mit ihrem noch wirklich sehr kleinen Baby vorbei. „Die kleine Jette“, könnte sie sagen und vor Mutterglück nur so strahlen. Man könnte ihr dann dabei helfen, eine andere Englischlehrerin zu finden, zu der sie aus irgendeinem Grund muss. Man könnte noch einen letzten Blick in den Kinderwagen auf das kleine, herzige Mädchen werfen und das Herz könnte einem aufgehen, bevor sich Frau Blume wieder auf den Weg machen könnte.

Dann könnte man vielleicht auch endlich mal ein paar tiefe Atemzüge Luft holen, und das ganze 2-Propanol, Ethansäure, Lavendel-Aroma und Schiff’s Reagenz aus der Lunge zu bekommen. Und den Gestank des Gases für die Bunsenbrenner auch.

Schließlich könnte man sich vielleicht auch wieder dafür entscheiden, zurück in den Unterricht zu gehen. Auf dem Weg nach oben könnte man beiläufig in einen der Flure gucken und innehalten, weil dort zufällig Herr Grinselispel mit einer Neuntklässlerin mit langen, braunen Haaren und cremerosanen Loop vor der angelehnten Klassentür stünde und mit ihr wahrscheinlich ihre mündliche Note besprächet. Er könnte dabei zum Beispiel – grinsen und sich zu ihr vorbeugen, worauf sie einen Minischritt zurückweichen und zurückhaltend lächeln könnte. Ach ja, Herr Grinselispel, würdest du dann denken. Den muss ich heute auch noch mal sprechen.

Bevor er dich bemerken könnte, würdest du die letzte Treppe hinter dich bringen und zurück in Geschwader von unangenehmen Düften tauchen können und dich dabei fragen, warum ich dir das jetzt alles erzählt habe.

Du würdest wohl keine Antwort finden können.

Und Herr Grinselispel grinst und lispelt …

Pause, Schulhof. Feundin zu mir: „Hey, ich hab vorhin mit Herr Grinselispel geredet und der meinte irgendwie, wenn wir nicht mit zu den Orientierungstagen wollen, müssen wir das schriftlich bei der Schulleitung begründen.“

Ach so?! Ich frage bei dem Lehrer nach, der die Infos an uns weitergeleitet hat: „Nein, ich weiß von nichts. Ich schaue noch mal nach … Ah, hier sind die Zettel … nee, da steht sonst nichts dazu drauf. Nur, dass ihr auf der Abmelde-Liste stehen müsst, aber das steht ihr ja. Aber ich frage noch mal nach.“ Später: „Ja, Herr Grinselispel hat gesagt, dass das wirklich so ist.“

Ich – stinksauer. Wenn mir meine Freundin das jetzt nicht erzählt hätte? Warum erzählen die uns erst was anderes, entscheiden dann um und erwarten dann, dass wir das wissen?!

Also – ich in der Pause zu Herr Grinselispel.

Ich habe soeben per Zufall erfahren, dass wir nun eine schriftliche Erklärung einreichen müssen, wenn wir die Besinnungstage verweigern wollen, stimmt das?

Äh, also ‚verweigern’…

Jaaa, nicht teilnehmen. Stimmt das?

Ja, das stimmt, und ich finde das auch berechtigt, weil … Fahrtenplan … religiöse Gründe … Schulleitung … einreichen… blablabla

Ja, das finde ich ja auch völlig okay und verständlich, aber warum wurde uns das nicht gesagt? Ich habe das nur durch Zufall erfahren.

Die Schulleitung sagt, dass es notwendig ist, dass ihr das einreicht.

Das sagten Sie bereits, aber warum haben wir nicht die entsprechenden Informationen gekriegt?

Es ist IHR Wunsch, nicht daran teilzunehmen,also müssen Sie sich auch selbstständig darum kümmern.

Aber Sie haben uns gesagt, dass es reicht, sich in die Liste einzutragen. Wenn sich das ändert, erwarte ich schon von Ihnen, dass sie uns darüber informieren.

Also ich finde es schon in Ordnung, wenn das verlangt wird, dass Sie das was einreichen.

Ich auch, aber wie kann es sein, dass wir die Informationen nicht bekommen haben?

Die Besinnungstage gehören zum Fahrtenplan, und ich finde es angemessen, dass Sie die nicht so einfach ohne Grund absagen können.

Jaaahaaarrr…“ -seufz-

Grr. Manche Leute sind echt gut im nicht-zuhören … und dieser Mensch ist dabei ganz besonders schlimm, weil er die ganze Zeit manisch grinst und beim Sprechen seinen Speichel durch seine Zähne hindurch auf den eigenen Pulli katapultiert.

 

3x Lehrervokabular

„Ami-Land“ (für Amerika) – Biolehrerin

„Computern“ (als Verb) – Politiklehrer

„…oder in Jugendsprache: Total banane!“ (für „egal“) – Deutschlehrer

Schulgedanken einer Kranken

(Ein Text vom 8. April 2011)

Ich bin krank und würde jetzt gern in der Schule sitzen. So:

Der Unterricht ist zwar doof, aber ich hab ja meine Kumpels um mich herum. Wir reden und reden. Also eigentlich nur wir zwei, von den anderen kommt ab und zu mal ein Kommentar. Wenn ich gerade nichts rede, schreibe ich irgendwas auf meinen Collegeblock. Gedanken, eine Geschichte, einen Brief (der meistens nicht abgeschickt wird), oder ich zeichne. Ich schaue mir meine Freunde an und will so gar nicht zu Hause sein. Wir passen alle nicht auf, wozu auch? Als „Streber-Clique“ werden wir 1) nie dran genommen und 2) nicht so streng behandelt wie alle anderen und 3) verstehen wir alles ziemlich schnell. Neben mir malt eine Freundin, oder sie schreibt Tagebuch. (In der Schule! Na ja, wenn sie will…) Mein Kumpel erzählt was, ich muss lachen.

Doch dann meint meine Tagebuch schreibende Freundin links neben mir: „Boah maaan ey, das ist sooo langweilich. Ich will na Hause! Alles so sinnlos hier.“ Ich verdrehe nur still dir Augen. Dann kommt von rechts: „Oh naaain, gleich haben wir Chemie! Scheiße man.“ Eigentlich will ich das gar nicht hören. Ist doch gerade so schön. Links: „Kann die uns jetzt nicht einfach alle nach Hause gehen lassen?“ Rechts: „Chemie, man, ich kann das nich! Und der kontrolliert heute auch noch die Hefte!“ Von der Tafel: „Seid doch mal bitte still. Ich weiß ja, dass ihr das könnt, aber ihr stört die anderen!“ Von links: „Diese Lehrerin regt mich auf, die regt mich auf, verdammt!“ Von rechts: “ Hm, ja. Ich glaub, ich sterbe mal ein bisschen.“ Ich: „Gute Idee.“ Aber nicht wegen Chemie oder der Lehrerin.

Und dann wünsche ich mir, zu Hause zu sein.