Verschwende!

(Ein Text vom 01. Juni 2014)

Öffne deine Augen, hebe deinen Kopf und sei verschwenderisch.

Verschwenderisch mit Ideen. Lass deine Fantasie von der Kette, gib deinem Inneren Raum. Sei kreativ. Sieh, was um dich ist, und werde Katalysator und Schöpfer von Neuem. Widerstehe der Angst vorm falsch machen, nicht gut genug sein. Fang 1000 Sachen an und mache eine davon fertig. Liebe das Kreative um die Ideen und ihrer selbst willen und nicht wegen dem Ergebnis. Zelebriere den Müll, der manchmal dabei entsteht, und sei genial.

Verschwenderisch mit Wertschätzung. Trage dein Herz auf der Zunge und in deinem Lächeln. Gib und gib mehr. Beginne eine Kultur von einander zulächeln, Komplimente machen, unterstützen. Schätze Menschen um ihrer selbst willen und nicht aufgrund dessen, wie sie mit dir umgehen oder was du für einen Nutzen aus ihnen ziehst. Verliere deine Vorurteile und Bitterkeit aus Versehen im Wald und lass dein Herz sprechen. Lass alle wissen, was sie für wundervolle Menschen sind.

Verschwende, weil du dadurch reicher wirst.
Verschwende, weil es dir gut tut.
Verschwende, weil es ansteckt.
Verschwende, weil du doch alles hast.
Verschwende, weil du etwas zu geben hast.

Öffne deine Augen, hebe deinen Kopf und lebe.

So können wir sein

(Spontane Eingebungen im Pädagogikunterricht.)

So
können wir sein,
werden wir sein.

Wie wir sind –
eine Momentaufnahme.
Leben in Sekunden.

Und bald,
wird, was war,
ein „war“ sein,

und wir werden leben.

Momente-Ketten-Leben

(Ein Text vom 05. Juni 2014)

Mein Leben vergeht langsam. Und intensiv.

Was vor einer Woche war, erscheint schon so lange her – zu viel war dazwischen schon. Was in einer Woche kommt, ist noch echt lange hin – zu viel kommt davor noch. So viele Eindrücke, so viel Leben, so viel intensives Wahrnehmen, verarbeiten, lernen. Ich lebe im Jetzt, so krass wie noch nie. In Gedanken schon am morgigen Tag? Kaum. Einzig was der Vorbereitung bedarf, kommt zu schnell. Wann soll ich denn vorbereiten? „Jetzt“ nicht, doch einen anderen Zeitpunkt als „jetzt“ wird es nie geben. Es widerspricht meinem aktuellen Denken von jetzt hier, was ist – sein, leben, wahrnehmen. Ich lasse mich so sehr auf Menschen ein, auf Situationen ein, auf Gefühle, und alles vergeht so langsam. So viele Worte, die Menschen sagen, Dinge, die Menschen meinen, Töne, Musik, Ideen, Texte, Gefühle, von mir und anderen, ein endloses Momente-Ketten-Leben und ich könnte schwimmen, schwimmen und mich treiben lassen…

Wären da nicht diese Dinge, die diesen Fluss unterbrechen, mich zu Arbeit verpflichten und mich unter Druck setzen wollen, und ich schwänze gerade Schlaf, weil ich heute noch zu wenig gelebt habe.

Es ist fast ein halbes Jahr rum seit Jahresanfang, aber es könnten auch drei Jahre sein, so anders fühle ich mich nun, so anders fühlt sich mein Leben an, so ein anderer Mensch bin ich. Jeden Tag ein bisschen neu. Eine endlose Mischung aus immer wieder erneut wie zum ersten Mal erleben, aufsaugen, und vertraut und überdrüssig werden.

Ich lebe nicht mehr zwischen dein Seiten im Kalender, den Zahlen auf der Uhr. Ich lebe in dem, was man so „Jetzt“ nennt, der einzige Zeitpunkt echter Wirklichkeit, je tiefer man eintaucht, desto faszinierender, reißender, einnehmender. Ich weiß das Datum nicht mehr und frage nicht nach der Uhrzeit, weil so etwas an Wert verliert. Einen anderen Zeitpunkt als jetzt wird es nie geben.

Ich frage nach Gott und nach mir und dir, ich sauge mit jeder Körperzelle Leben auf, fühle im Bauch und denke im Kopf, bin gar nicht da, so im Nachhinein, und doch im Jetzt mit jeder Regung meines Seins. Langsam. Intensiv.

Windräder und verendete Helden

Als ich dich im Bus sah – du saßt über den Gang mir schräg gegenüber – als ich dich da sah, und deine mittellangen braunen Zottelhaare, durch die ich gerne mit meinen Fingern gestrichen hätte, weil sie weich aussahen, und deine braunen Augen und deine schiefen Lippen – und als du dann geseufzt hast, nachdem du fünf Minuten reglos aus dem Fenster geschaut hast, und dein Smartphone aus deiner Jeans geholt hast um widerwillig mit dieser Welt in Verbindung zu treten, mit der Welt und deinem Leben und den Leuten, die in dir nur sehen, was ihnen passt – da dachte ich mir so ganz still:

Schon wieder. Schon wieder ein verendeter Held, der keine Schlachten mehr kennt, und der sich stattdessen mit Profilbildern von Menschen unterhält, die sich wahrscheinlich selbst nicht mehr kennen, der in all dem Stress gelangweilt ist und viel macht und nichts ist. Schon wieder ein Held, ein gutaussehender sogar, wenn deine Augen, Junge, wenn deine Augen nicht so widerstandslos und angepasst wären, so ganz ohne Abenteuerlust, so ganz ohne jede sympathisch-männliche Aggressivität, die mit Gewalt nichts zu tun hat, so ganz ohne Grund, überhaupt zu kämpfen, so ganz ohne Freude. Nur Spaß ist da, oberflächlich, aber gerade nicht mal das, gerade tippst du in dein Smartphone. Ich könnte wetten, dass du einen lächelnden oder lachenden Smiley einbaust, der nichts von dir widerspiegelt. Und dann schaust du wieder hoch, aus dem Fenster, auf das Feld, die Windräder, die sich drehen und drehen und auch dieser Kampf ist sinnlos.

Ich schaue dich an, immer noch, in dein Gesicht. Du hast eine Narbe an der Schläfe – ich würde gern die Geschichte dazu hören und ich hoffe, dass sie sich lohnt. Vielleicht ist sie ja ein Zeuge davon, dass du lebst, oder gelebt hast, denn jetzt gerade so wirkst du tot, mein Freund mit den braunen Zottelhaaren, deinen schokobraunen Augen und dem schiefen Mund, tot. Lebendig begraben in einem Sarg aus ständiger Erreichbarkeit, Sicherheit und Bequemlichkeit, aus Erwartungen und Spaßhülsen, und du darin, tot und tot und immer noch nicht lebendiger.

Vielleicht bist du ja doch lebendig und hast nur einen schlechten Tag, kann ja immer noch sein, aber dein Outfit sieht zu durchdesignt aus, als dass das stimmen könnte. Ich will deine Haare durchwuscheln, weißt du, und dein Gesicht könnte so leicht verwegen und kriegerisch und attraktiv aussehen, aber deine Augen, deine Augen … Ich würde dir gern dein Handy aus der Hand nehmen und es abschalten, dir deine Sicherheit und deine Bequemlichkeit nehmen, und gucken, was passiert; dein Helden-Ich wachkitzeln und mit dir abhauen, weg von allen Erwartungen, vielleicht ans Meer. Ich würde dir ein Schwert in die Hand drücken und dein Herz in Flammen stecken. Dich frei lassen. Nur aus Neugier, was wäre wenn, und wer du wohl eigentlich bist.

Aber das mache ich nicht. Tot bist du, und das tut mir auch leid, aber was soll ich an deinem Grab stehen? Wecken kann dich immer noch ein anderer. Ich werfe dir einen Blick zu wie eine Blume aufs Grab, während du ohne jede Gesichtsregung irgendjemandem ein Herz schickst. Vielleicht, falls wir uns nochmal wiedersehen und ich die Gelegenheit bekomme, deine Haare endlich anzufassen, dann pikse ich dich, bis du aufstehst aus deinem Grab, bis du die Friedhofmauern sprengst und wir im Sommer in Decken gekuschelt die ganze Nacht auf dem Dach sitzen bleiben und Cocktails trinken können.

Ich steige aus dem Bus aus, und der kühle Wind schlägt mir ins Gesicht. Die Augen zusammen gekniffen gehe ich weiter, die Stadt, die Schule, ein Sarg voller verendeter Helden, die keine Schlachten mehr kennen, sich selbst nicht kennen, in all dem Stress gelangweilt, viel machen und nichts sein, Augen widerstandslos und angepasst, ohne Abenteuerlust, ohne Grund zu kämpfen. Und die Windräder drehen sich und drehen und drehen und auch dieser Kampf ist sinnlos.

Eine Klebeband-Pflanze und Wie Menschen wachsen

Nein, der schwarze Streifen da unten war nicht ich. Der war da vorher schon.

Nein, der schwarze Streifen da unten ist nicht von mir. Der war da vorher schon.

Bei einem Kreativprojekt vor ein paar Tagen habe ich diese Pflanze geschaffen. Sie besteht auf Tape und klebt an einer weißen Wand. Irgendwann wird die Pflanze ein Baum sein.

Wachstum ist ein bisschen so ein Lebensthema von mir, glaube ich. Es ist mir total wichtig, selbst zu wachsen, und ich liebe es, andere Menschen zu Wachstum herauszufordern.

Das Bild eines Baumes für das Wachstum eines Menschen ist so faszinierend und erlaubt so viele Parallelen.

Worin schlägst du deine Wurzeln? Was sind die Nährstoffe, die du aufnimmst? Sei weise, denn du bestehst zu großen Teilen aus dem, was zu aufnimmst, sei es auf materielle oder immaterielle Sicht. Sind deine Wurzeln tief genug, um Widerstand und Widrigkeiten standzuhalten oder bist du leicht zu erschüttern und zu manipulieren? Wächst du an einem Fluss mit gutem Wasser oder eher in der Wüste? Und bringst du gute Frucht, bewirkst du etwas? Oder anders gesagt: „Multiplizierst“ du dich? Ich meine jetzt nicht nur in Bezug auf Nachkommen, sondern auch in Bezug auf die Auswirkungen deines Handelns und deiner Worte und auf die Weitergabe deiner Gaben und Kenntnisse. Das, was du hervorbringst und tust (die Blätter), gibt es dir Kraft (durch Photosynthese)? Sei weise, denn es fällt auf dich zurück: Die Blätter, die welken und zu Boden fallen, sind der Boden, auf dem du wächst, sind die Nährstoffe, die du aufnimmst. Und dein Stamm: Ist er stabil? Hält er alles in gutem Gleichgewicht, das Innerliche und das Äußerliche, dich selbst und was du tust, die Wurzeln und die Baumkrone? Hält er alles zusammen und geht es dir eher so, dass zwischen deinen Wurzeln und deiner Baumkrone die Verbindung fehlt? Zu viel Blätter auf zu wenig Wurzeln ist zerstörerisch, und zu viel Wurzeln auf zu wenig Baumkrone ist der reine Frust.

Oder anders: Die kleine Pflanze braucht Schutz, guten Boden, Licht und die richtige Menge Wasser, um zu wachsen. Ohne geht es nicht. Hat sie das nicht, wird sie entweder krüppelig oder geht ganz ein. Bekommt sie jedoch, was sie braucht, kann sie zu einem mächtigen Baum heranwachsen. Doch auch der ist nicht unverwundbar. Kriegt er nicht mehr genug Wasser und schlägt er seine Wurzeln nicht tief und stabil genug, ist ein machtvoll erscheinender Baum schnell mal vorüber, mehr eine heuchlerische Erscheinung als eine erhabene Macht. Und gefällt werden kann er sowieso immer.

Oder noch anders: Was ist deine Art, zu wachsen? Man kann keine wachsende Eiche dazu zwingen, eine Buche zu werden. Sie wird sterben, wenn man es versucht. Auch wenn kleine Sprösslinge irgendwie alle gleich aussehen (Laie, ich weiß), sind sie später doch total unterschiedlich und von ganz vielfältiger Relevanz. Und bist du eine Eberesche, macht es kein Sinn, eine Trauerweide werden zu wollen. Wenn du eine Rotbuche bist, versuche nicht, Mangos hervorzubringen. Jeder Baum hat seine ganz eigene Berechtigung und jeder Vergleich ist rational gesehen völliger Unsinn. Und jeder hat auch so sein ganz eigenes Umfeld, indem er aufgeht. Jeder Versuch, einer Baumart das Umfeld einer ganz anderen Art aufzuzwingen, ist vertane Zeit, vertane Arbeit und vertanes Potential.

Ihr seht schon, dieses Bild eines Baumes hat mich ziemlich begeistert. Aber hey – warum sagt man sonst: Ein Mann wie ein Baum? Ein reifer Mensch ist stabil wie ein Baum, bietet Schutz wie ein Baum, er bringt gute Früchte hervor und er ist einfach ein schöner Anblick.

Wenn ich groß bin, will ich genau so werden.

Meine Tasche

Ich schaue aus dem Fenster uns sehe eine alte Dame, die – so schnell es eben geht – mit ihrer Einkaufstasche die Straße entlang geht. Ich öffne meine Tasche – rein damit.

Ich prügel mich mit meiner kleinen Schwester, die leider irgendwie immer stärker wird. Ich öffne meine Tasche – rein damit.

Ich sitze in der Schule und versuche, einen Lehrer in dem zu verfolgen, was er gerade tut, aber in Wirklichkeit weiß ich gar nicht, was es ist. Ich öffne meine Tasche – rein damit.

Ich sitze am PC und versuche, Unterlagen für Mitarbeiter zu entwickeln und Formulierungen zu finden, die passen. Ich öffne meine Tasche – rein damit.

Ich liege im Bett mit Regelschmerzen und fühle mich völlig lebensunfähig und elendig. Ich öffne meine Tasche – rein damit.

Und am Ende des Tages gucke ich in meine Tasche:

Ach, wieder ein bisschen Leben gesammelt.

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(Was haltet ihr von der Idee, meinen Blog in „Leben sammeln“ oder so ähnlich umzubenennen? Mit Schach hat er ja im Endeffekt nichts zu tun … oder hat vielleicht irgendwer eine andere gute Idee?)

Kontraste

So viel in Kontrasten habe ich wohl noch nie gelebt.

Auf der einen Seite: So viel einfach nur aushalten, aussitzen, abwarten. Zu Hause, in der Schule. Anstrengung, Schmerz, Stress, verletzende Leute ertragen, halt irgendwie. Situationen, aus denen ich nicht raus kann. Versuchen, nicht bitter zu werden und nicht darunter kaputt zu gehen. Alles gar nicht so leicht. Weiter warten, weiter hoffen, weiter aushalten. Irgendwann wird es Veränderung geben müssen.

Auf der anderen Seite: Wie ein Feuerwerk sein. Menschen, die mich Rollen einnehmen lassen, mit denen ich was anfangen kann, wo ich was geben kann, wo ich einen Unterschied machen kann. Mich investieren, einsetzen, sprühen vor Ideen. Fast mühelos weiterlaufen. Das Gefühl, dass es irgendwie gut und richtig ist, was ich tue.

Auf der einen Seite: Menschen, die mich klein halten, ständig zurecht weisen, an mir herum meckern, mir wenig Wertschätzung oder Verständnis entgegenbringen. Die mir vermitteln, was ich alles falsch mache, wie schlecht ich bin und was mit mir nicht stimmt. Die mich zu einem kleinen, dummen, nervigen Kind machen wollen. Denen ich irgendwie aus dem Weg gehen will, aber viel zu wenig kann.

Auf der anderen Seite: Menschen, die mich wahrnehmen. Die mich schätzen, ermutigen, stärken. Die hinter mir stehen, mir in Liebe Stärken und Schwächen spiegeln. Die an mich glauben. Wo ich sein darf, wie ich bin, ohne befürchten zu müssen, dass negativ auf mich reagiert wird. Menschen, mit denen ich Gemeinschaft haben will. Wo ich mich ein wenig zu Hause fühle.

Auf der einen Seite: Zweifel an mir, Verwirrung über mich selbst, Unruhe in Bezug auf alles, was ich schwer aushalten kann, egal ob Menschen oder Umstände. Zu wenig Kontrolle über mich, ein zu unklarer Blick auf mich und mein Leben. Stellenweise Unfähigkeit, die Frau zu sein, die ich sein will, und meine Zeit und mein Leben so zu gestalten, wie ich will. Schwächen, die ich nicht benennen kann und mit denen ich nicht umzugehen weiß. Unsicherheit.

Auf der anderen Seite, und ich hoffe, dass das der Kern ist: Ruhe, Nähe zu Gott, Kraft, Mühelosigkeit. Die Stärke, zu ertragen und weiterzulaufen. Leichtigkeit und Friede im Herzen. Freiheit in meinen Gedanken. Zunehmende Kontrolle über mein Handeln. Selbstannahme. Liebe für Menschen. Unberührtheit, Reinheit. Das Auge im Sturm, die Ruhe in all den Kontrasten, der alles umfassende Friede. Manchmal. Immer häufiger. Mein Wunsch.

Egal, was für Kontraste mich umgeben, womit ich alles umgehen muss: Ich will diesen Kern bewahren. Da Klarheit ohne Spaltung, Einheit ohne Kompromisse finden. Gott in mir, ich in Gott, unabhängig von allem, befreit von schwarz und weiß.

Sein sein.