heile (Selbstbetrugs-)Welt

Es ist, als würden sie sich alle eine heile Welt bauen.

Es ist, als würde sich jeder einbuddeln, die Augen schließen, um vor dem inneren Auge ein Leben zu führen, dass weder langweilig noch außer Kontrolle geraten ist. Sie fliehen vor dem, was sie nicht wissen wollen, in ihren mühsam errichteten Selbstbetrug.

Sie haben einen Hund. Sie haben ein Motorrad. Sie haben ein Klavier. Sie haben Bücher. Sie haben Freunde. Das ist die heile Welt. Alles ist gut. Sie gehen mit ihrem Hund spazieren, fahren mit dem Motorrad davon, nur weg. Sie übertönen das dumpfe Gefühl mit Geklimper, nur nicht die Stille hören. Sie tauchen in Bücher ein, um sich selbst glauben zu lassen, sie lebten in einer anderen, wunderbaren Welt. Sie besuchen Freunde, lachen extra laut, um nicht mehr dieses etwas zu spüren. Es ist so dumpf. Sie haben es verdrängt, aber es ist dennoch da. Schlummert im Unterbewusstsein. Oder wacht im Unterbewusstsein.

Was ist es?

Sie bauen sich ihre Kulisse. Streicheln den Hund. Putzen das Motorrad. Machen Musik. Lesen. Tratschen mit den Freunden. Eine heile Welt. Es ist doch alles okay, oder?

Nein, ist es nicht, und das spüren sie auch.

Doch es ist, als bauen sich alle ihre heile Welt, um darin verschwinden zu können und um eine Tür ganz fest zuknallen zu können. Peng. An der Tür baumelt dann ein Schild:

„Betreten verbc“

Dann war die Farbe alle.

Tschüss, Gesichtsbuch!

Freut mich, dass wir uns kennen gelernt haben.

Zugegeben: Ich hab dich noch nie wirklich gemocht. Eher widerwillig bin ich diese Beziehung mit dir eingegangen. Aber was soll man machen, ne? Viel Organisation läuft über dich. Als Teeny kommt man quasi kaum noch an dir vorbei. Ich hatte das Gefühl, dass ich dich brauche.

Weißt du, Beziehungen beruhen auf Gegenseitigkeit. Aber du hast mich ausgenutzt! Es stimmt, keiner hat mich gezwungen, meine Daten anzugeben. Aber trotzdem. Du bist nicht sehr vertrauensvoll mit ihnen umgegangen. Du speicherst sie alle still und heimlich ab um sie dann später in die Welt hinauszuposaunen und mich damit in Schwierigkeiten zu bringen. Ist das die feine englische Art, hm?

Außerdem ist die neue Chonik der letzte Rest.

Deswegen habe ich mich von dir getrennt. Jetzt, bevor du noch mehr über mich herausfindest, was ich dir eigentlich gar nicht erzählen wollte. Es geht dich nichts an. Es ist noch nicht zu spät. Du kennst mich noch nicht. Mit dem, was du weißt, kannst du noch nicht viel machen, zumal ich erst vierzehn bin. Tja, mein Freund, es ist vorbei.

Ja, ich habe auch Trennungsschmerz. Du warst nämlich echt praktisch.

Tschüss, facebook.

Liebe, stolz Abschied nehmende Grüße
Sina

Kein Raum für mich

Klausur. Klausur. Klausur. Projekt. Test. Heft. Klausur.

Dazwischen: Ich. In letzter Zeit erstaunlich kreativ. Ich habe so viele Ideen. Ich habe Ideen für Bilder, die ich auf Leinwand malen könnte. Ich habe Ideen für Geschichten, die ich schreiben könnte. Ich habe Ideen für Fotomotive. Ich habe so viel Lust auf Klavier spielen, stricken, Radio hören und lesen. Ich will die Ideen in meinem Kopf verwirklichen, will machen, was aus mir kommt. Will mein Inneres nach außen kehren, ob in Geschichten oder Bildern.

Aber dafür ist keine Zeit. Die Schule („Du lernst fürs Leben, es ist wichtig, das brauchst du später noch“) lässt dafür keinen Raum. Sie füllt alles aus. Füllt es aus mit ihrer ekligen, dickflüssigen, beißenden Suppe. Und ich kriege sie einfach nicht raus. Ich schaffe es nicht. Sie erstickt mich. Sie erstickt meine Ideen. Ich habe gerade noch Zeit, in kurzen Texten Luft zu holen. Die Schule.

Sie lässt keinen Raum für mich. Ich komme nicht gegen sie an.

Ein Schmöker

Eine Liebesgeschichte. Eine Abenteuergeschichte. Eine Geschichte, die irgendwie träumen lässt.

Es ist der Roman „Plötzlich in Peru“ von Chantal Schreiber. Das mit Abstand dämlichste an dem Buch ist der Name. „Plötzlich in Peru“, also bitte. Ich hätte es wohl nicht gekauft, wenn ich es im Bücherladen gesehen hätte. Ich habe es zu Weihnachten gekriegt und bin echt froh darüber, denn das Buch ist toll, ein echter Schmöker.

Es geht um die 18-jährige Elena, die ganz plötzlich für eine verletzte Schulfreundin eine 3-monatige Peru-Reise mit Freiwilligenarbeit in einem Waisenhaus antritt, ohne so genau zu wissen, wieso. Sie mag Peru ja nicht mal wirklich. Weil sie ihrem Freund Theo was heimzahlen will? Schließlich hat er einfach so entschieden, von ihr wegzuziehen und ihre Freundschaft zu einer Fernbeziehung zu machen. Jedenfalls ist sie jetzt da und es läuft gar nichts nach Plan. Die Organisation der Reise ist schlecht, ihr Bad dreckig und dieser eine Kerl provoziert sie ständig. Schließlich kommt sie doch langsam an und lernt Peru kennen. Dann ein Tanz. Elena ist plötzlich gar nichts mehr klar. Sie ist doch in Theo verliebt. Oder?

Es ist wundervoll, in diesen knapp 640 Seiten unterzutauchen. Wie es sich für einen guten Schmöker gehört, ist das Buch leicht zu lesen, schön melodramatisch und ein bisschen vorhersehbar. Es ist nicht das beste Buch, das es gibt. Es nimmt nicht für sich in Anspruch, besonders oder hervorstechend zu sein. Aber es ist ein wunderbarer Schmöker.

Es geht um alles,
was ich nicht habe,
was ich nicht bin.
Es geht um meine Träume.

Andrea und ich

Andrea heißt das Tiefdruckgebiet. Sie bringt uns Sturm, Hagel, Gewitter und Regen. Ab und zu kommt auch mal die Sonne raus. Andrea ist sehr temperamentvoll. Ich mag Andrea, weil ich glaube, dass sie mich versteht. Und ich verstehe sie.

In meiner Welt herrscht auch gerade ein Tiefdruckgebiet voller Sturm. In diesem Sturm fliegt alles durcheinander: Sonne, Regen, Hagel, Wolken, Gewitter, die Temperaturen. Und mittendrin bin ich.

Eigentlich liebe ich Stürme. Jedenfalls die echten Stürme. Ich liebe es, richtig zu spüren, dass ich lebe. Ich liebe es, den Pulsschlag der Natur zu fühlen. Ich liebe es, den Naturgewalten gegenüberzustehen und mit ihnen zu verschmelzen.

Die Stürme in meiner eigenen Welt dagegen… Wie lange muss ich schon in diesem ganz persönlichen Tiefdruckgebiet leben? Ich weiß es nicht. Ich weiß gar nicht mehr, wie es ist, wenn das Leben einigermaßen geordnet verläuft. Ich weiß gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, wenn man sich emotional gesehen an einem warmen Tag im Garten auf den Rücken legt und schläfrig in die Sonne blinzelt.

Deswegen mag ich Andrea. Sie weiß, wie es mir geht und drückt es auf eine sehr eindrucksvolle Weise aus. Sie macht ein Kunstwerk aus Himmelsfarben, Winden, Donnergeräuschen, Lichtspielen und Regenprasseln aus meinen Gefühlen.

Danke, Andrea.

Gerade erscheint ein Regenbogen. Soll ich das als gutes Omen deuten? Andrea wird gehen. Wird auch nach meinem Sturm die Sonne scheinen?

Ki-Tu

Meine kleine Schwester: „Hey, ich kann Ki-Tu! Das ist die gefährlichste Kampfsportart der Welt!“

Ich:: „Aha. Und was heißt Ki-Tu?“

Meine kleine Schwester (grinsend): „Kinderturnen.“

Ach sooo. :)