KreativleuteTreffen

Ihr schließt mich wieder ans Stromnetz an, ladet mich wieder auf.
Gebt mir wieder Strom, wieder Strom, Strom.
Ich nehme ihn in mich auf, lade mein Herz wieder auf, bis der Akku wieder voll ist.

Ihr gebt mir Strom, und diese Energie wird in mir zur Quelle. Eine Quelle, aus der Ströme der Begeisterung, der Dankbarkeit, der Zuneigung, der Kreativität und des inneren Friedens entspringen. Ströme, die fließen, durch meinen ganzen Körper, durch jede Zelle, und hinaus zu euch.

Kannst du spüren, wie deine Füße umspült und rein gewaschen werden?

Sowi-Klausur auf Sinaländisch

Tja, das mit der Einleitung in der dritten Aufgabe einer Klausur (meistens Stellungnahme, Erörterung, Bewertung) ist gar nicht so einfach. Die Fragestellung soll wiedergegeben und die Relevanz des Themas herausgestellt werden. Was, wenn einem partout nicht einfallen will, inwiefern ein Thema für irgendwen relevant sein könnte?

Da war wohl jemand froh über ein bisschen Abwechslung ...

Da war wohl jemand froh über ein bisschen Abwechslung …

Mit dem darauf folgenden Text habe ich meine Lehrerin so beeindruckt, dass sie mir 30 von 27 Punkten für die Aufgabe gegeben hat (ja, das sind drei mehr als möglich), und das, obwohl ich keines der Argumente aus ihrem Erwartungshorizont verwendet habe. Vielleicht war die Einleitung nicht ganz unschuldig. ;-) Solltet ihr auch mal ausprobieren.

(Aufs Bild klicken, wenn es zu unscharf oder zu klein ist.)

Schützenfest – Alle Jahre wieder …

Alle Jahre wieder kommen sie mit groß Tamtam und mit stolzgeschwellter Brust mit ihren Gewehren und Schützenkönig und Hofstaat und blabla an unserem Haus vorbei. Einmal Samstag, zwei Mal Sonntag, einmal Montag. Glaube ich. Und spielen dabei alle Jahre wieder die gleichen Lieder. Wir haben zwei verschiedene Kapellen – die sich nicht so ganz abstimmen, und so spielen sie manchmal gleichzeitig.

Alle Jahre wieder will keiner Schützenkönig werden, weils so teuer ist, und das Geschieße dauert ewig, weil alle absichtlich daneben zielen. Es wird gegessen und getrunken (vor allem getrunken). Abends wird zu schlechter Musik (die man bei mir im Zimmer noch hört) noch mehr getrunken und getanzt. Kinder bis sechzehn Jahren versuchen jedes Mal wieder, nicht rausgeschmissen zu werden, und wer sich nicht ganz doof anstellt, schafft das in der Regel auch. Am Folgetag erzählen sie dann stolz im Bus, wie viel Alkohol sie erwischt haben – und beschweren sich über Kopfschmerzen. Na so was aber auch.

Alle Jahre wieder wird der Verkehr blockiert. Die Busse sind viel zu spät, weil sie den Umzug abwarten müssen. Und ich muss deswegen warten und die ganze Zeit diese peinliche Form der Dorfkultur ertragen. Im Bus befinden sich dann andere Flüchtlinge auf ihrem Weg ins Exil, alle genauso genervt wie ich.

Jedes Dorf hat seine Feste, und bei uns in der Gegend ist es halt das Schützenfest. Ist ja auch okay – irgendeinen Vorwand braucht man ja, um sich gemeinsam bei schlechter und lauter Musik diverse Rauschmittel zuzuführen.

Nur – warum müssen die mich da mit reinziehen? Warum muss ich die „Musik“ ertragen und ewig auf meine Busse warten, nur weil die sich zusaufen wollen?

„Sina, das ist eben Dorfkultur. Für die ist das eben wichtig. Das musst du doch verstehen“, sagt meine Mama, die sich noch am meisten von uns bemüht, sich in unser Dorf zu integrieren.

Ne, sorry. Kann ich nicht verstehen.

Das einzige Gute ist, dass ich da immer 10€ kriege.
(Mag kindlich klingen, aber was anderes Gutes ist mir beim besten Willen nicht eingefallen.)

Wenn ich groß bin, werde ich …

Es scheint für erwachsene Menschen höchst interessant zu sein, Kinder oder Jugendliche zu fragen, was sie denn mal werden wollen. Und so habe ich diese Frage auch schon hunderttausendmillionentrillionenundein Mal gehört. Meine Standartantwort ist „Weiß ich noch nicht, aber ich habe ja auch noch zwei Jahre Zeit (bis zu meinem Abitur), mit das zu überlegen.“ Jetzt sage ich euch mal wirklich, was ich werden will. Also.

Wenn ich groß bin, werde ich stark. Ich werde nicht bei Kleinigkeiten einknicken, sondern aufrecht stehen bleiben. Schwierigkeiten werden mich nicht umpusten. Beleidigungen können dann zwar mein Ohr, aber nicht mein Herz treffen, und wenn doch, dann werde ich die Stärke haben, das zu sagen und zu weinen.

Wenn ich groß bin, werde ich klug und weise. Ich werde mir selbst und anderen Menschen Rat geben können. Wenn ich vor schwierigen Situationen stehe, werde ich eine Lösung finden. Und wenn es die falsche ist, dann werde ich daraus lernen.

Wenn ich groß bin, werde ich ganz ruhig. Also nicht ruhig im Sinne von leise, sondern ruhig im Sinne von entspannt und friedlich. Ich werde in mir oder in Gott ruhen und nicht aufgeregt oder überdreht sein. Ich werde Ruhe ausstrahlen. Andere Leute werden bei mir zu Ruhe kommen können.

Wenn ich groß bin, werde ich aber auch laut. Ich werde meinen Mund aufmachen und alle werden es hören. Ich werde die Menschen aufmischen. Sie werden mit mir und meinen Themen konfrontiert werden. Vielleicht werde ich sie provozieren, vielleicht ermutigen, aber ich werde auf jeden Fall eine Reaktion von ihnen fordern.

Wenn ich groß bin, werde ich Lehrer. Also nicht Lehrer in einer Schule, sondern Lehrer im Leben. Es wird Menschen geben, denen ich dann etwas beibringen kann und die dann davon profitieren können. Ich werde sie ein bisschen in ihrem Leben begleiten. Sie werden sozusagen meine Schüler sein.

Wenn ich groß bin, werde ich wissen, was ich kann. Ich werde mich einschätzen können und über meine Stärken, Schwächen, Fähigkeiten und Leidenschaften Bescheid wissen. Selbst wenn ich nicht viel kann, werde ich dass, was ich kann, richtig zu nutzen wissen. Ich werde mich kennen.

So wirst du sicher nicht, wenn du groß bist, Sina. Das schaffst du nie.

Ich weiß.

Und ich werds trotzdem.

Mein Beruf

Ich bin seit 10 Jahren in meinem Beruf und es war von Anfang an nicht mein Ding.

In dem Beruf geht es die ganze Zeit nur darum, einem gewissen Schema zu entsprechen. Nach diesem Schema bist du fleißig, aufmerksam und gehorsam. Du darfst nicht zu intelligent sein, weil du dann das System und die Aufgaben hinterfragen könntest. Die Vorgesetzten mögen es gar nicht, wenn sie Fragen nicht beantworten können, wenn du nicht machst, was sie sagen, oder wenn du ihre Methoden in Frage stellst. Deine Vorgesetzten bewerten dich auch – ständig. Sie prüfen dich jeden Tag. Entsprichst du dem Schema? Machst du, was sie dir sagen? Lernst du, was sie für wichtig halten?

In dem Beruf geht es nicht darum, etwas auf die Beine zu stellen oder etwas zu schaffen, jemandem zu helfen oder sonst irgendetwas nützliches zu tun. Nein, es geht darum, sich das Wissen anzueignen, das merkwürdige Anzugmänner in irgendeinem Realitäts-isolierten Kämmerchen für wichtig und relevant halten. Aus diesem Kämmerchen kommen die Anweisungen. Soundso haben wir zu sein. Dasunddas haben wir zu lernen. Die Vorgesetzten mischen das mit ihren eigenen Ansichten und heraus kommt das oben angesprochene Schema: So hast du zu sein, das hast du zu tun. Punkt.

Das führt zum Beispiel dazu, dass wir ständig analysieren müssen. Analysieren ist eine Art Kernqualität, die man für meinen Beruf haben muss. Wir haben eine Reihe Unterbereiche, die wir jeden Tag besuchen, und in ca. 15 der 21 Unterbereiche muss man Analysen schreiben. Dabei geht es hauptsächlich darum, sein Gehirn nicht zu viel und nicht zu wenig anzuschalten. Wenn man es zu wenig verwendet, schafft man es nicht, die vorgegebene Liste an Operationen stumpf an dem vorgegebenen Text abzuarbeiten. Wenn man es zu viel verwendet, fallen einem zu sehr die ganzen Macken an dieser Methodik und dem Text auf.

Außerdem führt dieser absolute Plan dazu, dass wir immer die gleichen Themen behandeln. In acht Unterbereichen haben wir schon (teilweise mehrfach) die jüngste deutsche Geschichte aufarbeitet – als hätten unsere Vorgesetzten Angst, dass die anderen Vorgesetzten diese Thematik falsch behandeln würden. Außerdem sind viele unser Vorgesetzten so alt, dass sie oder ihre Eltern damit noch was zu tun hatten und mit irgendjemandem müssen sie ja über ihre Traumata reden.

Die Vorgesetzten haben sich untereinander auch nicht immer so gerne. Sie zicken sich oft gegenseitig an und lassen ihre Missgunst gerne an uns aus. Wir müssen eh so einiges von ihnen aushalten. Wir sind ihre Versuchskaninchen. Sie können mit uns machen, was sie möchten. Oder es geht in die genau andere Richtung und wollen unser Vertrauen. Gerade wenn sie ein Thema besonders wichtig finden, werden sie auch mal emotional und persönlich. Das wollen wir aber eigentlich überhaupt nicht.

Und immer weiter dem Schema entsprechen, das darf man auf keinen Fall vergessen.

Ihr sollt selber denken, hören wir regelmäßig. Aber ihr sollt nicht selber handeln, sagen ihre Blicke, Bewertungen und Inhalte. Denkt selber, aber lasst es beim Denken. Seid so, wie ich will. Weigert euch nie. Beschwert euch nie. Ich mache es richtig, ich habe Recht. Und ich werde für die Arbeit mit euch bezahlt.

Seit zehn Jahren arbeite ich in diesem Beruf, und ich habe noch keinen Cent verdient. Ich werde zu diesem Beruf gezwungen.

Wer glaubt, es sei wenigstens nur einige Stunden am Tag, der hat sich gewaltig getäuscht. Teilweise sind wir von morgens um acht bis abends um sechs Uhr vor Ort. Zusätzlich denken unsere Vorgesetzten (oder sind es die Anzugmänner in ihrer Gummizelle? Das weiß man nie so genau), dass das noch nicht genug ist, und lassen uns unseren Beruf mit nach Hause nehmen. Die selben Aufgaben wie am Tag sollen wir noch einmal machen. Und ich wiederhole es gern – was wir tun, nützt niemandem. Es geht um das Wissen der Anzugmänner.

Seit zehn Jahren bin ich jetzt dort, und ich werde noch zu zwei Jahren gezwungen. Am Ende dieser Berufserfahrung bekommen wir ein bedrucktes DIN A4-Blatt. Das ist unser Lohn, unser Verdienst. Mit diesem Blatt dürfen wir praktisch nichts. Naja, außer von unser aktuellen Käseglocke unter die nächste schlüpfen.

Ja, du hast Recht.

Ich bin Schülerin.

Ihr müsst doch auf mich aufpassen.

Ihr müsst doch auf mich aufpassen, dass mir nichts passiert.

Es könnte ja sein, dass ich die Gefahr von etwas nicht verstehe und schnurstracks auf den Abgrund zulaufe und gleich hinunterfallen werde. Oder ein wildes Tier will mich fressen. Oder ich verlaufe mich. Oder ich werde angegriffen. Es könnte ja auch sein, dass ich mein Gehirn falsch ernähre und mich so von innen vergifte. Vielleicht passiert es ja, dass mich jemand verfolgt und fangen will. Oder ich verletze mich einfach so.

Dann brauche ich doch jemanden, der nach mir schaut. Irgendwo muss ich mich doch verstecken können. Irgendwo brauche ich doch Sicherheit und Schutz. Guckst du hin? Passt du auf mich auf? Hast du im Blick, was ich anstelle? Damit ich keinem damit schade, auch mir selbst nicht? Wirst du alles wieder gut machen, wenn ich mich verletzt habe?

Ihr müsst doch auf mich aufpassen.

Schreibanfänge

… sahen bei mir so aus:

Es begann mit Schafen ...

Es begann mit Schafen …

Ich übersetzte:

Lisa verkleidet sich.

„Mäh, Mäh“ [macht es] auf der Wiese. Alle Schafe fressen. Außer Lisa. [Sie] spielt mit der Verkleidekiste, [die] ein kleines Mädchen vergessen hat. Lisa wühlt und wühlt in der Verkleidekiste.

Sieben Seiten ist diese Geschichte damals lang geworden. Folgegeschichten sind reichlich vorhanden, aber diese war die erste. Stellenweise sind Hieroglyphen leichter zu lesen als das. Naja – ich war fünf oder sechs, kannte noch nicht alle Buchstaben und Satzzeichen, hatte noch keinen blassen Schimmer von Grammatik und Rechtschreibung …

Aber hey, das hat mich nicht vom Schreiben abgehalten! :-)