Dann boote es doch.

„Ich brauche bald mal ein neues Handy, weil -“

„Brauchst du nicht.“

Ich schaue meine Sitznachbarin irritiert an und weiß nicht, was ich sagen soll. Was allerdings kein Problem ist, denn sie weiß genau, was sie sagen will:

„Es dauert 4,2 Millionen Jahre, bis sich das Ding zerlegt.“

Ach ja, ich vergaß: Ich studiere ja Psychologie, einen Studiengang mit hoher Ökohipsterquote aus veganer, unverpackter Freilandhaltung. Eine Gruppe Menschen, die mich aus zwei Gründen sehr beeindruckt.

Der erste Grund ist, weil sie das alles hinkriegen. Ich bin froh, wenn ich es hinkriege, Klamotten in etwa so schnell nachzukaufen, wie sie kaputt gehen. Und wenn ich daran denke, Brot zu kaufen. Solche Sachen müssen die auch hinkriegen – und dann ja zusätzlich noch alles fair, regional, second hand, nachhaltig und „ohne Chemie“. Und Regenwälder und Pandas retten, auf Demos gehen und meditieren. Studieren und duschen und schlafen müssen sie vermutlich auch noch. Das können die alles. Und sehen dabei überflüssigerweise auch noch stylischer aus als ich.

Der zweite Grund: Der ermüdend unermüdliche Bekehrungswille.

Hat sie mir gerade als Gegenargument dafür, dass ich ein neues Handy kaufe, die Verfallszeit seiner Einzelteile genannt?

„Das hilft mir nichts, wenn das Betriebssystem von niemandem mehr unterstützt wird.“

„Dann boote das Handy doch.“

„Auch das hilft mir nichts, wenn das Betriebssystem von niemandem mehr unterstützt wird.“*

Manchmal will ich wirklich meine Informatiker-Freunde zurück.

___
* Es sei denn, sie meint „rooten“ statt „booten“. Und es sei denn, ich wäre so ein Crack, dass ich es hinkriege, irgendwas sinnvolles auf ein altes Windows Phone zu spielen. Spoiler Alert: Bin ich nicht. Daran sind schon Größere gescheitert.


4 Kommentare

  1. Haaach! :D Solche Leute scheine ich bereits aus meinem Freundeskreis vergrault zu haben…

    Dass Glyphosat von Bakterien vollständig abgebaut wird, wissen sie nicht. Dass Glyphosat dabei hilft, Felder pfluglos zu bearbeiten (was wiederum all den Bodenlebewesen hilft, und Bodenerosion verhindert), wissen sie nicht. Dass die in der Bio-Landwirtschaft verwendeten Kupferverbindungen in den Fungiziden sich im Boden anreichern und in der selben Dosis ohnehin giftiger ist für uns Menschen, wissen sie nicht.

  2. Tuuuuurtle, dich gibts noch, wie wunderschön! Und ich muss zugeben, ich weiß das alles auch nicht. Aber ich weiß, dass ich da keine Ahnung habe. Und versuche Leute nicht zum Gegenteil zu bekehren. Und ich glaube, das ist der Unterschied. ;-)

    Und klar, Christoph, sehr gerne! Ich sag dir Bescheid. :-)

  3. Jaaah, mich gibts noch! Und ich werde immer noch über deine neuen Beiträge informiert. :o) Manchmal kann ich darauf antworten, manchmal schweige ich wie ein… äh… Weiser.

    Ja, bei solchen Themen kommt es entscheidend darauf an, ob man schon ein gewisses Grundlagenwissen hat. So dass man auch in der Lage ist, über solche Fragestellungen nachzudenken.

    Ich fragte jemanden mal: „Siehst du einen Vorteil darin, mit Gentechnologie eine Maispflanze zu erzeugen, die für alle Insekten giftig ist?“

    Sie: „Ähhh…. glaubs nicht…“

    Ich: „Die Maispflanze vergiftet nur jene Insekten, die auch an der Pflanze knabbern. Somit spart man auf dem Maisfeld Insektizide ein.“

    Sie: „Und die Bienen, welche die Blüten…?“

    Ich: „Alle Gräser sind windbestäubt. Damit auch der Mais.“

    Sie: *omg I have brain and now it’s on fire*


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