Ahnen-Forschung

Man, Leute, was lag ich falsch, als ich dachte, dass ich mit meinen Vorfahren nicht besonders viel zu tun hätte, außer dass ich zufällig in deren Abstammungslinie stehe.

An Weihnachten mal Großeltern zu deren Eltern und Großeltern interviewt und zu allem, was sie so aus der Abstammungslinie wissen. Und was finde ich da?

Charaktereigenschaften, Lebensweisen, Denkweisen von mir.

Ich bin stolz, die Urenkeltochter oder Ururenkeltochter dieser Menschen zu sein – vor allem der Frauen. Da sind so viele hochintelligente, kämpferische aber leider ziemlich mittellose Frauen gewesen – und jetzt bin ich da, und das ist irgendwie krass. Die Männer haben teilweise nicht so glorreiche Parts bekommen, aber was solls. Ein paar Gute sind auch dabei.

Es ist merkwürdig für mich, mich als Teil einer Abstammungslinie zu sehen, als Teil einer großen Familie, denn normalerweise stehe ich gerne ganz allein für mich selbst. Aber irgendwie ist es jetzt auch cool so.

Ich habe ein Erbe bekommen. Ich habe ein Erbe bekommen von diesen Frauen – meine Intelligenz. Das Kämpferische. Der volle Einsatz für die geliebten Menschen. Auch ich komme nicht gerade aus einer reichen Familie, aber ich habe Chancen. Mir stehen Wege offen, die sie damals nicht hatten. Und deswegen nehme ich das jetzt wahr – mein Erbe und meine Wege. Ich bin Teil dieses Ganzen, und ich will meinen Teil davon nicht in den Sand setzen.

Und ja, ich stehe ganz für mich selbst, aber ich trage auch die Lebensgeschichten meiner Vorfahren mit mir wie einen Siegelring, und das hat eine Bedeutung.


3 Kommentare

  1. Sehr tolles Unterfangen von dir, deine Familiengeschichte kennenzulernen! Man muss ja nicht immer Geburtsdaten und Geburtsorte, Mädchennamen und dergleichen herausfinden, auch wenn diese „harten Fakten“ wichtig sind, um die Vorvorvorfahren aufzuspüren. Insbesondere wenn noch niemand vor dir diesen Job übernommen hat. :P

    Aber es sind gerade die Geschichten, welche Farbe ins Leben der Vorfahren zaubern. Halt sie fest. Dasselbe tu ich auch bei meinen Verwandten. Immer wieder eine Facette auffangen und das Bild vervollständigen.

    Eine Uroma von mir führte einen Dorfladen. Und meine Oma hatte einen Schulkameraden, der aus einer ärmlichen Familie kam. Von drei oder vier Stück Vieh ist nicht viel Milch zu gewinnen.

    Und nicht immer konnten sie die täglichen Einkäufe bezahlen. So wurde vieles in das Schuldenbuch eingetragen. Der Familie eines Schulkameraden der Tochter kann man ein anständiges Leben ja nicht verwehren.

    Als der Schulkamerade die Schule abgeschlossen und einen Beruf erlernt hatte, suchte er eines Tages den Dorfladen auf und bat darum, den Gesamtbetrag dieser Schulden zu erfahren. Er wolle diese Schulden begleichen.

    Meine Uroma nahm das Schuldenbuch hervor, blätterte zu den Seiten seiner Familie. Und riss sie heraus. Warf sie in den Ofen. „Es freut mich, dass du die Schulden bezahlen willst. Und das reicht mir schon.“

    Zu ihrem 80. brachte er meiner Oma ein riesiges Blumengesteck vorbei. „Nein, das musst du doch nicht.“ Und als mein Opa krank war, fuhr genau dieser Mitschüler meine Oma unzählige Male in die Klinik, um ihn besuchen zu können.

    Ich war tief beeindruckt von dieser Geschichte. Und seither glaube ich, dass es unzählige Schuldenbücher gibt, die darauf warten, zerrissen und verbrannt zu werden.

  2. Wow. Danke fürs Teilen, Turtle.

    Und aquasdemarco: Andersrum. Leute, die wir buchstäblich gut riechen können, haben ganz oft total andere Gene als wir. Biologisch so eingerichtet wegen Genpoolvermischung und Kram.


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