Die Königin der Tanzfläche

In all dem pulsierenden Geschehen der Tanzfläche, dem Flirten und dem Rausch, dem Spaß und der Leichtigkeit, der Unsicherheit und dem Scham, den tanzenden Lichtern und vibrierenden Bass, zwischen all den vielen tanzenden Menschen ist die Königin.

Sie bewegt sich zur Musik, als wäre diese ein Teil von ihr. Etwas in ihr ahnt, was der DJ vorhat, wie Lieder verlaufen. Sie lebt es aus. Am Rande der Tanzfläche hat sie den Platz für sich eingenommen, den sie braucht, denn sie bewegt sich gerne, nutzt gerne ihren ganzen Körper und den ganzen Platz. Trotzdem wirkt etwas an ihr ganz ruhig. Sie ruht in sich selbst. Sie ist nicht ausgerichtet auf Menschen um sich herum – tanzt nicht um ihre Anerkennung, ihre Attraktivität, die Blicke – sondern ist ganz in der Musik, in sich, und es fühlt sich an, als wäre beides das selbe. Sie nimmt andere wahr, lächelt sie an, geht ab und zu auf Bewegungen ein, und doch wirkt etwas an ihr erhaben, erhaben über diesen Moment. Ein Moment, der ihr gehört.

Sie ist eine Königin, die Königin der Tanzfläche.

12 Gründe für einen Mädchensporkurs

mit Schwerpunkt Ballsportarten

  1. Endlich spielen, ohne diesen übertriebenen Wettbewerbsgeist der Jungs drinzuhaben. Endlich nicht bei jedem Fehler angemault werden und endlich nicht mehr so unglaublich viele Fouls oder Beinahe-Fouls, nur um zu gewinnen.
  2. Mehr gemeinsam, mehr team play, mehr fair play, mehr Spaß.
  3. Nicht mehr diese meist nur semi-erfolgreichen Versuche der Lehrer, die Geschlechterunterschiede zu händeln und die Mädchen nicht zu kurz kommen zu lassen.
  4. Vernünftigere Bewertungsmaßstäbe.
  5. Keine Jungs, die dir unter deine Kleidung gucken wollen und fast durchgehend weibliche Körper begaffen und analysieren. Mädchen sein, ohne auf diese Weise beobachtet zu werden. Nicht schlimm, wenn das eingesteckte Sport-T-Shirt irgendwie ein bisschen durchsichtig ist.
  6. Bis zu 90% weniger fiese oder anzügliche Kommentare. Bis zu 70% weniger Auslachen.
  7. Wenige bewegungsverweigernde „Mit-verschränkten-Armen-hinten-drin-steh“-Mädchen, da diese eher die Mädchensportkurse mit Schwerpunkt Gestalten (d.h. Tanzen) wählen.
  8. Mehr ein Niveau durch die fehlenden Jungs und den Filter der Schwerpunktwahlen.
  9. Klischeehaft eher männlich zugeordnete Verhaltensweisen (wie z.B. Kampfgeist und Rumschreien) an den Tag legen dürfen, ohne dass das irgendwer komisch findet. Ihr glaubt gar nicht, wie „männlich“ die süßen Mädels sein können, wenn die Jungs mal weg sind. (Also auf weibliche Art männlich – macht das Sinn?)
  10. Kein Paartanz mit Jungs machen müssen, mit denen man einfach nicht tanzen will.
  11. Sicher sein von der viel zu stark vertretenen Art Sportlehrer, die vor allem gerne in der Oberstufe Sport unterrichten und dann irgendwas mit Reck oder Turnen machen, um den hübschen, jugendlichen Damen Hilfestellung geben zu können. Wir als Mädchenkurs dürfen zum Glück nur Lehrerinnen kriegen.
  12. Ein kleinerer Kurs. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Umkleiden. Für jede der drei Hallen eine Jungs- und eine Mädchenumkleide. Klar, wie sich das bei einem reinen Mädchenkurs auswirkt.

So gern ich Jungs auch mag und so gern ich mit ihnen auch Unterricht habe – bei Sport braucht man sie echt nicht.

To do before Weltuntergang in ernsthaft

Diese Listen sind ja schon seit einer Ewigkeit voll im Trend. Da stehen dann so Sachen drauf wie „Den Mount Everest besteigen“ oder „Haare knallgrün färben“ oder „In einer Metal-Band spielen“. Ich mach jetzt euch eine – aber mit Dingen, die ich wirklich mal machen will.

Ein Buch schreiben. Ich weiß zwar weder worüber noch für wen, aber ihr werdet schon sehen: Irgendwann steht mein Buch in den Regalen der Buchhandlungen. Und selbst wenn es bis dahin noch siebzig Jahre dauert. Obwohl – dann würde es ein Großteil von euch wohl nicht mehr sehen. Okay, ich beeil mich damit.

Paragleiten. Ich will kein Profi darin werden, aber ich will es unbedingt einmal gemacht haben. Ein Ehepaar aus zwei Sportfreaks, mit denen wir von ein paar Jahren eine Woche durch die Alpen gewandert sind, hat zu mir gesagt, dass sie mir das ernsthaft zutrauen und empfehlen. Ich sei da genau der Typ für. Und seitdem reizt mich dieser Sport noch mehr als eh schon.

Einmal … predigen. Ja, wirklich. Reden, etwas in den Köpfen Verschieben, Herausfordern, den Leuten etwas mitgeben. Das ist zumindest meine Utopie davon. Ich weiß nur nicht, ob ich das könnte. Aber selbst wenn nicht – ein einziges Mal will ich es trotzdem probieren.

Ich bin entschlossen, diese drei Sachen umzusetzen. Es gibt noch ein paar andere Vorhaben, bei denen ich weniger dahinter stehe, zum Beispiel Gebärdensprache lernen, einmal richtig Tauchen und einmal Flugzeug fliegen.

Was würdest du auf deine To do Liste schreiben? Was wirst du umsetzen?

10 Fakten über mich

1) Ich bin nur Rechtshänder, weil ich mir mit vier Jahren das linke Handgelenk gebrochen habe. Vorher habe ich meine Hände gleichberechtigt verwendet.

2) Ich bin ein Mädchen und hasse pink. Jap, und ich bin stolz drauf.

3) Ich kaufe keine Bücher, ich adoptiere sie. Ich habe nicht viele Bücher, aber die, die ich habe, werden mehrfach gelesen und liebevoll gepflegt. Sie werden auch nur sehr ungern verliehen. Ich habe irgendwie Angst, dass einem meiner Schäfchen etwas zustoßen könnte.

4) Das schlimmste, was mir je serviert wurde, ist Linsensuppe. Ich HASSE Linsensuppe. Legendär ist ein Zitat von mir von einer wirklich anstrengenden und ätzenden Fahrradtour: „Das ist schlimmer als drei Teller Linsensuppe.“

5) Meine Referate sind besser, wenn ich mich kaum darauf vorbereite. Erklär mir das mal einer.

6) Ich finde Schuhe irgendwie unnatürlich. Und hohe Schuhe erst recht. Wenn ich nicht so eine Frostbeule wäre, würde ich ständig barfuß rumlaufen.

7) Die Sportart, die mir bis jetzt am meisten zusagt, ist windsurfen. Dafür wohne ich nur leider am falschen Ort.

8) Egal, ob in der Schule, in der Kirche oder sonstwo: Ich bin immer die Jüngste im Freundeskreis. Das ist keine Absicht! Naja, oder ich bin mit Abstand die Älteste, aber das ist ja was anderes.

9) Ich bin immun gegen Motivationsversuche. Entweder bin ich motiviert oder nicht. Daran kann kein Mensch etwas ändern. Versuchs doch!

10) Wenn ich draußen mit jemandem durch die Natur gehe, fange ich manchmal an, einfach so Geschichten zu erzählen über das, was ich sehe. Meine Mama und mein großer Bruder können da ein Lied von singen. Und die sind gar nicht mal so schlecht! Also mein Bruder meinte irgendwann, das wäre Roman-tauglich.

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Episode  2  3  4  5

einmal "Joggen" – Versuch gescheitert

(Ein Text vom 29. Mai 2012)

Ich habe eine mutible Persönlichkeit, das heißt, ich bestehe aus vielen Einzelpersonen. Zwei davon sind STF (Sina träge & faul) und SSM (Sina sportlich motiviert). Heute hing die ganze Zeit STF in der Wohnung rum und wechselt zwischen Küche (essen, trinken), Bad (für kleine Mädchen, Katzenwäsche) und Zimmer (schlafen, dösen, Internet, Bücher, Zeichnen, sitzen). Heute Abend hielt ich es nicht mehr aus. SSM schrie mich voll an: „Alta, ey, was geht, du kannst doch nicht den ganzen Tag hier rumhängen und vor dich hinvegetieren! Mach mal Sport, das hättest du eh mal nötig und heute Nacht kannste besser schlafen. Los jetzt.“ Also habe ich überlegt, wie ich das machen könnte. Erster Gedanke: Die übliche 1-Stunde-Runde, dich ich immer gehe, die genau eine Stunde dauert, wenn man sie in normal bis schnellem Tempo geht. Zweiter Gedanke: Nö, da verbrauche ich ja gar kaum Energie. Fahrrad? Doof. Da muss man ja ewig fahren, bis man außer Atem kommt, oder eben voll reinhaun, und darauf hab ich gerade kein Bock. Inliner? Eigentlich gute Idee, nur so viel Arbeit, die anzuziehen. Was bleibt? Laufen. Ich laufe. Oder renne. Oder jogge. Oder wie auch immer.

Uhr um. Zopf rein. Handy in die Tasche. Schuhe an. Bescheid sagen. Los. Währenddessen setze ich mir noch zwei unrealistische Ziele. 1.) Ich laufe los, bis ich eine viertel Stunde unterwegs bin. Dann drehe ich um und laufe zurück, mit dem Ziel, für den Rückweg ebenfalls maximal eine viertel Stunde zu laufen. 2.) Nie stehen bleiben. Dann fange ich an. Die geplante Route: Hauptstraße hoch, an Bushaltestelle, Friedhof, Ortsschild und Tankstelle vorbei, auf der anderen Straßenseite in einen asphaltierten Feldweg einbiegen und dann immer gerade aus.

Aufs Dehnen verzichte ich spontan. Ich finde, es sieht immer lächerlich und besserwisserisch aus. Außerdem ist dieser Akt irgendwie ziemlich umstritten. Die einen sagen: Unbedingt machen, sonst krepierst du beim Laufen! Die anderen sagen: Auf gar keinen Fall, damit krepierst du dich selbst! Also verschwende ich keinen weiteren Gedanken daran und renne wie irre los, weil ich plötzlich extreme Panik habe, dass mich jemand, den ich kenne, beim joggen sehen könnte, und aus irgendeinem Grund wäre mir das peinlich. Keiner soll mir beim Japsen zuhören, schon gar kein Klassenkamerad oder so. Möglichst schnell auf den Feldweg. Diese plötzliche Menschenflucht hat zur Folge, dass ich schon an der Bushaltestelle außer Atem bin und zehn Meter hinter der Bushaltestelle ziemlich bremsen muss. Verdammt, denke ich mir und gehe die nächsten Meter. Hauptsache, nicht stehen bleiben. Darauf folgt ein elendes Stop and Go. Hetzen, gehen, hetzten, gehen. Das ist aber nicht gut so, Sina. Du musst dein Tempo finden, am Anfang ruhig langsam, Hauptsache gleichmäßig.

Schließlich bin ich auf dem Feldweg, wo mich keiner sieht, und probiere es aus. Es geht schon besser als dieses Hetzen. Trotzdem setzte ich mich nach ein paar Metern spontan für ein Päuschen mitten auf die Straße und denke ein bisschen über meine Sportlichkeit nach, während ich meinem Herz zuhöre, das gerade in meiner Brust Amok läuft. Eigentlich bin ich ja gar nicht so unsportlich. Ich bin ziemlich stark, wie ich bei einigen Wettbewerben auf dem Sommerlager festgestellt habe. Ich renne auf kurze Distanzen auch ziemlich schnell, wie ich bei einigen Versuchen in Physik bemerkt haben. Nur meine Ausdauer ist ziemlich scheiße. Ich bin wie ein Gepard, schießt es mir durch den Kopf. Schnell, aber auch schnell außer Atem. Dieser Vergleich beruhigt mich ein wenig. Geparden sind toll. Sein wie ein Gepard ist toll. Ha. Als ein Traktor kommt, stehe ich auf und jogge desillusioniert weiter. Gepard sein reicht nicht. Die sind ja nicht umsonst vorm Aussterben bedroht.

Ich probiere verschiedene Modelle des gleichmäßigen Atmens aus. Zwei Schritte ein, drei aus. Zwei ein, vier aus. Drei ein, drei aus. Drei ein, vier aus. Am besten erwies sich null ein, null aus. Also gar nicht atmen, gar nicht joggen, gar nicht gar nichts.

Bei der nächsten Pause auf der Straße fühle ich meinen Puls an der Hand. Dabei stelle ich vollkommen erstaunt fest, dass der Puls an meinem Arm und an meinem Herz (der durch meinen ganzen Brustkorb vibriert) leicht versetzt ist. Eigentlich logisch, denke ich. Als mein Herz langsam mal wieder sein Tempo drosselt und von der Luft, die ich atme, auch endlich wieder was in der Lunge ankommt, setzte ich mich wieder in Bewegung.

Oben auf dem Hügel schaue ich auf meine Uhr. Eine viertel Stunde ist um. Umdrehen. Kleine Pause. Los. Beim Laufen sehe ich einen Hase in der Größe eines Rehs übers Feld hoppeln. Komische Kreuzung denke ich. Dann erneuter Stop aus Atemgründen. Ich bin mir selbst ziemlich peinlich und bin froh, dass ich noch niemandem begegnet bin. Oh man, ich wusste nicht, dass es so schlimm um mich steht. Ich dachte, ich schwitze jetzt halt ne halbe Stunde und kann dann beruhigt wieder meine faule Seite raus lassen. Is nicht. Aber immerhin habe ich noch keine Seitenstiche gekriegt. Und weiter.

Ab der Bundesstraße gehe ich. Ich schaue auf die Uhr. Noch fünf Minuten. Das schaffe ich eh nicht. Nach fünfzehn Meter setzten überraschend die Seitenstiche ein, obwohl ich doch gerade voll am Bummeln bin. Unlogische Biologie. Zwangsweise setzte ich deshalb noch eine Pause ein, obwohl ich gar nicht außer Atmen bin. In einem Tempo, in dem mich selbst eine Schnecke mit Hausbruch überholt hätte, schleiche ich zur Friedhofsmauer, klettere mühsam hoch und lasse die Seitenstiche abklingen. Als sie weg sind, bleibe ich trotzig sitzen. Blödes Joggen. Ich höre den Vögeln zu.

Dann kommt ein älteres Ehepaar auf den Friedhof, das so aussieht, als würde es mich umbringen, wenn es mich auf der Friedhofsmauer erwischt. Also rutsche ich wieder von eben solcher hinunter und lege ein letztes Stück rennen ein. Diesmal ist es nicht das Herz, das mich ausbremst, sondern meine Sehfähigkeit. Auf einmal sehe ich alles durch einen verschwommenen Schleier. Meine Gedanken sind ebenso verschwommen. Ärgerlich bleibe ich stehen. Was soll das denn? Nach fünf Sekunden hat sich mein Hirn wieder. Pff. Ich gehe gemächlich die letzten Meter. Wie eine Rollatoroma ohne Rollator. Vollpanne, denke ich.

Als ich zu Hause in den Spiegel gucke, sehe ich leider nicht mal verschwitzt aus. Das war eigentlich nicht anders zu erwarten, weil ich nie schwitze, jedenfalls nicht auf den Kopf. Google sagt mir, dass ich insgesamt gerade mal läppische 2,8 km zurück gelegt habe und dabei in normalem Gehtempo 34 Minuten für gebraucht hätte. Ich gehe immer ein bisschen schneller als Google. Das heißt, wenn ich normal spazieren gegangen wäre, hätte ich nicht so lange gebraucht.

Meine Bilanz ist schrecklich. Ich habe keins der Ziele erreicht. Ich bin noch schlimmer dran, als ich dachte. Trotzdem zufrieden beschließe ich, das Experiment in naher Zukunft zu wiederholen. Es heißt doch immer: Gerade zu Anfang merkt man bei regelmäßiger Übung wahnsinnig schnell eine Besserung… blablabla.

Und außerdem: Es kann nur besser werden.