Wenn große Brüder verliebt sind

Woran merkt man als kleine Schwester, dass der große Bruder verliebt ist?

Er schenkt dir auf einmal etwas zum Geburtstag, was er sonst kaum gemacht hat, und fragt nach, wie es dir gefallen hat. (Weil er das selbe seinem Mädchen schenken will.)

Er interessiert sich auf einmal für dich als Mädchen. Was ist dir wichtig, was ließt du, was magst du, wie bist du so? Wie sind Mädchen gestrickt? Was freut Mädchen?

Plötzlich ist er sympathisch, hilfsbereit, nett und charmant, als hätte man einen Schalter umgelegt. Und wir Schwestern fragen uns, wo so viel guter Charakter auf einmal herkommt.

Man kann mit ihm richtig reden. Vielleicht ist das nur bei meinem Bruder so, aber sehr lange war es kaum möglich, sich mit ihm normal zu unterhalten oder über ernstere Themen zu reden. Kaum ist er verliebt – zack, geht das.

Vielleicht spricht er auch mit dir darüber. Wie schwer es ihm fällt, geduldig zu sein, oder wie anstrengend es ist, immer den ersten Schritt machen zu müssen, aber dann auch wieder toll. Was er ihr schenken könnte. Dass er sie vermisst.

Und du als kleine Schwester denkst „Woooowoowow, wo kommt das alles auf einmal her?“. Klarer Fall – er ist verliebt. Genießt es, liebe Schwestern! Das fällt immer zu unseren Gunsten aus. Und wenn dein großer Bruder sehr unerträglich ist (und noch nie verliebt war): Habe Hoffnung und Geduld! Es kann sich noch viel ändern. :-)

Ich pfeife auf den Königssohn

Beim Durchsehen meiner alten Schulsachen bin ich auf ein Gedicht gestoßen, dass wir in der dritten Klasse auswendig lernen mussten. Es ist von Jutta Richter und heißt „Ich pfeife auf den Königssohn“ und enthält so viel Weisheit, dass es fast ein bisschen unglaublich ist für ein so simples, leichtes Gedicht. Man mag denken, dass die Botschaft veraltet ist, moderne Rollenbilder und Emanzipation und so, aber wenn ich mich so umsehe, finde ich ganz schnell so einige Mädels, die lieber sehnsüchtig auf ihren Prinz der Träume warten als selbst zu leben. Steht auf!

Ich pfeife auf den Königssohn
von Jutta Richters

Dornröschen war ein schönes Kind
und schlief einhundert Jahre.
Schneewittchen biss vom Apfel ab
und lag tot auf der Bahre.
Und wie das so bei Märchen ist,
hat der Prinz sie wachgeküsst.

Ich pfeife auf den Königssohn.
Ich bin nicht tot, ich lebe schon!
Und wer’s nicht glaubt, der sollte gehn,
der wird mich nie verstehn.

Ein Mädchen sollte Strümpfe stopfen,
kochen, backen, stricken.
Es sollte hübsch und artig sein
und einen Mann entzücken.
Und wie das so im Leben ist,
man wartet und wird wachgeküsst.

Ich pfeife auf den Königssohn.
Ich bin nicht tot, ich lebe schon!
Und wer’s nicht glaubt, der sollte gehn,
der wird mich nie verstehn.

Du, meine Tochter, glaube nicht,
was solche Märchen sagen.
Sieh dort im Spiegel dein Gesicht,
du musst das Leben wagen.
Geh tapfer vor und nie zurück,
vertraue dir und deinem Glück.

Und pfeife auf den Königssohn.
Und schlafe nicht, du lebst ja schon!
Wer das nicht glaubt, den lasse gehen,
der wird dich nie verstehen.

Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick

Das hier und selbiges als Hörbuch – „Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick“ von Jennifer E. Smith.

Es ist sooo schööön! :-)

Es geht um Hadley, 17, die um vier Minuten den Flug zu der Hochzeit ihres Vaters verpasst, zu der sie eigentlich gar nicht hinwollte. Doch dann begegnet sie Oliver, der ihr mit ihrem Koffer hilft und sie von ihrer Klaustrophobie ablenkt, und alles wird einfacher – und komplizierter.

Doch es ist nicht nur eine Liebesgeschichte. Es geht auch um Familienbeziehungen, Entenfilme, Charles Dickens, Forschungsprojekte über Majonese und eine Beerdigung. Es ist genau die richtige Mischung aus ernsten, lustigen und romantischen Momenten, dass sich jedes Mädchen eigentlich in dieses Buch bzw. Hörspiel verlieben muss. Okay, „muss“ nicht, aber du wirst sehen, du wirst nichts dagegen machen können.

Ich empfehle ausdrücklich und unbedingt das Hörspiel – die Stimme ist toll, nicht übertrieben und nicht total emotionslos, angenehm und unterstreicht die Geschichte sehr schön.

Vielleicht findet es noch ein Platz auf deiner Wunschliste, wenn es nicht schon viel zu spät ist. Und wenn schon: Es läuft ja nicht weg. ;-)

PS: Lasst euch nicht von dem Klapptext irritieren! Er stellt die Geschichte als typische Teenie-Mädchen-Schnulze dar – und es ist so viel mehr und so viel besser! Außerdem – dass Hadley versucht, Oliviers Herz im Flugzeug zu gewinnen, kann man auch nicht wirklich sagen. Und es geht auch um mehr als nur um den Flug. Naja, Klapptext halt. ;-)

Die drei schönsten Zitate der letzten Zeit

  1.  Wenn ich Sicherheit habe, dann bin ich wie ein Feuerwerk. Dann kann ich alles. Und er gibt mir diese Sicherheit. (Gitarristenfreundin)
  2. Tja, manche Leute reden über andere und wissen gar nicht, dass sie eigentlich sich selbst meinen. (Frau von Luxuslärmkonzert)
  3. Ich weiß, wo dein Haus schwimmt. (Kleinbruder)

Kleinbruders Mädchen

Abendessen. Wir ziehen mal wieder darüber her, das Kleinbruders Freundinnen bis jetzt alle Lisa hießen. Die Erste war eine Kindergartenfreundin, mit der er einen Bauernhof bauen wollte. Die Zweite war eine Grundschulfreundin, mit der er Händchen gehalten hat und „zusammen war“. Die Dritte ist momentan in seiner Klasse und potentielles Folgeopfer.

Ich: „Kleinbruder und Lisa, klingt doch gut.“ (grinse)
Kleinbruder: „Wie würde denn Emily und Kleinbruder klingen?“
Mama: „Ist sie auch in deiner Klasse?“
Ich: (freudig) „Oh, bist du verliebt???“
Kleinbruder: „Nein!“ (verdächtiges Grinsen von einem Ohr bis zum anderen)
Ich: „Findest du sie nett?“
Kleinbruder: (nach kurzer Pause immer noch sehr breit grinsend. es wirkt, als würde er gar nicht grinsen wollen) „Netter als dich jedenfalls!“
Ich: (entzücktes Quieken)
Mama: „Wer möchte noch Brot?“

Nur schade, dass sie nicht Lisa heißt.

Ein Schmöker

Eine Liebesgeschichte. Eine Abenteuergeschichte. Eine Geschichte, die irgendwie träumen lässt.

Es ist der Roman „Plötzlich in Peru“ von Chantal Schreiber. Das mit Abstand dämlichste an dem Buch ist der Name. „Plötzlich in Peru“, also bitte. Ich hätte es wohl nicht gekauft, wenn ich es im Bücherladen gesehen hätte. Ich habe es zu Weihnachten gekriegt und bin echt froh darüber, denn das Buch ist toll, ein echter Schmöker.

Es geht um die 18-jährige Elena, die ganz plötzlich für eine verletzte Schulfreundin eine 3-monatige Peru-Reise mit Freiwilligenarbeit in einem Waisenhaus antritt, ohne so genau zu wissen, wieso. Sie mag Peru ja nicht mal wirklich. Weil sie ihrem Freund Theo was heimzahlen will? Schließlich hat er einfach so entschieden, von ihr wegzuziehen und ihre Freundschaft zu einer Fernbeziehung zu machen. Jedenfalls ist sie jetzt da und es läuft gar nichts nach Plan. Die Organisation der Reise ist schlecht, ihr Bad dreckig und dieser eine Kerl provoziert sie ständig. Schließlich kommt sie doch langsam an und lernt Peru kennen. Dann ein Tanz. Elena ist plötzlich gar nichts mehr klar. Sie ist doch in Theo verliebt. Oder?

Es ist wundervoll, in diesen knapp 640 Seiten unterzutauchen. Wie es sich für einen guten Schmöker gehört, ist das Buch leicht zu lesen, schön melodramatisch und ein bisschen vorhersehbar. Es ist nicht das beste Buch, das es gibt. Es nimmt nicht für sich in Anspruch, besonders oder hervorstechend zu sein. Aber es ist ein wunderbarer Schmöker.

Es geht um alles,
was ich nicht habe,
was ich nicht bin.
Es geht um meine Träume.