Die Sina wächst nicht schneller, wenn man an ihr zieht.

Ach, wisst ihr was?

Ihr könnt mich alle mal mit eurem Erwachsenen-Scheiß und euren Erwartungen.

Ich spreche zu euch und noch viel mehr zu mir selbst.

Ich bin 16, verdammt noch mal, 16. Das ist doppelt so alt wie 8 und halb so alt wie 32. Die 18 ist noch weit weg. Ich bin jugendlich, zwischen Kind und erwachsen und davon frei. Ich will das zelebrieren, feiern, genießen.

Ich werde nicht vernünftig sein, denn das ist doch auch nur ein Synonym für „unschädlich“. Ich werde meine Fehler zelebrieren, denn sie sind Teil meines Wachstums und Zeichen meines Mutes. Ich werde mich nicht in eure Absicherungsstrategien und Zukunftsplanereien verstricken lassen, denn das hab ich nicht nötig.

Auch wenn ihr noch so sehr meine Reife lobt, macht mich das doch keinen Tag älter als ich bin. Ich bleibe 16, denn sowohl das Gras als auch die Sina wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Ich passe mit meiner Mischung aus Reife und Jugend, aus Weisheit und Leichtsinn nicht in euer Schema – na und?

Mich gibts nur so, wie ich jetzt bin, Pech gehabt!
Mich gibts nur mit 16 Jahren, leichtsinnig und wild, mit Fehlern und Fehlern und stur, unvernünftig und frei. Und vollkommen richtig so. Hier bin ich, und ich tanze euch auf der Nase herum.

Es macht keinen Sinn, das nicht zu akzeptieren. Ihr braucht mich nicht wie eine ältere Person behandeln. Ihr werdet mich nicht dazu kriegen, so zu denken wie ihr. Ihr könnt mich nicht verändern.

Es ist nicht einmal das Ziel, erwachsen zu werden.

Ich streife die Ketten eurer Erwartungen und meines Selbstbildes ab und bin frei.
Ich habe die Macht, gnädig mit mir zu sein.
Ich habe den Mut, jung und wild zu sein.
Ich habe das Recht, die bedrückenden Lasten der Verantwortung zurückzuweisen und nur zu tragen, was mich nicht beschwert.

Ob es gefällt oder nicht, ob verstanden oder nicht.

Hier bin ich – guten Tag.

Der unbeschreibliche Geruch meines Schlafsackes

Man muss wissen, dass Schlafsäcke in meiner Familie eine besondere Position einnehmen. Wir wissen alle, warum man Schlafsäcke in ihre Hüllen stopft und sie nicht vorher zusammen rollt oder warum man sie nicht über längere Zeit in ihren Hüllen aufbewahren soll. Wir wissen, dass es in guten Schlafsäcken das wärmste ist, möglichst wenig anzuhaben, und dass man für warme Füße den Fußraum verkleinern muss. Bei uns meckert keiner rum, weil er im Schlafsack schlafen soll. Wir haben unsere Schlafsäcke stundenlang in Rücksäcken herumgeschleppt. Sie haben Waldböden, Wiesen, Zelte und Zimmer kennen gelernt. Sie haben uns an verschiedenen Orten der Welt gedient. Und zumindest ich habe zu meinem Schlafsack in all der Zeit fast schon eine persönliche Beziehung aufgebaut.

Und heute gehe ich auf den Dachboden, um ihn mal wieder in seinen Dienst zu rufen. Ich ziehe die Kiste mit meinem Schlafsack zwischen all den anderen hervor und mache sie auf. Da ist er. Ich fasse mit meiner Hand hinein und rieche diesen Geruch, und mit einem Mal bin ich nicht mehr auf dem Dachboden. Ich bin am Meer und lese nach einer anstrengenden Windsurfeinheit. Ich bin auf dem Segelschiff und versuche, irgendwie aufzuwachen. Ich liege nachts auf dem Waldboden wach und höre dem Wind und den Blättern zu. Ich bin mitten in einer Schlacht Würmercatchen (also Prügeln im Schlafsack) zum Aufwachen auf einer großen Wiese. Ich übernachte bei Freunden, liege in Zelten, bin im Urlaub.

Man könnte meinen, mein Schlafsack stinkt nach Käsefüßen, Schweiß, Dreck und Lagerfeuer, doch es ist nicht so. Objektiv gesehen riecht er wahrscheinlich nach gar nichts, höchstens nach Baumwolle und Polyester und vielleicht noch nach Dachboden, aber für mich riecht er nach Urlaub, Abenteuer, frei sein, raus können aus diesem langweiligen, anstrengenden, zivilisierten Alltagsleben, und trotzdem nach Geborgenheit, Wärme, Zuflucht und zu Hause. Ich grinse. Ferien-wegfahr-Gefühl, und das ohne Ferien. Nur ein Wochenende, nicht draußen schlafen und keine großen Abenteuer – trotzdem. Mein Schlafsack kommt mit, und mit ihm der kuschelige, weiche und warme Rückzugsort meiner Feldzüge. Hach, ich fühl mich ganz poetisch und glücklich und fast kitschig, aber nein, kitschig bin ich ja nicht, also nur poetisch und glücklich. Das Geräusch vom Reißverschluss, das vertraute Gefühl, als ich ihn in seine Hülle stopfe –

So, und jetzt wird weitergearbeitet, verdammt. Was soll der Quatsch. Das ist nur ein Schlafsack.

Lauf, Kind, lauf.

(Ein Text vom 14. November 2011. Ich habe ihn am 9. Februar 2012 schon hier gepostet, aber ich habe ihn so lieb gewonnen, dass ich ihn euch noch einmal zeige. Er passt immer wieder. Zum Beispiel jetzt.)

Lauf, Kind, lauf, wohin dich deine Beine auch tragen.

Die Gedanken schweigen dazu. Ich will raus, raus aus meinem Körper, will mich als ein Nichts aus Atemhauch und Illusion wegwehen lassen. Will alle Müdigkeit, alle Erschöpfung fallen lassen. Will mich nicht mehr so schlapp fühlen. Will aufstehen, aufsteigen, entgegen der Blätter, die in der Herbstluft zu Boden fallen, leicht, nicht mehr an meinen Körper oder an Naturgesetze gebunden, einfach so. Will nicht mehr den Kampf kämpfen, den Kampf gegen die Schlaflosigkeit, gegen die Erschöpfung, gegen das, was vielleicht irgendwann in einem Burnout endet. Will fliegen und mir alle Stimmen und Emotionen heraus blasen lassen, bis nur noch dieses eine Gefühl da ist.

Flieg, Vogel, flieg, wohin dich deine Flügel auch tragen.

Kann es nicht ertragen. Diese Schwäche. Dass ich es tun will, dass andere es von mir fordern, aber ich nicht kann, weil es nicht geht. Weil da eine Grenze ist. Weil da etwas im Weg ist. Zuviel Aufregung, zu viele Menschen, zu viele Stimmen, zu viele Dinge. Sie liegen auf mir, hindern mich daran, zu tanzen. Ich will sie abschütteln. Ich will keine schmerzenden Schultern mehr haben. Ich will wieder aufrecht stehen, nicht krumm. Ich will wieder Kraft haben, stark sein. Oder mich treiben lassen. Treiben lassen, den Fluss des Lebens, wo alles Böse und alles Schlechte am Ufer zurück bleibt und das Wasser mich durchspült und sauber macht, reinigt, von allem, was nicht wichtig ist.

Schwimm, Fisch, schwimm, wohin dich deine Flossen auch tragen.

Frei sein

(Ein Text vom 8. Januar 2013)

Mir geht dieses eine Lied durch den Kopf, Stardust von Lena: „No one can catch us, nothing can change this …“ Ich mag es. Es ist Freundschaft und frei sein.

Frei sein.

Das, was nicht ist. Frei sein, das heißt: Glücklich, unbeschwert. Zusammen.

Frei sein, das ist so eine Sache, die alle versprechen, weil es keiner halten kann. Wenn es viele Rezepte für etwas gibt, ist das ein Indiz dafür, das keins so richtig überzeugend ist. Alle wollen es, alle kennen es; keiner, der es ganz hat, ganz kann.

Frei sein, das ist wie eine Blume in einem Blumentopf, die gegossen und gepflegt werden will. Sie ist nicht einfach so, bleibt nicht einfach so. Und sie hat ihre Grenzen. Irgendwie. Paradoxerweise.

Die Frage ist ja eigentlich, ob es das wert ist. Was man dafür tun muss und was man davon hat. Das Verhältnis davon.

Das tun-müssen ist ja die Frage. Lauter Versprechen, lauter Anleitungen, um es zu bekommen. Das Glück, die Freiheit, das volle Leben. Und wir fallen darauf rein, wieder, wieder, wieder und immer, immer wieder. Weil die Sehnsucht danach so groß ist. Weil es weiter gehen soll, was wir kurz erleben. Dass unendlich wird, was nur ein paar Momente sind. Wir folgen irgendwelchen Anleitungen, Regeln oder gerade den Nicht-Regeln. Und, weil das schöner ist, sagen wir uns danach gerne: Es ist jetzt besser. Naja. Es ist jetzt zumindest nicht viel schlimmer …

Und was man davon hat? Naja, halt das Glück und so. Nicht. Oder doch? Irgendwie ziemlich viele Reinfälle und sinnlose Aktionen. Frust.

Doch dann kommt der Moment, wo es egal ist. Alles. Ob ich glücklich bin oder nicht. Ob ich frei bin oder nicht. Ob ich unbeschwert bin oder nicht. Wo das alles keine Rolle spielt.

Der Moment, indem alles egal wird und nur noch eins zählt – da bin ich glücklich.

Und kaum versuche ich es festzuhalten, wird es zu wichtig, zu utopisch, und löst sich in Luft auf. Es lässt sich nicht ins Fadenkreuz nehmen. Der Fokus Freiheit ist ein Fokus ins Nichts. Seinen Kompass danach zu stellen, führt in die Irre. Dein Norden liegt woanders …

Glück, Freiheit – was für ein Schlamassel.

Lauf, Kind, lauf.

(Ein Text vom 14. November 2011)

Lauf, Kind, lauf, wohin dich deine Beine auch tragen.

Die Gedanken schweigen dazu. Ich will raus, raus aus meinem Körper, will mich als ein Nichts aus Atemhauch und Illusion wegwehen lassen. Will alle Müdigkeit, alle Erschöpfung fallen lassen. Will mich nicht mehr so schlapp fühlen. Will aufstehen, aufsteigen, entgegen der Blätter, die in der Herbstluft zu Boden fallen, leicht, nicht mehr an meinen Körper oder an Naturgesetze gebunden, einfach so. Will nicht mehr den Kampf kämpfen, den Kampf gegen die Schlaflosigkeit, gegen die Erschöpfung, gegen das, was vielleicht irgendwann in einem Burn-Out endet. Will fliegen und mir alle Stimmen und Emotionen heraus blasen lassen, bis nur noch dieses eine Gefühl da ist.

Flieg, Vogel, flieg, wohin dich deine Flügel auch tragen.

Kann es nicht ertragen. Diese Schwäche. Dass ich es tun will, dass andere es von mir fordern, aber ich nicht kann, weil es nicht geht. Weil da eine Grenze ist. Weil da etwas im Weg ist. Zuviel Aufregung, zu viele Menschen, zu viele Stimmen, zu viele Dinge. Sie liegen auf mir, hindern mich daran, zu tanzen. Ich will sie abschütteln. Ich will keine schmerzenden Schultern mehr haben. Ich will wieder aufrecht stehen, nicht krumm. Ich will wieder Kraft haben, stark sein. Oder mich treiben lassen. Treiben lassen, den Fluss des Lebens, wo alles Böse und alles Schlechte am Ufer zurück bleibt und das Wasser mich durchspült und sauber macht, reinigt, von allem, was nicht wichtig ist.

Schwimm, Fisch, schwimm, wohin dich deine Flossen auch tragen.

dieser Kampf im Kopf

Es liegt mir wie ein Stein auf dem Herzen, rumort in meinem Bauch, drückt, drängelt, will gesagt werden. Es ist ungeduldig. „Komm, mach schon!“, drängelt es, die ganze Zeit. „Jetzt sags endlich, das wäre für alle Beteiligten besser. Das weißt du auch.“

Mein Gehirn antwortet: „Nein, was da alles schief gehen kann… Und wie soll ich das überhaupt sagen? Und wenn dann irgendwas falsch verstanden wird? Dann hast du es dir versaut. Außerdem machst du dich damit so verletzlich…“

Und mein Gehirn hadert und zögert und weiß gar nicht so genau, was es will. „Nein, mal langsam. Erst mal überlegen. Also, wenn es klappt, wäre natürlich alles besser. Wenn es nicht klappt, dann…“ Und es rattert vor lauter denken, mein Gehirn, und kommt zu keinem Ergebnis. Es kann ja auch gar nicht richtig denken, denn es hat auch gar keine Ruhe, weil der Stein auf meinem Herzen gar keine Ruhe gibt. Er hüpft da rum und sagt die ganze Zeit das selbe. Er verseucht alle Gedanken. Und gleichzeitig liegt er mir schwer im Bauch und verbreitet ein Unwohlsein.

„Ruhe!“, rufe ich dann. „Reißt euch zusammen. Ich brauche jetzt klare Gedanken.“ Das Gehirn hat sich aber inzwischen in allen eventuell möglichen negativen Konsequenzen festgefahren und der Stein plärrt wie am Spieß, dass er jetzt verdammt noch mal raus will und diese Spannungen nicht mehr ertragen kann. Ich will einfach nur eine Entscheidung und meine Ruhe.

„Also“, beginne ich leise. „Ich werde es jetzt einfach aussprechen.“ Sofort schreit mein Gehirn auf. „Waaas?! Das geht doch gaaar ni…“ Ich unterbreche es mit einem: „Fresse!“ Das Gehirn schweigt kurz. Der Stein verbreitet noch mehr Unwohlsein. „Tus, machs einfach.“ Da klopft mein Gehirn wieder an und sagt mit leiser Stimme: „Und wenns schief geht? Wie willst du das überhaupt anstellen?“

Und ich könnte schreien, weil ich das alles nicht ertragen kann. Mein Gehirn hält mich davon ab, es zu klären. Der Stein gibt keine Ruhe. Und ich will das alles nicht.

Und dann, mit ein paar Worten, reißen alle Spannungen.

Der Stein fällt mir zum Mund raus und verwandelt sich zu einem verständnisvollen Lächeln auf dem Gesicht meiner Freundin gegenüber.

Danke <3