1 + 1

1 + 1 = 2

Meistens.
Nur bei manchen ist das anders. Da wird aus eins und eins eins. Eine Geschichte, ein Humor, ein Weg, Gedanken im Einklang, zwei Menschen im Gleichklang. Stehen voreinander, die Masken sind weg und sehen uns an. Die Augen, sie sagen, wer wir sind, in uns und du und ich und alles dazwischen, sehen sich an und ein Blick ist ein Kompliment, ein Ich-mag-dich, ein schön-dass-du-da-bist. Wissen voneinander, übereinander, wissen nach ein paar Sekunden die Stimmung, weil wir uns lesen lernen, mehr und mehr. Es ist ein Herzen öffnen, immer wieder sich suchen, um sich neu zu finden, weil man es sich wert ist.

1 + 1 ist 2, und es sich zwei Welten, zwei Lebensgeschichten, zwei Mal andere Stärken und Schwächen, und doch, manche Zeiten gibt es, das sind 1 und 1 mehr 1 als 2.

Kontrollverlust – endlich.

Wenn ich meine Arme ausstrecke und meine Gedanken ganz weit mache, schaffe ich es doch nicht mehr, alles zu überblicken und alles zu kontrollieren. Statt mich an das zu gewöhnen, was so kommt, gewöhne ich mich daran, dass beständig ungewohntes passiert. Und wisst ihr was? – Alles andere wäre eine unnötige Einschränkung.

So viel passiert, so viel geschieht, und so manches davon ist … krass. Ein Beispiel? Ich habe auf einem Sommerlager einen Text vorgetragen und das, was ich an Resonanz bekommen habe, so viel Lob und Ermutigung und die Momente, wo ich drauf angesprochen wurde und Menschen sich geöffnet haben und mir Sachen erzählt haben, also – ich kann das alles nicht wirklich greifen. Und das war halt nicht das einzige, was meinen Kopf noch so auf Trab hält.

Ich will immer alles greifen. Das bin ich. Alles durchdenken und erfassen und einsortieren wollen. Es so lange im Kopf bewegen, bis ich mich daran gewöhnt habe und es fertig als Erinnerungs- & Erfahrungsbox einlagern kann.

Aber das geht nicht mehr. So viel Zeit habe ich nicht mehr. Wenn ich sie mir nehmen würde, würde ich so viel verpassen.

Ich würde so gern alles kontrollieren – zumindest in Gedanken überblicken – und wenn das nicht mehr geht, bin ich ein bisschen wie betäubt, überwältigt.

Und deswegen muss ich jetzt loslassen. Es ist das einzige, was Sinn macht. Loslassen. Es muss nicht mehr alles in meine gedankliche Reichweite passen, was passiert. Es darf ruhig krass werden, denn ich gehe da rein und komme wieder daraus hervor und es geht weiter. Wenn sich alles in meinem Horizont abspielen soll, dann halte ich mich selbst klein.

Und ich mache das einfach. Ich lasse diese ganzen Situationen, Momente, meine eigenen Gaben und die tausend Eindrücke frei. Sie sollen und dürfen da draußen machen, was eben passieren wird, denn es gibt einen, der das alles für mich steuern und kontrollieren wird, und dessen Hand das deutlich besser kann als meine. Er ist größer als mein Verstand, und deswegen darf das, was er durch mich tut, auch größer sein als mein Verstand.

Mein Verstand ist nicht meine Grenze, und die Reichweite meiner Gedanken nicht die meiner Taten. Die Welt ist so weit im Vergleich zu dem, was sich in meinem Kopf abspielt, und da draußen geht so viel mehr als was ich mir ausmalen kann, denn Gott hat viel mehr Farbe zur Verfügung als ich.

Also los, los, worauf warten wir? Kontrolle loslassen, denn sie ist nur Stress, und rein in dieses Tosen da, was man wohl Leben nennt, und was da wartet und mehr und mehr kommt.

Los.

Per Schiff den Horizont ergründen

Ich versuche, auf dem offenen Meer mit den Augen den Horizont zu ergründen, doch er ist weit. Der Himmel wirkt höher und das Meer ist da in einer unendlichen, machtvollen Ruhe. Und obwohl es doch nur Wasser ist, können meine Augen sich nicht satt sehen. Das Segelboot schwankt unter mir, vielleicht irgendwie rhythmisch, oder auch nicht. Warmer Wind trocknet die Salzwasserhaare.

Es ist paradox, wie man auf dem Meer so alleine und so zusammen gleichzeitig sein kann. Obwohl da niemand ist, soweit das Auge reicht, sind zehn Menschen auf ein paar Quadratmetern die ganze Zeit beieinander. Das ist intensiv, irgendwie – mal mehr, mal weniger gewollt, von unterschiedlichen Menschen. Es ist ein Ort, wo man Geheimnisse finden kann – in Wahrheits-Worten und Herausforderungs-Bewältigungen und Beobachtungen. Ein Hauch Narnia liegt im Wind, wenn ich Dinge lerne, von denen ich mein Leben lang zehren werde, wenn ich neue Wege und neue Ziele sehe, sich die nächsten Schritte abzeichnen.

Ich werde zeitlos. Ich kaufe mir einen Hut und bekomme Sommersprossen. Ich habe Bauchschmerzen und Deutschland wird Weltmeister. So Sachen eben. Kommt vor.

Wir machen unsere Hände auf und bekommen jeder Dinge hineingelegt. Wie das so ist – jeder etwas anderes, jeder das Beste für sich. Und wir schließen unsere Hände, halten es fest, und werden uns das nicht mehr nehmen lassen.

Es war auch manchmal schwer und ich wollte nicht mehr. Menschen kamen mir zu nahe oder waren zu weit weg, waren zu laut und ließen mich nicht, und tickten so völlig anders als was ich verstehe. So manches Mal verkroch ich mich vor lauter einsamer Hilflosigkeit und Überforderung in mir drin und fand den Weg hinaus nicht mehr.

Und doch war es gut, dass ich da war – das weiß ich ganz sicher – denn der Horizont, den ich eine Woche lang mit den Augen verfolgt habe, ist weiter geworden.
Innen drin.
Und außen rum.

Verschwende!

(Ein Text vom 01. Juni 2014)

Öffne deine Augen, hebe deinen Kopf und sei verschwenderisch.

Verschwenderisch mit Ideen. Lass deine Fantasie von der Kette, gib deinem Inneren Raum. Sei kreativ. Sieh, was um dich ist, und werde Katalysator und Schöpfer von Neuem. Widerstehe der Angst vorm falsch machen, nicht gut genug sein. Fang 1000 Sachen an und mache eine davon fertig. Liebe das Kreative um die Ideen und ihrer selbst willen und nicht wegen dem Ergebnis. Zelebriere den Müll, der manchmal dabei entsteht, und sei genial.

Verschwenderisch mit Wertschätzung. Trage dein Herz auf der Zunge und in deinem Lächeln. Gib und gib mehr. Beginne eine Kultur von einander zulächeln, Komplimente machen, unterstützen. Schätze Menschen um ihrer selbst willen und nicht aufgrund dessen, wie sie mit dir umgehen oder was du für einen Nutzen aus ihnen ziehst. Verliere deine Vorurteile und Bitterkeit aus Versehen im Wald und lass dein Herz sprechen. Lass alle wissen, was sie für wundervolle Menschen sind.

Verschwende, weil du dadurch reicher wirst.
Verschwende, weil es dir gut tut.
Verschwende, weil es ansteckt.
Verschwende, weil du doch alles hast.
Verschwende, weil du etwas zu geben hast.

Öffne deine Augen, hebe deinen Kopf und lebe.

Zitternde Hände

(Ein Text vom 29. April 2014.)

Los.
Kraftlos. Machtlos. Hilflos.
Fühle ich mich.

Meine Hände zittern. Meine Gedanken zittern. Mein Bauch zieht sich zusammen.
Sina an Gehirn: Was ist los?
Gehirn an Sina: Frag Seele!
Sina an Seele: Was ist …
Seele: Ahhh!
Sina an Seele: Äh, Seele, warum …
Seele: Ahhh!
Tür zu.

Los.
Kraftlos. Machtlos. Hilflos.
Fühle ich mich.

Meine Hände zittern, und mein ganzen Sein fühlt sich zittrig an. Ich bin eine Windhülse. Wie Laub. Gewichtsloses, totes Laub, das nur leise raschelt, wenn es weg gepustet wird. Und dabei ist doch Frühling. Ich habe Hunger. Nach Essen. Umarmungen. Gebet.

Los.
Kraftlos. Machtlos. Hilflos.
Fühle ich mich.

So bedürftig. Irgendwer, ich brauche Schutz. Brauche Hilfe. Brauche Liebe. Brauche irgendwen, der mir erklärt, was mir eigentlich fehlt. Der mich festhält. Jetzt. Ich verstehe mich nicht. Ich schaue mit klarem Blick vor die Milchglastür meines Herzens.

Los.
Kraftlos. Machtlos. Hilflos.
Fühle ich mich.

Meine Hände zittern. Die Symptome. Die Ursache kenne ich nicht. Will weg. Und raus. Verschwinden aus dieser Welt. Keiner soll was von mir wollen. Ich kann nichts geben. Denn ich bin

– los.
Kraftlos. M –

Ach, du weißt schon.

Und mit zitternden Händen reiche ich dir mein Herz.
Ich kann nicht mehr.
Mach du.

Wellen

Wellenbewegungen.

Ja, ich weiß, das Leben funktioniert in Wellenbewegungen, die Leidenschaft für Dinge, die Motivation, die Belastbarkeit, die Kreativität, die Freundschaft und irgendwie alles. Und meistens reicht es, einfach weiterzuschwimmen, und viel wird wieder.

Aber manchmal schlagen Wellen zu hoch und begraben einen unter sich, die Füße in eiskalten Wasserschichten unter der Oberfläche und der Grund zu weit weg. Kein Vorankommen, trotz Kraftaufwand und Durchhalten, Sandbank und Strand weit weg.

Zwiespalt: Treiben lassen oder weiter schwimmen. Das Gefühlt sagt, dass beides auf das selbe rauskommt. Nur der Kopf hält alles im Gang, treibt die Muskeln weiter an, während das Herz langsam gefriert, sich Stress und Angst und Panik sammeln – Dinge, für die einfach kein Raum da ist.

Um auf dem Wasser zu gehen muss man nicht schwimmen können.

Und ich warte darauf, dass mir jemand zeigt, wie das geht.

So können wir sein

(Spontane Eingebungen im Pädagogikunterricht.)

So
können wir sein,
werden wir sein.

Wie wir sind –
eine Momentaufnahme.
Leben in Sekunden.

Und bald,
wird, was war,
ein „war“ sein,

und wir werden leben.