Ich will gehört werden.

Das will ich.

Ich will, dass meine Worte nicht einfach nur Schallwellen sind. Ich will, dass sie einen Inhalt haben. Ich will, dass sie irgendwo ankommen und etwas bewegen, Denkvorgänge in Gang setzten, Menschen Freude machen oder sie provozieren. Ich will, dass meine Worte nicht einfach egal sind.

Ich will, dass meine Bilder und Fotos nicht einfach nur Farben sind. Ich will, dass sie etwas darstellen, mehr als einfach nur Farben. Ich will, dass sie eine Wirkung haben, inspirieren, etwas auslösen, Gefühle hervorrufen. Ich will, dass meine Bilder und Fotos nicht einfach egal sind.

Ich will, dass meine Musik nicht einfach nur Töne sind. Ich will, dass sie Menschen berührt und dass sie Gefühle macht. Ich will, dass Menschen etwas darin finden oder wiederfinden. Ich will, dass sie Freude macht und etwas anregt. Ich will, dass meine Musik nicht einfach egal ist.

Ich will, dass meine Texte nicht einfach Buchstabenketten sind. Ich will, dass sie irgendwo ankommen und etwas hervor kitzeln. Ich will, dass sich Menschen darin wiederfinden. Ich will, dass Wahrheit darin steckt. Ich will, dass sie schön sind. Ich will, dass meine Texte nicht einfach egal sind.

Ich will, dass ich nicht einfach ein Mensch bin. Ich will, dass ich gehört werde, gesehen werde. Ich will etwas verändern. Ich will Menschen berühren. Ich will Menschen herausfordern. Ich will für manche Menschen wichtig sein. Ich will geliebt sein. Ich will, dass ich nicht einfach egal bin.

Das will ich.

Eine einzige Person, die sich von meinen Worten angesprochen fühlt, und es war nicht umsonst. Eine einzige Person, die Freude an einem Foto oder an einem Bild hat, und ich bin zufrieden. Eine einzige Person, die gerne meiner Musik zuhört, und mein Ziel ist erreicht. Eine einzige Person, die sich in meinen Texten wiederfindet, und es hat sich gelohnt.

Eine einzige Person, für die ich nicht egal bin.

Das will ich.

Ratsch, Hals durch.

(Ein Text von Weihnachten.)

Weihnachtsessen.

Gans.

Was auch sonst.

Da liegt sie nun auf dem Teller. Sechs Schenkel. Für jeden einen. Aus den Schenkeln gucken Knochen raus. Die Beine. Das Fleisch ist rosig, viel röter als Hähnchen oder Schwein. Dazu gibt es Klöße und Rotkohl. Alles auf weißem Porzellan. Mama hat die Gans schon Tage vorher vorbereitet. Sie ist aufwändig hergerichtet. Mama ist stolz auf das Ergebnis.

„Guten Appetit!“

Mama teilt aus. Jeder kriegt einen Schenkel. Papa, Bruder, Schwester…

Und ich sehe währenddessen vor meinem inneren Auge ständig nur sterbende Gänse. Wie diesen weißen oder braunen Vögeln bei vollem Bewusstsein der Hals durchgeschnitten wird. Ich höre nur mit panischer Angst erfülltes, schreiendes Geschnatter. Ich sehe das ganze Blut und höre das hässliche Geräusch, das entsteht, wenn die rotierende Messer in der Schlachterei das Fleisch und die Knochen der Gänse durchtrennen. Ratsch, Hals durch.

Woher habe ich diese Bilder? Aus einem Film in der Schule? Aus dem Fernsehen?

Es ist grausam. Immer wieder diese Bilder, diese Geräusche. Sterbende Gänse. Mir wird übel. Ratsch, Hals durch. Eine nach der anderen. Ratsch. Ratsch. Die Gans auf dem Teller sieht aus, als wäre sie gerade eben noch rumgelaufen. Sie wirkt, als wäre sie vor kurzem noch geflogen, hätte mit anderen Gänsen geschnackt. Sie wirkt, als könnte sie jetzt vom Teller aufstehen und loslaufen und gleichzeitig sieht sie so traurig aus, weil es jetzt zu spät ist. Ratsch, Hals durch.

„Sina, welchen Gänseschenkel willst du?“

„Ne, sorry, ich nehme nur Klöße und Rotkohl…“

dieser Kampf im Kopf

Es liegt mir wie ein Stein auf dem Herzen, rumort in meinem Bauch, drückt, drängelt, will gesagt werden. Es ist ungeduldig. „Komm, mach schon!“, drängelt es, die ganze Zeit. „Jetzt sags endlich, das wäre für alle Beteiligten besser. Das weißt du auch.“

Mein Gehirn antwortet: „Nein, was da alles schief gehen kann… Und wie soll ich das überhaupt sagen? Und wenn dann irgendwas falsch verstanden wird? Dann hast du es dir versaut. Außerdem machst du dich damit so verletzlich…“

Und mein Gehirn hadert und zögert und weiß gar nicht so genau, was es will. „Nein, mal langsam. Erst mal überlegen. Also, wenn es klappt, wäre natürlich alles besser. Wenn es nicht klappt, dann…“ Und es rattert vor lauter denken, mein Gehirn, und kommt zu keinem Ergebnis. Es kann ja auch gar nicht richtig denken, denn es hat auch gar keine Ruhe, weil der Stein auf meinem Herzen gar keine Ruhe gibt. Er hüpft da rum und sagt die ganze Zeit das selbe. Er verseucht alle Gedanken. Und gleichzeitig liegt er mir schwer im Bauch und verbreitet ein Unwohlsein.

„Ruhe!“, rufe ich dann. „Reißt euch zusammen. Ich brauche jetzt klare Gedanken.“ Das Gehirn hat sich aber inzwischen in allen eventuell möglichen negativen Konsequenzen festgefahren und der Stein plärrt wie am Spieß, dass er jetzt verdammt noch mal raus will und diese Spannungen nicht mehr ertragen kann. Ich will einfach nur eine Entscheidung und meine Ruhe.

„Also“, beginne ich leise. „Ich werde es jetzt einfach aussprechen.“ Sofort schreit mein Gehirn auf. „Waaas?! Das geht doch gaaar ni…“ Ich unterbreche es mit einem: „Fresse!“ Das Gehirn schweigt kurz. Der Stein verbreitet noch mehr Unwohlsein. „Tus, machs einfach.“ Da klopft mein Gehirn wieder an und sagt mit leiser Stimme: „Und wenns schief geht? Wie willst du das überhaupt anstellen?“

Und ich könnte schreien, weil ich das alles nicht ertragen kann. Mein Gehirn hält mich davon ab, es zu klären. Der Stein gibt keine Ruhe. Und ich will das alles nicht.

Und dann, mit ein paar Worten, reißen alle Spannungen.

Der Stein fällt mir zum Mund raus und verwandelt sich zu einem verständnisvollen Lächeln auf dem Gesicht meiner Freundin gegenüber.

Danke <3