Erwischt

Du weißt es nicht, aber ich habe dich erwischt.

Du hattest behauptet, du könntest nicht Klavier spielen. Du würdest dich damit nicht so wohl fühlen. Aber als ich am Versammlungszelt des Zeltlagers vorbeiging und nur schnell was holen wolltet, da saßt du da. Saßt auf meinem Platz – am Klavier, und hast leise gespielt. Du hast dazu gesungen, und die Töne waren nicht zwingend die richtigen. Du saßt mit dem Rücken zu mir und hast mich nicht bemerkt.

Ich habe gesehen, dass du in meinem Ordner gestöbert hast – mein Ordner mit meinen Liedern, die ich immer spiele, mit den zusammen gesammelten und den selbst geschriebenen. Vermutlich wusstest du gar nicht, dass ich einige davon selbst geschrieben habe, und dass ich sie kaum wem zeige.

Also hast du da heimlich am Klavier gesessen und gesungen und in meinem Ordner gestöbert, an den sonst eigentlich keiner darf. Warst versunken in deiner Welt, und auch, wenn dein Gesang nicht stimmte, hast du an diesem Ort und in diesem Moment so sehr gestimmt.

Es hat so sehr gestimmt, dass du Klavier spielst, und ich habe mich so sehr darüber gefreut, dass ich einfach heimlich wieder gegangen bin. Ich habe meinen Ordner nicht zurück gefordert. Ich habe dich auch nie darauf angesprochen, weil ich nicht wusste, ob es dir unangenehm gewesen wäre.

Aber diese Seite von dir erspähen zu dürfen, dich erwischt zu haben, das war mir wertvoll.


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