Hallo Ego.

Ich wollte gerade anfangen mit „schön, dass du da bist“, aber es wäre nicht ehrlich gewesen. Ich finds gerade gar nicht schön, dass du da bist. Um ehrlich zu sein, bringst du mich an den Rand der Verzweiflung.

Du fühlst dich nämlich gerade ganz toll, ne? Mhm. Fühlst dich super genial und bist stolz auf dich. Das alles, was gerade mal funktioniert – alles dein Verdienst, ja klar. Schule und Leitung und Freunde und Kreativität und Projekte – alles nur auf deinem Mist gewachsen. Du hast es halt drauf. Und du kannst halt alles. Nichts kann dich aufhalten, und du bist ja schon irgendwie besser als andere, ne?

Ego, ich will dich nicht mehr haben und nicht mehr hören. Wie du hier aufgeblasen und arrogant rumstolzierst in meinen Gedanken und in meiner Seele – wäh. Abartig.

Ich erinnere dich mal ganz dezent daran, dass es nicht wirklich an dir liegt, wenn mal was gelingt. Erst dafür beten und dich dann mit dem Erfolg schmücken wollen – das sieht dir ähnlich. Dabei kannst du alleine gar nichts. Erinnere dich mal daran, dass du jedes Mal scheiterst, wenn du etwas alleine versuchst. Du hast nichts vorzuweisen.

Ich mag nicht, dass du zu mir gehörst und alles verpestest: Freundschaften, Gebete, Freizeit, Schule, Familie – alles einfach. Du drehst dich nur um dich, dich, dich, fühlst dich heimlich besser als andere und applaudierst dir fast ununterbrochen selbst. Dienst anderen nur, um dich selbst damit schmücken und damit angeben zu können. Weißt alles besser und setzt die freundliche Maske auf, um deine herablassenden Gedanken zu vertuschen.

Und der ganze Rest von mir hat alle Mühe damit, dich in Schach zu halten, den Schaden, den du machst, zu verringern, dich irgendwie klein zu halten. Ego, du hast ja eine Existenzberechtigung, aber bleib mal am Boden. Lern mal, was Demut ist.

Ich bin am Ende meines Lateins. Ich weiß nicht, wie ich mit dir vernünftig umgehen soll. Ist meine Wut auf dich vielleicht auch wieder eher kontraproduktiv? Und woher kommt das eigentlich, dass du dich selbst so supernice findest, Ego? Wo ist die Wurzel?

Was soll ich tun?

Das ist schwer mit dir, Ego, und echt nervig. Wäre nett, wenn du dich einfach mal ein bisschen benehmen könntest.

Mit distanzierenden Grüßen,
Sina


3 Kommentare

  1. Solange es auf dich ankommt, etwas in der Welt zu bewegen, ist dein Ego doch ein ganz toller Partner. Er will deinen Erfolg sehen. Er will dich zum Erfolg antreiben.

    Ob das Ego ein Überlebensmechanismus ist in der sozialen Welt? Wo im Grunde genommen jeder unterzugehen droht, wo jeder mit Nichtbeachtung gestraft sein könnte? Bewertest du die Leistungen anderer Menschen fair, sehen sie dir ins Gesicht und glauben sie, dass sie dein Lob ernst nehmen?

    VielleichthilftsjawenndumaleinekonkreteSituationschilderstaberdasmusstdunichtweilesjadeinblogist.

  2. Also ich werde mir das Blog mal in Ruhe durchlesen müssen. Das klingt spannend. Brauche ich dafür Absinth? ;-) … Aber zum Thema, ich kann das nachvollziehen. Mein Ego pendelt meist ins falsche Extrem. Mal unterhalb der Teppichkante, mal weit über der Stratosphäre, leider immer zum falschen Zeit am falschen Ort.

  3. Ne, Absinth kannste stecken lassen, aber ne gewisse Portion Zeit brauchste, falls du ihn wirklich DURCHlesen willst :D Wenn du das wirklich bringst, kriegste nen Award von mir =P


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