Die Überlebenskünstlerin.

Sie wird zu einer Überlebenskünstlerin.

Was es für eine Kunst ist, Tag für Tag lange an diesem mal ermüdend langweiligen, mal unfassbar anstrengenden Ort zu sein, und trotzdem nicht seine Lebensfreude zu verlieren. Es fällt ihr so schwer, jeden Morgen neu dorthin zu gehen und zu wissen: Das wird so gut wie mein ganzer Tagesinhalt sein, denn wenn ich heute Abend um vier, fünf zurück komme, habe ich keine Kraft und Konzentration mehr für irgendetwas anderes.

Sie hasst es, denn dafür lebt sie nicht. Nicht für die Karriere, nicht für die Leute, die sie da trifft. Freunde sind dort nur ganz, ganz wenige, und für die meisten Menschen fehlt ihr die Kraft.

Doch sie ist eine Überlebenskünstlerin geworden. Sucht nach den kleinen Dingen und hält sie fest. Lichtblicke sind immer wieder da, verstreut, müssen manchmal gesucht werden, und auf die schaut sie. Versucht sich zu Hause zu erholen, so gut es geht, versucht die Dinge zu tun, die sie zwar im ersten Moment Energie kosten, aber ihr im Endeffekt wieder welche geben. Lacht trotzdem, ist albern, hat Spaß.

Und weint dann doch wieder voller Wut, weil es kein Ende nimmt.

Und steht wieder auf. Denn das hat sie gelernt: Der Trick des Überlebens ist es, immer wieder aufzustehen. Jeden Morgen aufzustehen. Manchmal zwischendurch am Tag innerlich nochmal.

Und dann, gut dosiert, nicht aufstehen. Liegen bleiben, sich verstecken, verkriechen, verschwinden, die Lasten mal loswerden, sich trösten und ermutigen lassen.

Sie wird zu einer Überlebenskünstlerin, zu einer, bei der Überleben eine Kunst ist und die Leben zu Kunst macht, eine Überlebenskünstlerin, weil alles andere Tod wäre.

Staub von Alltag bildet Gestalten und versperrt die Sicht, doch ihr Fenster zum Himmel ist in ihrem Herz, und selbst mit getrübten Augen findet sie noch die Hand ihres Vaters, und sie weiß, es gibt einen, der ihre Qual mit Schule nicht sofort als harmloses Rumgejammer abtut, sondern den Schrei ihrer Seele hört und sie weich bettet.

Neue Kraft kommt, und sie ist eine Löwin, innerlich, und steht wieder auf, lässt ihren Blick schweifen. Da ist Ruhe in ihr drin. Gelassenheit. Erhaben über allem und doch mittendrin verweilt sie einige Momente lang, um dann leichtfüßig in die Richtung ihres Herzens zu traben.

Sie ist eine Überlebenskünstlerin.


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