Ich habe alles verlernt.

So kommt es mir manchmal vor.

Ich habe alles verlernt, was ich früher konnte, was mir so wichtig war. Ich konnte direkt aus meinem Herz heraus schreiben. Ich konnte direkt aus meinem Herz heraus malen. Ich konnte Menschen berühren, konnte Dinge in Worte fassen, die andere schwer zu greifen fanden. Und jetzt? Jetzt fällt es mir so schwer zu schreiben. Ich weiß nicht, was ich malen soll. Ich kaue nur Worte Fremder wider.

Dafür weiß ich jetzt, wie man politisch korrekt zitiert.

Vielleicht liegt etwas besonderes darin, Teenager zu sein. Ein Schatz, den wir als Gesellschaft völlig übersehen. Denn Teenager – so sehr sie auch zum Pathos neigen, so sehr sie sich auch für was viel Besseres halten – sie lernen so viele Dinge über die Gesellschaft und das Leben zum ersten Mal, und vieles davon lernen sie schnell und lernen sie bewusst. Sie werden vom Kind zum Erwachsenen, gehen von der einen zur anderen Denkart, und haben in diesem Stadium eine beeindruckende Schärfe in ihrem Blick auf alles, was Erwachsene angeht. Als Teenager konnte ich mit großer Klarheit und Tiefgründigkeit über Themen schreiben, über die ich heute gar nicht mehr nachdenke. Über so einfache, grundlegende Themen. Jetzt sehe ich so viel als gegeben an.

Allerdings habe ich auch viel Schrott geschrieben, bei dem sich mir heute die inneren Organe zusammenziehen. Boah, scheine ich mich für etwas unglaublich besonderes gehalten zu haben. Eieiei.

Mir ist schon klar, dass dieses „Ich habe alles verlernt“ ein normales Stadium eines jeden kreativen Menschen ist. Man kriegt gerade nichts zustande, schaut zurück auf vergangene Meisterwerke und fragt sich, ob man jemals wieder sowas Gutes hinkriegt.

Und doch frage ich mich, ob nicht auch eine Wahrheit darin verborgen liegt. Ob es nicht doch ein paar Dinge gibt, die in der Lebensphase Teenager besonders gut gehen, und die ich wirklich ein Stück weit verlernt habe. Und ob wir so als Gesellschaft Teenagern nicht unrecht tun. Ob Teenager nicht eigentlich ziemlich viel zu sagen haben und wir gut daran täten, über Arroganz und Melodramatik hinwegzusehen und

zuzuhören.

Verschwende!

(Ein Text vom 01. Juni 2014)

Öffne deine Augen, hebe deinen Kopf und sei verschwenderisch.

Verschwenderisch mit Ideen. Lass deine Fantasie von der Kette, gib deinem Inneren Raum. Sei kreativ. Sieh, was um dich ist, und werde Katalysator und Schöpfer von Neuem. Widerstehe der Angst vorm falsch machen, nicht gut genug sein. Fang 1000 Sachen an und mache eine davon fertig. Liebe das Kreative um die Ideen und ihrer selbst willen und nicht wegen dem Ergebnis. Zelebriere den Müll, der manchmal dabei entsteht, und sei genial.

Verschwenderisch mit Wertschätzung. Trage dein Herz auf der Zunge und in deinem Lächeln. Gib und gib mehr. Beginne eine Kultur von einander zulächeln, Komplimente machen, unterstützen. Schätze Menschen um ihrer selbst willen und nicht aufgrund dessen, wie sie mit dir umgehen oder was du für einen Nutzen aus ihnen ziehst. Verliere deine Vorurteile und Bitterkeit aus Versehen im Wald und lass dein Herz sprechen. Lass alle wissen, was sie für wundervolle Menschen sind.

Verschwende, weil du dadurch reicher wirst.
Verschwende, weil es dir gut tut.
Verschwende, weil es ansteckt.
Verschwende, weil du doch alles hast.
Verschwende, weil du etwas zu geben hast.

Öffne deine Augen, hebe deinen Kopf und lebe.

Momentaufnahme einer Künstlerin

In einem systematischen Chaos liegen Farben, Pinsel, Lappen, Pappteller und Plastikbecher um mich herum, und vor mir eine weiße Leinwand, noch völlig weiß, alles ist möglich. Die Farbe auf meiner Haut wirkt wie teures Balsam. Es macht ein leises Geräusch, als ich mit der Farbe über die Leinwand streiche, und irgendetwas, irgendwo in mir

kommt nach Hause.

KreativleuteTreffen

Ihr schließt mich wieder ans Stromnetz an, ladet mich wieder auf.
Gebt mir wieder Strom, wieder Strom, Strom.
Ich nehme ihn in mich auf, lade mein Herz wieder auf, bis der Akku wieder voll ist.

Ihr gebt mir Strom, und diese Energie wird in mir zur Quelle. Eine Quelle, aus der Ströme der Begeisterung, der Dankbarkeit, der Zuneigung, der Kreativität und des inneren Friedens entspringen. Ströme, die fließen, durch meinen ganzen Körper, durch jede Zelle, und hinaus zu euch.

Kannst du spüren, wie deine Füße umspült und rein gewaschen werden?

Schreibtischmutation

Ich habe mir gestern einen Traum erfüllt – malen können in meinem Zimmer. Ich habe mir eine Wachsdecke (für 5€) gekauft, diese mit Panzerband (nach guter, alter Sola-manier) an meinem Tisch festgeklebt und habe die Farben in mein Zimmer geholt. Endlich malen, wann ich will und ohne ständig genervt zu werden! „Oh, du malst… Was soll das werden? Orr, sag mal! Was soll das werden? Du kannst mich nicht raus schicken, das ist nicht dein Zimmer!“ „Naja, aber du musst dann auch bald aufräumen, es gibt dann Abendessen!“ – Nie wieder!

SchreibtischCool, ne? :-)

Kein Raum für mich

Klausur. Klausur. Klausur. Projekt. Test. Heft. Klausur.

Dazwischen: Ich. In letzter Zeit erstaunlich kreativ. Ich habe so viele Ideen. Ich habe Ideen für Bilder, die ich auf Leinwand malen könnte. Ich habe Ideen für Geschichten, die ich schreiben könnte. Ich habe Ideen für Fotomotive. Ich habe so viel Lust auf Klavier spielen, stricken, Radio hören und lesen. Ich will die Ideen in meinem Kopf verwirklichen, will machen, was aus mir kommt. Will mein Inneres nach außen kehren, ob in Geschichten oder Bildern.

Aber dafür ist keine Zeit. Die Schule („Du lernst fürs Leben, es ist wichtig, das brauchst du später noch“) lässt dafür keinen Raum. Sie füllt alles aus. Füllt es aus mit ihrer ekligen, dickflüssigen, beißenden Suppe. Und ich kriege sie einfach nicht raus. Ich schaffe es nicht. Sie erstickt mich. Sie erstickt meine Ideen. Ich habe gerade noch Zeit, in kurzen Texten Luft zu holen. Die Schule.

Sie lässt keinen Raum für mich. Ich komme nicht gegen sie an.