10 Fakten über mich – Episode 2

1) Ich hasse es, zu telefonieren oder zu chatten. Ich mag es einfach nicht, mit jemandem zu kommunizieren, dessen Gesicht ich nicht vor mir sehe. Außerdem muss ich da immer alles ausformulieren, was man sonst mit einem Blick sagen könnte.

2) Lieblingstier: Elch. Schon live in der Natur gesehen. Tolle Tiere.

3) Ich bin eines von diesen Kindern, die nie an den Weihnachtsmann geglaubt haben.

4) Musik als Hintergrund geht bei mir gar nicht. Musik nimmt mich viel zu sehr ein, um mich dabei auf etwas anderes konzentrieren zu können.

5) Dorfkind! Zum Glück.

6) Ich hasse Fahrradfahren. Zum Glück muss ich das auch nicht. In meinem Dörfchen kommt man überall auch zu Fuß hin und für alles andere muss man eh Bus fahren.

7) Ich betreibe Stühlerassismus. Schwarze und dunkle Stühle sind blöd, helle sind gut. Ich schocke damit regelmäßig Leute, aber egal. (Das ist allerdings nur entstanden, weil bei uns in der Schule die hellen Stühle die neueren und bequemeren sind.)

8) Ich trinke Wasser. Immer. Ständig. Alle anderen Getränke trinke ich selten mehr als ein Glas.

9) Ich habe keinen Fernseher. Und wenn mal bei Freunden die Kiste läuft, bin ich auch froh drüber. Alter, was läuft da denn für ein Scheiß? Was ist das denn bitte für eine Zeitverschwendung?

10) Ich habe übertrieben viel Ahnung von Computerspielen, dafür, dass ich keine spiele. Ob meine Brüder daran Schuld sind?

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Endgegner

Ha! Ein kuscheliger, warmer (aber nicht zu warmer) Schal gegen die Killer-Halsschmerzen des Todes als Frontalangriff von Außen! Ein köstlicher Tee aus frisch gepresstem Nektarinensaft, schwarzem Tee und Honig schmuggelt sich hintenrum ins Lager! Und an dritter Front werden meine Füße mit zwei Einheiten Spezial-Kuschelsocken konfrontiert!

Na, Erkältung, bin ich dir ein würdiger Endgegner?

Egal, weil wir sind

Meine Nudeln sind zu scharf. Ich habe Bauchschmerzen. Meine Cola ist alle und ich habe Durst. Ich bin müde. Ich weiß nicht, wohin mit meinen Füßen. Draußen war kein Tisch mehr frei. Ich will raus. Drinnen wird es auch immer voller und lauter. Zu anstrengend.

Doch es ist egal. Es ist egal. Egal, weil wir drei wieder zusammen sind. Meine treusten Freunde. Die, die jede noch so merkwürdige Phase von mir durchgestanden haben. Die, bei denen ich mich gar nicht verstellen kann. Die, die weder nur die Schokoladenseite noch nur die … äh, Nicht-Schokoladenseite … von mir sehen. Wir sind gemeinsam hier. Wir haben endlich, endlich Zeit miteinander.

Und alles andere wird egal.

Durch die Scheibe des Restaurants scheint die Abendsonne über den Segelflugplatz. Eine Runde mittelalter Männer bestellt draußen noch eine Runde Bier. Ab und zu startet ein kleiner Flieger. Am Buffet steht eine kleine Frau mit Kopftuch und backt schon die ganze Zeit kleine Steinofen-Brötchen für die Gäste. Der Koch trägt eine echte Kochmütze und der Kellner hätte auch Modell werden können, um Geld zu verdienen.

Und wir sind hier, wir sind hier.
Jetzt.

nix klappt mehr, allesscheiße, oder?

Für eine ganz bestimmte Freundin.

Enttäuscht von sich selbst.
Weil alles nicht so klappt, wie es die anderen von ihr erwarten. Wie sie selbst es erwartet.
Warum klappt es denn nicht so, wie sie es von sich gewohnt ist?
Was ist los?
Sich bemühen, sich zu bessern. Sich konzentrieren und versuchen, das Verbockte auszuradieren. Wieder fallen. Wieder der ganze Scheiß. Was ist los, was ist los, verdammt! Warum klappt nichts?
Ängstliche Blicke. Frust. Sich selbst innerlich strafen. Sich ärgern. Gedankenkarussell fahren und nicht aussteigen können. Wiederholen, wie sehr es einem leid tut. Alles gut machen wollen. Warum verschlingt der Boden sie nicht? Innere Kämpfe. Fluchtinstinkt. Dableiben. Weitermachen. Seinen Wert vergessen. Sich selbst vergessen. Nicht die Kühle, schlicht darüber zu stehen. Nicht so dastehen wollen, wie die anderen sie jetzt wohl sehen müssen. Ein krampfhaftes Gefühl zwischen Hilflosigkeit, Frust und Erschöpfung. Nicht weinen. Weitermachen.

So ist es doch, oder?

Was soll ich dir sagen? Wenn ich dich sehe, gehst du auf einem roten Teppich. Du trägst ein wunderschönes Kleid und einen Mantel, der dich beinahe unverwundbar macht. Du trägst eine Waffe bei dir, dein Herz. Und du hast einen Bodyguard, der nicht nur unendlich stark und mächtig, sondern auch noch verdammt gutaussehend ist.
So etwas sagt dir der Spiegel natürlich nicht. Und du selbst bist da auch blind für. Aber vielleicht, so die Vorstellung …

Ach, ich weiß selbst nicht, was ich sagen will. Bitte habe dich lieb.
Ab mit dem Kopf durch die Wand, bis dir Hornhaut an der Stirn wächst.
Und wenn selbst das nicht mehr klappt, könntest du immer noch unter den Tisch kriechen und da „Zwei kleine Wölfe“ singen.
Oder tot stellen.
Aber bitte nicht sein.
Ich brauch dich noch.
Sina

10 Fakten über mich

1) Ich bin nur Rechtshänder, weil ich mir mit vier Jahren das linke Handgelenk gebrochen habe. Vorher habe ich meine Hände gleichberechtigt verwendet.

2) Ich bin ein Mädchen und hasse pink. Jap, und ich bin stolz drauf.

3) Ich kaufe keine Bücher, ich adoptiere sie. Ich habe nicht viele Bücher, aber die, die ich habe, werden mehrfach gelesen und liebevoll gepflegt. Sie werden auch nur sehr ungern verliehen. Ich habe irgendwie Angst, dass einem meiner Schäfchen etwas zustoßen könnte.

4) Das schlimmste, was mir je serviert wurde, ist Linsensuppe. Ich HASSE Linsensuppe. Legendär ist ein Zitat von mir von einer wirklich anstrengenden und ätzenden Fahrradtour: „Das ist schlimmer als drei Teller Linsensuppe.“

5) Meine Referate sind besser, wenn ich mich kaum darauf vorbereite. Erklär mir das mal einer.

6) Ich finde Schuhe irgendwie unnatürlich. Und hohe Schuhe erst recht. Wenn ich nicht so eine Frostbeule wäre, würde ich ständig barfuß rumlaufen.

7) Die Sportart, die mir bis jetzt am meisten zusagt, ist windsurfen. Dafür wohne ich nur leider am falschen Ort.

8) Egal, ob in der Schule, in der Kirche oder sonstwo: Ich bin immer die Jüngste im Freundeskreis. Das ist keine Absicht! Naja, oder ich bin mit Abstand die Älteste, aber das ist ja was anderes.

9) Ich bin immun gegen Motivationsversuche. Entweder bin ich motiviert oder nicht. Daran kann kein Mensch etwas ändern. Versuchs doch!

10) Wenn ich draußen mit jemandem durch die Natur gehe, fange ich manchmal an, einfach so Geschichten zu erzählen über das, was ich sehe. Meine Mama und mein großer Bruder können da ein Lied von singen. Und die sind gar nicht mal so schlecht! Also mein Bruder meinte irgendwann, das wäre Roman-tauglich.

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Dieses Gefühl

„Wie geht es dir?“ – „Ganz gut.“
Dieses Gefühl, dass da noch etwas ist, was ich vergessen habe, und dass es wichtig ist; aber dass ich irgendwie nicht darauf komme.

„Ist (noch) was?“ – „Nein, ist alles in Ordnung.“
Dieses Gefühl, dass ich etwas wichtiges vergessen habe, dass ich es aber irgendwie nicht greifen kann.

„Ja, dann bis bald mal!“
Dieses Gefühl, etwas nicht gesagt zu haben, ohne zu wissen, was es ist.

Hm.

Ich vereine mich.

Ich will ich sein, einfach so ich sein.

Ich bin zu Hause eine andere Person als in der Schule und in der Schule anders als in der Kirche und in der Kirche anders als auf dem Sommerlager und auf dem Sommerlager anders als bei meiner Verwandtschaft und bei meiner Verwandtschaft anders als zu Hause – und ich kann kaum was dagegen tun. Es ist verwirrend.

Werde eins, Sina. Das bist du schon so viel mehr als früher. Weißt du noch? Damals hast du dich wie ein Chamäleon der Umgebung angepasst. Überall gab es eine andere Ausgabe von dir. Du hast das alles nicht zusammen gekriegt, geht ja auch gar nicht. Du bist schon weit gekommen. Es bringt dich nicht mehr durcheinander, Menschen von einem Ort an einem anderen zu begegnen. Aber so richtig eins bist du immer noch nicht. Bei jeder Person verbirgst du andere Seiten.

Ich vereine mich. Ich sammle die Stücke von mir auf, überall da, wo ich sie verteilt habe, und setzte sie zusammen. Es passt nicht, es ist widersprüchlich, wie bin ich wirklich? – und das ist meine Herausforderung.

So zu leben, dass es passt. Konsequent ein Weg. Einmal ich, nur eine Ausgabe von mir. Immer dieselbe. Überall.

Ganz ich.