Ein Einvernehmen

„Oh man, das ist alles so viel, so groß, ich weiß nicht, ob ich das alles hinkriege. Ich fühle mich dem irgendwie nicht ganz gewachsen. Was für eine krasse Herausforderung. Oh man, ich werde so auf die Fresse fliegen. Hilf mir, wenn ich auf die Fresse fliege!“

„Ja, Sina, du wirst auf die Fresse fliegen. Und ich werde dir helfen.“

Und ich bin bei diesem Dialog so seltsam ruhig und gelassen, fühle mich völlig sicher, weil ich die tiefe Gewissheit habe, dass du dein Wort halten wirst. Ich werde Sachen falsch machen und versagen, und du wirst mir helfen, und alles wird gut sein. So funktioniert das.

Kontraste

So viel in Kontrasten habe ich wohl noch nie gelebt.

Auf der einen Seite: So viel einfach nur aushalten, aussitzen, abwarten. Zu Hause, in der Schule. Anstrengung, Schmerz, Stress, verletzende Leute ertragen, halt irgendwie. Situationen, aus denen ich nicht raus kann. Versuchen, nicht bitter zu werden und nicht darunter kaputt zu gehen. Alles gar nicht so leicht. Weiter warten, weiter hoffen, weiter aushalten. Irgendwann wird es Veränderung geben müssen.

Auf der anderen Seite: Wie ein Feuerwerk sein. Menschen, die mich Rollen einnehmen lassen, mit denen ich was anfangen kann, wo ich was geben kann, wo ich einen Unterschied machen kann. Mich investieren, einsetzen, sprühen vor Ideen. Fast mühelos weiterlaufen. Das Gefühl, dass es irgendwie gut und richtig ist, was ich tue.

Auf der einen Seite: Menschen, die mich klein halten, ständig zurecht weisen, an mir herum meckern, mir wenig Wertschätzung oder Verständnis entgegenbringen. Die mir vermitteln, was ich alles falsch mache, wie schlecht ich bin und was mit mir nicht stimmt. Die mich zu einem kleinen, dummen, nervigen Kind machen wollen. Denen ich irgendwie aus dem Weg gehen will, aber viel zu wenig kann.

Auf der anderen Seite: Menschen, die mich wahrnehmen. Die mich schätzen, ermutigen, stärken. Die hinter mir stehen, mir in Liebe Stärken und Schwächen spiegeln. Die an mich glauben. Wo ich sein darf, wie ich bin, ohne befürchten zu müssen, dass negativ auf mich reagiert wird. Menschen, mit denen ich Gemeinschaft haben will. Wo ich mich ein wenig zu Hause fühle.

Auf der einen Seite: Zweifel an mir, Verwirrung über mich selbst, Unruhe in Bezug auf alles, was ich schwer aushalten kann, egal ob Menschen oder Umstände. Zu wenig Kontrolle über mich, ein zu unklarer Blick auf mich und mein Leben. Stellenweise Unfähigkeit, die Frau zu sein, die ich sein will, und meine Zeit und mein Leben so zu gestalten, wie ich will. Schwächen, die ich nicht benennen kann und mit denen ich nicht umzugehen weiß. Unsicherheit.

Auf der anderen Seite, und ich hoffe, dass das der Kern ist: Ruhe, Nähe zu Gott, Kraft, Mühelosigkeit. Die Stärke, zu ertragen und weiterzulaufen. Leichtigkeit und Friede im Herzen. Freiheit in meinen Gedanken. Zunehmende Kontrolle über mein Handeln. Selbstannahme. Liebe für Menschen. Unberührtheit, Reinheit. Das Auge im Sturm, die Ruhe in all den Kontrasten, der alles umfassende Friede. Manchmal. Immer häufiger. Mein Wunsch.

Egal, was für Kontraste mich umgeben, womit ich alles umgehen muss: Ich will diesen Kern bewahren. Da Klarheit ohne Spaltung, Einheit ohne Kompromisse finden. Gott in mir, ich in Gott, unabhängig von allem, befreit von schwarz und weiß.

Sein sein.

Momentaufnahme einer Künstlerin

In einem systematischen Chaos liegen Farben, Pinsel, Lappen, Pappteller und Plastikbecher um mich herum, und vor mir eine weiße Leinwand, noch völlig weiß, alles ist möglich. Die Farbe auf meiner Haut wirkt wie teures Balsam. Es macht ein leises Geräusch, als ich mit der Farbe über die Leinwand streiche, und irgendetwas, irgendwo in mir

kommt nach Hause.

Meine Generation, oder: Jugendlich sein

Gespalten. Alles anders und alles gleich.

Verschiedene Ideale, verschiedene Realitäten.

Ein Ideal: Spaß haben. Feiern gehen. Geile Musik, sexy Kleider, schöne Menschen. Alkohol, Rauchen, Drogen. Alter, ist das Leben geil. Bin ich zu dick? Wie wirke ich aufs andere Geschlecht? Eltern spielen keine große Rolle mehr, das wichtigste sind Freunde. Hobbys haben, viel in sie investieren. Beziehungen kommen und gehen. Liebesfilme. Man streitet sich, man verträgt sich. Man fährt zusammen in den Urlaub. Fotos, viele, viele Fotos. Und Facebook. Natürlich. Schließlich sind wir die erste echte Genetation Internet. Glücklich sein. Spaß haben.

Anderes Ideal: Ehrgeizig sein. Zielstrebig. Gute Noten, unbedingt. Der NC ist nicht gerade gnädig. Dann lerne ich eben. Studium, Berufsschule, Ausbildung? Hm. Erst mal Abi. Gute Klausuren schreiben. Sich ausprobieren. Vielleicht noch irgendeine AG. Vielleicht Nachhilfe geben. Vielleicht noch irgendwo sozial engagieren. Es geht um Zukunft, meine Zukunft.

Weiteres Ideal: Moral. Wir verändern. Atomkraft, Acta, Massentierhaltung, Rassismus – schlimm, schlimm, sowas. Diskutieren, analysieren, protestieren. Wir blicken durch. Wir wissen, wie es läuft und wie es laufen muss. Konfrontieren, argumentieren, demonstrieren. Intellektuelle Ebenen, Fachwörter – oder auch gerade nicht. Sehr überzeugt sein von seiner Sache. Ich verstehe, wovon du keine Ahnung hast, sei besser meiner Meinung.

Noch ein Ideal: Familie. Mamas und Papas Vorstellungen entsprechen. Ihren Idealen nachfolgen. Sie geben mir Wert. In ihre Themen, ihre Hobbys, ihre Kreise reinrutschen. Mama kocht am besten. Verantwortung für Geschwister.

Noch ein anderes Ideal: Individualität. Andersartigkeit. Ich bin nicht wie die anderen. An mir ist etwas anders, vielleicht besser. Meine Musik, mein Kleidungsstil, meine Ideale, meine Meinung, mein Lebensstil, meine Freunde, meine Hobbys. Sich irgendwie abheben. Und wenn es nur etwas kleines ist. Sich abgrenzen. So bist du und ich nicht, so bin ich und du nicht. Identität durch Unterschied. Ich entspreche keinem Modell. Gleichgesinnte und Zugehörigkeit im Anders-sein finden. So sind wir und alle anderen nicht, so sind alle anderen und wir nicht.

Die Realität?

Hülsen. Spaß-Hülsen. Freude, Freundschaft, Beziehung, die nur das Innere betäubt, statt es auszufüllen. Sich an anderen orientieren, sich mit ihnen vergleichen, um richtig zu sein. Ehrgeiz, um Sicherheit zu bekommen. Abgrenzen, um vor der Bedeutungslosigkeit zu fliehen. Diskutieren, um alles wegzurationalisieren, was mein Herz sagt und was mir nicht gefällt. Selbst emotional an die Familie gefesselt aus Angst vor Selbstständigkeit, Unabhängigkeit, Unsichtbarkeit. Rasiermesser durch Fleisch: Ich hasse mich. Wer bin ich denn überhaupt? Selbstmordgedanken, Essstörung, Selbstverletzung, Selbsthass, Bedeutungslosigkeit. Allein gelassen. Innerlich verwahrlost. Masken, die bei den inneren Tränen nur schwer aufrechtzuerhalten sind. Wie glücklich ich bin, soviel bin ich wert. Ich habe Spaß. Es geht mir gut. Während das Herz „Nein!“ schreit. Aber wer versteht mich schon wirklich?

Oder darüber stehen. Eigentlich. Den Zugang zu dem, was in mir ist, irgendwie jetzt schon verloren haben. Es ist doch alles okay, oder? Fehlt mir was? Und wenn ja, was? Es wirklich nicht wissen. Alles viel zu kompliziert. Keine Zeit, zu denken. Irgendwas ist immer, zu viel für den Zeitplan und den Kopf, aber nie genug für das Herz. Ja, aber was ist mit dem Herz denn jetzt überhaupt? Sich mit anderen Dingen beschäftigen.

Oder man hat den Zugang zu sich selbst noch. Man versteht. Man weiß das alles, die Ideale, die Realität, wie das bei einem selbst aussieht. Man hat sich analysiert, man hat die Situation analysiert. Es ist klar, was falsch läuft. Es geht mir schlecht, und ich weiß, warum. Aber ich ändere es nicht. Antriebslos. Zurückgestellt. Verharren, wo man ist. Die Veränderung passiert nicht. Irgendwie betäubt und tot, und irgendwie auch überhaupt nicht.

So oder so ähnlich ist das, irgendwie so sieht es aus. Das ist, was mein Blick sieht. Antworten gibt es zu viele, als dass die wahren gesehen würden. Und die meisten wollen auch gar keine Antworten mehr hören. Zu viel Müll, zu viel Lügen, zu viel Selbstbetrug. Die Fragen zu wenig ernst genommen. Vertrauen verloren. Die Jugend ist doch die schönste Zeit im ganzen Leben, ne?

Ganz ehrlich?

„Leben“, sagte Marvin, „erzähl mir bloß nichts vom Leben!“

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* aus: ‚Per Anhalter durch die Galaxis‘ von Douglas Adams

12 Gründe für einen Mädchensporkurs

mit Schwerpunkt Ballsportarten

  1. Endlich spielen, ohne diesen übertriebenen Wettbewerbsgeist der Jungs drinzuhaben. Endlich nicht bei jedem Fehler angemault werden und endlich nicht mehr so unglaublich viele Fouls oder Beinahe-Fouls, nur um zu gewinnen.
  2. Mehr gemeinsam, mehr team play, mehr fair play, mehr Spaß.
  3. Nicht mehr diese meist nur semi-erfolgreichen Versuche der Lehrer, die Geschlechterunterschiede zu händeln und die Mädchen nicht zu kurz kommen zu lassen.
  4. Vernünftigere Bewertungsmaßstäbe.
  5. Keine Jungs, die dir unter deine Kleidung gucken wollen und fast durchgehend weibliche Körper begaffen und analysieren. Mädchen sein, ohne auf diese Weise beobachtet zu werden. Nicht schlimm, wenn das eingesteckte Sport-T-Shirt irgendwie ein bisschen durchsichtig ist.
  6. Bis zu 90% weniger fiese oder anzügliche Kommentare. Bis zu 70% weniger Auslachen.
  7. Wenige bewegungsverweigernde „Mit-verschränkten-Armen-hinten-drin-steh“-Mädchen, da diese eher die Mädchensportkurse mit Schwerpunkt Gestalten (d.h. Tanzen) wählen.
  8. Mehr ein Niveau durch die fehlenden Jungs und den Filter der Schwerpunktwahlen.
  9. Klischeehaft eher männlich zugeordnete Verhaltensweisen (wie z.B. Kampfgeist und Rumschreien) an den Tag legen dürfen, ohne dass das irgendwer komisch findet. Ihr glaubt gar nicht, wie „männlich“ die süßen Mädels sein können, wenn die Jungs mal weg sind. (Also auf weibliche Art männlich – macht das Sinn?)
  10. Kein Paartanz mit Jungs machen müssen, mit denen man einfach nicht tanzen will.
  11. Sicher sein von der viel zu stark vertretenen Art Sportlehrer, die vor allem gerne in der Oberstufe Sport unterrichten und dann irgendwas mit Reck oder Turnen machen, um den hübschen, jugendlichen Damen Hilfestellung geben zu können. Wir als Mädchenkurs dürfen zum Glück nur Lehrerinnen kriegen.
  12. Ein kleinerer Kurs. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Umkleiden. Für jede der drei Hallen eine Jungs- und eine Mädchenumkleide. Klar, wie sich das bei einem reinen Mädchenkurs auswirkt.

So gern ich Jungs auch mag und so gern ich mit ihnen auch Unterricht habe – bei Sport braucht man sie echt nicht.

An die Mörder

Leute, wacht auf! Augen auf! Schaut doch hin, was ihr tut!

Ja, ist mir klar, dass ihr das nicht wolltet und nicht so genau darüber nachgedacht habt. War doch nur Spaß, na sicher. Für euch war es vielleicht Spaß. Aber für sie nicht. Ja, ihr, ihr seht immer nur auf euch. Seid bequem. Schaut nur vor das Gesicht und nicht mal in die Augen, geschweige denn ins Herz. Menschen, die mit euch nicht auf einer Wellenlänge sind, werden runtergemacht.

Wisst ihr denn nicht, was für eine verdammt vernichtende Macht eure Worte haben können, und wenn sie noch so klein, witzig und unscheinbar zu sein scheinen?

Wisst ihr denn nicht, dass das das Problem mit Menschen, die euch „nerven“, nicht in deren Art liegt, sondern in eurer Unfähigkeit, mit ihnen angemessen umzugehen?

Wisst ihr denn nicht, dass es jeder einzelne Mensch auf diesem Planeten verdient, in Würde und Ehre behandelt zu werden?

Ihr tötet! Versteht das doch! Mit jedem kleinen Kommentar, mit jedem abschätzigen Blick, mit jedem lästernden Wort tötet ihr sie. Ihr foltert sie langsam und qualvoll zu Tode. Ihr löst in ihr einen Schmerz aus, mit dem sie nicht umzugehen weiß, mit dem niemand umzugehen weiß.

Ich weiß. Keiner hat es leicht in dieser Welt, und ihr wurdet selbst auch verletzt. Das ist nur eben keine Lizenz dazu, dasselbe zu tun. Auch ihr verdient Würde und einen ehrenvollen Umgang. Also gebt ihn! ALLEN!

Das ist nicht meine Sicht der Dinge, dass es auch dämliche und bescheuerte Leute gibt, die keine Wertschätzung verdienen. Wenn ich die Welt ansehe, sehe ich tolle, fantastische und bezaubernde Geschöpfe mit einem Bedürfnis nach Liebe und Zugehörigkeit, von denen keiner getötet werden soll. Keiner. Keiner. Überhaupt gar keiner. Ihr nicht und sie nicht.

Hab ich mich klar ausgedrückt?