Sprüche-Auseinanderrupf-Kommando in 3 … 2 … 1 …

Ahnungslos klickte ich heute in einem nicht näher definierten sozialen Netzwerk herum, als ich plötzlich frontal angegriffen wurde. Ein Satz zu einem Selfie, so kitschig und möchte-gern-tiefsinnig wie es nur eben geht, und zusätzlich noch von Grund auf falsch.

Es sind die Starken im Leben, die unter Tränen lachen, ihr eigenes Leben verbergen, um andere glücklich zu machen.

Nein, das sind die Dummen.

  1. Du wirst einen anderen niemals wirklich glücklich machen können und es wird auch nie ein anderer dich glücklich machen können. Ich stelle mir manchmal vor, dass Menschen so vielschichtig sind wie Zwiebeln, und dass verschiedene Gefühle und Verletzungen unterschiedlich tief gehen und unterschiedlich viele Schalen betreffen. Das Glück, welches du in anderen erzeugen kannst, betrifft nur auf die äußeren Schichten. Du wirst nie einen Menschen so glücklich machen, dass ihn das durchdringt.
  2. Du wirst nicht alle gleichzeitig glücklich machen können. Selbst wenn du die einen soweit wie möglich glücklich machst, gefällst du den anderen nicht.
  3. Du wirst daran kaputt gehen. Wenn du andere glücklich machen willst, rennst du dein Leben lang deren Erwartungen hinterher, wirst leer, ausgelaugt und bitter. Außerdem verlierst du dein Rückgrat. (Oder du bildest nie eins.)
  4. Du kannst nicht „dein Leben verbergen“ und „andere glücklich machen“ gleichzeitig. Wenn du vom Hinter-Erwartungen-herlaufen leer, ausgelaugt und bitter wirst, kannst du andere nicht mehr glücklich machen, auch wenn du es „verbirgst“ und „unter Tränen lachst“.
    Nur wenn du selbst mit Frieden gefüllt bist, kannst du Frieden weitergeben.
    Nur wenn du selbst mit Freude gefüllt wirst, kannst du Freude weitergeben.
    Nur wenn du selbst mit Glück gefüllt bist, kannst du Glück weitergeben.
    Was du nicht hast, kannst du nicht geben.
    Klingt logisch, oder?
  5. Was ist daran stark, sein Leben zu verbergen und eine lachende Maske aufzusetzen? Viel stärker ist es, sie abzunehmen und sich dem zu stellen, wer man wirklich gerade ist, weder sich selbst noch anderen etwas vorzuspielen, sich zu öffnen, verletzlich zu machen, bewusst Schwäche und Schmerz zu empfinden, und dann vielleicht um Hilfe zu fragen, vielleicht daran weiterarbeiten, und so weiter. Masken sind ein Zeichen von Schwäche, sei es emotional, charakterlich oder sonstwie.
  6. Ich höre aus diesem Satz heraus, das diejenige Person andere nicht mit ihrem Leben belasten will. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege. Mal angenommen, es stimmt: Das funktioniert nicht. Jedenfalls nicht bei sensiblen Menschen wie beispielsweise mir. Ich spüre so oder so, dass da etwas ist, und mich macht es glücklicher, wenn derjenige sich öffnet und mir alles erzählt und meine Hilfe (und wenn es nur Zuhören ist) annimmt als wenn er sich versteckt, um mir nicht zur Last zu fallen. Das (also das nicht zur Last fallen wollen) ist für mich viel eher eine Last. Es erzeugt im schlimmsten Falle Befremdung, Oberflächlichkeit und sogar Angst. Und ich denke, da geht es nicht nur mir so.
  7. Außerdem klingt für mich der Spruch so, als würde die Person die anderen über sich selbst stellen. Das ist etwas, bei dem man sehr vorsichtig sein muss. Es klingt total vorbildlich, ich weiß. Aber: Bevor du in deiner Identität und deinem Charakter nicht fest bist und bevor du deine emotionalen Grenzen nicht kennst und einhalten kannst, solltest du das nicht tun. Versuche, die anderen mit dir auf eine Stufe zu stellen, und lasse dich bitte bitte nicht von ihnen bestimmen, und in gar keinem Fall so, wie in dem Zitat beschrieben. Dich dazu bringen zu lassen, aufgrund von dem Glück anderer dein eigenes Leben zu verbergen, ist schrecklich.

Um dem Spruch wenigstens ein bisschen seiner Würde zurückzugeben:
Ich finde den Ansatz gut, trotz Schmerz zu lachen.
Und es ist ehrenwert, nicht immer alles um sich drehen zu lassen, sondern einen großen Teil seiner Zeit für andere da zu sein, was in diesem Satz zumindest angedeutet wird.

Merke:
Nicht alles, was tiefsinnig klingt, ist auch tiefsinnig.
Besondere Vorsicht ist bei Kitsch geboten.

Und:
Du kannst keine andere Menschen glücklich machen.
Dein Leben Verbergen erzeugt zudem gar kein Glück.

So. Eine weitere Etappe geschafft im Kampf gegen blöde, pseudo-tiefsinnige Sprüche.

Die Vorgänger:
Never give upSelbstlob stinktSag deiner wütenden Freundin, dass sie süß aussieht

Guter Tee, viele Straßenkatzen und der Lausbub-Lehrer 2.0

Auch wenn eine Erkältung mit starken Halsschmerzen ansonsten ziemlich ätzend ist, genieße ich die Gelegenheit, meinen weichen, hellgrünen Lieblingsschal zu tragen. In ihn eingekuschelt gieße ich mir Tee aus meiner Thermoskanne ein. Ah, das tut gut. Danke, Mama, dass du den heute Morgen noch gemacht hast.

„Prost!“, ertönt es aus Richtung Tafel. Ich schaue hinter meiner Tasse (bzw. meinem Thermoskannendeckel) hervor. Mein Mathelehrer. Er will mir offensichtlich ins Gedächnis rufen, dass man in Fachräumen nicht essen und trinken darf.

„Danke“, antworte ich und nehme noch einen Schluck. Und noch einen.

Mein Mathelehrer hat mich fixiert. Noch ein Schlückchen. Ah, wie lecker dieser Tee ist. Schwarzer Tee mit viel Honig und ein wenig Orangensaft. Müsst ihr auch mal machen. Voll gut.

„Haben Sie den Wink nicht verstanden?“ Der Mathelehrer grinst in sich hinein. Woran der schon wieder so viel Spaß hat, versteht außer ihm wohl keiner. Ich nippe wieder an der Tasse.

„Man darf in Fachräumen nicht essen und trinken“, antworte ich vorbildlich, mummel mich weiter in meinen Schal hinein und gönne mir noch ein wenig Tee.

Mein Mathelehrer scheint das sehr interessant zu finden, denn sein Blick ruht noch immer auf mir. Er zieht eine Augenbraue hoch. Ich schwanke bei meiner Interpretation dieses Gesichtsausdruckes zwischen spöttisch, amüsiert und leicht ärgerlich. Wie war noch dieses eine Wort, mit dem man sein typisches Grinsen so gut beschreiben kann? Ach ja, süffisant. Duden definiert das so: „ein Gefühl von [geistiger] Überlegenheit genüsslich zur Schau tragend, selbstgefällig, spöttisch-überheblich“. Das trifft seinen jetzigen Gesichtsausdruck auch gar nicht so schlecht, finde ich. Darauf ein Schluck Tee, würde ich sagen.

Nach einigen weiteren Sekunden komme ich zu dem Schluss, dass es vielleicht doch ganz klug wäre, auf seinen Gesichtsausdruck irgendetwas zu antworten.

„Ich habe Halsschmerzen“, sage ich entschuldigend und gleichgültig zugleich.

Ein Lausbub-Kichern entweicht ihm. „Tolle Ausrede“, spottet er.

„Danke“, antworte ich. Ironie wird überbewertet. Und Regeln auch.

Mein Mathelehrer sieht mich noch eine Sekunde lang an. Dann wendet er sich wieder der Population von Straßenkatzen in einem Hamburger Stadtviertel zu, angegeben in einer fünf-dimensionalen Matrix. Ich interpretiere das als Erlaubnis, weiterzutrinken, und schenke mir nach.

Irgendwann gelangen wir zu der Frage, wie rum man die Populationsmatrix und die Kastrationsmatrix zur Wachstumsbegrenzung verknüpfen muss, um die neue Populationsmatrix Q herauszubekommen. Alle sind sich einig: Erst Populationsmatrix, dann Kastrationsmatrix. Nö.

„Das macht keinen Sinn. Bei einer nicht vorhandenen Population kann man nichts kastrieren. Und weil wir von rechts nach links rechnen, kommt erst die Kastrationsmatrix und dann die Populationsmatrix. Das sieht man auch schon am Ergebnis. Bei eurer Theorie würde die Geburtenrate im Ergebnis genau gleich sein wie zu Beginn, und das ist schon vom Sachkontext her Quatsch.“

Diskussion darüber, warum das nicht stimmen kann. Ich lehne mich zurück und warte. Ich bin mir sicher, dass ich Recht habe. Boah, dieser Tee, ne. Ich kann nicht aufhören zu trinken.

Drei Minuten später schaut mein Mathelehrer wieder zu mir. „So langsam kommen mir Zweifel. Ich glaube, an dem, was Sina gesagt hat, ist doch was dran.“

„Natürlich ist es das“, kommentiere ich trocken. Der Kurs kichert.

Der Blick in die Lösungen bestätigt meine Theorie. Mathematisch schwierig herzuleiten, aber der Sachkontext machts. Der Mathelehrer ist relativ beeindruckt.

„Sina, ich muss schon sagen: Sehr gut argumentiert.“

Ich neige meinen Kopf leicht, um anzudeuten, dass ich das Kompliment annehme. Sympathie erfolgreich wieder hergestellt. Darauf nen Tässchen Tee. Zum Wohl.

Am Ende der Mathestunde ist der Tee alle. Betrübt schüttel ich die Kanne, aber da ist wohl nichts mehr zu machen. Beim Klingeln beschließe ich, dass ich unter diesen Umständen unmöglich noch arbeiten kann und gehe nach Hause.

Ich pfeife auf den Königssohn

Beim Durchsehen meiner alten Schulsachen bin ich auf ein Gedicht gestoßen, dass wir in der dritten Klasse auswendig lernen mussten. Es ist von Jutta Richter und heißt „Ich pfeife auf den Königssohn“ und enthält so viel Weisheit, dass es fast ein bisschen unglaublich ist für ein so simples, leichtes Gedicht. Man mag denken, dass die Botschaft veraltet ist, moderne Rollenbilder und Emanzipation und so, aber wenn ich mich so umsehe, finde ich ganz schnell so einige Mädels, die lieber sehnsüchtig auf ihren Prinz der Träume warten als selbst zu leben. Steht auf!

Ich pfeife auf den Königssohn
von Jutta Richters

Dornröschen war ein schönes Kind
und schlief einhundert Jahre.
Schneewittchen biss vom Apfel ab
und lag tot auf der Bahre.
Und wie das so bei Märchen ist,
hat der Prinz sie wachgeküsst.

Ich pfeife auf den Königssohn.
Ich bin nicht tot, ich lebe schon!
Und wer’s nicht glaubt, der sollte gehn,
der wird mich nie verstehn.

Ein Mädchen sollte Strümpfe stopfen,
kochen, backen, stricken.
Es sollte hübsch und artig sein
und einen Mann entzücken.
Und wie das so im Leben ist,
man wartet und wird wachgeküsst.

Ich pfeife auf den Königssohn.
Ich bin nicht tot, ich lebe schon!
Und wer’s nicht glaubt, der sollte gehn,
der wird mich nie verstehn.

Du, meine Tochter, glaube nicht,
was solche Märchen sagen.
Sieh dort im Spiegel dein Gesicht,
du musst das Leben wagen.
Geh tapfer vor und nie zurück,
vertraue dir und deinem Glück.

Und pfeife auf den Königssohn.
Und schlafe nicht, du lebst ja schon!
Wer das nicht glaubt, den lasse gehen,
der wird dich nie verstehen.

Ich bin schön.

Für Martin (*klick*)  und Luisa (*klick*). Danke, dass ihr mir zu dem Thema nochmal auf eine andere Weise die Augen geöffnet habt.

Ich bin schön.

Moment mal – guck doch mal in den Spiegel. Wie schief dein Mund ist. Deine Nase hat ne merkwürdige Form und ist zu groß. Du hast viel zu viele Pickel. Dein Gesicht hat gar keine Anmut!

Ich bin schön.

Und guck erst mal deine Figur an. Is nichts mit Modellmaßen! An dir ist doch nichts dran! Du siehst lange nicht feminin genug aus. Und du bist viel zu knochig. Du bewegst dich auch nicht hübsch. Zu eckig, zu zittrig, irgendwie komisch. Du hast so einiges zu kaschieren.

Ich bin schön.

Wenigstens solltest du dich schöner kleiden. Die Farben müssen besser abgestimmt werden und die Sachen müssen besser zu deiner Figur passen. Und schminken kannst du dich auch nicht vernünftig. So bist du doch nicht schön!

Ich bin schön.

Ich bin einfach schön!

Happy Towel Day, Anhalter!

Ich weiß, wo mein Handtuch ist!

Ich weiß, wo mein Handtuch ist!

Ja, es ist wieder soweit! Hast du es dabei? :-)

Entweder du weißt Bescheid (hey, Freunde!) oder du denkst jetzt: „Towel? Heißt das nicht Handtuch? Was ist denn bitte ein Handtuch-Tag? Habe ich etwas wichtiges verpasst?“ – Jap, hast du. Und zwar die Anhalter-Staffel von Douglas Adams. Aber keine Panik! Bevor du jetzt verzweifelst, weil du immer noch nicht weißt, was da mit den Handtüchern soll, hier der entsprechende Artikel im Reiseführer Per Anhalter durch die Galaxis:

Ein Handtuch ist so ungefähr das Nützlichste, was der interstellare Anhalter besitzen kann. Einmal ist es von großem praktischem Wert – man kann sich zum Wärmen darin einwickeln, wenn man über die kalten Monde von Jaglan Beta hüpft; man kann an den leuchtenden Marmorsandstränden von Santraginus V darauf liegen, wenn man die berauschenden Dämpfe des Meeres einatmet; man kann unter den so rot glühenden Sternen in den Wüsten von Kakrafoon darunter schlafen; man kann es als Segel an einem Minifloß verwenden, wenn man den trägen, bedächtig strömenden Moth-Fluss hinuntersegelt, und nass ist es eine ausgezeichnete Nahkampfwaffe; man kann es sich vors Gesicht binden, um sich gegen schädliche Gase zu schützen oder dem Blick des Gefräßigen Plapperkäfers von Traal zu entgehen (ein zum Verrücktwerden dämliches Vieh, es nimmt an, wenn du es nicht siehst, kann es dich auch nicht sehen – bescheuert wie eine Bürste, aber sehr, sehr gefräßig); bei Gefahr kann man sein Handtuch als Notsignal schwenken und sich natürlich damit abtrocknen, wenn es dann noch sauber genug ist.

Was jedoch noch wichtiger ist: ein Handtuch hat einen immensen psychologischen Wert. Wenn zum Beispiel ein Strag (Strag = Nicht-Anhalter) dahinter kommt, dass ein Anhalter sein Handtuch bei sich hat, wird er automatisch annehmen. er besäße auch Zahnbürste, Waschlappen, Seife, Keksdose, Trinkflasche, Kompass, Landkarte, Bindfadenrolle, Insektenspray, Regenausrüstung, Raumanzug usw., usw. Und der Strag wird dann dem Anhalter diese oder ein Dutzend andere Dinge bereitwilligst leihen, die der Anhalter zufällig gerade „verloren“ hat. Der Strag denkt natürlich, dass ein Mann, der kreuz und quer durch die Galaxis trampt, ein hartes Leben führt, in die dreckigsten Winkel kommt, gegen schreckliche Übermächte kämpft, sich schließlich an sein Ziel durchschlägt und trotzdem noch weiß, wo sein Handtuch ist, eben ein Mann sein muss, auf den man sich verlassen kann.

Und deswegen nehmen Fans dieser Staffel jeden 25. Mai ihr Handtuch überall mit hin. Und ich bin dabei!

Du auch? :-)

PS: Schon mal irgendwo gehört, dass die Antwort auf die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ bzw. der Sinn des Lebens 42 ist? Ja? Jetzt weißt du, wo es her kommt!

Schul-Metamorphose

Oh Sina, was ist nur mit dir passiert?

Wann hast du dir diese Egal-Mentalität zugelegt? Wann war dieser Moment, seitdem du bei den meisten Fächern vor Klausuren nur noch die Achseln zuckst? Seitdem es dich nicht mal mehr stört, dass du keine Hausaufgaben machst? Seitdem du Klausuren manchmal unfertig abgibst, weil du schlicht keine Lust mehr hast?

Sina, ich find das doof. Ich habe mich immer auf diese letzte Panik am Abend vor der Klausur verlassen, weil ich dann noch schnell gelernt habe und so alles wusste, was nötig war. Mehr musste ich eh nie lernen. Aber jetzt fehlt diese Panik! Was soll ich denn ohne die machen? Du bist so unzuverlässig!

Und morgen schreib ich auch ne Klausur, weißt du. Und dich interessiert das nicht mal. Du erinnerst mich nicht daran. Du findest es nicht wichtig. Es ist dir egal. Es gibt wichtigere Sachen im Leben, behauptest du.

Wobei – eigentlich hast du Recht. Es gibt wirklich viel wichtigere Sachen. Die Zeit ist ja wirklich zu schade zum Lernen …

Hallo Leben!