Trailer für mein Leben 2

Wann fahren wir wieder nach Hause?

von mir, als ich zwei bis drei Jahre alt war.

Ich bin in meinem Leben schon ein paar Mal umgezogen, das erste Mal kurz bevor ich drei Jahre alt wurde. Irgendwie habe ich damals den Sinn vom Umziehen noch nicht so ganz verstanden, und so habe ich diese Frage in den ersten Wochen und Monaten immer und immer wieder gestellt. Mein großer Bruder hat mich ausgelacht und Mama musste mir immer wieder sagen: „Wir fahren nicht mehr zurück. Unser Zuhause ist jetzt hier.“ Und dann habe ich protestiert und geheult. Naja.

Warum nenne ich das jetzt einen Trailer für mein Leben?

Dieses Nach-Hause-Wollen, dieses Suchen nach einem Ort, der vertraut und geborgen ist, war schon immer wichtig bei mir. Meine frühste Erinnerung ist, wie ich geborgen in einem Gitterbett liege und Mama beim Bügeln zusehe – eine Zuhause-Erinnerung. Ich habe manchmal geweint, wenn wir in einem Ferienhaus angekommen sind und es nicht schön eingerichtet war und sich nicht nach Zuhause angefühlt hat. Und manchmal muss ich ein bisschen seufzen, weil sich mein aktuelles Zuhause nicht so ein Zuhause ist, wie ich es mögen könnte.

Ich glaube, diese Frage, die ich damals so oft gestellt habe, wird mich mein Leben lang in der einen oder anderen Form begleiten – und leiten.


Trailer 1

Trailer für mein Leben 1

It’s gonna be wild!
It’s gonna be great.
It’s gonna be full of me.

Aus „Come away“ von Jesus Culture.

Schon seit ich dieses Lied das erste Mal gehört habe – das wird wohl vor so zwei bis zweieinhalb Jahren in meiner wundervollen Kirche gewesen sein – habe ich das Gefühl, dass das eine Art Vorschau auf mein Leben ist; dass diese Zeilen genau das beschreiben, was mich erwarten wird. Dieser Gedanke kam einfach so und seitdem muss ich immer wieder daran denken. „Me“ ist hier Gott. Es ist, als würde er zu mir sagen: „Es wird wild! Und großartig. Und ich bin voll dabei.“

Also dann – Ich freu mich drauf! :-)

Crying out – Bettina Martens

Ein Lied, das ist wie der innere Schrei eines Opfers des Menschenhandels.
Ein Video, das die Zerrissenheit der vielen Mädchen und Frauen zum Ausdruck bringt.
Ein Ergebnis, das gesehen werden will, damit Stimmen dagegen laut und lauter werden.

Ein Ergebnis, das trotz des schlimmen Themas wundervoll ist.

Und eine sprachlose Sina, die nichts weiß, was man da noch hinzufügen könnte.

Teilt es! Verbreitet es! Zeigt es der Welt!

Mittel-Mensch

(Nicht unbedingt zum sich-angesprochen-fühlen, aber ganz vielleicht ja doch.)

Bist so ein Mittel-Mensch, so mittel irgendwas. Bewegst dich in der Mitte zwischen Meinungen und Menschen, sammelst dir so zusammen, was dir gerade passt. Ein bisschen dies, ein bisschen das. Hin und her. Gehst nie den letzten Schritt; den Schritt, der es echt und ganz und verbindlich machen würde. Nein, bleibst dazwischen, siehst dich vielleicht sogar als so etwas wie eine Verbindung. Und bist stolz darauf.

Willst es so. Mittel sein. Mittelweg gehen. Mitte ist gut, sagst du. Balance und so.

Was soll das?! Mach ganze Sache! Diese ganze Mittel-Mentalität lässt dich als Person mittel werden. Ist „okay“ dir denn schon genug? – Verändere dich! Wer bist du? Entwickel dich! Du weißt selber nicht, auf welcher Seite du stehst. Deine Meinungen schwanken wie Grashalme im Wind. Die Entscheidungen, die du triffst, haben kein Gewicht. Du kannst das alles ändern! Du kannst dich ändern!

Wofür stehst du? – Stehe für etwas!

Wohin willst du? – Geh los!

klavierlose Klavierstunde mit dem Thema Menschenhandel

„Und macht ihr auch irgendwas aktives? Reden kann ja jeder …“

Soeben habe ich meiner Klavierlehrerin auf die Frage hin, was ich heute noch so mache, von meiner Lifegroup (oder auf Deutsch „Hauskreis“) erzählt. Ihre Frage ist berechtigt, gibt es doch viel zu viele Menschen, die nach den Worten „Das ist ja schrecklich!“ und einem gelungenen Gesichtsausdruck der Betroffenheit das Leid der Welt für erledigt erachten. Ich bin froh, von mir und meiner Kirche sagen zu können, dass wir nicht zu diesen Menschen gehören.

Die Augen meiner Klavierlehrerin werden groß, als ich ihr vom Aktionstag gegen Menschenhandel und Sexsklaverei kommenden Samstag erzähle und von den ganzen anderen sozialen Aktionen der letzten Jahre. Letzte Woche hat sie mir etwas über Tierschutz erzählt, wie Milchkühe gehalten werden und was das Biosiegel alles als „okay“ durchgehen lässt. Ihr Herz schlägt für Tierschutz. Diese Klavierstunde scheine ich dran zu sein, ihr zu erzählen, was mich berührt.

Sie fragt wegen der Sache mit der Sexsklaverei nach und es entspinnt sich ein Gespräch über Menschenhandel. Immer entsetzter, schockierter, wütender wird ihr Blick, als ich ihr erzähle, dass optimistisch geschätzt 27 Millionen Menschen versklavt sind, und dass diese Zahl wächst.
Dass drei Millionen davon wie Baumwolle oder Rindfleisch über alle Grenzen hinweg gehandelt werden und keiner mehr weiß, wo sie sind.
Dass es vor allem junge Frauen und Mädchen sind, die zur Prostitution gezwungen werden, eine Vergewaltigung hoch 20-30 pro Person pro Nacht.
Dass in der halben Stunde, die ich Klavier habe, 60 Personen Opfer von Menschenhandel geworden sind.
Dass der Gewinn pro Sexsklave pro Jahr 22 Tausend Euro beträgt und die Sklaven selbst nicht einmal genug zu essen bekommen.
Dass Deutschland da ganz vorne dabei ist, ein Zentrum, nach Belgien die Nummer zwei, schon „der Puff Europas“ genannt. Und das, weil Prostitution hier legal ist und Menschenhandel so schwer nachweisbar ist.
Dass dem Opfern ihr Pass weg genommen wird, und dass nach dem deutschen Rechtssystem nur Abschiebung auf sie wartet, wenn sie sich über alle Drohungen hinwegsetzten und zur Polizei gehen.
Dass die deutsche Politik nicht einmal die immer noch nicht strengen EU-Richtlinien von 2011 zu dem Thema beachtet, die sie bis zum 6. April diesen Jahres umgesetzt haben sollten, weil sich die CDU und die FDP nicht so ganz einig waren und da haben sie lieber gleich gar nichts gemacht.

Das alles.

Am Ende des Klavierunterrichts hat meine Klavierlehrerin Tränen in den Augen. Sie schnappt sich ihre Jacke und sagt mit bebender Lippe, aber viel Nachdruck:

„Diese Welt braucht mehr Jugendliche wie dich, Sina. Und weißt du was? Du setzt dich für die Menschen ein, ich setzte mich für die Tiere ein und zusammen machen wir die Welt ein bisschen besser.“

Ja. Ja, das machen wir.

Oder andersrum

Musik drückt aus, worüber besser geschwiegen worden wäre.

– Clara Schumann

So herum gedreht gefällt mir dieser Satz noch viel besser.

Kennt eigentlich irgendwer von euch ihre Geschichte?

Mit zehn Jahren begann sie ihre Karriere als Pianistin und wurde recht erfolgreich. Irgendwann heiratete sie den Musiker Robert Schumann, mit dem sie eine Reihe Kinder bekam. Er war neidisch auf ihre Erfolge als Musikerin und schränkte sie stark in ihrer Musikalität ein, doch sie liebte ihn. Nach einigen Jahren wurde er in eine Irrenanstalt eingewiesen – nach einem versuchten Selbstmordversuch, immer schlechter werdendem Gehör, Syphilis und einer eventuellen psychischen Erkrankung. Fakt ist: Wer in diesen Zeiten einmal in einer Irrenanstalt drin war, kam nie wieder heraus. Die Ärzte verweigerten Clara jeden Kontakt mit ihrem Mann, obwohl sie hartnäckig darauf bestand. Und so musste sie ihre Kinder alleine durchschlagen – als Musikerin. Als Frau in 19. Jahrhundert. Sozusagen als Witwe, später wirklich als Witwe. Viele Jahre. Sie gab Konzerte und Unterricht und komponierte. Sie hat sich in einer Welt durchgesetzt, wo sie ständig beweisen musste, dass sie als Frau auch etwas zu sagen hat und dass bei ihr die Musik spielt. Sie schaffte es und wurde alt damit.

Wenn ihr mich fragt: Diese Frau ist einfach bewundernswert. Und um auf das Zitat zurück zu kommen: Bei der Lebensgeschichte kann ich einfach verstehen, warum sie das gesagt hat.

Die Leichen im Keller

Holt die Leichen aus dem Keller, denn sie stinken!

Ich weiß doch schon lange, dass sie da sind, das riecht man doch. Sie machen die Luft hier oben stickig. Und lebendiger werden sie da unten auch nicht mehr. Es sind Leichen, sie sind tot! Sie werden verwesen, Anspannung bringen und euch das Leben schwer machen, das ist alles. Das muss doch nicht sein! Bringen wir sie endlich fort, los. Ich helfe euch.

Lassen wir sie in Frieden ruhen, damit wir in Frieden leben können.