Was willst du?

Was willst du, Sina?, fragst du mich. Was willst du machen?

Ich will Menschen helfen, zu wachsen. Ich will etwas in Menschen bewegen. Ich will Fortschritte, Veränderungen sehen. Ich will Menschen herausfordern. Ich will sie konfrontieren mit sich selbst und mit der Wahrheit. Mein Wunsch ist es, dass Menschen wachsen und weiterkommen, nicht stehenbleiben, Dinge entdecken und verstehen, dass ihr Denken weiter wird, ihre Herzen liebender, ihre Seelen freier und klarer.

Ich will Freiheit bringen. Ich will Menschen Freiheit bringen, die getrieben sind von ihrer Sehnsucht nach Annahme und Sinn, die gefangen sind in ihrer Vergangenheit, in den Erwartungen anderer oder in ihren Fehlern. Ich will Menschen Freiheit bringen, deren Zuhause man wohl kaum ein solches nennen kann, die unter anderen leiden und langsam einen lebendigen Tod sterben.

Ich will lieben. Ich will dienen. Ich will das Wesen anderer Menschen nicht mit Härte beurteilen, sondern in Liebe annehmen. Ich will ihre Gedanken, Gefühle und Themen in Liebe betten und ihnen die Füße waschen. Ich will ihnen den Vater zeigen.

Ich will die Wahrheit Gottes aussprechen, ausleben, weitergeben. Nichts ist so gut wie er, nichts ist vergleichbar mit seiner Nähe. Es gibt keinen anderen Weg zu Gott als durch Jesus und seinen Tod. Es ist keine Botschaft von „du sollst“ und „du musst“, sondern eine Botschaft der Liebe und Freiheit, und ich will sie hinaustragen und das Feuer in meinem Herzen weitergeben.

Ich will kämpfen. Ich werde kämpfen. Für das alles, für Liebe, für Leben, für Wahrheit. Ich bin dazu ausgewählt, eine Kriegerin, eine Anführerin zu sein. Selbst mein Name bedeutet Kriegerin. Trotzkopf, Sturheit, Durchsetzungsvermögen, Leiterschaft, immer willst du der Bestimmer sein – es gibt viele Facetten davon.

Das will ich. Das will ich machen.

Das werde ich machen.

Irgendwie Ich

(Ein zweiteiliger Text vom 29.10.2013. Schwierige Zeit: Verletzungen, Schmerz und Selbstzweifel.)

Teil 1 – Irgendwie Ich

Mein Lieblingsgetränk ist Wasser, und wenn ich hungrig bin, esse ich am liebsten Nudeln oder Brot.
Meine Gedanken sind zu alt für mich und meine Emotionen manchmal zu jung. Ich bin nicht witzig und spontan genug, um die Freundin zu sein, die einen immer zum Lachen bringt. Ich kann nicht tanzen und am liebsten bin ich allein, aber manchmal auch nicht. Ich bin zu ernst und meine Fassade zu fröhlich und energiegeladen – und warum habe ich eigentlich eine Fassade?
Ich analysiere zu viel, vor allem mich, und ich meine zu wissen, dass ich falsch funktioniere. Ich bin zu anormal, um als Standard durchzugehen, und zu normal, um wirklich wer besonderes zu sein. Wenn meine rationale Seite überwiegt, dann fragen die Menschen, wie ich nur so gefühlskalt sein kann, und wenn sie emotionale Seite überwiegt, dann

Irgendwie langweilig, nicht wahr?

Teil 2 – Nichts zu sagen

Wie viel Egoismus tut mir gut?
Ich weiß nicht, wie oft oft inzwischen gehört habe, ich solle auf mich und meine Kraft aufpassen, nicht zu viel machen, meine Bedürfnisse vorgehen lassen, damit ich nicht im Burn-out lande. Ich habe nicht mitgezählt.
Andererseits wird Hingabe und Demut hoch geschätzt.
Und was ist gut? Was soll ich?
Ich habe aufgehört, zum Nutzen der Allgemeinheit zu denken. Statt zu fragen: „Ist es richtig? Was hat es für Konsequenzen?“ überlege ich: „Profitiere ich davon? Wird es spürbare Auswirkungen auf mich haben?“ Ich stelle diese Fragen und fühle dabei nichts. Knips, da hat wohl jemand die Emotionen ausgeschaltet. Bin ich eine Maschine? Eine selbstsüchtige, kalte Maschine ohne die Fähigkeit, Rücksicht zu nehmen oder mitzuleiden? Meine Gedanken bräuchten Schmieröl …

Und die Menschen fragen mich, wie es mir geht. Warum? Ist es die Eröffnung einer Konversation, die Aufforderung, etwas zu erzählen oder interessiert es wirklich? Wie geht es mir, wenn mein Herz sich irgendwie tot anfühlt, meine Gefühle schweigen und meine Gedanken in einem unklaren Sumpf ertrinken, den glasklaren Blick ins Nichts gerichtet?
Was muss gesagt werden, damit es gerade so zum verstehen reicht? Ich will nicht immer wieder dasselbe sagen, das selbe Verständnis (weil nicht besser gewusst) ernten und vor allem nicht diese hässlichen Mitleids-Blicke ertragen. Ja, es ist so, können wir jetzt wieder über was anderes reden? Entweder hilfst du mir oder du lässt mich in Ruhe, aber dein Mitleid will ich nicht. Und wenn du denkst, ich brauche jemanden zum Zuhören, dann vergiss es. Warum glauben eigentlich alle auf einmal, sie wären exzellente Zuhörer und für mich potentielle Vertraute, wenn irgendetwas passiert? Ihr seid skurril, ihr Menschen. Übrigens will ich mit keinem reden, der in einer heilen Seifenblasenwelt lebt.

Bin ich bitter? Vielleicht bin ich das. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur müde geworden von diesem Spiel, das alle hier spielen. Fast würde ich mich jetzt aufgeklärt und intelligent, aber depressiv fühlen, doch dafür kann ich mich selbst nicht gut genug bescheißen.
Keiner weiß, wie er mit mir umgehen soll, und ich weiß es ja auch nicht. Und jetzt stockt mein Schreibfluss, weil mir auffällt, dass ich nicht weiß, wie ich mit mir selbst umgehen soll.

„Schrecklich“, sagt die eine und ich lasse sie der Einfachheit halber in diesem Glauben. Nein, Schrecklich finde ich es eigentlich nicht, aber mir liegt nicht viel daran, dass sie richtig über mich denkt. Ich mag sie, aber eigentlich ist sie mir auch egal. Ist das egoistisch? Ist das gefühlskalt?

Und ich habe nichts zu sagen. Ich schreibe nur, weil es viertel vor zwei ist, also nachts, und weil es mir Spaß macht, das alles aufzuschreiben. Obwohl es mir eigentlich auch keinen Spaß macht – was ist das überhaupt? – Ich schreibe jedenfalls nicht, um etwas zu sagen.

Die deutsche Sprache ist aggressiv, und wenn ich mir das vorlese, stimmt es. Aber am meisten regt mich auf, dass ich mich praktisch über nichts mehr aufrege.

Sockel-Menschen

(Aus aktuellem Anlass diesen Text vom 02. August 2013.)

Ich sehe dich.
Du hast etwas an dir, was mir fehlt.
Du hast eine Beziehung zu Menschen, die ich nicht habe.
Du trittst auf eine Weise auf, die ich nicht beherrsche.
Dann schaue ich zu dir auf, bewundere dich, und stelle dich wie auf einen Sockel.

Wenn ich dich sehe, achte ich darauf, wie ich mich verhalte. Wenn ich mit dir rede, freue ich mich, weil du mir Aufmerksamkeit gibst. Ich beobachte dich, wie du bist, was du tust, und irgendwie will ich dir gefallen.

Und wenn ich das realisiere, das bemerke, ist es mir peinlich. Ich will das nicht. Du bist ja auch ein Mensch, der auch Gefühle, auch Fehler und auch Zweifel hat. Müssten wir da nicht zumindest annähernd auf einer Ebene stehen?

Aber ich weiß nicht, wie das geht. Wie kann ich in dir einfach dich sehen? Ein liebenswerter Mensch mit Fehlern, einer wie ich. Wie kann ich mit dir umgehen, sodass es passt? Weder abwertend noch verehrend. Wie kann ich mich von diesem Sockeldenken lösen, das in mir Wurzeln geschlagen zu haben scheint, und eine entspannte Einstellung zu dir entwickeln? Ohne es auf deine Aufmerksamkeit und Wertschätzung anzulegen.

Einfach nur ich und einfach nur du. Sonst nichts. Zwei Menschen, zwei Garnituren Stärken, zwei Garnituren Schwächen. Einer wie der andere, frei von Hierarchie und Rangordnung. So soll es sein, oder?

Ich finde nur den Weg dahin nicht.

Never give up, bis du schwarz wirst.

(Zur Reihe: „Blöde Sprüche, die gar nicht stimmen“. Zu „Selbstlob stinkt“ hierlang.)

Gib auf!

Ich meins ehrlich. Gib auf! Mach Schluss, lass es sein, gib es auf.

Warum sagst du das, Sina? Was ist denn mit „Never ever ever give up!“ und diesen ganzen Sprüchen?

Diese Sprüche sind fast schon eine Seuche. Sie verallgemeinern, was man nicht verallgemeinern kann.

Die eine Hälfte des Spruches ist wahr. Gib dich niemals auf. Gib niemals auf, deinen Platz und deinen Wert zu finden. Gib niemals auf, wenn du weißt, dass es der richtige Weg ist.

Aber ich kenne Menschen, die depressiv geworden sind und im Burnout gelandet sind, weil sie diesen Spruch falsch angewendet haben. Sie haben auch niemals aufgegeben, und es hat sie ihre Lebensfreude gekostet.

Es ist Stärke, zu wissen, wann ich aufgeben soll. Wer etwas aufgeben kann und sich wie ein Versager fühlen kann, ohne seine Identität davon beeinflussen zu lassen, ist wirklich stark. Sehr, sehr oft müssen wir Sachen einfach aufgeben, um Platz für etwas größeres zu haben. Ich habe Klavier spielen aufgegeben, obwohl ich es wirklich mochte. Ich wusste aber, dass das nicht mein Weg ist. Einiges von dem, was ich heute tue, hätte keinen Platz in meinem Leben, wenn ich noch Klavier spielen würde.

Wir geben zu selten auf. Wir dürfen häufiger sagen: „Hey, ist nicht mein Ding, hat nicht funktioniert, ich lasse es.“ Wenn wir aufhören würden, mit lauten „Never give up!“-Parolen irgendeinen Weg entlang zu rennen, würden wir häufiger den richtigen Weg nehmen. Wenn wir innehalten, nachdenken und umkehren könnten, ohne als Versager zu gelten, wären mehr Leute am richtigen Platz.

„Never give up“? Ja. Deine Identität, dein Leben, deine Visionen.
„Never give up“? Nein. Was du tust, womit du deine Zeit füllst, deine Ziele.

Also, gib mal ein bisschen auf, auch wenns schwer ist. Und wenn du dich weigerst: Du kannst natürlich auch niemals aufgeben, bis du schwarz wirst. Es wird dich nicht glücklicher machen.

Denkanstoß

Bist du bereit, deine Bedürfnisse über das Bild zu stellen, was andere von dir haben sollen? Kannst du das, was du brauchst, über das stellen, was andere von dir denken sollen?

Ich gebe zu: Daran muss ich gerade hart arbeiten. Ich muss mir unbedingt die Hilfe holen, die ich brauche, auch wenn das nicht zu dem passt, wie ich auf andere wirken will. Sie durchschauen diese Maske eh, und ich muss aufpassen, dass es mir gut geht und dass ich authentisch bleibe.