Irgendwie Ich

(Ein zweiteiliger Text vom 29.10.2013. Schwierige Zeit: Verletzungen, Schmerz und Selbstzweifel.)

Teil 1 – Irgendwie Ich

Mein Lieblingsgetränk ist Wasser, und wenn ich hungrig bin, esse ich am liebsten Nudeln oder Brot.
Meine Gedanken sind zu alt für mich und meine Emotionen manchmal zu jung. Ich bin nicht witzig und spontan genug, um die Freundin zu sein, die einen immer zum Lachen bringt. Ich kann nicht tanzen und am liebsten bin ich allein, aber manchmal auch nicht. Ich bin zu ernst und meine Fassade zu fröhlich und energiegeladen – und warum habe ich eigentlich eine Fassade?
Ich analysiere zu viel, vor allem mich, und ich meine zu wissen, dass ich falsch funktioniere. Ich bin zu anormal, um als Standard durchzugehen, und zu normal, um wirklich wer besonderes zu sein. Wenn meine rationale Seite überwiegt, dann fragen die Menschen, wie ich nur so gefühlskalt sein kann, und wenn sie emotionale Seite überwiegt, dann

Irgendwie langweilig, nicht wahr?

Teil 2 – Nichts zu sagen

Wie viel Egoismus tut mir gut?
Ich weiß nicht, wie oft oft inzwischen gehört habe, ich solle auf mich und meine Kraft aufpassen, nicht zu viel machen, meine Bedürfnisse vorgehen lassen, damit ich nicht im Burn-out lande. Ich habe nicht mitgezählt.
Andererseits wird Hingabe und Demut hoch geschätzt.
Und was ist gut? Was soll ich?
Ich habe aufgehört, zum Nutzen der Allgemeinheit zu denken. Statt zu fragen: „Ist es richtig? Was hat es für Konsequenzen?“ überlege ich: „Profitiere ich davon? Wird es spürbare Auswirkungen auf mich haben?“ Ich stelle diese Fragen und fühle dabei nichts. Knips, da hat wohl jemand die Emotionen ausgeschaltet. Bin ich eine Maschine? Eine selbstsüchtige, kalte Maschine ohne die Fähigkeit, Rücksicht zu nehmen oder mitzuleiden? Meine Gedanken bräuchten Schmieröl …

Und die Menschen fragen mich, wie es mir geht. Warum? Ist es die Eröffnung einer Konversation, die Aufforderung, etwas zu erzählen oder interessiert es wirklich? Wie geht es mir, wenn mein Herz sich irgendwie tot anfühlt, meine Gefühle schweigen und meine Gedanken in einem unklaren Sumpf ertrinken, den glasklaren Blick ins Nichts gerichtet?
Was muss gesagt werden, damit es gerade so zum verstehen reicht? Ich will nicht immer wieder dasselbe sagen, das selbe Verständnis (weil nicht besser gewusst) ernten und vor allem nicht diese hässlichen Mitleids-Blicke ertragen. Ja, es ist so, können wir jetzt wieder über was anderes reden? Entweder hilfst du mir oder du lässt mich in Ruhe, aber dein Mitleid will ich nicht. Und wenn du denkst, ich brauche jemanden zum Zuhören, dann vergiss es. Warum glauben eigentlich alle auf einmal, sie wären exzellente Zuhörer und für mich potentielle Vertraute, wenn irgendetwas passiert? Ihr seid skurril, ihr Menschen. Übrigens will ich mit keinem reden, der in einer heilen Seifenblasenwelt lebt.

Bin ich bitter? Vielleicht bin ich das. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur müde geworden von diesem Spiel, das alle hier spielen. Fast würde ich mich jetzt aufgeklärt und intelligent, aber depressiv fühlen, doch dafür kann ich mich selbst nicht gut genug bescheißen.
Keiner weiß, wie er mit mir umgehen soll, und ich weiß es ja auch nicht. Und jetzt stockt mein Schreibfluss, weil mir auffällt, dass ich nicht weiß, wie ich mit mir selbst umgehen soll.

„Schrecklich“, sagt die eine und ich lasse sie der Einfachheit halber in diesem Glauben. Nein, Schrecklich finde ich es eigentlich nicht, aber mir liegt nicht viel daran, dass sie richtig über mich denkt. Ich mag sie, aber eigentlich ist sie mir auch egal. Ist das egoistisch? Ist das gefühlskalt?

Und ich habe nichts zu sagen. Ich schreibe nur, weil es viertel vor zwei ist, also nachts, und weil es mir Spaß macht, das alles aufzuschreiben. Obwohl es mir eigentlich auch keinen Spaß macht – was ist das überhaupt? – Ich schreibe jedenfalls nicht, um etwas zu sagen.

Die deutsche Sprache ist aggressiv, und wenn ich mir das vorlese, stimmt es. Aber am meisten regt mich auf, dass ich mich praktisch über nichts mehr aufrege.


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