Übergangsweise Rentnerin

Ich schlafe derzeit in einem echten Federbett. Das hölzerne Bettgestell ist uralt und die Bettwäsche ist braun mit Blümchen. Aufgestanden wird etwa um acht und gefrühstückt wird ordentlich. Nicht so wie diese Jugend von heute, merkwürdige Smacks mit Milch halb im Stehen herunterkippen, nein. Erst wird der Frühstückstisch gedeckt, dann ein Schrotbrot mit selbstgemachter Jonhannisbeermarmelade (mit wenig Zucker) gegessen und dazu ein zuvor gekochtes Ei.

Der Vormittag wird gestaltet nach Notwendigkeiten und Belieben. Irgendwann mittendrin gibt es einen Teller mit Obst. Den essen wir gemeinsam. Wäre es ein wenig später im Jahr, wäre wohl jede freie Minute mit dem großen, schönen, ertragreichen Garten gefüllt, aber so weit sind wir noch nicht.

Das Mittagssen ist selbstgekocht und enthält viel Gemüse. Und der Teller wird leergegessen! Im Krieg wäre man froh gewesen, hätte man so viel gehabt! Und sowieso ist man unter 150 Pfund ziemlich dünn. Da kann noch ordentlich was auf die Rippen!

Die Mittagspause versteht sich von selbst – wahlweise auf meinem hellen rot-braunen Sofa oder im Federbett. Hab ich auch dringend nötig – irgendwie bin ich bis Mittags immer schon wieder richtig müde. Danach wird spazieren gegangen, bei jedem Wind und Wetter. Bewegung ist wichtig, und so lange man noch kann, sollte man auch!

Es folgt selbstgemachter Kuchen. Alle Malzeiten gehen übrigens mit Unterhaltungen einher, wahlweise über die Geschehnisse im Garten, über Literatur, die Vergangenheit oder – was den anwesenden Mann angeht – Mathematik. Spätestens nach dem Kuchen wird der Kachelofen angeheizt. Die Nachmittagsgestaltung varriiert wie der Vormittag – nur, dass es um halb sechs noch mal einen Tee gibt. Gut, immerhin bei den Tabletten um halb sieben passe ich.

Abendessen (Notiz an mich: Ellebogen vom Tisch), es folgen Nachrichten (ach, schon wieder so spät!). Schließlich Abendprogramm: Rätseln (Sudoku, Kreuzworträtsel – aber nicht die Versionen für Laien, versteht sich!) oder Kochshow gucken (na, das würd ich aber anders machen!) im Wohnzimmer. Spätestens um halb elf ist Ende. Reicht ja auch. Zurück ins Federbett.

Gesprochen wird laut und deutlich – es ist ein Schwerhöriger im Haus. Sich bewegt, gedacht, entschieden, gegangen wird langsam. Wir haben schließlich alle Zeit der Welt. Wozu die Eile? Mediennutzung – insbesondere dieses Internet – wird rein nach unmittelbarem Nutzen betrieben. E-Mails, sowas geht ja noch. Auch Weine im Internet bestellen ist inzwischen fast Routine. Aber dann ist auch Schluss.

Ja, ich lebe gerade bei meinen Großeltern und schmecke ein bisschen Rentnerleben. Meine Vormittage, Nachmittage und teils auch Abende sind allerdings gefüllt mit Stammfunktionen, Hypothesentests, Kafka, Schiller, Montessouri und Gewalttheorien nach Rauchfleisch. Das relativiert das alles wohl ein bisschen. Und auch, dass mein Opa mich immer „Fräulein“ nennt, wenn ich irgendetwas in Mathe nicht verstehe, nimmt mir irgendwie meine Rentnerillusion.

Aber egal. Wenn ich demnächst mal zum Supermarkt gehe, werde ich meinen Grünkohl auf den Cent genau bezahlen. Beim nächsten Mal, wenn irgendwo Radio läuft, werde ich auf die Jugend und diesem „unmelodischen Lärm aus dem Computer!“ schimpfen. Und die nächsten Schuhe, die ich mir kaufe, werden beige Gesundheitsschuhe sein.

Jawoll!

Klippenmädchen

Eine liebe Freundin von mir malte mich mal vor einem Jahr oder so. Vielleicht ist es noch länger her. Sie ist ein bisschen jünger als ich, wir quatschen im Bus, und wenn es ihr schlecht geht, umarme ich sie.

Und das war, was im Gedanken an mich aus ihrer Hand hervorging:

Sina - Das Mädchen auf der Klippe

Sina – Das Mädchen auf der Klippe

Und ich liebe es.

Aus Schachmattundso wird Silbenreich!

Halt! Stop! Hiergeblieben!

Ja, es ist noch die richtige Seite. Dir hat keiner einen Streich gespielt. Ja, du bist noch bei „Schachmatt und so“, und hier schreibt immer noch Sina. Nur, dass es nicht mehr „Schachmatt und so“ heißt, sondern „Silbenreich“. Ich hab alles neu gemacht!

Wobei das eigentlich gelogen ist. Ich habe nicht alles neu gemacht. Da waren noch so einige andere Menschen beteiligt. Lasst mich euch die Neuigkeiten vorstellen, sodass ihr euch damit vertraut machen könnt.

Da sitzt auf einmal so ein rothaariges Mädchen oben auf der Seite. Das bin ich! Aus der Feder bzw. dem Pinsel von Chantal Meiners! Sie ist eine wundervolle Freundin und außergewöhnlich begabte Künstlerin, die sogar aus Deutsch-Arbeitsblättern wahre Kunstwerke erschaffen kann. Besucht sie mal auf DeviantArt (*klick*)! und grüßt sie da von mir!

Nicht nur ein neuer Header schmückt jetzt meinen Blog, sondern das ganze Design ist neu. Gefällts euch? – Falls ihr vermisst, was es früher alles rechts am Rand gab: Das gibt es jetzt ganz unten unter der Seite. Dafür verzichte ich jetzt auf meine geliebte „unendlich scrollen“-Funktion. Das bedeutet, ihr müsst jetzt selber blättern. Schafft ihr!

Meine „Über Sina“-Seite ist auch neu! Nicht mehr ich stelle mich selbst vor. Das haben jetzt mal meine Freunde übernommen. Jeder, der Zeit hatte, hat einen oder ein paar mehr Sätze über mich geschrieben, um mich euch vorzustellen. Schaut mal rein! (Shortcut: *klick*)

Und zu guter Letzt hab ich auch eine neue Domain.

Willkommen auf silbenreich.net ! :-) Kommt rein, fühlt euch wohl, stöbert und kommentiert! Es macht Spaß mit euch.

Eure Sina

Erdacht, hingeträumt und wohlgefühlt

Heute nehme ich mir mal Zeit, schiebe alle Stimmen zur Seite, die mich vor Kitsch und Quatsch warnen, und träume mich an andere Orte, in andere Zeiten.

Ich träume von einem kleinen Holzhaus mit einer Terrasse, die nur noch ein paar Meter von einem Seeufer entfernt ist. Neben dem Holzhaus, in einem kleinen Verschlag, liegt ein Kajak. Wenn es warm genug ist, dann hol ich das Paddel aus dem Keller, zieh das Kajak ins Wasser und fahre mit kräftigen Zügen auf den See hinaus. Da bin ich dann ganz alleine, lasse mich treiben, mit dem Wasser so nah bei mir, und der Himmel und die Ruhe und der Blick auf die Bäume am Ufer.

Ich träume mich auf Bühnen, kleine und große, vor Menschen, die hören wollen, was ich zu sagen habe. Ich habe ein Mikro in der Hand und sage relevantes, weises, schönes, und Menschen klatschen, weil es in ihnen etwas ausgelöst hat, das gut war. Einige kommen nachher zu mir und wir reden, und sie sagen, dass meine Worte etwas verändert haben – aber eigentlich waren es gar nicht meine Worte, sondern etwas, was sie gar nicht erklären können. Und ich lächle, weil ich weiß, was es war.

Ich träume von meinem zu Hause einmal später. Menschen kommen gern, weil es ein heller Ort ist. Ein Ort, wo ich einfach für dich beten kann, wenn du es brauchst, und wo Menschen sich begegnen, ganz echt. Da steht ein Klavier, und da spiele ich manchmal und singe davon, wie gut mein Gott ist. Vielleicht wuseln da ja auch Kinder herum und ein wunderbarer Mann, der seinen Arm um mich legt, wenn die Welt mal zu kalt zu mir scheint. Es könnte sogar sein, dass ich bis dahin kochen gelernt habe und es nach Klößen mit Pilzsoße riecht.

Ich träume von einer Runde Mädels, mit denen ich auf einer großen Wiese auf dem Rücken liege und den Himmel anschaue. Wir treffen uns häufiger, reden über Gott und die Welt und ich teile mit ihnen, was ich schon weiß, und sehe sie wachsen und staune. Diesmal ruhen wir uns aber einfach nur mal aus von der Welt und der Zeit, kitzeln uns gegenseitig heimlich mit Grashalmen und lernen etwas, was man schnell mal vergisst: Einfach nur zu sein.

Ich träume davon, wie ich in einem recht ruhigen ICE-Waggon sitze, meinen Rucksack mit dem Gepäck für ein Wochenende neben mir, auf dem Weg irgendwohin, noch Stunden Zeit. Wie ich aus dem Fenster schaue, nichts tun muss, nichts leisten muss, sondern innerlich so frei bin wie kaum sonstwo. Wo ich anfange zu träumen, von Kajaks, Bühnen und wundervollen Menschen…

und dann an meinem Coffee to go nippe, den ich bis dahin vielleicht ja auch noch mag.

Was kannst du eigentlich? (Finds raus!)

Letztens sagte ein Freund zu mir: „Ich bin in gar nichts gut.“ Schockiert, dass so ein wundervoller Mensch sich für so untalentiert und unbesonders hält, habe ich angefangen, Indizien für die eigenen Stärken zu sammeln. Habt ihr Ergänzungen? – Ab in die Kommentare damit!

Für alle Stärken

  • Es bereitet dir keine besonders große Anstrengung.
  • Leute spiegeln dir, dass du das gut kannst.
  • Wenn andere in deiner Anwesenheit für diese Fähigkeit oder Eigenschaft gelobt werden, ärgert dich das insgeheim, weil du das doch auch kannst.

Für Fertigkeiten, Tätigkeiten – was du machst

  • Es macht dir Spaß.
  • Während du es tust, kannst du die Zeit vergessen.
  • Es ausgelebt zu haben, fühlt sich erfolgreich an und befriedigt dich. Es geht dir nachher tendenziell besser als vorher.
  • Es nervt dich, wenn andere da mit weniger Aufwand viel besser drin sind. Solche Menschen ziehen dich an und stoßen dich ab gleichermaßen: Dich fasziniert ihr Können und du willst von ihnen lernen, und gleichzeitig hast du bei ihnen ständig vor Augen, wie „schlecht“ du bist. Besonders schlimm, wenn sie dir nahe stehen. (Es sei denn natürlich, du bist über dieses Vergleichen-Problem schon komplett hinweg. Was ich für unwahrscheinlich halte.)
  • Du würdest es sooo gern wirklich können! … bist aber eventuell der Meinung, du kannst es nicht. (Was übrigens von einem hohen Maßstab zeugt, der wiederum von einem guten Verständnis der Sache zeugt, welcher wiederum von Potenzial in diesem Bereich zeugt – nur mal so.)
  • In diesem Bereich zu versagen bedeutet für dich eine Frustration ohnegleichen. Kratzt eventuell auch an Identität und Selbstwert, auch wenn du das nicht zugeben würdest.
  • Anerkennung dafür zu bekommen ist zwar schön, dir aber gar nicht so wichtig. Du würdest es auch ohne Anerkennung tun / tust es auch ohne Anerkennung.
  • Utensilien, die du für diese Tätigkeit brauchst, faszinieren dich.

Für Eigenschaften, Denkweisen – wie du denkst und fühlst und tickst

  • Es ist für dich schwer verständlich und nervt dich manchmal sogar, wenn Leute das nicht beherrschen. Warum sie das nicht kapieren, sich nicht in Person X reinfühlen können, ihre Verantwortung nicht übernehmen können, ihr Problem nicht offen ansprechen können …
  • Du nimmst das gar nicht als so etwas besonderes wahr. Erst wenn Leute dich dafür loben, fängst du an, darüber nachzudenken, dass es gar nicht selbstverständlich ist.
  • Wenn du anderen erzählst, dass du so tickst, und du ihnen danach leid tust, nervt dich das, weil du innen drin weißt, dass es eigentlich was Gutes ist. Der andere verstehts nur nicht.
  • Du wurdest oft für die Kehrseite dieser Stärke kritisiert, was dich immer ziemlich aufgeregt hat, weil die positiven Auswirkungen dieser Eigenschaft allzu oft unbemerkt blieben. Oder du bist dir gar nicht bewusst, dass auf der anderen Seite dieser Schwäche eine großes Potenzial liegt, weil diese Kritik deinen Blick auf dich verzerrt hat.

Und nur mal so ganz allgemein: Lieber Leser, du hast eine einzigartige und auf ihre Weise geniale Kombination von Stärken. Wenn du sie noch nicht kennst, dann darfst du jetzt voller Vorfreude auf Schatzsuche gehen, weil du wissen kannst, dass es da noch viel zu entdecken gibt!

Wirklich, ich kenne viele Menschen und mir ist noch nie einer untergekommen, bei dem der Schöpfer die Stärken vergessen hat. Falls du das also von dir glaubst, lass dir gesagt sein: So besonders bist du dann auch wieder nicht.

(Aber schon ziemlich.)

Eine Begleiterscheinung

Mit dem älter werden kam eine wundervolle, anstrengende und denkwürdige Begleiterscheinung: Jungs. Männer. Ihr wisst schon, diese Menschen mit Haaren am Kinn und Flausen im Kopf, die lieber über Themen als über Menschen reden und von uns Mädels keine Hilfe annehmen können. (Wobei das natürlich mehr eine pauschalisierte und unzureichende Indiziensammlung als eine auch nur ansatzweise akzeptable Definition von Männern ist.)

Ja, irgendwie gab es die ja auch schon vorher, aber da waren die noch anders: Blöd. Oder so alt, dass sie mehr als Onkel durchgingen. Ich meine, ja, blöd sind die immer noch irgendwie, aber damals waren sie nur blöd. Und heute sind sie so viel mehr. Heute machen sie so viel mehr mit mir.

Heute habe ich Schwierigkeiten, auf meine Gedanken, meine Fantasie und mein Herz aufpassen, wenn da mal jemand ein bisschen zu wundervoll für meine aktuelle Verfassung ist. Heute gibt es diese Momente in Gegenwart gewisser männlicher Gestalten, in denen ich krampfhaft auf mein eigenes Verhalten achte, nichts dagegen tun kann und mich dabei ziemlich dämlich fühle. Heute brauche ich gelegentlich mal eine beste Freundin oder ein vertrauliches Notizbuch, um mein ganzes Gedankenchaos in Bezug auf diese sonderbare Sorte Mensch loszuwerden.

Heute muss überlegen, was ich dann mit all dem mache. Ich muss herausfinden, wie nah zu nah ist – emotional. Körperlich. Ich muss mich damit auseinandersetzen, wie das ist, wenn jemand mich auf eine Weise anziehend findet, die ich nicht erwidern kann – oder andersrum. Ich muss einüben, meine Grenzen einzuhalten – die Grenzen, die ich mir gesetzt habe, um mir Zeit zu geben, mich zu schützen, und manchmal auch einfach nur, um mich hinter ihnen zu verstecken, die Decke über den Kopf zu ziehen und so zu tun, als würde ich für die Männerwelt nicht existieren.

Heute darf ich es genießen, schön genannt zu werden, und es einfach mal zu glauben. Ich darf Spaß daran haben, Jungs zu Wortgefechten herauszufordern. Und immer mal wieder vertraut mir einer und lädt mich ein in seine echte, ungeschönte Welt, gibt mir Zugang und erlaubt sich, vor mir verletzlich zu werden, und das sind mir die kostbarsten Momente.

Und ja, ich weiß, dass ich noch keine Ahnung habe. Ja, mir wurde schon gesagt, dass ich da ein bisschen naiv bin. Aber das ist okay! Ich weiß genug für jetzt und da sind Leute an meiner Seite, die auf mich aufpassen.

Also werde ich weiter älter, erwachsen, und lerne umzugehen mit dieser Begleiterscheinung, versuche sie zu verstehen und lerne allmählich dazu.