Bäume klettern

Laut meinem großen Bruder wird man nie zu alt, um auf Bäume zu klettern. Gut, er hat das in Bezug auf männliche Wesen gesagt, aber ich finde, das gilt auch für Frauen und Mädchen – zumindest für die wirklich tollen. Und weil das so ist, bin ich heute auf einen Baum geklettert. Der Baum stand in einem Mini-Wäldchen, dass ich bis vorher nicht einmal kannte, obwohl es gerade mal eine halbe Stunde von zu Hause entfernt ist. Vielleicht war es eine Buche, wahrscheinlich aber irgendetwas anderes – schwer zu sagen, wenn keine Blätter an den Bäumen sind. Ja, und da war ich drauf.

Ich saß also in der frühen Abendsonne auf einem sehr soliden Ast und hielt mich an einem eher dünnen Ast fest, als mir der Gedanke kam, mich an dem dünnen Ast festzuhalten und herunterzuspringen, sodass der Ast sich bis zum Boden biegt und mich absetzt. So die Theorie. In der Praxis war der Boden ziemlich weit weg. Außerdem waren der dicke und der dünne Ast fast auf einer Höhe, was das ganze nicht unbedingt erleichtert hat. Aber ich wollte es machen, unbedingt.

Herausforderungen anzunehmen wird schwieriger, wenn man dabei alleine ist, weil die Gedanken dann die ganze Zeit auf einen einquatschen können und keiner sie unterbricht. Meine Gedanken haben mir die ganze Zeit erzählt, wie weit der Boden weg ist. „Und wenn der Ast bricht? Oder biegt sich der Ast fast gar nicht und du hängst in der Luft und musst dich den Rest frei fallen lassen, und das wäre wirklich noch ein ganzes Stück. Lass es einfach. Es sieht dich doch eh keiner, es müsste dir nicht peinlich sein. Und wenn du dich verletzt, kommst du nicht wieder nach Hause.“ „Ich will aber“, habe ich geantwortet.

Und habe es gemacht. Meine Hand ist ein bisschen aufgeschürft, weil – ich habe gar nicht mitgekriegt, warum. Vielleicht war das auch schon vorher. Jedenfalls hat es funktioniert. Der Ast hat mich heruntergelassen und ich bin gut auf der weichen Erde angekommen.

Es war toll. Man, hat das gut getan, sich mal wieder etwas zu trauen, sich zu überwinden und sich zu spüren. Ja, das ist vielleicht das Beste daran gewesen: Zu spüren, dass ich lebe.

Menschen beobachten

Im Deutschunterricht.

Ganz ruhig sitzt er da, ganz aufmerksam, nicht steif, aber gerade. Er dreht seinen Kopf zu dem, der gerade redet und sieht die Person direkt an. Ich weiß, dass er unseren Deutschlehrer bewundert, aber das ist auch nichts besonderes, denn das tun viele im Kurs. Wenn der Lehrer etwas sagt, Denkanstöße gibt, dann scheint es, als würde er die Wörter in sich aufsaugen. Überhaupt scheint er alles aufzusaugen, was passiert. Er lächelt in sich hinein, wenn er etwas versteht. Und dann, ganz manchmal, meldet er sich und präsentiert einen wohl überlegten und reflektierten Beitrag.

Die ganze Zeit hibbelt sie mit ihrem Bein. Dadurch wackelt der uralte Holzboden und durch den Boden auch mein Stuhl. Alle paar Wackler mit dem Beim schaut sie auf ihr Handy, und alle paar Blicke auf ihr Handy schreibt sie jemandem etwas. Ab und zu wendet sie sich mir zu, um mich etwas zu fragen, weil sie es verpasst hat, oder um mir mitzuteilen, a) dass ihr langweilig ist, b) dass sie Hunger hat oder c) dass sie müde ist. Der ganze Inhalt der Stunde zieht ziemlich spurlos an ihr vorbei. Nur ganz manchmal streift er sie, und wenn das mal so ist, dann erklärt sie ihren Gedankengang kurz mir – zur Sicherheit – und dann dem Lehrer. Wenn er das gut aufnimmt, wendet sie sich zufrieden wieder ihrem Handy zu. Alle paar Unterrichtsstunden erzählt sie mir ein bisschen was aus ihrem Leben – einem sehr kaputten Leben mit ihr als gebrochene Protagonistin. Aber sie wird nicht emotional, sie zuckt mit den Achseln. Das ist halt so, sagt sie – hibbelt, schaut auf ihr Handy und schreibt irgendwem zurück.

Manchmal erinnert er mich an ein Maschinengewehr. Tatatata – alles raus, hintereinander weg geschossen. Seine Ideen, seine Gedanken, seine Fragen, seine Antworten – alles wirft er erst mal in den Raum. Dabei ist es für ihn kein Kriterium, ob es peinlich sein könnte oder ob es komisch klingen mag. Dabei kommen ganz unterschiedliche Beiträge hervor – von totalem Müll bis zu genialen Ideen ist alles dabei. Manchmal knackt er nachdenklich mit seinen Fingern oder kaut auf seiner Unterlippe herum. Er liebt es, Aussagen mit Mimik, Gestik und Tonfall zu unterstreichen. Er ist ein Schauspieler, der sich selbst spielt, und der auch keine Angst davor hat, sich selbst auf die Schippe zu nehmen.

Wenn mein Deutschlehrer ein Tier wäre, dann wäre er zweifellos ein Wolf. Nicht der böse Legendenwolf, sondern der weise, alte Denkerwolf. Oder auch ein Leitwolf. Er bildet Referendare aus, und wenn man ihn dann mit seiner Horde von drei bis zehn jungen Refs über den Schulhof ziehen sieht, ist er wirklich wie ein Wolf mit seinem Rudel. Er ist so durch und durch Lehrer, wie es nur geht. Wie er es liebt, uns etwas beizubringen, uns Zusammenhänge zu erklären und uns manchmal auch in unser Weltanschauung herausfordern! Er scheint gegen allen Stress immun. Seine Stimme wird kein bisschen aggressiver, wenn etwas nicht klappt oder er angegriffen wird. Manchmal wirkt er ein bisschen wie ein Philosoph, der die Gesetze der Welt durchschaut hat. Und wenn er uns ein Gedicht vorstellt oder uns einer Lektüre näher bringt, erinnert er mich manchmal an einen kleinen Jungen mit seinem Lieblingsspielzeug. Der Lehrer.

Das alles beobachte ich im Unterricht. Alles Menschen, hinter denen eine Geschichte steht. Spannend. Wie würde ich wohl beschrieben werden?

Schreibtischmutation

Ich habe mir gestern einen Traum erfüllt – malen können in meinem Zimmer. Ich habe mir eine Wachsdecke (für 5€) gekauft, diese mit Panzerband (nach guter, alter Sola-manier) an meinem Tisch festgeklebt und habe die Farben in mein Zimmer geholt. Endlich malen, wann ich will und ohne ständig genervt zu werden! „Oh, du malst… Was soll das werden? Orr, sag mal! Was soll das werden? Du kannst mich nicht raus schicken, das ist nicht dein Zimmer!“ „Naja, aber du musst dann auch bald aufräumen, es gibt dann Abendessen!“ – Nie wieder!

SchreibtischCool, ne? :-)

Was ich schön finde

Persönliches Nein hierzu:

1. Lippenstift. Ganz ehrlich: Lippen haben Lippenfarbe zu haben. Wenn man diese ein wenig abändert – okay, kann ich mich mit anfreunden. Aber knallrot, babyrosa oder gar schwarz? Finger weg, bitte.

2. Colour-Blocking. Damit meine ich jetzt die Version, bei der man einfach nur Hinguckfarben anzieht, (die finde ich cool,) sondern die Version, wo sich alles schön beißt. Ich mag einfach nicht, wenn das nicht passt! „‚Augenkrebs“, haben wir früher gesagt. Vielleicht etwas zu gemein ;-)

3. Richtig hohe Schuhe. Ich gebe zu: Es gibt Frauen, die das tragen können und damit echt gut laufen können! Aber die allermeisten schwanken darauf rum wie ich früher auf Stelzen oder laufen wie ein Storch. Und das ist dann eher gut für die Belustigung anderer als für die eigene Schönheit ;-)

Persönliches Ja hierzu:

1. Selbstgemachte und selbstumgestaltete Sachen. Dafür! Werdet kreativ, malt eure Hosen an, schneidet was ab, näht was um, strickt euch was, wie auch immer. Gerade das Anmalen von Hosen finde ich einfach mega gut. Ich mag einfach dieses persönliche und kreative daran.

2. Frisuren. Ich mag einfach das Gestalten von Haaren. Ob Dreads (Dreads! <3), kreative Dutts, Zöpfe oder sonstige Frisuren und allen erdenklichen Formen – toll! Ich finde es echt schade, wie gleich und einheitlich viele Mädels aussehen. Es gibt so viele tolle Möglichkeiten, und trotzdem sehe ich fast nur schräges Pony, Seitenscheitel, etwas stufig und lang. Traut euch was!

3. Seelenstyling und -hygiene. Das klingt wieder so floskelmäßig, aber Schönheit ist nun mal keine reine Aussehenssache, sondern hat so viel mit den zu tun, was von innen kommt. Und wenn eine Frau von innen heraus schön ist, verkrafte ich auch schwarzen Lippenstift, einen gelb-lila Pulli und einen Gang wie bei Hochsee. ;-)

Keine Angst, ich werde das hier NICHT (niemals! bloß nicht!) zu so einem Mode-Lifestyle-Irgendwas-Blog machen. Das war nur so ein kleiner Exkurs. Meine Meinung zum Thema Mode generell lasse ich bei meinem Vorausblick auf das Modejahr 2014 durchscheinen. (Achtung! Leichte Anflüge von Sarkasmus und Ironie sind zu berücksichtigen!)

wohltuende Worte

„Hey, wo hast du diese Decke her?“
„Die lag hier rum.“
„Gibts da noch mehr von?“
„Nein, ich glaube nicht. Hier, nimm meine.“
„Ach Quatsch, behalte ruhig.“
„Sina, du bist die Frau und du verdienst es.“
„Danke.“

Du hast ja keine Ahnung, wie gut mir dieser Satz getan hat.