Ein Einvernehmen

„Oh man, das ist alles so viel, so groß, ich weiß nicht, ob ich das alles hinkriege. Ich fühle mich dem irgendwie nicht ganz gewachsen. Was für eine krasse Herausforderung. Oh man, ich werde so auf die Fresse fliegen. Hilf mir, wenn ich auf die Fresse fliege!“

„Ja, Sina, du wirst auf die Fresse fliegen. Und ich werde dir helfen.“

Und ich bin bei diesem Dialog so seltsam ruhig und gelassen, fühle mich völlig sicher, weil ich die tiefe Gewissheit habe, dass du dein Wort halten wirst. Ich werde Sachen falsch machen und versagen, und du wirst mir helfen, und alles wird gut sein. So funktioniert das.

Momentaufnahme einer Künstlerin

In einem systematischen Chaos liegen Farben, Pinsel, Lappen, Pappteller und Plastikbecher um mich herum, und vor mir eine weiße Leinwand, noch völlig weiß, alles ist möglich. Die Farbe auf meiner Haut wirkt wie teures Balsam. Es macht ein leises Geräusch, als ich mit der Farbe über die Leinwand streiche, und irgendetwas, irgendwo in mir

kommt nach Hause.

tanzen.

Als wir im Schulsport Standarttanz hatten, war ich sehr, sehr froh, dass wir mehr Mädchen sind als Jungs und ich so meistens mit einer Freundin tanzen konnte. Ich habe da eine recht große private Zone, in die keiner so leicht rein darf. Ich gehöre nicht zu diesen Kuschelmäuschen, die sich ständig in die Arme nehmen. Klar, ab und zu mach ich das auch gerne, aber so ganz allgemein eher weniger. Mit jemandem zusammen tanzen, den ich nicht besonders mag, ist da irgendwie zu viel.

Zumba war auch nicht so meins. Zwei Doppelstunden lang haben wir das mit unserem Mädchen-Ballsport-Kurs gemacht, und es war eine Qual. Zumba finde ich nicht mal besonders schön, wenn das Leute machen, die das echt können. Es ist so eine Mischung aus der Plumpheit eines fitnesstreibenden Hängebauchschweines und dem Versuch, durch das schnelle Bewegen gewisser Körperteile sexy auszusehen, und das Ganze noch unterlegt mit mittelschlechter, rhythmischer Popmusik. Gut, zugegeben, es kann auch ganz ansehnlich sein. Abgewinnen kann ich Zumba trotzdem nichts.

Ich habe mal in der Grundschule für ein halbes Jahr getanzt. Ich mochte das Bewegen zur Musik, aber die Gruppe war sehr zickig und die beiden Mädels, die das geleitet haben, haben regelmäßig über Jungs und Sex geredet und sich zum Abschied geküsst. Einmal hat mich eine der beiden ziemlich angefahren und ausgelacht, als ich beim Tanzen die Augen zugemacht habe, um mich besser konzentrieren zu können.

Tanzen war also doof, ganz klar. Meine Hemmschwelle war so hoch wie der Himalaya, quasi unüberwindbar. Ich wollte sie auch gar nicht überwinden. Dahinter erhoffte ich mir kein gelobtes Land, sondern nur eine Wüste voller Scham und Pein. Die Ansicht einiger meiner Freunde, dass ich tollpatschig und linkisch sei und mich zittrig und eckig bewegte, bestätigte mich nur darin. Und so verblieb ich, sicher eingesperrt hinter meinen inneren Mauern.

Doch der Plan für mich sah anders aus. Gaaanz, ganz langsam, durch wenige, bedacht platzierte Situationen, die von Ausgelassenheit, Freude und dem Gefühl des Nicht-bewertet-Werdens geprägt waren, wurde ich dem Bewegen meines Körpers zu Musik wieder näher gebracht. Die Mauer bröckelten, und der Himalaya wurden langsam angegangen. Die Anonymität einer großen, dunklen Halle, in der der Fokus nicht mehr auf den anderen Menschen, sondern im Himmel lag. Die jugendliche Albernheit auf einer Hochzeit mit eher mittelmäßiger Musik. Kleine Momente nur für mich, mit meiner Musikanlage in meinem Zimmer. Stolz auf die kleinen Etappensiege. Und gleichzeitig immer wieder Skepsis. Nicht nur bei mir. „Sina, du hast getanzt?! Wohl eher gehüpft oder so.“ Als dürfte ich das nicht. Als wäre ich da nicht gut genug für.

Und heute? Eine Entscheidung, die kurz vor Beginn am liebsten rückgängig gemacht hätte. Nach einigem Liebäugeln plus der Überredungskunst toller Freunde habe ich mich bei einem Tanzworkshop angemeldet. Bei einem, bei dem es nicht um richtig oder falsch geht. Bei dem keiner meine persönliche Nur-für-mich-Zone angreift. Bei dem es nicht vorrangig um besonders grazil ausgeführte Tanzschritte geht. Sondern um Tanzen zu Worship. Nur für Frauen.

Ja, ich war ein bisschen nervös. Für mich war das ein bisschen eine Höhle des Löwen. Dieser Löwe, der da lauerte, würde mir zuflüstern, dass ich plump und eckig und hässlich aussehe bei meinen Bewegungen, dass ich das alles falsch mache, dass das komisch und peinlich ist und dass ich aufhören soll. Und ja, ich bin trotzdem hingegangen. Und mit Hilfe zweier wundervoller Frauen habe ich den Löwen aus seiner Höhle verbannt und diese Höhle zu einem Tanzstudio umgebaut. Bäms. Nimm das.

Ich weiß. Das war erst der erste Löwe, und bei der Überwindung des Himalayas fehlen noch ein paar Achttausender, aber ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird, lässt mich weitergehen. Es ist frei, schön und … ach, weiß nicht. Das mag heute von außen vielleicht klein ausgesehen haben, aber mein tief verwurzeltes, feines Gespür sagt mir, dass das irgendwie entscheidend war. Für mich. Jetzt.

Eins ist jedenfalls klar: Jetzt hat keiner mehr das Recht, mir zu sagen, dass ich nicht tanzen soll.

Wenn große Brüder verliebt sind

Woran merkt man als kleine Schwester, dass der große Bruder verliebt ist?

Er schenkt dir auf einmal etwas zum Geburtstag, was er sonst kaum gemacht hat, und fragt nach, wie es dir gefallen hat. (Weil er das selbe seinem Mädchen schenken will.)

Er interessiert sich auf einmal für dich als Mädchen. Was ist dir wichtig, was ließt du, was magst du, wie bist du so? Wie sind Mädchen gestrickt? Was freut Mädchen?

Plötzlich ist er sympathisch, hilfsbereit, nett und charmant, als hätte man einen Schalter umgelegt. Und wir Schwestern fragen uns, wo so viel guter Charakter auf einmal herkommt.

Man kann mit ihm richtig reden. Vielleicht ist das nur bei meinem Bruder so, aber sehr lange war es kaum möglich, sich mit ihm normal zu unterhalten oder über ernstere Themen zu reden. Kaum ist er verliebt – zack, geht das.

Vielleicht spricht er auch mit dir darüber. Wie schwer es ihm fällt, geduldig zu sein, oder wie anstrengend es ist, immer den ersten Schritt machen zu müssen, aber dann auch wieder toll. Was er ihr schenken könnte. Dass er sie vermisst.

Und du als kleine Schwester denkst „Woooowoowow, wo kommt das alles auf einmal her?“. Klarer Fall – er ist verliebt. Genießt es, liebe Schwestern! Das fällt immer zu unseren Gunsten aus. Und wenn dein großer Bruder sehr unerträglich ist (und noch nie verliebt war): Habe Hoffnung und Geduld! Es kann sich noch viel ändern. :-)

Schenk-mir-was-Guide

Falls mir mal jemand was schenken will und nicht so wirklich weiß, was mir gefällt, darf er oder sie sich gerne nach diesem Guide richten. Er ist so ausgelegt, dass er länger funktioniert. Die Reihenfolge hat nichts zu sagen.

Idee 1: Bücher

Gute Idee! Da muss man allerdings auch so ein bisschen Bescheid wissen. Keine Krimis oder Thriller, kein Fantasy, kein Horror. Science Fiction nur, wenns echt überzeugend ist. Romane sind immer gut! Aber bitte nichts, was im zweiten Weltkrieg spielt. Diese Bücher sind mir zu anstrengend. Sonst: Was ihr denkt, was mir gefallen könnte. Wenn man die No-Gos von oben beachtet, kann man gar nicht mehr so falsch liegen. Übrigens: eBooks sind auch gut. Allerdings nicht von Amazon, weil ich kein kindle habe. Besonders englische Literatur ist als eBook cool, weil man durch längeres Draufhalten aufs Wort übersetzten kann – echt komfortabel. Hörbücher sind übrigens auch was ganz tolles!

Idee 2: Schmuck

Immer her damit! Am meisten trage ich Ohrringe. Da bin ich auch am meisten am experimentieren. Ketten sind auch gut, wobei ihr bei denen schon sicher sein solltet, dass mir die gefällt. Armbänder trage ich kaum, Ringe auch nicht. Aber Ohrringe sind toll!

Idee 3: Taschen

Wenn ich in irgendeiner Hinsicht dem Klischee einer Frau entspreche, dann bei Taschen. Ich liebe Taschen und ich habe immer zu wenig. In allen Größen benötigt. Nur her damit. Und solange sie nicht direkt nur nach Oma aussieht, habe ich da einen breiten Geschmack.

Idee 4: Badezusätze

Ich bade ab und zu echt gern, aber mein Taschengeld ist mir zu schade für die ganzen schönen Dinge, die man da noch so ins Wasser tun kann und die das alles schöner machen. Aber wenn man die geschenkt bekommt?

Idee 5: Musik

Ich bin unfähig, neue Musik zu finden, also dürft ihr mir ruhig helfen. Solange ihr Rap, HipHop und Soul vermeidet, bin ich sehr offen. Ich mag zum Beispiel Rock. Ihr wollt Bands als Anhaltspunkte? Einige Bands, die ich manchmal echt gern höre: The Afters, Relient K, Silbermond, Coldplay, Kutless, Lindsey Stirling, PianoGuys … Ich hab übrigens ein erhebliches Defizit an instrumentaler Musik. Helft mir ruhig aus.

Idee 6: Notizbücher

Notizbücher sind eine Leidenschaft von mir und werden ziemlich wahrscheinlich auch wirklich vollgeschrieben. (Okay, außer vielleicht sie sind kleiner als DIN A6-Format.) Damit seid ihr dann wirklich auf der sicheren Seite. :-)

Was sonst noch gut geht:

Blumen | Tücher | Kerzen | Künstlerbedarf (ruhig nachfragen, wo ich da gerade auf dem Trockenen sitze) | Kissen | Gutscheine (z.B. bei buecher.de. Da kaufe ich mir immer meine eBooks.) | Nagellack | Süßigkeiten | Kamera | Musikanlage | Abitur | Führerschein | Wohnung | eigenes Auto …

Vorsicht mit:

Deko. Dekorieren ist etwas, was mir ganz gut liegt, wo ich einen ganz eigenen Geschmack habe. Also lieber nur schenken, wenn ihr meinen Geschmack gut einschätzen könnt. Ansonsten lieber in eine andere Richtung gehen. Zu Deko gehören Souvenirs, Figuren, Fotorahmen, Kisten und Kästchen, Magneten, Lampen, all sowas eben. Allgemein alles, dessen Sinn hauptsächlich darin liegt, schön auszusehen.

Schlüsselanhänger. Ganz ehrlich? 60% aller Schlüsselanhänger dieser Welt sind potthässlich und weitere 35% okay, aber trotzdem nicht so, dass ich sie verwenden würde. Auch das ist wieder kein No-Go, sondern eher ein „Überlege gut, was bei Sina wohl zu den letzten 5% gehört!“.

Falls irgendjemand der Meinung sein sollte, man könnte mir mal Wein oder Sekt schenken, ich bin ja jetzt auch 16 – Nein. Einfach nein.

Also dann.

Jetzt wisst ihr Bescheid. :-) Die Liste ist keinesfalls vollständig und ganz persönliche Geschenke sind bei mir ganz hoch im Kurs. Der Guide ist also nur ne kleine Hilfe, die Sicherheit geben soll und dir auf die Sprünge helfen soll, wenn du gerade ideenbefreit bist. Er soll sozusagen die Trefferquote erhöhen. ;-)

Liebe Grüße an euch liebe Leute,
Sina

Nur mal n bisschen schwärmen

Bücher mit irgendwohin nehmen ohne große Gewichtszunahme oder Platzverlust in der Tasche? Sich dabei nicht mal zwischen den ganzen Lieblingen entscheiden müssen? Auch im Dämmerlicht lesen? Schriftgröße und Schriftart nach Belieben anpassen? Notizen und Markierungen hinterlassen, ohne das Buch zu verhunzen? Nicht suchen, wo man noch mal war? In der Öffentlichkeit lesen, ohne dass alle gleich das Buch erkennen? Von Zuhause ein Buch kaufen und sofort loslesen?

Ich kanns! Hach, ich liebe meinen neuen eBook-Reader!

Nur ein bisschen oft aufhängen tut er sich. Aber gut, ein kleiner Druck auf den Reset-Knopf unter der Klappe mit den Anschlüssen und 30 Sekunden später ist er wieder startklar. Da ist das schon okay, wenn der sich mal aufhängt.

Ich mag ihn. Nur expandiert er mein Leseverhalten erheblich. Plötzlich hab ich so wenig Zeit…

Touch the light

Es spielt keine Rolle mehr, wer ich nicht bin, was ich nicht kann und was ich nicht habe. Ich strecke meine Finger aus und berühre das Licht, die Farbe, die Töne.

Ein Lied, gesungen von einem Vater mit seiner kleinen Tochter, um einfach eine gute Zeit zu haben; ein Bild, gemalt, um zu geben, freizulassen und zurück zu bekommen; Gemeinschaft, weil Menschen beisammen sind, die sich wichtig sind, und sich das auch zeigen können.

Die Zweifel an mir bleiben, alles, wo ich nicht bin oder kann, wie ich will, natürlich bleibt all das bestehen, aber es spielt keine Rolle mehr. Es verliert an Bedeutung,

wenn ich meine Hand ausstrecke und das Licht berühre.