An die Freundin, die zu Hause geblieben ist

(oder den Freund. Das hier betrifft tatsächlich so einige.)

Meine liebe, liebe Freundin,

die du mir so wichtig geworden bist. Die ich Herz-zu-Herz kennen gelernt habe. Die wir uns Rückhalt gegeben haben, uns ermutigt und gestärkt und so viel geteilt haben.

Meine Freundin, die du zu Hause geblieben bist, während ich in ein fremdes Land gegangen bin. Die du jeden Tag deinen Alltag hast, während ich beständig Neues erlebe. Der es so schwer fällt, sich mein neues Leben vorzustellen, während ich das deine ganz gut kenne.

Hallo du.

Einen Monat bin ich jetzt schon weg, und wahrscheinlich hast du viel zu wenig von mir gehört. Vielleicht hast du mir geschrieben, mir eine wundervolle Mail voller Ermutigungen und Fragen geschickt, und es kam so wenig oder sogar gar nichts zurück. Vielleicht hast du sogar gehört, dass jemand anderes mit mir geskypt hat, und du fragst dich, warum wir beide nicht.

Vielleicht bist du enttäuscht, fragst dich, wie viel du mir überhaupt noch bedeutest oder je bedeutet hast, ob ich dich so schnell vergessen habe. Ob es wirklich sein kann, dass ich nicht mal die Zeit für ein bisschen an dich oder mit dir schreiben finde. Ob du in diesem Jahr wirklich nicht mehr sein solltest als ein weiterer Rundmailempfänger.

Ich möchte so sehr, dass du weißt, dass ich alles gesehen und gelesen habe, was du mir geschrieben hast, und dass ich mich darüber gefreut habe. Ich mag den Gedanken an dich. Unser ganzer gemeinsamer Weg mit all den verschiedenen Momenten ist mir kostbar. Ich möchte, dass du weißt, dass mir viel an dir liegt, und dass ich mich auf dich freue, wenn ich zurück komme.

Jetzt gerade bin ich in einem Land ganz weit weg, und es kostet mich all meine Energie. Ich ringe darum, meinen Fokus hierher zu verschieben und Deutschland erst einmal hinter mir zu lassen. Jeder Kontakt nach Hause tut weh, egal, wie schön es auch ist. Alle Zeit, die ich in Gedanken in Deutschland und bei dir verbringe, bin ich nicht wirklich hier, ist Zeit, die meinem Einleben entgegen wirkt, die mir dieses Land fremder und kälter erscheinen lässt, die Heimweh hervorruft.

Und ich möchte mich doch wohlfühlen in diesem Jahr.

Kannst du mich loslassen? Kannst du mich – auch innerlich – wirklich gehen lassen? Gehen lassen in dem Wissen, dass wir später einfach da weitermachen können, wo wir aufgehört haben. Wir bleiben ja Freunde. Wir laufen uns nicht weg. Und im Fall der Fälle, wenn etwas wirklich krasses passiert, sind wir ja immer noch füreinander da.

Ich bin mir nicht sicher, ob man das wirklich verstehen kann, wenn man noch nicht für längere Zeit ins Ausland gegangen ist. Danke, dass du es versuchst.

Ich schick dir Mut, Kraft, das Beste für dieses Jahr!
Deine Sina


2 Kommentare

  1. hi sina, total gut beschrieben, absolut nachvollziehbar und irgendwie ja auch entlastend, wenn man (ich) es noch nicht so oft geschafft hat, sich bei dir zu melden. Ich hätte zwar total viel Lust auf Skypen, aber dann warten wir lieber noch ein wenig, bis die Eingewöhnung fortgeschritten ist und es nicht mehr so weh tut. Sei gesegnet!


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