Drei Gamer und ein leerstehendes Haus

Und wie das so ist mit mir und Gruppen von Jungs oder Mädchen. Und generell Menschen.

Abend, dunkel.

Dabei: Baustrahler, Kabeltrommel, zwei Handys mit Taschenlampenfunktion und drei Jungs.

Plan: Locationsichtung für ein Filmprojekt.

Ein Haus, das wohl schon eine ganze Weile leer steht. Das heruntergekommen ist. Das groß ist, viele Räume hat. Das an einer wenig befahrenen Straße steht. Das nur im Keller Strom und Licht hat. Mit Spinnen. Mit Staub. Mit vereinzelten, total zufällig wirkenden Gegenständen in manchen Räumen. Mit einer irgendwie surrealen Atmosphäre.

Kurzum: Ein Haus mit Grusel-Potential.

Oder, wenn man mit drei Gamern unterwegs ist:

Mit definitivem Paintball-Potential. Viele Nebentüren, Ecken, Kanten, Flure, und dann doch wieder viel Freiraum. Alles darf kaputt gemacht werden und dreckig werden – wird eh bald abgerissen, das Haus. Ein Traum.

Mit Computerspiel-Bezüge-Potential: „So ein Flur wär bei nem Shooter das schlimmste. Da durch zu müssen…“ „Dieses Haus könnte genau so in diesem blabla Horror-Game vorkommen.“ Und ganz viele andere, die ich vergessen habe, weil ich sie nicht ganz verstanden habe, so als Passiv-Pseudo-Gamerin.

Außerdem Foto-Potential. Mit nur einem Baustrahler wird auf dem tiefer liegenden Dach ein episches viereinhalb-Minuten-Fotoshooting veranstaltet. Von dunklen Silhouetten vor einem einschüchternden Haus.

Und Blödel-Potential. Alte Kassenbücher durchgucken, auf einen uralten Aufzug klettern und sich gegenseitig erschrecken …

Irgendwann kommt mir ein Gedanke: Mit Mädchen würde das alles so viel anders ablaufen. Jedenfalls, wenn sie sich so richtig „Mädchen“ verhalten. (Klar, gibt glücklicherweise auch genug andere.) Dann wäre Panik, Gekreische und Gekicher angesagt. Dann wäre ich die, die Ruhe reingeben würde, Spinnenweben wegmachen würde und als erste um die Ecken und in Zimmer reingehen würde. Eine Rolle, die ich schon so oft ausgefüllt habe und inzwischen fast automatisch einnehme – die Vorangeherin.

Aber jetzt ist das anders.
Jetzt genieße ich heimlich für mich das kleine, aufregende Angst-Gekribbel, wenn ich als erste in einen finsteren Raum gehe, und die darauf folgende kleine Erleichterung, wenn auch diesmal tatsächlich nichts völlig Irrationales passiert ist.
Jetzt genieße ich, dass man mich fast gar nicht erschrecken kann und lasse die Jungs ihr Glück versuchen – natürlich erfolglos.
Jetzt genieße ich die ganze Atmosphäre und habe die Zeit und den Platz, mich faszinieren zu lassen von dem allem, was da um mich ist.
Jetzt genieße ich das alles sehen, kommentieren, ausprobieren wollen der Jungs, ihre Begeisterung, ihre Fusseln im Kopf und den Blick aus ihren Augen.
Jetzt genieße ich es, da zu sein als ein Teil der Gruppe, der vom Projekt her Kern ist und doch irgendwie sehr rausfällt, um dann doch in vielerlei Hinsicht auf selber Wellenlänge zu sein – lustiges Gefühl.

Ich fühl mich wohl. In diesem Haus. Mit den Leuten. Fühle mich innen drin total sicher und gut aufgehoben, und bin gleichzeitig aufgeregt.

Der Energietank war nur so schnell leer. Ich hätte das Herumstreunen irgendwie noch länger auskosten gewollt. War am Ende so platt und nicht mehr wirklich denk- oder aufnahmefähig.

Trotzdem. Leerstehendes Haus mit drei Gamern angucken – Daumen hoch. Gefällt mir.


Ein Kommentar


Sag was dazu!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s