Woher, wohin

(Ein Text vom 03. November 2013, einer Zeit, in der ich seeehr unter der Schule gelitten habe und einfach nicht mehr wollte. Und zu Hause war es da gerade auch nicht leicht. Wäre da gerne schon 18 und mit der Schule fertig gewesen.)

Woher, wohin, woweg.

Immer weiter, mit dem Strom und durch den Sturm, weil ich keinen anderen Weg finde. Die Zeit ist mein Weg, und ich bin in ihr eingespannt, ohne irgendwie Einfluss nehmen zu können. Minute für Minute, Stunde für Stunde, Tag für Tag, bis Wochen, Monate und Jahre daraus werden; so lang, wenn man wartet und zählt, wartet und zählt. So unerreichbar scheint das Zeil, außerhalb meines Blickfeldes für Sinn. Doch wenn man die Wahl nicht hat, bringt die Sinnfrage nichts, und so bleibt mir nur weitergehen. Immer wieder entscheide ich mich neu dazu, einfach irgendwie weiterzugehen und zu hoffen, dass es sich am Ende als nicht ganz so sinnlos heraus stellt, wie es mir momentan erscheint.

Woher, wohin, woweg.

Hier weg. Wie verbrate ich meine Energie? Nichts und nichts und nichts ernte ich von der ganzen Arbeit. Ich bin müde von diesen inneren Diskussionen, Kämpfen und Überwindungen. Will mir dessen sicher sein, was ich tue, wohin ich gehe. Stattdessen hänge ich zwischen den Stunden und Tagen, unverstanden, weil dieses Problem kaum ernst genommen wird, unter gleich alten, aber nicht gleichgesinnten Leuten, den ganzen Weg, den man nicht schneller gehen kann, aussitzen, durchhalten, irgendwie weiter.

Woher, wohin, egal, weiter.

Der junge, intellektuelle, moderne Mensch

Der junge, intellektuelle, moderne Mensch entspricht keinem Klischee.

Der junge, intellektuelle, moderne Mensch sagt, diese Sache mit Mann und Frau kann man ja gar nicht so eng sehen. Schwul und lesbisch ist normal. Oder auch bi. Man braucht sich ja nicht festlegen. Auch sein eigenes Geschlecht nicht. Kann man ja mal wechseln. Das ist alles ganz normal und natürlich. Sowieso sind Frauen und Männer eigentlich gleich. „Sexuelle Vielfalt“ nennt der junge, intellektuelle, moderne Mensch das und fühlt sich fortschrittlich, tolerant und abgeklärt.

Der junge, intellektuelle, moderne Mensch findet so Sachen wie Ehe echt überflüssig. Da geht doch nur Geld an den Staat, sagt er. Das ist nur eine institutionelle Sache. Sowieso: Ein Leben lang mit einer Person, das ist doch Quatsch. Er sagt: „Wir haben uns auseinander gelebt“, als würde das einen Sinn machen. Versprechen? Verbindlichkeit? Treue? Ihh. Lieber sammelt er sich so seine Beziehungen zusammen. Alter und Geschlecht sind keine Grenzen, natürlich nicht. Wer auf so etwas Wert legt, ist konservativ, spießig und prüde.

Der junge, intellektuelle, moderne Mensch glaubt. Entweder an den Atheismus, oder aber er sammelt sich zusammen, was ihm interessant erscheint. Ein Buddha im Wohnzimmer, ein indianisches Götterzeichen als Kette, vor dem Examen wird gebetet, nach dem Tod wird wiedergeboren. Oder doch ganz anders. Was ihm hilft. Er ist dies und das, und eigentlich haben ja eh alle Religionen denselben Gott, und jeder kommt in den Himmel. Außer Hitler natürlich.

Der junge, intellektuelle, moderne Mensch findet alle Politiker kollektiv scheiße, obwohl er außer ihrem Gesicht, ihrem Namen und dem durch die Presse verzerrten Bild nichts von ihnen weiß. Er wettert laut gegen NSA und Überwachungsstaat, Telekom und das System. Der junge, intellektuelle, moderne Mensch ist dagegen. Ja, gegen was? Manchmal ist das nicht so ersichtlich. Vor allem, weil das „dagegen“ in der Regel nur bis zu den Stimmbändern und nicht bis zu den Händen reicht.

Der junge, intellektuelle, moderne Mensch bezeichnet sich als tolerant. Er ist weltoffen, international und gebildet. Er kann diskutieren und ist aus Prinzip gesellschaftskritisch. Und irgendwie, merkwürdiger Weise fühlt er sich, als hätte er eine ganz eigene Meinung und wäre mit seinen Ansichten irgendwie etwas besonderes. Er fühlt sich, als gäbe es da noch einen Kampf zu schlagen und als müsste er noch für diese Meinung kämpfen. Ich weiß nicht so genau, wie er darauf kommt. Seine Schimpfwörter sind „homophob“, „FDP“, „konservativ“, „intolerant“, „diskriminierend“ und „Nazi“. Er ist jung, intellektuell und modern, und ehrlich gesagt liegt er ziemlich genau im Trend der Zeit, ohne auch nur ein bisschen davon abzuweichen.

Ich bin auch jung. Mein Intellekt ist eine meiner Stärken. Und irgendwie bin ich auch modern. Aber ich würde diese Gender-Sache und diese sexuellen Kreativitäten wesentlich kritischer betrachten. Ich setze auf die Ehe. Ich habe einen, und nur einen, aber dafür konsequenten Glauben. Ich weigere mich, Politiker oder das System zu beurteilen. Und ich halte „Toleranz“ für einen Mythos.

Ich bin nicht altmodisch. Ich frage mich nur, warum der neuste intellektuelle Trend Recht haben sollte, wo doch alle früheren irgendwann durch den nächsten revidiert wurden und dann doch nicht mehr so toll waren. Ich frage mich, ob ich mich in meinem Intellekt wirklich von meiner Zeit steuern lassen will. Ich frage mich, ob ich allem zustimmen muss, was auf den ersten Blick logisch aussieht, aber doch ein mulmiges Bauchgefühl mit sich bringt. Ich frage mich, warum meine Generation auf einmal die Wahrheit mit Löffeln gegessen zu haben meint.

Sie werden irren. Genauso wie alle Generationen zuvor.
Genauso – wie ich auch.

Welt sucht Sina

Suchanfragen, bei denen Leute auf meinem Blog gelandet sind. Alle echt.

kleine schwester so frech mit grosse bruder ist das normal – Jap. Sehr normal.
sie kommt mit komplimenten nicht klar – Die Arme. So Freunde hab ich auch.
ich will mich nicht füttern lassen – Kenn ich, das Gefühl… äh, was?
unkoordinierte handbewegungen und weit aufgerissene augen säugling ursachen – Dass es ein Säugling ist. Die glotzen schon mal und rudern ziellos in der Luft herum.
liederliste zum schützenfest – Nein. Nein. Nein. Nicht hier. Neineineinein!
keiner will schützenkönig werden – Zu Recht.
gute gedanken zum schützenfest – Definitiv Denitiv Infinitiv nicht hier. (Aber schön, dass man die inzwischen googeln muss, um welche zu finden. Hähä.)
wenn ich groß bin möchte ich auch lehrerin werden – Ich nicht.
nehmt euch ein beispiel an mich – Aua. Berliner oder was? ‚Das mir und das mich, das verwechsel ich nich. Haste ma nen Strick bei dich? Die Ziege will nicht mit mit mich.‘ Danke, Oma, für diese Lebensweisheiten.
rentner tragen beige – Ach, echt?
buch da tun sich abgründe auf – So weit bin ich noch nicht. Mein „Da tun sich Abgründe auf“-Artikel ist zwar immer noch sehr erfolgreich und viel geklickt, aber das mit dem Buch…?
krasser scheiß windsurf scheiß – Mhm. Ich maaag windsurfen.
birken zum klettern – Sag mir, wenn du eine gute gefunden hast, ja?
teenagerin zu sensibel – Welt zu unsensibel.
kurz zusammen plötzlich über gefühle unsicher – Es geht nicht um Gefühle. Es geht um eine Entscheidung. Und abgesehen davon: Wann hat man auf solche Fragen im Internet je Antworten gefunden?
dezente komplimente für frauen – Irgendwie rührend. Hoffe, du hast was gefunden und ihr seid jetzt ein Paar. :-)
andere komplimente ausser süß und hübsch – Süß. Ist. Kein. Gutes. Kompliment. Meine Tipps für Alternativen: knorke, gumbo, schnieke, dufte …
wutzen jugendsprache – Schwein!
unterwasserwesen mit kiemen – Fisch!
winterponys – Winterponys!
gestärkt neben dir stehen – Klingt wie ein sehr mittelmäßiger Eheratgeber, geschrieben von einer 50-jährigen Esoterikerin mit braunem Kurzharrschnitt, Cover: Eher unansprechend, Titel in Times New Roman kursiv gedruckt. Wow, was meine Fantasie heute wieder so alles macht …
weil ich mich neben dir wieder so klein fühle – Und dick. Und hässlich. Korrekt.
ich bin nicht so brav wie du denkst – Nee. Du bist voll krass gangstaa.
tolino shine aufgehängt – Mein Beileid an die Angehörigen. Schmeißt eine Blume von mir aufs Grab.

Vielleicht ist ja irgendwer von denen regelmäßiger Leser geworden. Wenn ja: Grüße! :-)

#Neuland

„Das Internet ist für uns alle Neuland“, sagte Merkel.

„So wie Amerika“, sagte meine kleine Schwester.

„Dahin wandern auch alle aus“, sagte mein kleiner Bruder.

„‚Der Junge, der ins Internet auswanderte‘ wär doch nen guter Buchtitel“, sagte wieder meine kleine Schwester.

Merkel schaute verwirrt.

Ich lachte.