Wie du da saßt

(Wenn ich jetzt sage, dass ich das in meiner Deutsch-Vorabiklausur auf ein Löschblatt gekritzelt habe, kommt das dann komisch? – Egal. Die eineinhalb Minuten wars mir wert.)

Wie du da saßt
und geredet hast
von irgendwas

Und ja, spannend war das auch
und ich mag deine Themen
meistens

Aber eigentlich
wollte ich nur wissen
es hören

wie sehr du mich magst.

Life Hacks #1 – Schule

Bewährte Strategien zum Überleben oder Besserleben aus erster Hand.

1. Strategische Saisonarbeit
Gute Noten in der Schule sind irgendwo eine Intelligenzfrage, oft eine Fleißfrage (gerade, wenn das mit der Intelligenz so ne Sache ist), aber nicht zu verachten auch eine Strategiefrage. Mach dir klar, dass der erste Eindruck – heißt, so circa die ersten zwei Wochen bei einem Lehrer – einen sehr entscheidenden Teil der Note ausmachen. In dieser Zeit sortiert er dich irgendwo ein. Warst du in der Zeit gut, brauchst du danach gar nicht mehr so viel zu machen, um die zwei oder eins zu kriegen. Ist wesentlich effektiver, als die letzten zwei Wochen vor dem Noteneintragen reinzuhaun.

2. Aufzeigen gegen Hausaufgaben
Du magst keine Hausaufgaben? Wenn du dich viel mündlich beteiligst, kannst du dir aus zwei Gründen einen nicht zu verachtenden Teil deiner Hausaufgaben sparen:
1) Dadurch, dass du mündlich viel mitmachst, kriegst du den Stoff eh so gut mit, dass du die Hausaufgaben inhaltlich oder zur Übung oft nicht mehr brauchst.
2) Als einen seiner aktiven Schüler wird der Lehrer dich kaum bitten, deine Hausaufgaben vorzutragen, wenn du dich nicht gerade meldest. Das heißt, halber Aufwand fällt auch nicht auf …

3. Zauberwörter
Ach ja, und so ein paar Zauberwörter gibt es auch. Statt: „Ich hatte halt keine Zeit, das zu machen“, sag lieber: „Ich war am Wochenende leider verhindert.“ Das Wort verhindert hat einen genialen Effekt. Es klingt nach wichtig, begründet und lieber-nicht-nachfragen. Oder auch „ambivalent„, wie ich letztens gelernt habe. Damit sieht man direkt tiefgründig, reflektiert und intelligent aus. Generell sind ab und zu ein paar Fachwörter oder komplexe Satzstrukturen ne ziemlich gute Idee.

Habt ihr weitere? Mich würden sie interessieren, also ab in die Kommentare damit!

Meine Lehrer – Kurzpotraits

Achtung, bissig.

Alle Gegebenheiten sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und unbeabsichtigt.

Englischlehrerin – kann Englisch, aber nicht analysieren, lässt sich von Reden und Boulevard-Artikeln reinlegen. Mag alte-Leute- und kleine-Mädchen-Kleidung, obwohl sie vielleicht 35 ist. Legt zu meinem Nachteil sehr viel Wert auf Vokabeltests.

Chemielehrerin – macht Physik statt Chemie. Färbt sich nur etwa einmal im Jahr ihre Ansätze nach. Braucht ne viertel Stunde, um die Anwesenheit zu checken und hat angeblich letztens eine mittelstarke Säure ins Gesicht gekriegt. Hat irgendwie keinen überrascht.

Pädagogiklehrerin – setzt auf Fleiß statt auf Intelligenz oder Wissen und braucht jedes Mal zwanzig Sekunden, um sich zu überlegen, wen sie dran nimmt. Hat offensichtliche Lieblings- und Hasschüler. Bestraft nicht gemachte Hausaufgaben natürlich pädagogisch wertvoll mit Freistunden.

Sowilehrer – hats drauf. Könnte wahrscheinlich Deutschland alleine schmeißen. Erzählt allerdings immer das selbe. Und sein Alter wird ihm mit zunehmender Vergesslichkeit peinlich. Hab aber noch nie einen älteren Mann so unterhaltsam von früher erzählen hören. Ich glaube, wir beneiden alle ein wenig seine 4-jährige Enkeltochter.

Musiklehrer – ganz lieb, aber nicht für uns. Sollte besser musikalische Früherziehung machen. Mag Überinterpretation. Ermahnt prinzipiell nie. Lobt fast jeden Beitrag und haucht dann mit aufgerissenen Augen ein „Prima!“, als hätte er etwas so faszinierendes noch nie gehört. So farblos, dass man seine Gegenwart zwischen Tafel und Pult manchmal nicht bemerkt.

Relilehrerin – bewertet alle Beiträge prinzipiell als richtig, auch wenn sie in sich schon unlogisch sind. Stellt gern pfiffige unkonventionelle Theorien auf. Guckt fast verstört, wenn man ihr dann widerspricht. Hat den Mut, ihre Haare naturgrau zu tragen, und sieht dabei auch noch ganz gut aus.

Mathelehrer – Bei ihm wird ein LK zum Mathestudium. Steht auf GeoGebra (das er ge-OOO-ge-bra ausspricht) und insbesondere auf Schieberegler. Seeehr schadenfreudig. Lästert gern. Je besser dein Mathe, desto mehr mag er dich. Ach, ihr kennt den LausbubLehrer eh.

Deutschlehrerin – sieht aus wie ein Model in Rente. Macht im Ausgleich zum Mathelehrer den LK eher zum GK. Mag innere Monologe und Schaubilder. Hat sympathischerweise keine Angst, sich zum Affen zu machen.

Sportlehrerin – Chillerin. Backt Muffins für uns. Quatscht gerne mit uns über Familien, Musik, Handys … Lacht viel, besonders wenn wir irgendetwas nicht hinkriegen. Hat manchmal genauso wenig Bock wie wir. Gönnt sich in der elften und zwölften oft nen Kaffee, den sie dann genüsslich schlürft, während wir Sport machen.

Fortsetzung mit ehemaligen Lehrern von mir gefällig? Da sind noch ein paar gute dabei. :D

Windräder und verendete Helden

Als ich dich im Bus sah – du saßt über den Gang mir schräg gegenüber – als ich dich da sah, und deine mittellangen braunen Zottelhaare, durch die ich gerne mit meinen Fingern gestrichen hätte, weil sie weich aussahen, und deine braunen Augen und deine schiefen Lippen – und als du dann geseufzt hast, nachdem du fünf Minuten reglos aus dem Fenster geschaut hast, und dein Smartphone aus deiner Jeans geholt hast um widerwillig mit dieser Welt in Verbindung zu treten, mit der Welt und deinem Leben und den Leuten, die in dir nur sehen, was ihnen passt – da dachte ich mir so ganz still:

Schon wieder. Schon wieder ein verendeter Held, der keine Schlachten mehr kennt, und der sich stattdessen mit Profilbildern von Menschen unterhält, die sich wahrscheinlich selbst nicht mehr kennen, der in all dem Stress gelangweilt ist und viel macht und nichts ist. Schon wieder ein Held, ein gutaussehender sogar, wenn deine Augen, Junge, wenn deine Augen nicht so widerstandslos und angepasst wären, so ganz ohne Abenteuerlust, so ganz ohne jede sympathisch-männliche Aggressivität, die mit Gewalt nichts zu tun hat, so ganz ohne Grund, überhaupt zu kämpfen, so ganz ohne Freude. Nur Spaß ist da, oberflächlich, aber gerade nicht mal das, gerade tippst du in dein Smartphone. Ich könnte wetten, dass du einen lächelnden oder lachenden Smiley einbaust, der nichts von dir widerspiegelt. Und dann schaust du wieder hoch, aus dem Fenster, auf das Feld, die Windräder, die sich drehen und drehen und auch dieser Kampf ist sinnlos.

Ich schaue dich an, immer noch, in dein Gesicht. Du hast eine Narbe an der Schläfe – ich würde gern die Geschichte dazu hören und ich hoffe, dass sie sich lohnt. Vielleicht ist sie ja ein Zeuge davon, dass du lebst, oder gelebt hast, denn jetzt gerade so wirkst du tot, mein Freund mit den braunen Zottelhaaren, deinen schokobraunen Augen und dem schiefen Mund, tot. Lebendig begraben in einem Sarg aus ständiger Erreichbarkeit, Sicherheit und Bequemlichkeit, aus Erwartungen und Spaßhülsen, und du darin, tot und tot und immer noch nicht lebendiger.

Vielleicht bist du ja doch lebendig und hast nur einen schlechten Tag, kann ja immer noch sein, aber dein Outfit sieht zu durchdesignt aus, als dass das stimmen könnte. Ich will deine Haare durchwuscheln, weißt du, und dein Gesicht könnte so leicht verwegen und kriegerisch und attraktiv aussehen, aber deine Augen, deine Augen … Ich würde dir gern dein Handy aus der Hand nehmen und es abschalten, dir deine Sicherheit und deine Bequemlichkeit nehmen, und gucken, was passiert; dein Helden-Ich wachkitzeln und mit dir abhauen, weg von allen Erwartungen, vielleicht ans Meer. Ich würde dir ein Schwert in die Hand drücken und dein Herz in Flammen stecken. Dich frei lassen. Nur aus Neugier, was wäre wenn, und wer du wohl eigentlich bist.

Aber das mache ich nicht. Tot bist du, und das tut mir auch leid, aber was soll ich an deinem Grab stehen? Wecken kann dich immer noch ein anderer. Ich werfe dir einen Blick zu wie eine Blume aufs Grab, während du ohne jede Gesichtsregung irgendjemandem ein Herz schickst. Vielleicht, falls wir uns nochmal wiedersehen und ich die Gelegenheit bekomme, deine Haare endlich anzufassen, dann pikse ich dich, bis du aufstehst aus deinem Grab, bis du die Friedhofmauern sprengst und wir im Sommer in Decken gekuschelt die ganze Nacht auf dem Dach sitzen bleiben und Cocktails trinken können.

Ich steige aus dem Bus aus, und der kühle Wind schlägt mir ins Gesicht. Die Augen zusammen gekniffen gehe ich weiter, die Stadt, die Schule, ein Sarg voller verendeter Helden, die keine Schlachten mehr kennen, sich selbst nicht kennen, in all dem Stress gelangweilt, viel machen und nichts sein, Augen widerstandslos und angepasst, ohne Abenteuerlust, ohne Grund zu kämpfen. Und die Windräder drehen sich und drehen und drehen und auch dieser Kampf ist sinnlos.

Ein paar Worte schlichte Wahrheit.

Ich weiß nicht mehr, worum es da genau ging – Abtreibung? Oder Gender? Jedenfalls sagte mein Sowi-Lehrer folgendes:

Es [das Thema] wird wissenschaftlich breitgetreten und es wird sich auf die Sachebene und das absolut rational Nachweisbare konzentriert. Sobald man aber eine innere Barriere verspürt, kann man sich nur noch aus der Diskussion heraushalten, wenn man nicht von Schwarz-Weiß-Denkern … entsprechend eingeordnet werden möchte.
Das ist dieser Toleranz-Mainstream.

Ja.
Dem wäre dann wohl nichts mehr hinzuzufügen.

Vertrauen. Weitergehen.

(In meinem Collegeblog gefunden. Muss schon mindestens nen halbes Jahr alt sein.)

Seit Jahren.

Irgendwie vertrauen. Zu irgendetwas wird es gut sein, muss es gut sein. Es wird schon irgendein Ergebnis haben, irgendwohin führen. Muss es. Ich weiß nicht wie, aber auf irgendeine Weise muss es mir zum Guten dienen. Versuchen, zu vertrauen.

Irgendwie weitergehen. Ein Schritt nach dem anderen, nur einen auf einmal, immer nur die Kraft für den nächsten einen Schritt. Irgendwie weiter, ich muss weiter. Kann das Tempo nicht anpassen, darf nicht stehen bleiben, es gibt keine Abkürzungen. Ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll, aber

vertrauen. weitergehen.

Die Prinzessin am Schulfenster

Meine große Schwester stand vor dem Deutsch-LK am Fenster und sah hinunter auf den Haupteingang der Schule und auf die Straße, die vorbeigehenden Leute, die Autos. Sie war müde und kaputt und hatte keine Lust.

Der junge Mann, der vorbei kam und beim gedankenverlorenen Umhersehen ihr unglückliches, aber dennoch schönes Gesicht hinter dem Fenster entdeckte, wurde sofort die Märchen erinnert, in denen jemand eine Prinzessin in eine Burg sperrt, und sie war die Prinzessin, und er war der Prinz. Ich hol sie da raus, beschloss er also und ging energisch auf den Haupteingang zu.

Meine Schwester sah ihm zu, war wie betäubt von seinem intensiven Blick, und ihr Herz begann zu lächeln.

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So.
Wer sich jetzt ganz wohlig fühlt, sollte nicht weiterlesen. Wem das zu kitschig war, nur zu.

Alternatives Ende 1
Doch der junge Mann wusste, dass er ihr nicht würde helfen können. Es war kein echtes Märchen. Also ging er weiter und vergaß sie sofort wieder.
Meine Schwester ging in den Deutsch-LK und analysierte Kafka.

Alternatives Ende 2
Wie gebannt starrten sie einander an. Die Zeit schien still zu stehen. Tat sie dann auch wirklich. Die Zeit ging einfach nicht mehr weiter, und deswegen die Geschichte auch nicht, weil ab da bis in alle Ewigkeit nichts mehr passierte.

Alternatives Ende 3
Als sich ihre Blicke trafen, wussten beide, was sie tun würden. Sie rannten los, trafen sich auf halber Strecke im Treppenhaus, küssten sich, heirateten, hatten viele Kinder und waren glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

Alternatives Ende 4
Sie musterte ihn kritisch. Was glotzte der so? Sie machte das Fenster auf. „Ey, verpiss dich, du Hurensohn!“ „Alta, ich fick deine Mudda, du Bitch!“ (Geheiratet haben sie übrigens trotzdem.)

Alternatives Ende 5
Zombie-Apokalypse.

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Mehr meine große Schwester