Alibi-Freunde

„Die Frage ist ja, wer von den Freunden noch übrig bleiben würde, wenn man monate- oder jahrelang im Krankenhaus ist und so“, sinniere ich in Anbetracht des Unterrichtgegenstandes Krebs.

Meine Sitznachbarin seufzt leise.

„Bei mir wäre es nur mein Freund und meine Schwester. Ansonsten habe ich nur Alibi-Freunde, um zu verbergen, dass ich keine echten Freunde habe.“

Ehrlich, dieses Mädchen. Staubtrockene Wahrheit. Die Bitterkeit in der Stimme lässt ein wenig auf den Schmerz dahinter schließen. Ich hätte nicht gedacht, dass sie eine Einzelkämpferin ist.

Und dann merke ich, dass ich auch erstaunlich viele Alibi-Freunde habe. Hab ich nie gemerkt. Wollte ich auch eigentlich nie wissen.

Oh man. Knallhart ehrlich, diese Aussage. Aufrüttelnd ehrlich. So bitter ehrlich und wahr, dass sie sich tief in mein Gedächtnis einbrennt. Alibi-Freunde.

Das Mädchen schaut mich an und lächelt ohne besondere Freude. „Weißt du?“

„Ja“, antworte ich fast ein bisschen grimmig und beginne zu hoffen, dass irgendwann der Tag kommen wird, an dem ich charakterlich so weit bin, dass ich keine Alibi-Freunde mehr nötig habe.

Kontaktanzeige

15-jähriges Mädchen sucht Christen im Alter von 14 bis 19 Jahren aus meiner Gegend zum regelmäßig treffen, Quatsch machen, Freundschaften aufbauen und zusammen Gott begegnen. Fähigkeit zu intensiven Gesprächen sowie der Hang zu rustikalen Sommerlagern erwünscht.

Ich will mit euch Schlittschuh fahren und Schwimmen gehen, Picknicken und Klettern. Ich will mit euch kreative Ideen entwickeln und einfach alles mal ausprobieren. Ich will mit euch rumalbern oder nur mal labern. Ich will mit euch Jugendgottesdienste machen, bei denen wir mal richtig für Gott tanzen können, weil ab 25 kann man das ja nicht mehr, hab ich erfahren. Ich will mit euch Worshipabende machen, beten, die Welt verändern. Ich will mit euch zusammen wachsen. Ich will euch, damit wir auf einer Stufe, einer Ebene einfach zusammen leben können.

Damit ich jemanden habe, der so manches versteht, was man später nicht mehr verstehen kann. Damit ich jemanden habe, der da drin steckt, wo ich auch gerade bin. Damit ich Leute habe, die sich nicht mehr groß in meine Welt hineindenken müssen, weil es auch ihre ist. Damit ich Leute habe, mit denen ich Träume teilen kann. Damit ich Leute habe, denen ich nicht „so jung“ vorkomme. Damit ich endlich mal Leute habe, die wirklich Freundschaft mit mir aufbauen wollen. Weil das dann alles einfach mehr bringt. Weil wir dann mehr Spaß haben. Weil mir diese Form von Freundschaft, Gruppengemeinschaft und Zusammengehörigkeit einfach fehlt.

Man, mir fehlt echt ne Jugend.

Eifersuchtsstiche

Wenn der Vater seiner kleinen Tochter sagt, dass sie wunderschön ist.
Wenn sich die beiden besten Freunde ohne Worte einig sind.
Wenn die Freundin mit ihrer großen, tollen Verwandschaftsbande in den Urlaub fährt.
Wenn die kleine Schwester von der großen alles gezeigt bekommt, was man so braucht, wenn man kein kleines Mädchen mehr ist.
Wenn die Freundin von ihrem Freund beschützt und verehrt wird.

Wenn jemand einfach …

ach, ich weiß es doch auch nicht.

Egal, weil wir sind

Meine Nudeln sind zu scharf. Ich habe Bauchschmerzen. Meine Cola ist alle und ich habe Durst. Ich bin müde. Ich weiß nicht, wohin mit meinen Füßen. Draußen war kein Tisch mehr frei. Ich will raus. Drinnen wird es auch immer voller und lauter. Zu anstrengend.

Doch es ist egal. Es ist egal. Egal, weil wir drei wieder zusammen sind. Meine treusten Freunde. Die, die jede noch so merkwürdige Phase von mir durchgestanden haben. Die, bei denen ich mich gar nicht verstellen kann. Die, die weder nur die Schokoladenseite noch nur die … äh, Nicht-Schokoladenseite … von mir sehen. Wir sind gemeinsam hier. Wir haben endlich, endlich Zeit miteinander.

Und alles andere wird egal.

Durch die Scheibe des Restaurants scheint die Abendsonne über den Segelflugplatz. Eine Runde mittelalter Männer bestellt draußen noch eine Runde Bier. Ab und zu startet ein kleiner Flieger. Am Buffet steht eine kleine Frau mit Kopftuch und backt schon die ganze Zeit kleine Steinofen-Brötchen für die Gäste. Der Koch trägt eine echte Kochmütze und der Kellner hätte auch Modell werden können, um Geld zu verdienen.

Und wir sind hier, wir sind hier.
Jetzt.

10 Fakten über mich

1) Ich bin nur Rechtshänder, weil ich mir mit vier Jahren das linke Handgelenk gebrochen habe. Vorher habe ich meine Hände gleichberechtigt verwendet.

2) Ich bin ein Mädchen und hasse pink. Jap, und ich bin stolz drauf.

3) Ich kaufe keine Bücher, ich adoptiere sie. Ich habe nicht viele Bücher, aber die, die ich habe, werden mehrfach gelesen und liebevoll gepflegt. Sie werden auch nur sehr ungern verliehen. Ich habe irgendwie Angst, dass einem meiner Schäfchen etwas zustoßen könnte.

4) Das schlimmste, was mir je serviert wurde, ist Linsensuppe. Ich HASSE Linsensuppe. Legendär ist ein Zitat von mir von einer wirklich anstrengenden und ätzenden Fahrradtour: „Das ist schlimmer als drei Teller Linsensuppe.“

5) Meine Referate sind besser, wenn ich mich kaum darauf vorbereite. Erklär mir das mal einer.

6) Ich finde Schuhe irgendwie unnatürlich. Und hohe Schuhe erst recht. Wenn ich nicht so eine Frostbeule wäre, würde ich ständig barfuß rumlaufen.

7) Die Sportart, die mir bis jetzt am meisten zusagt, ist windsurfen. Dafür wohne ich nur leider am falschen Ort.

8) Egal, ob in der Schule, in der Kirche oder sonstwo: Ich bin immer die Jüngste im Freundeskreis. Das ist keine Absicht! Naja, oder ich bin mit Abstand die Älteste, aber das ist ja was anderes.

9) Ich bin immun gegen Motivationsversuche. Entweder bin ich motiviert oder nicht. Daran kann kein Mensch etwas ändern. Versuchs doch!

10) Wenn ich draußen mit jemandem durch die Natur gehe, fange ich manchmal an, einfach so Geschichten zu erzählen über das, was ich sehe. Meine Mama und mein großer Bruder können da ein Lied von singen. Und die sind gar nicht mal so schlecht! Also mein Bruder meinte irgendwann, das wäre Roman-tauglich.

___
Episode  2  3  4  5