wenn es zwischen uns anders wäre

Was wäre, wenn es anders wäre zwischen uns?

Was wäre, wenn du krank werden würdest? Schwer krank. Und dann hättest du nur noch kurze Zeit zu leben. Und du würdest zu mir sagen: „Sina, ich werde sterben.“ Alle Gedanken an die Zukunft wären weg, weil es ja keine gibt. Und du würdest sagen – oder dein bester Freund, weil du dich nicht traust – dass du dir noch einen Kuss wünscht, einen Kuss von mir, einen Kuss bevor du stirbst. Und dann würde ich dich küssen und der Kuss würde einen ganzen langen Abend dauern. Kein Gedanke an Morgen. Nicht mehr rational sein. Loslassen.

Was wäre, wenn ich auf einmal aus irgendeinem Grund blind wäre? Würdest du für mich da sein wollen? Würdest du mir helfen, auch wenn ich deine Lebenswelt zur Hälfte verlassen hätte? Vielleicht würden wir spazieren gehen und ich müsste mich an deinem Arm oder an deiner Hand festhalten, weil ich ja nichts sehe. Das würde ich sehr genießen. Ich würde deine Mimik nicht erkennen können, du aber meine. Du würdest an meiner Mimik sehen, dass ich verliebt in dich bin, und ich würde es daran sehen, dass du dich um mich kümmerst und mit mir spazieren gehst.

Was wäre, wenn wir uns in fünf oder zehn Jahren wiedertreffen würden und alles hätte sich verändert? In der Zwischenzeit Erfolge und Enttäuschungen, und wir beide gereift und immer noch (vielleicht wieder) allein. Und der andere hätte für uns auf einmal ein ganz anderes Gewicht, neue Perspektiven, neue Sehnsüchte, früher so wichtiges ist jetzt egal. Und dann wäre es ganz einfach: Du und ich. Ganz klar. Auf einmal würde es passen. Und dann gäbe es eine Berührung, ein Gespräch, ein Kuss, lang gereift wie guter Wein und jetzt so köstlich wie es früher niemals möglich gewesen wäre.

Was wäre, wenn du einfach ein bisschen anders wärst und ich einfach ein bisschen anders wäre und die Situation einfach ein bisschen anders wäre und „du und ich“ auf einmal ganz echt und ganz richtig wäre?

Was wäre, wenn völlig egal ist, was dann wäre?

Ich sage: Hallo.

Ich sag dir Hallo im hier und jetzt, wo du bist, wie du bist, und ich bin, wie ich bin, und zwischen uns nicht mehr ist als das, was da nun mal ist. Ich sag dir Hallo, weil du ein echter Mensch bist und keine Gedankenspielfigur. Ich sag dir Hallo und freu mich so sehr, dass du da bist. Dass es dich gibt. So wie du bist. Einfach nur du.

Und ich sage Hallo, weil „Hallo“ ein Beginn ist. Der Beginn einer Begegnung. Der Beginn von dem „du und ich“, das real ist.

Du und ich.

Hallo!

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Ein Text aus der Reihe der mittelmäßg wahren Geschichten. Ähnlichkeiten lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Fußabdrücke auf Wegen des Lebens

Fußabdrücke auf Wegen des Lebens, leuchtend und aus der Ewigkeit, und ich sehe und gehe weiter. Wo Fackeln an Straßenrändern leuchten und sich in der Dunkelheit heimlich weiße Blüten öffnen, da nehme ich meine Kapuze ab und atme die Schönheit ein.

Ich liebe diese geheimen, unberührten Orte, geschaffen nur aus einem Hauch der Wirklichkeit und einem Fluss der Gedanken und Gefühle. Meine Träume finden hier ihren Weg und mein Inneres ein Zuhause.

Fußabdrücke, und ich sehe und folge ihnen, lasse mich leiten in die unbekannten Schatten. Sicherheit ist keine Frage von Kontrolle, sondern von Vertrauen. Es gibt keinen sichereren Ort für mich als hier in dieser Dunkelheit, denn ich weiß, wer bei mir ist. Fackeln trage ich in meinem Herzen und meine Seele blüht, während meine Füße über Steine gehen, die aus Unendlichkeiten stammen.

Ich genieße, genieße das Gefühl eines langen, schwingenden Mantels. Genieße es, mit großen Augen in der Dunkelheit nach Schemen und Formen zu suchen. Genieße das kleine, aufgeregte Kribbeln bei mutigen Schritten auf ungewissem Boden. Genieße die Ruhe in mir.

Fußabdrücke auf Wegen des Lebens, und ich folge ihnen.

Es ist unwirklich und echt zugleich.

Erdacht, hingeträumt und wohlgefühlt

Heute nehme ich mir mal Zeit, schiebe alle Stimmen zur Seite, die mich vor Kitsch und Quatsch warnen, und träume mich an andere Orte, in andere Zeiten.

Ich träume von einem kleinen Holzhaus mit einer Terrasse, die nur noch ein paar Meter von einem Seeufer entfernt ist. Neben dem Holzhaus, in einem kleinen Verschlag, liegt ein Kajak. Wenn es warm genug ist, dann hol ich das Paddel aus dem Keller, zieh das Kajak ins Wasser und fahre mit kräftigen Zügen auf den See hinaus. Da bin ich dann ganz alleine, lasse mich treiben, mit dem Wasser so nah bei mir, und der Himmel und die Ruhe und der Blick auf die Bäume am Ufer.

Ich träume mich auf Bühnen, kleine und große, vor Menschen, die hören wollen, was ich zu sagen habe. Ich habe ein Mikro in der Hand und sage relevantes, weises, schönes, und Menschen klatschen, weil es in ihnen etwas ausgelöst hat, das gut war. Einige kommen nachher zu mir und wir reden, und sie sagen, dass meine Worte etwas verändert haben – aber eigentlich waren es gar nicht meine Worte, sondern etwas, was sie gar nicht erklären können. Und ich lächle, weil ich weiß, was es war.

Ich träume von meinem zu Hause einmal später. Menschen kommen gern, weil es ein heller Ort ist. Ein Ort, wo ich einfach für dich beten kann, wenn du es brauchst, und wo Menschen sich begegnen, ganz echt. Da steht ein Klavier, und da spiele ich manchmal und singe davon, wie gut mein Gott ist. Vielleicht wuseln da ja auch Kinder herum und ein wunderbarer Mann, der seinen Arm um mich legt, wenn die Welt mal zu kalt zu mir scheint. Es könnte sogar sein, dass ich bis dahin kochen gelernt habe und es nach Klößen mit Pilzsoße riecht.

Ich träume von einer Runde Mädels, mit denen ich auf einer großen Wiese auf dem Rücken liege und den Himmel anschaue. Wir treffen uns häufiger, reden über Gott und die Welt und ich teile mit ihnen, was ich schon weiß, und sehe sie wachsen und staune. Diesmal ruhen wir uns aber einfach nur mal aus von der Welt und der Zeit, kitzeln uns gegenseitig heimlich mit Grashalmen und lernen etwas, was man schnell mal vergisst: Einfach nur zu sein.

Ich träume davon, wie ich in einem recht ruhigen ICE-Waggon sitze, meinen Rucksack mit dem Gepäck für ein Wochenende neben mir, auf dem Weg irgendwohin, noch Stunden Zeit. Wie ich aus dem Fenster schaue, nichts tun muss, nichts leisten muss, sondern innerlich so frei bin wie kaum sonstwo. Wo ich anfange zu träumen, von Kajaks, Bühnen und wundervollen Menschen…

und dann an meinem Coffee to go nippe, den ich bis dahin vielleicht ja auch noch mag.