Was kannst du eigentlich? (Finds raus!)

Letztens sagte ein Freund zu mir: „Ich bin in gar nichts gut.“ Schockiert, dass so ein wundervoller Mensch sich für so untalentiert und unbesonders hält, habe ich angefangen, Indizien für die eigenen Stärken zu sammeln. Habt ihr Ergänzungen? – Ab in die Kommentare damit!

Für alle Stärken

  • Es bereitet dir keine besonders große Anstrengung.
  • Leute spiegeln dir, dass du das gut kannst.
  • Wenn andere in deiner Anwesenheit für diese Fähigkeit oder Eigenschaft gelobt werden, ärgert dich das insgeheim, weil du das doch auch kannst.

Für Fertigkeiten, Tätigkeiten – was du machst

  • Es macht dir Spaß.
  • Während du es tust, kannst du die Zeit vergessen.
  • Es ausgelebt zu haben, fühlt sich erfolgreich an und befriedigt dich. Es geht dir nachher tendenziell besser als vorher.
  • Es nervt dich, wenn andere da mit weniger Aufwand viel besser drin sind. Solche Menschen ziehen dich an und stoßen dich ab gleichermaßen: Dich fasziniert ihr Können und du willst von ihnen lernen, und gleichzeitig hast du bei ihnen ständig vor Augen, wie „schlecht“ du bist. Besonders schlimm, wenn sie dir nahe stehen. (Es sei denn natürlich, du bist über dieses Vergleichen-Problem schon komplett hinweg. Was ich für unwahrscheinlich halte.)
  • Du würdest es sooo gern wirklich können! … bist aber eventuell der Meinung, du kannst es nicht. (Was übrigens von einem hohen Maßstab zeugt, der wiederum von einem guten Verständnis der Sache zeugt, welcher wiederum von Potenzial in diesem Bereich zeugt – nur mal so.)
  • In diesem Bereich zu versagen bedeutet für dich eine Frustration ohnegleichen. Kratzt eventuell auch an Identität und Selbstwert, auch wenn du das nicht zugeben würdest.
  • Anerkennung dafür zu bekommen ist zwar schön, dir aber gar nicht so wichtig. Du würdest es auch ohne Anerkennung tun / tust es auch ohne Anerkennung.
  • Utensilien, die du für diese Tätigkeit brauchst, faszinieren dich.

Für Eigenschaften, Denkweisen – wie du denkst und fühlst und tickst

  • Es ist für dich schwer verständlich und nervt dich manchmal sogar, wenn Leute das nicht beherrschen. Warum sie das nicht kapieren, sich nicht in Person X reinfühlen können, ihre Verantwortung nicht übernehmen können, ihr Problem nicht offen ansprechen können …
  • Du nimmst das gar nicht als so etwas besonderes wahr. Erst wenn Leute dich dafür loben, fängst du an, darüber nachzudenken, dass es gar nicht selbstverständlich ist.
  • Wenn du anderen erzählst, dass du so tickst, und du ihnen danach leid tust, nervt dich das, weil du innen drin weißt, dass es eigentlich was Gutes ist. Der andere verstehts nur nicht.
  • Du wurdest oft für die Kehrseite dieser Stärke kritisiert, was dich immer ziemlich aufgeregt hat, weil die positiven Auswirkungen dieser Eigenschaft allzu oft unbemerkt blieben. Oder du bist dir gar nicht bewusst, dass auf der anderen Seite dieser Schwäche eine großes Potenzial liegt, weil diese Kritik deinen Blick auf dich verzerrt hat.

Und nur mal so ganz allgemein: Lieber Leser, du hast eine einzigartige und auf ihre Weise geniale Kombination von Stärken. Wenn du sie noch nicht kennst, dann darfst du jetzt voller Vorfreude auf Schatzsuche gehen, weil du wissen kannst, dass es da noch viel zu entdecken gibt!

Wirklich, ich kenne viele Menschen und mir ist noch nie einer untergekommen, bei dem der Schöpfer die Stärken vergessen hat. Falls du das also von dir glaubst, lass dir gesagt sein: So besonders bist du dann auch wieder nicht.

(Aber schon ziemlich.)

Kontraste

So viel in Kontrasten habe ich wohl noch nie gelebt.

Auf der einen Seite: So viel einfach nur aushalten, aussitzen, abwarten. Zu Hause, in der Schule. Anstrengung, Schmerz, Stress, verletzende Leute ertragen, halt irgendwie. Situationen, aus denen ich nicht raus kann. Versuchen, nicht bitter zu werden und nicht darunter kaputt zu gehen. Alles gar nicht so leicht. Weiter warten, weiter hoffen, weiter aushalten. Irgendwann wird es Veränderung geben müssen.

Auf der anderen Seite: Wie ein Feuerwerk sein. Menschen, die mich Rollen einnehmen lassen, mit denen ich was anfangen kann, wo ich was geben kann, wo ich einen Unterschied machen kann. Mich investieren, einsetzen, sprühen vor Ideen. Fast mühelos weiterlaufen. Das Gefühl, dass es irgendwie gut und richtig ist, was ich tue.

Auf der einen Seite: Menschen, die mich klein halten, ständig zurecht weisen, an mir herum meckern, mir wenig Wertschätzung oder Verständnis entgegenbringen. Die mir vermitteln, was ich alles falsch mache, wie schlecht ich bin und was mit mir nicht stimmt. Die mich zu einem kleinen, dummen, nervigen Kind machen wollen. Denen ich irgendwie aus dem Weg gehen will, aber viel zu wenig kann.

Auf der anderen Seite: Menschen, die mich wahrnehmen. Die mich schätzen, ermutigen, stärken. Die hinter mir stehen, mir in Liebe Stärken und Schwächen spiegeln. Die an mich glauben. Wo ich sein darf, wie ich bin, ohne befürchten zu müssen, dass negativ auf mich reagiert wird. Menschen, mit denen ich Gemeinschaft haben will. Wo ich mich ein wenig zu Hause fühle.

Auf der einen Seite: Zweifel an mir, Verwirrung über mich selbst, Unruhe in Bezug auf alles, was ich schwer aushalten kann, egal ob Menschen oder Umstände. Zu wenig Kontrolle über mich, ein zu unklarer Blick auf mich und mein Leben. Stellenweise Unfähigkeit, die Frau zu sein, die ich sein will, und meine Zeit und mein Leben so zu gestalten, wie ich will. Schwächen, die ich nicht benennen kann und mit denen ich nicht umzugehen weiß. Unsicherheit.

Auf der anderen Seite, und ich hoffe, dass das der Kern ist: Ruhe, Nähe zu Gott, Kraft, Mühelosigkeit. Die Stärke, zu ertragen und weiterzulaufen. Leichtigkeit und Friede im Herzen. Freiheit in meinen Gedanken. Zunehmende Kontrolle über mein Handeln. Selbstannahme. Liebe für Menschen. Unberührtheit, Reinheit. Das Auge im Sturm, die Ruhe in all den Kontrasten, der alles umfassende Friede. Manchmal. Immer häufiger. Mein Wunsch.

Egal, was für Kontraste mich umgeben, womit ich alles umgehen muss: Ich will diesen Kern bewahren. Da Klarheit ohne Spaltung, Einheit ohne Kompromisse finden. Gott in mir, ich in Gott, unabhängig von allem, befreit von schwarz und weiß.

Sein sein.