Die Schönheit der Tränen

Was ich in den letzten Monaten über das Weinen gelernt habe.

Eine Träne löst sich aus einem Auge und läuft eine Wange hinunter. Dann eine weitere. Die Augen gerötet, die Iris leuchtender als sonst. Ein Mädchen weint.

Ihre Tränen sind ein Zeugnis. Sie zeugen davon, dass sie fühlt. In ihr, da ist etwas, das sie spüren kann, ein Schmerz, ein Leid, und sie nimmt es wahr. Sie ist nicht hart geworden. Sie ist nicht stumpf und bitter geworden unter dem Leben. Nein, sie hat etwas weiches in sich, etwas empfindsames, und manchmal tut das weh. Und dann weint sie.

Ihre Tränen sind offen. Sie sind ehrlich. Sie verbergen nichts, sondern sie tragen in aller Einfachheit und kindlicher Wahrhaftigkeit ihr Inneres nach außen. Sie sagen: Schau, so geht es mir gerade. Schau, das bin gerade ich. Etwas tut weh. Darum weine ich.

Darin ist etwas Heilsames verborgen, im Weinen, denn es bringt das Mädchen näher zu sich selbst. Sie kommt mit sich selbst in Kontakt, sie sieht sich, spürt sich, ist ehrlich mit sich. Das öffnet ihr den Weg, Frieden mit sich schließen zu können.

In einer ihrer Tränen kann jemand anders seine ganze Welt gespiegelt sehen. Wer immer sie kennt und so sieht, für den wird es intensiv sein, denn Tränen lassen ein empfindsames Herz nicht unberührt. Ein weiser und sensibler Mensch wird sie nicht verurteilen, ihre Tränen nicht fälschlicherweise mit Versagen gleichsetzen, sondern wird sie ehren für den Mut, dem Leben zu begegnen, und ihr so viel Schutz und Liebe geben, wie er gerade kann und sie gerade braucht. Ihre Tränen bringen sie näher zu anderen.

Sie weint, Träne für Träne, und sie ist schön. Die Schönheit der Tränen liegt in ihrem Bezeugen von Lebendigkeit, Weichheit und Ehrlichkeit, und all das ist ihr Wesen. Tränen sind schön, weil sie tröstlich sind, weil sie reinigen, weil sie verbinden, weil sie Liebe freisetzen.

Tränenflüssigkeit ist sehr salzhaltig. Wir sind das Salz der Welt, und manchmal sind Tränen das Salz der Seele, Perlen aus Wasser, wertvoll und gut.

Tränen lösen sich aus Augen und ein Mädchen findet eine Schulter zum Anlehnen.

Es ist nicht einmal kalt.

(Ein Gedicht vom 03. Februar 2013)

Der Himmel ist so nichtssagend,
ein weißes Grau.
Menschen kommen
und gehen an mir vorbei.
Jeder
in seiner eigenen Welt.

Der Zug, der an mir vorbeifährt,
ist fast leer.
Es ist ein Sonntagabend.
Mein Kopf beginnt zu brummen
während die innere CPU-Auslastung
gegen 100 Prozent geht.

Nichts gemacht, nirgends gewesen,
doch alles erlebt,
und doch wieder nichts.
Ich weiß nicht,
ob da noch eine Verbindung ist
zwischen Herz und Kopf.

Wenn ich meine Hand auf meine Brust lege,
spüre ich ein Pochen.
Das einzige Signal,
das mir noch zeigt,
dass ich bin.
Der Himmel hat keine Farbe.

Es ist nicht einmal kalt.