Komm mit mir in die Tiefe

An meine Freunde.

Bitte komm mit mir unter die Oberfläche.

Bitte komm mit mir dorthin, wo man in die menschlichen Tiefen blicken kann, und sei mit mir dort. Ich will nicht allein sein an diesem Ort, wo ich nichts mehr verbergen kann. Ich habe keine Lust mehr, mich für mich zu schämen, nicht vor mir und nicht vor dir. Ich habe keine Lust mehr, das Gefühl zu haben, alle meine Gedanken und Gefühle und Ideen gründlich filtern und kontrollieren zu müssen, bevor ich sie dir mitteile, weil du mich sonst auf einmal ablehnen könntest. Immer mit der Lüge im Hinterkopf – wenn du mich nur wirklich kennen würdest, würdest du nichts mit mir zu tun haben wollen. Ich hab keine Lust mehr auf das Schauspielern einer idealisierten Version von mir selbst. Die bin ich nicht. Die gibt es nicht. Es gibt nur mich.

Bitte komm mit mir hinter die Fassade, dorthin wo es bröckelt und krumm und schief ist. Ich will in deine Augen sehen und mir dann ganz sicher sein können, dass du mich nicht verurteilst. Dass du nicht auf Abstand gehst, sobald es hässlich wird. Mein Kopf weiß schon lange von dir, dass du Gnade für mich hast, aber mein Herz muss noch nachziehen.

Ich will bei dir sein können ohne den verkrampften Versuch von Selbstbeherrschung. Ich will ganz frei sein können, ohne Angst, dass etwas Verborgenes, Hässliches seinen Weg an die Oberfläche findet. Ich will ganz entspannt sein können, weil ich weiß: Selbst wenn da etwas hochkommt, magst du mich immer noch, willst du mich immer noch zu deinen Freunden zählen.

Bitte komm mit mir, lerne mich mehr und ganz kennen, und bitte sei mit mir da wo ich bin.

An die Mörder

Leute, wacht auf! Augen auf! Schaut doch hin, was ihr tut!

Ja, ist mir klar, dass ihr das nicht wolltet und nicht so genau darüber nachgedacht habt. War doch nur Spaß, na sicher. Für euch war es vielleicht Spaß. Aber für sie nicht. Ja, ihr, ihr seht immer nur auf euch. Seid bequem. Schaut nur vor das Gesicht und nicht mal in die Augen, geschweige denn ins Herz. Menschen, die mit euch nicht auf einer Wellenlänge sind, werden runtergemacht.

Wisst ihr denn nicht, was für eine verdammt vernichtende Macht eure Worte haben können, und wenn sie noch so klein, witzig und unscheinbar zu sein scheinen?

Wisst ihr denn nicht, dass das das Problem mit Menschen, die euch „nerven“, nicht in deren Art liegt, sondern in eurer Unfähigkeit, mit ihnen angemessen umzugehen?

Wisst ihr denn nicht, dass es jeder einzelne Mensch auf diesem Planeten verdient, in Würde und Ehre behandelt zu werden?

Ihr tötet! Versteht das doch! Mit jedem kleinen Kommentar, mit jedem abschätzigen Blick, mit jedem lästernden Wort tötet ihr sie. Ihr foltert sie langsam und qualvoll zu Tode. Ihr löst in ihr einen Schmerz aus, mit dem sie nicht umzugehen weiß, mit dem niemand umzugehen weiß.

Ich weiß. Keiner hat es leicht in dieser Welt, und ihr wurdet selbst auch verletzt. Das ist nur eben keine Lizenz dazu, dasselbe zu tun. Auch ihr verdient Würde und einen ehrenvollen Umgang. Also gebt ihn! ALLEN!

Das ist nicht meine Sicht der Dinge, dass es auch dämliche und bescheuerte Leute gibt, die keine Wertschätzung verdienen. Wenn ich die Welt ansehe, sehe ich tolle, fantastische und bezaubernde Geschöpfe mit einem Bedürfnis nach Liebe und Zugehörigkeit, von denen keiner getötet werden soll. Keiner. Keiner. Überhaupt gar keiner. Ihr nicht und sie nicht.

Hab ich mich klar ausgedrückt?