Checkpoint – die Vorsätze von Anfang des Jahres

Originalartikel.

1. Aus der Pubertät rauskommen. Mein Körper funktioniert nicht mehr wirklich, meine emotionale Welt verhält sich alles andere als logisch und ich hab kaum noch Energie für alles, was ich eigentlich schaffen will.

Naja, das hat jetzt so mittelmäßig funktioniert. Ich bin immerhin weiter gekommen und treibe nicht mehr ganz so hilflos herum wie ein Treibholz auf dem Meer. Ich habe mehr Kontrolle über meine Pubertät, aber so wirklich weg ist sie jetzt auch nicht.

2. Mir einen einzelnen Dread machen lassen. So einen, der dann zwischen meinen wilden Locken ist. Sähe bestimmt toll aus.

Ich hatte es wirklich vor! Ganz ehrlich! Aber ich hatte leider keine Gelegenheit. Eigentlich dachte ich, das Großbruder noch mal zu Dreadzfrau fährt. Dann wäre ich mitgekommen und hätte es gemacht. Ist er aber nicht. Und jetzt habe ich ja meine Haarlänge halbiert, jetzt wäre es blöd. Ich hätte den Dread wenn schon vor dem Schneiden machen müssen und dann die Haare abschneiden sollen, so dass der Dread so lang ist wie der Rest meiner Haare. Ach, verdammt. Na, egal.

3. Zunehmen. Ich sollte endlich mal sicher im Normalgewicht liegen, nicht immer knapp unter der Untergrenze.

Yey, endlich mal was, was ich erfolgreich umgesetzt habe! Feiert, Freunde, feiert! Sina hat Normalgewicht und liegt nicht mehr drunter!

4. Alles (entgegen meinen Gewohnheiten) langsam angehen, nicht zu hohe Ansprüche an mich stellen und mir mehr Zeit für alles lassen. Mehr chillen. Mehr Zeit für mich. Mehr Zeit zum beten und Bibel lesen. Meinen Perfektionismus ablegen. Klappt eh nicht, aber ich will es wenigstens versuchen.

Wtf?! Das war ein Vorsatz? Na, den hab ich ja erfolgreich versemmelt! Also, vielleicht doch ein kleines bisschen Erfolge gehabt, aber gerade die letzte Klausurenphase war eine Qual, die ich keinem wünsche. Das muss noch besser werden!

5. Sowieso alles viel besser machen, generell mehr Gutes tun, weniger blöde Sachen sagen, lieb und nett sein, mehr für die Schule tun blablubbblabla…

Joa. Das hab ich doch mal perfekt erfüllt, oder? ;-)

Okay, die Erfolgsrate ist ernüchternd. Das wird nächstes Mal aber besser, das verspreche ich!

Blöde Frage

„Alles klar, Sina?“ steht auf dem Statusmeldungeingebfeld (oder wie man es auch sonst nennen könnte) bei Facebook.

Ich sitze in Schlafsachen vor dem PC, habe nur einen dicken Kuschelpulli und einen noch dickeren Schal drüber gezogen und meine ständigen Begleiter sind Taschentücher, Salbei-Bonbons und eine Trinkflasche. Mein Hals kratzt und tut weh und meine Nase ist zu. Und zu allem übel ist draußen auch noch wunderbarer Regen und ich kann nicht raus.

„Alles klar, Sina?“ Ähm – nein, danke der Nachfrage.

Zwei Welten

Stillstehen.
Zwischen zwei Welten.
Mit dem Kopf woanders als mit den Füßen.
Mit dem Herz woanders als mit dem Verstand.
Mit den Träumen woanders als mit dem Sein.
Jetzt.

Frohe Weihnachten!

Vielleicht gehts nur mir so, die einfach schon seit der Geburt mit der Weihnachtsgeschichte und sämtlichen abgeänderten Formen und Krippenspielen umgeben ist, aber mal im Ernst: Außer dem chemisch unbehandelten Original haben sich alle Formen so abgenutzt, dass ich sie einfach nicht mehr haben kann. All diese Krippenspiele oder erneuerten Formen wie „Weihnachten, wie es heute wäre“ oder „Das etwas andere Weihnachten“ und umgeschriebenen Versionen mit „Weihnachten aus Sicht der Hirten“ oder „Weihnachten aus Sicht der Engel“ oder „Weihnachten aus Sicht des Esels“ oder sogar in Gedichtform, das ist alles einfach nur so – ja, abgenutzt.

Faszinierend finde ich, dass sich das Original (ohne dazu erfundene Ställe, Ochsen und drei Könige) nicht abnutzt. Ich kann es jedes Jahr wieder hören, über Marias Einstellung zum Leben und ihren Mut staunen, über Josefs Glauben und seine Liebe … Jedes Jahr hat diese Geschichte eine etwas andere Bedeutung für mich, und dieses Jahr haut es mich irgendwie um, dass ich jetzt ungefähr in dem selbem Alter bin wie Maria damals. Ich.

Jedenfalls – oh happy day – ich freue mich. Über die Geschichte, über Weihnachten, über die nächsten Tage, Familie, Geschenke.

Fröhliche Weihnachten!

Heute

… ist …der …letzte …Schultag …letzte … Schultag …letzte …Schultag …letzte …Schultag … letzte …Schultag …

WAS?! FERIEN! Weihnachten. Ruhe, kein Druck, kein Stress (zumindest schulisch), Jesus Geschenk und die von lieben Menschen bekommen und auch welche geben, endlich Zeit zum Malen und Schreiben und Hörspiel hören und die eine Freundin von Popo der Welt treffen, die ich schon sehr vermisse.

So glücklich!

Was so alles passiert, wenn man in Chemie Kopfschmerzen kriegt

Man geht zu Beispiel raus vor die Tür und bereut sofort, keine Jacke angezogen zu haben. Man schaut zum hundertsten Mal auf den Vertretungsplan. Und erst jetzt, als man für sich alleine einen schönen Platz zu ausruhen auf den Schulhof sucht, wird einem klar, wie hässlich dieser Schulhof wirklich ist, wenn er ohne Menschen im Nieselregen daliegt. Man atmet tief durch.

Man hört zum Beispiel auch Schritte hinter sich und trifft Gitarrenmädchen mit einem Kumpel. Ihr Freund? Man weiß es nicht. Sie will einen erschrecken, aber man bemerkt sie vorher. Sie fragt, was ich mache und smalltalkt ein bisschen mit mir, währen ihr vielleicht-Freund den Vertretungsplan studiert. Dann gehen sie rein.

Man könne auch versuchen, Mamas Bessergeh-Tricks anzuwenden, wie zum Beispiel „In die Knie atmen!“. Man könnte merken, dass es klappt, wenn man nicht zum Beispiel bei diesen Atemübungen von völlig fremden Mitschülern überrumpelt wird, die sich verlegen entschuldigen (oder auch nicht) und schnell ins Gebäude verschwinden. (Was die wohl jetzt von mir denken…)

Als nächstes käme beispielsweise Eichhörnchen vorbei. Man begrüßte sie, obwohl man nicht wüsste, was sie von einem hält, und prompt klagte sie erst mal über den ganzen Tag und das Weihnachtskonzert und wie kaputt sie doch wäre. Man redete über dies und das und Chemie und die Welt und dann verschwand sie zum Stufenbrett, möglicherweise, weil sie nicht mehr wüßte, was sie sagen könnte.

Kaum versucht man sich wieder auf Kopfschmerzen und Atmung zu konzentrieren, käme dann eine der ehemaligen Englischlehrerinnen, die Frau Blume, die immer bunte Kärtchen ausgeteilt hat., mit ihrem noch wirklich sehr kleinen Baby vorbei. „Die kleine Jette“, könnte sie sagen und vor Mutterglück nur so strahlen. Man könnte ihr dann dabei helfen, eine andere Englischlehrerin zu finden, zu der sie aus irgendeinem Grund muss. Man könnte noch einen letzten Blick in den Kinderwagen auf das kleine, herzige Mädchen werfen und das Herz könnte einem aufgehen, bevor sich Frau Blume wieder auf den Weg machen könnte.

Dann könnte man vielleicht auch endlich mal ein paar tiefe Atemzüge Luft holen, und das ganze 2-Propanol, Ethansäure, Lavendel-Aroma und Schiff’s Reagenz aus der Lunge zu bekommen. Und den Gestank des Gases für die Bunsenbrenner auch.

Schließlich könnte man sich vielleicht auch wieder dafür entscheiden, zurück in den Unterricht zu gehen. Auf dem Weg nach oben könnte man beiläufig in einen der Flure gucken und innehalten, weil dort zufällig Herr Grinselispel mit einer Neuntklässlerin mit langen, braunen Haaren und cremerosanen Loop vor der angelehnten Klassentür stünde und mit ihr wahrscheinlich ihre mündliche Note besprächet. Er könnte dabei zum Beispiel – grinsen und sich zu ihr vorbeugen, worauf sie einen Minischritt zurückweichen und zurückhaltend lächeln könnte. Ach ja, Herr Grinselispel, würdest du dann denken. Den muss ich heute auch noch mal sprechen.

Bevor er dich bemerken könnte, würdest du die letzte Treppe hinter dich bringen und zurück in Geschwader von unangenehmen Düften tauchen können und dich dabei fragen, warum ich dir das jetzt alles erzählt habe.

Du würdest wohl keine Antwort finden können.