So muss das.

Folgende Situation auf dem Zeltlager: Vor uns liegt eine Wanderung. Ein Mädchen hatte kaputte Beine, mit denen sie nur sehr kurze Strecken zurücklegen konnte. Also haben sich zwei Jungs einen kleinen Wagen geschnappt, haben sie da rein gesetzt und sie gezogen bzw. geschoben. Irgendwann ging der Wagen kaputt. Ab da wurde sie dann getragen.

Je länger ich darüber nachdenke, desto faszinierender finde ich das.

Die Jungs waren nicht nur einfach hilfsbereit. Sie waren Männer. Sie waren stark für das Mädchen. Sie wurden gebraucht. (Ich habe mir sagen lassen, dass das für Männer sehr wichtig ist.) Endlich konnten sie mal kämpfen (in gewisser Weise), und dann auch noch für ein Mädchen, na aber hallo. Sie hatten die Gelegenheit, zu beweisen, dass sie es drauf haben, und sie haben es geschafft.

Und sie? Ihr wurde vermittelt: ‚Du bist wertvoll. Es ist für uns wichtig, dass du dabei bist. Wir setzen uns dafür ein, dass du mitkommen kannst, auch wenn das Arbeit für uns bedeutet. Weil es toll ist, dich da zu haben. Du bist es wert.‘ Ihre Anwesenheit war eine umkämpfte Sache, das wusste sie. Und sie war so weise, diesen Einsatz der Jungs für sie annehmen zu können und sich dabei einfach wertvoll, glücklich und schön zu fühlen. Das Ganze hatte eine große Bedeutung für sie. Am Ende des Lagers meinte sie, es sei eine der tollsten Sachen der Woche gewesen, da mitkommen zu können. Na, man kann sich denken, wie sich die Jungs bei den Worten gefühlt haben.

Tadaaa, alle glücklich. Win-Win-Situation. Hier ist endlich mal alles richtig gelaufen. Naja, außer dass der Wagen jetzt kaputt ist. Aber trotzdem: Nehmt euch ein Vorbild, ihr Leute alle. Ich find das toll. Solche Situationen bewahren mir den Glauben an die Menschheit.

To do before Weltuntergang in ernsthaft

Diese Listen sind ja schon seit einer Ewigkeit voll im Trend. Da stehen dann so Sachen drauf wie „Den Mount Everest besteigen“ oder „Haare knallgrün färben“ oder „In einer Metal-Band spielen“. Ich mach jetzt euch eine – aber mit Dingen, die ich wirklich mal machen will.

Ein Buch schreiben. Ich weiß zwar weder worüber noch für wen, aber ihr werdet schon sehen: Irgendwann steht mein Buch in den Regalen der Buchhandlungen. Und selbst wenn es bis dahin noch siebzig Jahre dauert. Obwohl – dann würde es ein Großteil von euch wohl nicht mehr sehen. Okay, ich beeil mich damit.

Paragleiten. Ich will kein Profi darin werden, aber ich will es unbedingt einmal gemacht haben. Ein Ehepaar aus zwei Sportfreaks, mit denen wir von ein paar Jahren eine Woche durch die Alpen gewandert sind, hat zu mir gesagt, dass sie mir das ernsthaft zutrauen und empfehlen. Ich sei da genau der Typ für. Und seitdem reizt mich dieser Sport noch mehr als eh schon.

Einmal … predigen. Ja, wirklich. Reden, etwas in den Köpfen Verschieben, Herausfordern, den Leuten etwas mitgeben. Das ist zumindest meine Utopie davon. Ich weiß nur nicht, ob ich das könnte. Aber selbst wenn nicht – ein einziges Mal will ich es trotzdem probieren.

Ich bin entschlossen, diese drei Sachen umzusetzen. Es gibt noch ein paar andere Vorhaben, bei denen ich weniger dahinter stehe, zum Beispiel Gebärdensprache lernen, einmal richtig Tauchen und einmal Flugzeug fliegen.

Was würdest du auf deine To do Liste schreiben? Was wirst du umsetzen?

Ich bin kein Testergebnis.

Eine Reflexion zu Stärkentests und dem, was ich über meine Persönlichkeit weiß. Lest es oder lasst es bleiben.

Ich habe jetzt drei mal in zweieinhalb Jahren ein und denselben Persönlichkeitstest gemacht und es ist jedes Mal etwas ganz anderes bei meinen Top 5 Stärken herausgekommen. Nur eine Eigenschaft zieht sich durch alle drei Ergebnisse. Drei Eigenschaften tauchen zwei von drei Malen auf, der Rest ist jedes Mal anders. Das sind immerhin sechs Eigenschaften. Und diese Unregelmäßigkeit bezieht sich nicht nur auf die weniger ausgeprägten Stärken, sondern auch auf die jeweils angebliche Nummer eins.

Was sich mir da natürlich für eine Frage stellt: Bin ich nicht in der Lage, Fragen über mich wahrheitsgemäß zu beantworten, oder verändere ich mich wirklich so extrem? Ich dachte, man verändert sich im Charakter und in der Persönlichkeit, aber nicht unbedingt in seinen Stärken. Vielleicht hab ich da falsch gedacht.

Andererseits kann es wirklich gut sein, dass ich Fragen über mich nicht gut beantworten kann. Ich denke zu verwurschtelt für so etwas. Ich deute Fragen immer anders. Viele Aussagen treffen auf mich manchmal sehr und manchmal gar nicht zu, und je nach Situation, Stimmung und was so passiert ist antworte ich ganz anders. Es ist mir schon oft passiert, dass ich Dinge über mich gesagt habe, und als ich nach einer Woche noch einmal darauf angesprochen wurde, empfand ich sie als gar nicht mehr zutreffend. Nur wenige Eigenschaften scheinen bei mir beständig zu sein. Oder vielleicht sind die Eigenschaften auch beständig, nur mein Blick darauf sehr schwankend. Wahrscheinlich eher so.

Vor etwa zwei Wochen habe ich noch einen anderen Persönlichkeitstest gemacht, der wirklich sehr viel von sich hält. Auch er spuckt meine angeblich fünf größten Persönlichkeitsstärken aus, wenn auch nach einem völlig anderen Raster. Jedenfalls könnte es sein, nein, ich wette, dass es so ist, dass etwas ganz anderes herauskommen würde, wenn ich ihn jetzt oder in ein paar Monaten noch mal machen würde. Ich finde das ganz logisch. Wenn mir zwei Stunden vorher jemand seine Sorgen erzählt hat und ich noch voll am Mitleiden bin, dann denke ich doch eher, dass ich ein Herz für solche Leute habe, als wenn ich mich länger nicht mehr mit den Sorgen und Nöten von jemandem beschäftigt habe, oder? Und wenn ich gerade gemalt habe, fühle ich mich kreativer, als wenn ich drei Monate nicht dazu gekommen bin, oder?

Ich erschwere sämtlichen Stärkentests ein zutreffendes Ergebnis auch dadurch, dass ich kein sehr ausgeprägtes Stärkenprofil habe. Zwischen Stärke und Schwäche liegt bei mir nicht allzu viel. Alles irgendwie mittel. In meinen Schulnoten zeichnen sich praktisch keine Veranlagungen ab, weder sprachlich noch naturwissenschaftlich noch gesellschaftswissenschaftlich noch künstlerisch-musisch. Ich bin nicht außergewöhnlich sportlich oder musikalisch oder kreativ oder intellektuell. Keine markanten Ausprägungen in die eine oder andere Richtung. Alles Einheitsbrei. Ich kann alles ein bisschen, und nichts richtig. Allrounderin. Mädchen für alles. Klar, dass Stärkentests da gerne dran scheitern.

Auch meinen Freunden fällt es schwer, mir zu sagen, wo ich gut bin. Heraus kommt, was sowieso schon in meiner Hochsensibilität inbegriffen ist. Zusätzlich gerne auch mal Schreiben. Manchmal noch irgendwas mit Anleiten oder so. Aber dann… Dann kommt das Stottern. Tja.

Um genau zu sein, weiß ich nach vier ernsthaften, eher ausgereiften Stärkentests (dreimal den einen, einmal den anderen) und vielen, vielen Amateurversionen (Zeitschriften, Internet) immer noch nicht, wo meine Stärken liegen und was ich gut kann. Ich weiß auch nicht über meine Schwächen Bescheid. Irgendwie ärgerlich. Ich weigere mich zu glauben, dass meine Persönlichkeit wirklich so ein formloser Klumpen ist, wie es mir gerade vorkommt. Ich würde mich gerne besser kennen, mit meinen Schwächen, Stärken, Fähigkeiten und Leidenschaften.

Leidenschaften … Noch so ein Punkt. Ich habe keine. Oder zumindest bin ich mir ihrer nicht bewusst. Was ist das, was ich an der Welt oder in den Menschen wirklich wirklich ändern will? Wofür ich meine Kraft einsetzten möchte? Ich weiß es nicht.

Man, man, man. Ich fühle mich orientierungslos.

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PS: Zu weiterführenden Gedanken lohnt sich ein Blick in die Kommentare.

Verschandelte Worte

Ich finde, Deutsch ist eine tolle Sprache. Nur leider gibt es viel zu viele Menschen, die so einige Begriffe verändern und kaputt machen. Meine drei Sorgenkinder.

Süß. Was ist süß? Süß sind Gummibärchen und Katzenbabys. Da darf man das sagen. Wenn Leute allerdings anfangen, erwachsene Männer als „süß“ zu bezeichnen, dann frage ich mich doch, ob ihr Vokabular denn so begrenzt ist. Statt wirklich was auszusagen, wird jemand einfach als „süß“ etikettiert. Schon mal überlegt, dass dieses Wort verniedlicht und man sich dadurch schnell nicht wirklich ernst genommen fühlt? – Und selbst bei Babys und Tieren, wo man es gut sagen kann, geht mir dieses „Oh wie süüüß!“ total auf die Nerven. Sagt doch einfach mal „niedlich“. Oder „goldig“. Oder am allerallerbesten, mein Schweizer-Lieblingswort: „Herzig“. Herzig kann man auch sagen, wenn sich eine riesige Bärenmutter um ihr Junges kümmert. Süß passt dann nicht mehr. Herzig schon.

Freund. Wer sind alles deine Freunde? Man kennt so viele Menschen, und plötzlich wird man von jemandem als „ne Freundin“ bezeichnet, den man gar nicht wirklich kennt. Im Internet gibt es schon die Differenzierung zwischen Facebook-Freunden und echten Freunden, weil man merkt, dass dieses Wort „Freund“ an Bedeutung verliert. Leider klingt „Bekannte“ so distanziert. Die deutsche Sprache hat da ein Defizit. Zwischen jemandem, dessen Namen man weiß und mit dem man sich ganz gut versteht, und jemandem, der deine Seele sieht, gibt es keinen begrifflichen Unterschied. Alles Freunde. Alles dasselbe. Nein!

Lieben. Was liebst du? Ein Gericht? Einen Sport? Eine Farbe? Eine Band? Sicher, dass du sie liebst? Ich möchte nicht die Menschen, die ich liebe, mit Nudeln, Schreiben und der Farbe Grün auf eine Stufe stellen. Das sind Dinge, die ich mag, meinetwegen auch sehr mag. Aber das Wort „lieben“ reserviere ich mir da doch für anderes. Die Bedeutsamkeit des Wortes „lieben“ wird allein dadurch erhalten, dass man es nur zu wenigen Menschen sagt. Trotzdem. – Ich muss zugeben, manchmal sage ich auch, dass ich etwas „liebe“, was ich eigentlich nur mag. Aber man sollte es doch in Grenzen halten.

Außerdem finde ich, dass „knorke“ wieder ein gängiger Begriff werden soll. Oft fehlen mir die Worte für Sachen, die einfach schnafte sind. Das Wort ist schon so in Vergessenheit geraten, dass Opera mir das rot unterschlängelt. Dabei ist dieses Adjektiv einfach dufte! Richtig schnieke! Einfach nur gumbo! Stimmts? Lasst es uns reanimieren!

Also. Weniger „süß“ finden, bei „Freunden“ mehr differenzieren, nicht alles „lieben“ und mehr „herzig“ und „knorke“ sagen. Das ist doch nicht so schwer, oder?

um glücklich zu sein

Manchmal denke ich, ich müsste so gut aussehen wie du, um glücklich zu sein. Oder ich denke, ich müsste genauso viele, tolle, wertvolle Sachen besitzen wie du, damit ich glücklich bin. Ich glaube manchmal fast, ich müsste genauso viele, genauso gute Freunde haben wie du, genauso talentiert sein wie du, genauso reich sein wie du, genauso …

Und dann fällt mir auf, dass du auch nicht glücklicher bist als ich.
Dass ich schon glücklich bin.
Weil Glück nämlich von innen kommt.
Nur von innen.

Mein Brief an Jeanne

Salut Jeanne,

oder soll ich Jeanette sagen? Oder Johanna? Oder „die Jungfrau von Orleans“? Ich glaube, ich nenne dich erst mal Jeanne, so wie die, mit denen du viel zu tun hast.

Ich bin Sina, ein 15-jähriges Mädchen, und ich würde dich gerne kennen lernen. Du hast Frankreich von den Engländern befreit – beziehungsweise bei der Wende stark mitgewirkt. Und selbst wenn ich nicht nachvollziehen kann, warum du Frankreich als so heilig ansiehst – schließlich ist es das Franzosenland – bin ich neugierig, wie du so bist. Ich hab jetzt drei Bücher über dich gelesen, ein richtig gutes und zwei richtig schlechte. So ein bisschen was weiß ich also schon über dich. Ich würde gern hören, was du zu dem sagst, was da so über dich steht. Besonders zu den beiden schlechten Schriftstücken – das eine, wo du (weil für Jugendliche angeblich besser geeignet) als naives, dummes und wildes Mädchen beschrieben wirst, und das andere, das dich als katholische Heilige darstellt und (weil sonst nicht heilig genug) ganz bewusst die Hälfte der Informationen weglässt. Ich glaube, du wirst entweder richtig laut lachen oder ausrasten.

Ich bewundere deine Geradlinigkeit, Jeanne. Dein entschlossenes Losgehen und Durchpowern. Du hast eine Entscheidung in aller Konsequenz getroffen. Du hast dich nicht abhalten lassen, sondern hast gekämpft und viele, viele Menschen mitgezogen. Und trotzdem bist du in Kontakt mit Gott geblieben. Deine Überzeugungen sind unerschütterlich. Du stehst unerschrocken zu dem, was du glaubst, und bietest damit allen die Stirn. Ich glaube, ich kann sehr viel von dir lernen. Du zeigst mir irgendwie, was es heißt, ausgesandt zu werden.

In deiner Art, mit Menschen umzugehen, bist du ganz besonders ein Vorbild für mich. Du bist nicht scheu oder schüchtern. Du hast keine Angst vor Leuten. Du vergötterst niemanden. Du lässt dich nicht einschüchtern oder manipulieren. Keiner ist dir zu hoch oder zu niedrig; es ist eher so eine Ebene, oder? Du bist einfach respektvoll und freundschaftlich, du ermutigst, begeisterst und weist zurecht. Du bist in der Lage, in anderen Selbstvertrauen und Mut zu wecken.

Und trotzdem bist du verletzlich. Du weinst. Und das macht mir auch Mut. Du bist ein Mädchen wie ich. Du hast auch Schwächen – zum Beispiel für schöne Rüstungen. Verstehe ich. Welches Mädchen will nicht schön sein? Weißt du, ich habe dieses Jahr auf einem Feriencamp ein Kettenhemd angehabt – das war auch toll. Wie muss dann erst eine Rüstung sein? – Und ich glaube, ich verstehe auch deine Enttäuschung und deine Verbitterung, als auf einmal nur noch Desinteresse für dich da war, sobald du in Feindeshand gelandet bist. Menschen sind irgendwie immer noch nur Menschen, daran hat sich noch nie etwas geändert.

Ach Jeanne, ich mag auch einfach deine Art. Deine Schlagfertigkeit, deine Klugheit, deine Wildheit, all das. Ich würde dich gern mal einladen. Wir könnten zusammen was essen und dann nen langen Spaziergang machen, bei dem du mir alles erzählst, wie es wirklich war. Ich will von dir lernen und ich will deine Meinung zu meiner Situation hören. Wenn es dann spät ist, kannst du auch bei mir übernachten. Wie haben ein Gästebett, da kannst du schlafen.

Ich schreib dir einfach mal, wann ich so Zeit hab, und du kommst vorbei, wann es dir passt, okay?

Ich freu mich auf dich!

Sina