Hochsensibler Moment (3)

(Ein Moment, den jeder mal erleben kann, der aber meiner Beobachtung nach typisch Hochsensibler ist.)

Eine Freundin unterhält sich mit mir.

Plötzlich beginnt sie, mir die Probleme ihrer Beziehung zu schildern, erzählt mir sehr, sehr persönliche Dinge. Ihre Stimme wird sehr leise, damit es kein anderer außer mir hört. Sie schildert mir alles, wird ganz aufgelöst. Groß helfen kann ich ihr natürlich nicht, das kann wohl keiner. Trotzdem ist sie mir dankbar. Danach sagt sie: „Entschuldigung, das musste jetzt mal raus. Ich habe irgendwie fast nur Jungs als enge Freunde, und du kannst so gut Zuhören.“

Ich weiß nicht mal, wo sie wohnt oder wie sie mit Nachnamen heißt. Ich weiß nicht, ob sie Geschwister hat. Vielleicht einen Hund? Keine Ahnung, ob sie Sport macht und ob sie Musik macht. Ich weiß fast nichts über sie.

Ich scheine nicht die einzige zu sein, der so was immer wieder mal passiert. Es scheint ein recht verbreitetes Phänomen unter Hochsensiblen zu sein. Aber ich mag diese Rolle. Ich helfe doch gerne, gerade, wenn ich nicht mehr machen muss als einfach nur zuzuhören.

Musikmoment

In wundervoller Musik vollkommen verloren sitze ich hier. Irgendwie weiß ich noch, dass ich noch Hausaufgaben machen muss, duschen muss, bald ins Bett sollte, und frage mich, warum Menschen sich überhaupt noch ein Leben machen, wenn es solche Musik gibt. Völlig in einer anderen Welt. An einem geheimen Ort, der nur einige Minuten existiert. Der einem nur kurz Einlass gewährt. Wundersam. Es gibt keine Worte dafür.

Dieser Moment, den man nur mit Musik erleben kann, die man wirklich liebt, und wenn man sich in sie fallen und sich von ihr wegtragen lässt. In meinem Fall klick. (Ich entdecke gerade instrumentale Musik für mich. :-))

Winter.

Winter, das heißt Schnee.

Winter, das heißt hübsche Mädchen mit tollen Mützen und roten Wangen.

Winter, das heißt Männer, die sich benehmen wie kleine Jungs und Schneeballschlachten machen und Schlitten fahren.

Winter, das heißt Kuschelpullis.

Winter, das heißt verspätete Busse.

Winter, das heißt Langlaufski fahren.

Winter, das heißt Schlittschuh laufen.

Winter, das heißt Ruhe.

Winter, das heißt Vögel an den Meisenkolben etc. vor dem Küchenfenster.

Winter, das heißt Eiszapfen an der Regenrinne.

Winter, das heißt Schneeballschlachten, Schneemänner, Schlitten fahren, Iglus.

Winter, das heißt warme Schals und warme Jacken.

Winter, das heißt gemütliche Sofastunden.

Winter, das heißt Träumen.

Winter, das heißt Knirschen unter den Schuhsohlen.

Winter, das heißt Kälte.

Winter, das heißt verschneite Wälder.

Winter, das heißt vereiste Seen.

Winter, das heißt Luft, die das Gehirn und das Herz erfrischt.

Winter, das heißt Schneeprinzessin sein.

Winter halt.

da tun sich Abgründe auf.

Ich wusste ja schon immer irgendwie, dass ich recht sensibel bin, aber jetzt zu wissen, dass ich zu einer 15-20%igen Minderheit der Bevölkerung gehöre, die „hochsensibel“ ist, ist noch mal eine ganz andere Dimension.

Ganz kurze, grobe, unzureichende Erklärung des Wortes: Bei hochsensiblen Menschen fehlen Filter im Gehirn, die „unnötige“ Informationen ausblenden. Das führt dazu, dass sie Lärm- und Kälteempfindlicher sind, bei Menschen viel schneller Stimmungen und Gefühlslagen wahrnehmen und sämtliche Informationen reflektieren, analysieren und ausführlich verarbeiten. (Und noch tausend andere Folgen.)

20%! Das sind sechs Leute aus meiner Klasse, 42 aus meiner Stufe, 320 an meiner Schule und 30000 aus meiner Stadt! Und ich dachte immer, dass ich irgendwie anders bin, komisch, und ziemlich alleine damit. Aber es ist wohl wissenschaftlich irgendwie stichfest, dass es eine klare Abgrenzung zwischen denn einen 15-20% und denn anderen 80-85% gibt – ohne jeden fließenden Übergang. (Das war wohl eine Studie in Bezug auf Schmerzgrenzen bei sehr hohem Reizeinfluss – also Lärm und sehr schnellen Bildern.) Warum kann trotzdem kein Mensch was mit diesem Wort anfangen? Warum werden mit dem Adjektiv „sensibel“ oft nur weinende Mädchen vor Liebesschnulzen assoziiert?

Ein bisschen Internetrecherche später ist mir auf einmal einiges klar:
Warum ich immer und überall die Tür zumachen muss.
Warum ich in vollen Restaurants nicht gut essen kann.
Warum ich manchmal auf Dinge antworten muss, die der andere doch gar nicht gesagt hat.
Warum mich kleine Unvollkommenheiten im Regal oder an einer Lampe oder so manchmal in den Wahnsinn treiben.
Warum ich Abends nicht ins Bett gehen will.
Warum ich Sachen immer unbedingt richtig machen will.
Warum ich im Gegensatz zu vielen anderen Menschen einen echten Zugang zu Kunst habe.
Warum mir Harmonie so übertrieben wichtig ist.
Warum sich Hunger bei mir so stark auf meine Gemütslage auswirkt.
Warum ich von anderen gerne als „gute Zuhörerin“ beschrieben werde.
Warum mich das Ticken von Uhren so nervt.
Warum ich es schwer in der Pausenhalle unserer Schule aushalte.
Warum ich Schule so viel anstrengender empfinde als mein Praktikum mit psychisch kranken Menschen oder die Besuche an der Arbeit meiner Mutter.
Warum ich so viel schlechter in allem bin, wenn ich dabei beobachtet werde.
Warum ich so oft das Gefühl habe, dass ich viel mehr Innenleben habe als die meisten anderen Menschen.

Ich fühle mich plötzlich so verstanden!
Und das hängt alles irgendwie mit meiner Hochsensibilität zusammen. Hm. Da eröffnen sich Welten!

Überall, auf sämtlichen Seiten wird geschrieben, dass so gut wie nie alle Kennzeichen von Hochsensibilität zutreffen. Was bei mir ja erst mal so gar nicht zutrifft: Ich wurde sicher nicht von Eltern und Lehrern als „schüchtern“ bezeichnet. :D Schon Leute, die mich fünf Minuten kennen, wissen, wieso. Und leicht erschrecken tue ich mich auch nicht gerade. Auch träume ich nicht.

Ich muss mir wirklich von der einen Freundin dieses Buch zu dem Thema ausleihen. Wenn ich mich in einer Stunde Internetrecherche schon so wiederfinde, was ist dann wohl mit einem ganzen Buch?

Ach Leutkens, ich beginne gerade, mich selbst zu verstehen. Hach wie schön. Ich bin plötzlich so normal … Und auch wieder nicht.

Sina ist hochsensibel.
Ich wiederhole das jetzt in meinem Kopf, bis ich mich daran gewöhnt habe. Sina ist hochsensibel. Sina ist hochsensibel. Sina ist hochsensibel. Sina ist hochsensibel. Sina ist hochsensibel. Sina ist hochsensibel. Sina ist hochsensibel. Sina ist hochsensibel. Sina ist hochsensibel. Sina ist hochsensibel. Sina ist hochsensibel. Sina ist hochsensibel. Sina ist hochsensibel. Sina ist hochsensibel. Sina ist hochsensibel. Sina ist hochsensibel. Sina ist hochsensibel. Sina ist hochsensibel. …

Checkpoint – die Vorsätze von Anfang des Jahres

Originalartikel.

1. Aus der Pubertät rauskommen. Mein Körper funktioniert nicht mehr wirklich, meine emotionale Welt verhält sich alles andere als logisch und ich hab kaum noch Energie für alles, was ich eigentlich schaffen will.

Naja, das hat jetzt so mittelmäßig funktioniert. Ich bin immerhin weiter gekommen und treibe nicht mehr ganz so hilflos herum wie ein Treibholz auf dem Meer. Ich habe mehr Kontrolle über meine Pubertät, aber so wirklich weg ist sie jetzt auch nicht.

2. Mir einen einzelnen Dread machen lassen. So einen, der dann zwischen meinen wilden Locken ist. Sähe bestimmt toll aus.

Ich hatte es wirklich vor! Ganz ehrlich! Aber ich hatte leider keine Gelegenheit. Eigentlich dachte ich, das Großbruder noch mal zu Dreadzfrau fährt. Dann wäre ich mitgekommen und hätte es gemacht. Ist er aber nicht. Und jetzt habe ich ja meine Haarlänge halbiert, jetzt wäre es blöd. Ich hätte den Dread wenn schon vor dem Schneiden machen müssen und dann die Haare abschneiden sollen, so dass der Dread so lang ist wie der Rest meiner Haare. Ach, verdammt. Na, egal.

3. Zunehmen. Ich sollte endlich mal sicher im Normalgewicht liegen, nicht immer knapp unter der Untergrenze.

Yey, endlich mal was, was ich erfolgreich umgesetzt habe! Feiert, Freunde, feiert! Sina hat Normalgewicht und liegt nicht mehr drunter!

4. Alles (entgegen meinen Gewohnheiten) langsam angehen, nicht zu hohe Ansprüche an mich stellen und mir mehr Zeit für alles lassen. Mehr chillen. Mehr Zeit für mich. Mehr Zeit zum beten und Bibel lesen. Meinen Perfektionismus ablegen. Klappt eh nicht, aber ich will es wenigstens versuchen.

Wtf?! Das war ein Vorsatz? Na, den hab ich ja erfolgreich versemmelt! Also, vielleicht doch ein kleines bisschen Erfolge gehabt, aber gerade die letzte Klausurenphase war eine Qual, die ich keinem wünsche. Das muss noch besser werden!

5. Sowieso alles viel besser machen, generell mehr Gutes tun, weniger blöde Sachen sagen, lieb und nett sein, mehr für die Schule tun blablubbblabla…

Joa. Das hab ich doch mal perfekt erfüllt, oder? ;-)

Okay, die Erfolgsrate ist ernüchternd. Das wird nächstes Mal aber besser, das verspreche ich!

Frohe Weihnachten!

Vielleicht gehts nur mir so, die einfach schon seit der Geburt mit der Weihnachtsgeschichte und sämtlichen abgeänderten Formen und Krippenspielen umgeben ist, aber mal im Ernst: Außer dem chemisch unbehandelten Original haben sich alle Formen so abgenutzt, dass ich sie einfach nicht mehr haben kann. All diese Krippenspiele oder erneuerten Formen wie „Weihnachten, wie es heute wäre“ oder „Das etwas andere Weihnachten“ und umgeschriebenen Versionen mit „Weihnachten aus Sicht der Hirten“ oder „Weihnachten aus Sicht der Engel“ oder „Weihnachten aus Sicht des Esels“ oder sogar in Gedichtform, das ist alles einfach nur so – ja, abgenutzt.

Faszinierend finde ich, dass sich das Original (ohne dazu erfundene Ställe, Ochsen und drei Könige) nicht abnutzt. Ich kann es jedes Jahr wieder hören, über Marias Einstellung zum Leben und ihren Mut staunen, über Josefs Glauben und seine Liebe … Jedes Jahr hat diese Geschichte eine etwas andere Bedeutung für mich, und dieses Jahr haut es mich irgendwie um, dass ich jetzt ungefähr in dem selbem Alter bin wie Maria damals. Ich.

Jedenfalls – oh happy day – ich freue mich. Über die Geschichte, über Weihnachten, über die nächsten Tage, Familie, Geschenke.

Fröhliche Weihnachten!

Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick

Das hier und selbiges als Hörbuch – „Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick“ von Jennifer E. Smith.

Es ist sooo schööön! :-)

Es geht um Hadley, 17, die um vier Minuten den Flug zu der Hochzeit ihres Vaters verpasst, zu der sie eigentlich gar nicht hinwollte. Doch dann begegnet sie Oliver, der ihr mit ihrem Koffer hilft und sie von ihrer Klaustrophobie ablenkt, und alles wird einfacher – und komplizierter.

Doch es ist nicht nur eine Liebesgeschichte. Es geht auch um Familienbeziehungen, Entenfilme, Charles Dickens, Forschungsprojekte über Majonese und eine Beerdigung. Es ist genau die richtige Mischung aus ernsten, lustigen und romantischen Momenten, dass sich jedes Mädchen eigentlich in dieses Buch bzw. Hörspiel verlieben muss. Okay, „muss“ nicht, aber du wirst sehen, du wirst nichts dagegen machen können.

Ich empfehle ausdrücklich und unbedingt das Hörspiel – die Stimme ist toll, nicht übertrieben und nicht total emotionslos, angenehm und unterstreicht die Geschichte sehr schön.

Vielleicht findet es noch ein Platz auf deiner Wunschliste, wenn es nicht schon viel zu spät ist. Und wenn schon: Es läuft ja nicht weg. ;-)

PS: Lasst euch nicht von dem Klapptext irritieren! Er stellt die Geschichte als typische Teenie-Mädchen-Schnulze dar – und es ist so viel mehr und so viel besser! Außerdem – dass Hadley versucht, Oliviers Herz im Flugzeug zu gewinnen, kann man auch nicht wirklich sagen. Und es geht auch um mehr als nur um den Flug. Naja, Klapptext halt. ;-)