Tage gewogen

Texte vom langsamen Beginn einer ersten Liebe 4/4 – heute: vom Warten auf ein Wiedersehen

Ich sitze hier und zähle Tage an meinen Fingern ab. Linke Hand, rechte Hand. Wieder linke Hand. Wieder rechte Hand. Und so weiter. Immer wieder muss ich von vorne anfangen. Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger…

Zeit vergeht nicht schneller und nicht langsamer, als sie es nun mal tut. Man kann nicht daran rütteln. Sie ist, wie sie ist. Das weiß ich. Ich muss das akzeptieren. Irgendwie.

Du – ich vermisse dich. Ich vermisse dich, und wenn man vermisst, dann gibt es kein „nur noch“ und „schon so bald“. Dann ist alles „so lange noch“ und „erst dann“. Weit weg. Wie hält man das aus? Wie erträgt man? Man beginnt bei einem Tag. Dann noch einen, dann noch einen, immer weiter. Händevoll. Immer noch einmal von vorne durchgezählt.

Ich denke an dich, denke an uns, und dann spricht etwas in meinem Kopf – ganz undramatisch, eine ruhige und nüchterne Feststellung: Du bist jeden einzelnen Tag wert, den ich auf dich warte.

Tage gewogen, und wenn Vermissen die Einheit ist, dann wiegen sie schwer, und ich mag nicht mehr. Tage gewogen, und ich wiege sie daran, wie sehr du es wert bist. Leicht. Sie wiegen leicht.

Tage um Tage. Ich vermisse dich und ich weiß: Du bist es wert. Müde. Wieder ein Tag um. Gearbeitet und gelernt, gelacht und gerungen. Gottes Worte in mein Herz. Für ihn leben und auf dich warten. Ich liebe dich. Du bist es wert.

Lieber noch du

Texte vom langsamen Beginn einer ersten Liebe 3/4

Liebe ist nichts für Feiglinge, wurde mir früher mal gesagt. Ich habe das nie verstanden. Und dann kamst du und da bin ich, sind wir, und Liebe ist nichts für Feiglinge.

Heute habe ich einen Schokoladenbrunnen gesehen. Eigentlich sogar drei. Einen mit weißer, einen mit Vollmilch- und einen mit dunkler Schokolade. Ich habe das angeguckt, und dann habe ich an dich gedacht. Ich weiß gar nicht mal, wieso. Ich glaube, ich wollte es dir zeigen. Wunderbare Menschen sind hier, und wir haben viel Schokolade gegessen, es war wirklich fein. Und ich saß da und irgendwie warst du so da in meinen Gedanken. Wie viel lieber hätte ich mit dir dort gesessen.

Ich habe dich gar nicht eingeladen in mein Leben. Und du mich auch nicht. Das war alles so nicht geplant. Wie oft habe ich versucht, dich aus meinen Gedanken zu verbannen? – Und jetzt, jetzt freue ich mich so sehr auf dich. Du bist ja gar nicht hier, und doch so viel in meinem Leben.

Liebe ist nichts für Feiglinge. Ich verstehe jetzt, was gemeint ist. Die Schritte wie auf Eis, wenn man noch nicht weiß, ob es trägt. An deiner Seite, wie geht das? Vertrauen, Tiefe, so neu, fühlt sich so gewagt an, und es gibt nichts Besseres. Du sagst, du liebst mich, und ich glaube es dir. Wir schauen nach vorne und der ganze Weg liegt vor uns, der ganze wunderbare Weg, ein bisschen noch geheim und wie im Nebel und trotzdem schon so klar, ich suche deine Hand, ich will an deiner Hand sein.

Wie wunderbar es ist, „wir“ zu sagen und damit dich und mich zu meinen.

Ich liebe dich. Ich liebe dich, und wegen dir springe ich über Schatten. Über meine Schatten. Du bist mir Auslöser und Motivation, Hilfe und Rückhalt. Manchmal reden wir darüber. Von manchen Schatten weißt du gar nicht, dass ich sie überwinden musste. Ich will über sie alle alle hinweg gehen, und hier in dieser Zeit, wo ich noch nicht bei dir bin, mich mit allem, was ich bin, hineingeben in dieses Aufräumen, Reifen, Verändern, das hier passiert.  Denn ich will dir das Beste von mir geben. Die beste Sina, die ich sein kann.

Wie geht das, an deiner Seite unterwegs sein? Ich habe immer noch keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich das will. Dass ich dieses „wir“ will. Schokoladenbrunnen, und lieber noch wäre ich mit dir hier, nur mit dir. Deine Hand. Meine Hand in deiner, das stelle ich mir vor. Liebe ist nichts für Feiglinge. Wir sind keine Feiglinge mehr. Wir sind unterwegs.

Einfach so bei dir

Texte vom langsamen Beginn einer ersten Liebe 2/4

Ich wäre jetzt gern bei dir, bei dir in deinem Zimmer, und würde auf dem Kuschelteppich neben deinem Bett liegen und dir beim Lernen zuschauen. Einfach so.

Einfach so, und damit ich nicht alleine bin. Ich bin müde davon, alleine zu sein, im Stillen auszuhalten, nur mich selbst und die Fremde um mich zu haben. Aber bei dir im Zimmer – Reden muss gar nicht sein, brauche gar nicht deine ungeteilte Aufmerksamkeit, sondern nur die Gewissheit, dass du mich gerne bei dir hast.

Einfach so, und um geschützt zu sein. Du bist mir Schutz mit deiner inneren Stärke, deiner Zuversicht; Schutz vor all dem negativen Gedankenchaos, vor der Überforderung, vor der Mutlosigkeit. Keine Ahnung, wie das funktioniert, aber all das wirkt so klein und wird so viel stiller, wenn du da bist. Und das selbst, wenn wir darüber gerade gar nicht reden.

Einfach so, und weil du es bist. Weil es du sein sollst, dem ich beim Lernen zugucke, bei dem ich nicht alleine bin, bei dem ich mich sicher fühle.

Und dann, wenn du mit dem Lernen fertig bist und ich genug bei dir ausgeruht und aufgetankt habe, könnten wir ein bisschen die Welt erobern gehen. Zum Beispiel den Wald.

Einfach so, und weil wir es lieben, das Leben zu genießen.