Tausendundeine Art

Es war einmal am 3. Januar.

Es gibt tausendundeine Art, sich zu verlieben,
und deine
ist nur eine
davon.
Und meine
ist vielleicht eine andere.

Vielleicht will dich am Ende ja gar nicht. Das weiß ich auch noch nicht. Und vielleicht entscheidest du dich auch anders. So viel vielleicht. So viel vielleicht liegt da vor uns, dass ein Nein so viel wahrscheinlicher ist als ein Ja. So viel sicherer. Vernünftiger. Aber das Leben ist sowieso nicht sicher und vernünftig. Warum also so tun?

Du und ich.

Es gibt tausendundeine Art, sich zu verlieben,
und vor zwei Tagen hast du es gewagt, mich zu berühren, ganz absichtlich und fokussiert und zärtlich. Meine Haare und dann mein Gesicht, hast es nachgemalt, hast mich dabei angesehen, die ganze Zeit angesehen. „Du weißt schon, wie man jemanden um den Finger wickelt, oder?“, habe ich geflüstert. Ein Lächeln zog über dein Gesicht. „Dich. Wie man dich um den Finger wickelt. Nicht jemanden.“ Da war es dann ausgesprochen: Du willst mich um den Finger wickeln und ich lasse mich um den Finger wickeln. In mir war alles kribbelig.

Es gibt tausendundeine Art, sich zu verlieben,
und du liebst die langen Blicke, die langsamen Berührungen und die Stille. Du nennst das Stimmung. Dabei wirst du immer ganz ernst. Und ich, ich mag es verspielt, mag es leicht, und ich genieße deine Berührung, genieße deine Blicke, nur manchmal, manchmal wirst du mir zu intensiv, zu ernst, zu dicht, zu viel, und dann haue ich ab, nur, um gleich darauf wieder zurückzukommen.

Mich kriegst du eher durch die Hintertür. Durch deine Kreativität und deine Unabhängigkeit, deine freigebende Art. Dadurch, wie selbstverständlich du in meiner Wohnung bist und wie ich nie so wirklich weiß, wo du bist, wenn du nicht hier bist. Mich kriegst du durch deine tiefen Fragen und deine ernsten Antworten, durch den Blödsinn in deinem Kopf und deine Art, mich zu ärgern. Vor allem aber kriegst du mich dadurch, dass du es ganz offen versuchst. Ich weiß, was du von mir willst, und ich sehe, wie du dich um mich bemühst. Du respektierst die Grenzen, die ich setze, aber wo ich keine setze, gehst du eben weiter. Und das funktioniert bei mir. Ich fühle mich dann wertvoll und mein Herz wird warm.

Es gibt tausendundeine Art, sich zu verlieben,
und wenn du da bist, wird mir warm. Wenn du weg bist, verwickle ich dich in meine Gedanken. Und seit ich weiß, dass ich dir morgen das zweite Kapitel von Ronja Räubertochter vorlesen und dir dann gute Nacht sagen werde, klopft mein Herz ein bisschen schneller.

Ich habe einen Freund gesucht

Disclaimer: „Freund“ im Sinne von Freund, nicht von Beziehung und Partner.

Ich habe einen Freund gesucht. Einen Freund, den ich anfeuern kann und der mich anfeuern kann, und dann nehmen wir uns gegenseitig unsere Lasten ab und ertränken die Widrigkeiten in schwarzem Humor. Ich habe einen Freund gesucht, der sich mit mir prügelt, wenn wir beide von der Welt frustriert sind und Aggression abbauen und unseren Körper spüren müssen. Einen Freund, mit dem Prügeln in Kuscheln übergeht, weil es am Ende doch okay ist.

Ich habe einen Freund gesucht, der in mir nicht mehr und nicht weniger sieht, als ich bin. Der mich alles sein lässt und mich zu nichts drängt. Ich habe einen Freund gesucht, der bereit ist, offen und ehrlich mit sich selbst zu sein. Der den Blick in den Spiegel nicht scheut.

Ich habe einen Freund gesucht, der ein Leben lebt, das mich begeistert. Den ich darin unterstützen will. Den ich bewundern kann für das, was er tut. Ich habe einen Freund gesucht, von dem ich gern erzähle. Ein Freund, der eine Geschichte schreibt, von der ich Teil sein möchte.

Ich habe so einen Freund gesucht und ich habe dich gefunden. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob du so ein Freund bist. Die Art, wie du deine Geschichte schreibst, befremdet mich manchmal. Du willst nicht immer dann kämpfen, wann ich es will, und nicht immer dann kuscheln, wenn ich es brauche. Du begeisterst mich manchmal und manchmal nervst du mich. Vielleicht bin ich ehrlicher mit dir als du mit dir selbst. Und deine Lasten trägst du lieber allein.

Aber was soll ich sagen – du bist ein Freund. Und zuallererst habe ich das gesucht: Einen Freund. Einfach einen Freund.

Ich bin froh, dass ich dich gefunden habe.

Du weißt, wo ich bin.

Ein Text, der langsam gelesen am schönsten ist.

Offene Hände sind leere Hände.

Meine Hände sind leer.

So viel, was sie nicht mehr halten können. Was mir entglitten ist. Was ich loslassen musste.

Jetzt bin ich allein.

Jetzt, wo ich so richtig allein bin, spüre ich beides: Die Leere, die alles hinterlassen hat. Und, dass du, Gott, noch da bist.
Dir strecke ich meine Hände hin. Von dir habe ich es genommen. Zu dir gebe ich es wieder zurück. Auch meine Trauer, meinen Schmerz. Du bekommst auch die verbrannte Erde. Wer bin ich, zu beurteilen, was richtig und was falsch war? Ob diese Zeit gut war oder schlecht? Wie es jetzt am besten weiter geht?

Ich habe offene, leere, blutende Hände.

Alles empfange ich von dir. Wer ich bin. Meine Vergangenheit. Meine Zukunft. Alles gut und schlecht, fruchtbar und trocken, allein und gemeinsam empfange ich von dir. Ich bin nicht die, die sagt, wer ich bin. Ich finde mich nicht selbst. Ich finde dich.

Und du weißt schon, wo ich bin.