Nicht das Opfer

Vor drei Jahren besuchte mich eine Freundin aus einem fernen Land. Sie hatte lange auf diese Reise gespart und staunte über den ganzen Luxus Deutschlands. Beim Abschied mogelte sie mir unbemerkt 100€ unter – sowohl für mich als auch für sie damals eine riesige Summe Geld. Ich hatte keine Möglichkeit, es ihr zurückzugeben. Ich habe mich furchtbar gefühlt. Ich wollte dieses Geld nicht. Ich brauchte es ja auch nicht. Sie dagegen hätte gut Verwendung dafür gehabt. Sie musste so lang für 100€ arbeiten, viel länger als irgendjemand in Deutschland. Das Geschenk war einfach zu groß.

Als ich mich über diese Situation lang und breit bei meiner Tante beschwerte und sie irgendwann genug hatte, sagte sie zu mir: „Du lässt dich gerade zum Opfer machen. Deine Freundin wollte, dass du das Geld hast. Für sie ist die Welt in Ordnung. Dein einziges Problem ist, dass du mit ihrer Entscheidung über ihr eigenes Geld nicht einverstanden bist.“ Damals hat mich diese Aussage sehr wütend gemacht. Heute rettet sie mir so manchen Tag.

Ich lasse mich nicht mehr zum Opfer der Entscheidungen anderer machen, wenn ich es irgendwie verhindern kann. Natürlich hat das Grenzen. Aber wenn mir heute jemand ein zu großes Geschenk geben will, dann nehme ich es einfach an. Offensichtlich ist diese Person mit ihrer Entscheidung glücklich. Warum sollte sie mit ihrer Entscheidung, was sie weggibt, Macht über meinen inneren Frieden haben?

Als ein betrunkener Freund eine absurde Menge Hautcreme kaufte und mir davon etwas aufdrängte, um sie loszuwerden, schmiss ich sie zu Hause weg. Ich mag diese Creme überhaupt nicht. Warum sollte er in einem betrunkenen Moment darüber entscheiden dürfen, ob ich meine Lieblingscreme verwende oder nicht?

Wenn mir die Verwandte sagt, wie traurig sie es findet, dass ich nicht mit zum Familientreffen in das stets laute, stickige Restaurant komme, das sie so liebt und mir immer nur Bauchschmerzen macht, dann akzeptiere ich ihre Traurigkeit und komme das nächste Mal mit einem Topf Gulasch zu ihr nach Hause. Warum sollten ihre Gefühle entscheiden dürfen, ob ich hingehe und Bauchschmerzen bekomme? Und warum sollten ihre Restaurantvorlieben entscheiden dürfen, wie häufig ich sie sehe?

Und als die großen Diskussionen aufkamen, ob es in diesem Land wirklich mit rechten Dingen zugeht, fragte ich mich, was mir wirklich wichtig ist. Es ist mir wichtig, hier ein Licht zu sein – für meinen Mann, meine Freunde, meine Familie. Es ist mir wichtig, auf meine Gesundheit zu achten, psychisch und physisch. Und es ist mir wichtig, in der Uni voran zu kommen. Ich entschied mich, dass keine Diskussion mit keiner Person, die ich kenne, auf Kosten dieser Dinge gehen wird. Warum sollten die Meinungen anderer oder die großen, komplizierten Fragen mir etwas von der Zeit, Aufmerksamkeit und Energie für die wichtigen Dinge nehmen dürfen? Sie dürfen es nur, wenn ich mich zum Opfer machen lasse und nicht Nein sage.

Aber ich sage Nein. Ich bin nicht das Opfer. Ich weiß, was ich will. Ich treffe die Entscheidungen selbst.

„Ich werde darüber nachdenken. Vielleicht finde ich dadurch mehr Gelassenheit“, schrieb mir heute eine Freundin, als es um dieses Thema ging. Erst da ist es mir aufgefallen: Wie sehr ich dieses „Nicht das Opfer“ inzwischen verinnerlicht habe. Und wie viel Gelassenheit es mir gebracht hat. Erst da ist mir aufgefallen, dass diese Aussage meiner Tante, die mich zunächst so wütend gemacht hat, jetzt so viel Frieden für mich bedeutet.

Meiner Tante kann ich das leider nicht mehr erzählen. Deswegen erzähle ich es euch. Vielleicht kann ja jemand diese Worte gebrauchen.

Schenk-mir-was-Guide

Falls mir mal jemand was schenken will und nicht so wirklich weiß, was mir gefällt, darf er oder sie sich gerne nach diesem Guide richten. Er ist so ausgelegt, dass er länger funktioniert. Die Reihenfolge hat nichts zu sagen.

Idee 1: Bücher

Gute Idee! Da muss man allerdings auch so ein bisschen Bescheid wissen. Keine Krimis oder Thriller, kein Fantasy, kein Horror. Science Fiction nur, wenns echt überzeugend ist. Romane sind immer gut! Aber bitte nichts, was im zweiten Weltkrieg spielt. Diese Bücher sind mir zu anstrengend. Sonst: Was ihr denkt, was mir gefallen könnte. Wenn man die No-Gos von oben beachtet, kann man gar nicht mehr so falsch liegen. Übrigens: eBooks sind auch gut. Allerdings nicht von Amazon, weil ich kein kindle habe. Besonders englische Literatur ist als eBook cool, weil man durch längeres Draufhalten aufs Wort übersetzten kann – echt komfortabel. Hörbücher sind übrigens auch was ganz tolles!

Idee 2: Schmuck

Immer her damit! Am meisten trage ich Ohrringe. Da bin ich auch am meisten am experimentieren. Ketten sind auch gut, wobei ihr bei denen schon sicher sein solltet, dass mir die gefällt. Armbänder trage ich kaum, Ringe auch nicht. Aber Ohrringe sind toll!

Idee 3: Taschen

Wenn ich in irgendeiner Hinsicht dem Klischee einer Frau entspreche, dann bei Taschen. Ich liebe Taschen und ich habe immer zu wenig. In allen Größen benötigt. Nur her damit. Und solange sie nicht direkt nur nach Oma aussieht, habe ich da einen breiten Geschmack.

Idee 4: Badezusätze

Ich bade ab und zu echt gern, aber mein Taschengeld ist mir zu schade für die ganzen schönen Dinge, die man da noch so ins Wasser tun kann und die das alles schöner machen. Aber wenn man die geschenkt bekommt?

Idee 5: Musik

Ich bin unfähig, neue Musik zu finden, also dürft ihr mir ruhig helfen. Solange ihr Rap, HipHop und Soul vermeidet, bin ich sehr offen. Ich mag zum Beispiel Rock. Ihr wollt Bands als Anhaltspunkte? Einige Bands, die ich manchmal echt gern höre: The Afters, Relient K, Silbermond, Coldplay, Kutless, Lindsey Stirling, PianoGuys … Ich hab übrigens ein erhebliches Defizit an instrumentaler Musik. Helft mir ruhig aus.

Idee 6: Notizbücher

Notizbücher sind eine Leidenschaft von mir und werden ziemlich wahrscheinlich auch wirklich vollgeschrieben. (Okay, außer vielleicht sie sind kleiner als DIN A6-Format.) Damit seid ihr dann wirklich auf der sicheren Seite. :-)

Was sonst noch gut geht:

Blumen | Tücher | Kerzen | Künstlerbedarf (ruhig nachfragen, wo ich da gerade auf dem Trockenen sitze) | Kissen | Gutscheine (z.B. bei buecher.de. Da kaufe ich mir immer meine eBooks.) | Nagellack | Süßigkeiten | Kamera | Musikanlage | Abitur | Führerschein | Wohnung | eigenes Auto …

Vorsicht mit:

Deko. Dekorieren ist etwas, was mir ganz gut liegt, wo ich einen ganz eigenen Geschmack habe. Also lieber nur schenken, wenn ihr meinen Geschmack gut einschätzen könnt. Ansonsten lieber in eine andere Richtung gehen. Zu Deko gehören Souvenirs, Figuren, Fotorahmen, Kisten und Kästchen, Magneten, Lampen, all sowas eben. Allgemein alles, dessen Sinn hauptsächlich darin liegt, schön auszusehen.

Schlüsselanhänger. Ganz ehrlich? 60% aller Schlüsselanhänger dieser Welt sind potthässlich und weitere 35% okay, aber trotzdem nicht so, dass ich sie verwenden würde. Auch das ist wieder kein No-Go, sondern eher ein „Überlege gut, was bei Sina wohl zu den letzten 5% gehört!“.

Falls irgendjemand der Meinung sein sollte, man könnte mir mal Wein oder Sekt schenken, ich bin ja jetzt auch 16 – Nein. Einfach nein.

Also dann.

Jetzt wisst ihr Bescheid. :-) Die Liste ist keinesfalls vollständig und ganz persönliche Geschenke sind bei mir ganz hoch im Kurs. Der Guide ist also nur ne kleine Hilfe, die Sicherheit geben soll und dir auf die Sprünge helfen soll, wenn du gerade ideenbefreit bist. Er soll sozusagen die Trefferquote erhöhen. ;-)

Liebe Grüße an euch liebe Leute,
Sina