Manchmal

Für so einige Freunde und für einen ganz besonders

Manchmal kann ich dich nicht leiden, weil du besser bist als ich, dein ganzes Leben so viel besser läuft als meines, und ich immer noch nicht gelernt habe, nicht zu vergleichen. Ein bisschen besser bin ich darin vielleicht schon geworden, ein ganz bisschen, aber nicht viel. In vielem sind wir uns so ähnlich, und manchmal gönne ich dir deine Erfolge nicht. Nicht, weil du sie nicht haben sollst, sondern weil ich sie auch will. Manchmal mag ich dich nicht, weil ich unzufrieden mit meinem eigenen Leben bin.

Manchmal nervst du mich an den Stellen, wo du anders bist als ich, wo ich dich nicht berechnen kann und du Dinge tust, die mir nicht in den Kram passen. Da bin ich eine Strategin. Überlege mir genau, wie alles laufen soll, und dann machst du einfach irgendetwas anders als ich dachte. Und dann nervst du mich, weil ich immer noch nicht gelernt habe, spontan meine gescheiterten Pläne links liegen zu lassen und mich auf das Neue einzulassen. Manchmal mag ich dich nicht, weil ich lieber die Kontrolle über alles behalten würde.

Manchmal hab ich auch einfach Angst vor dir. Weil du mir so nahe stehst und deine Worte mir so wichtig sind, kannst du mich mit ein paar Sätzen sehr verletzen – egal, ob es nur deine Empfindung oder die Wahrheit ist. Ich weiß, dass du sagen wirst, was du denkst, auch wenn es mir nicht passt. Und ich habe immer noch nicht gelernt, Spannungen in Freundschaften auszuhalten. Manchmal mag ich dich nicht, weil ich ständig vergesse, dass ich dir wertvoll bin, selbst wenn ich Fehler mache.

Und dann wieder sehe ich die tausend wundervollen Kleinigkeiten in dem, wie du mit mir und wir miteinander sind. Ich bin ein zerbrochener Mensch und du genauso. Was für ein Schatz, dass wir uns aushalten und so sehr mögen.

Manchmal, da denke ich, dass mich an dir was stört, wo mich in Wirklichkeit etwas an mir selbst stört.
Aber weißt du was? Das ändert nichts daran, dass ich – wie als Grundlage darunter, eine schlichte, gültige Wahrheit –

so unendlich dankbar für dich bin.

nix klappt mehr, allesscheiße, oder?

Für eine ganz bestimmte Freundin.

Enttäuscht von sich selbst.
Weil alles nicht so klappt, wie es die anderen von ihr erwarten. Wie sie selbst es erwartet.
Warum klappt es denn nicht so, wie sie es von sich gewohnt ist?
Was ist los?
Sich bemühen, sich zu bessern. Sich konzentrieren und versuchen, das Verbockte auszuradieren. Wieder fallen. Wieder der ganze Scheiß. Was ist los, was ist los, verdammt! Warum klappt nichts?
Ängstliche Blicke. Frust. Sich selbst innerlich strafen. Sich ärgern. Gedankenkarussell fahren und nicht aussteigen können. Wiederholen, wie sehr es einem leid tut. Alles gut machen wollen. Warum verschlingt der Boden sie nicht? Innere Kämpfe. Fluchtinstinkt. Dableiben. Weitermachen. Seinen Wert vergessen. Sich selbst vergessen. Nicht die Kühle, schlicht darüber zu stehen. Nicht so dastehen wollen, wie die anderen sie jetzt wohl sehen müssen. Ein krampfhaftes Gefühl zwischen Hilflosigkeit, Frust und Erschöpfung. Nicht weinen. Weitermachen.

So ist es doch, oder?

Was soll ich dir sagen? Wenn ich dich sehe, gehst du auf einem roten Teppich. Du trägst ein wunderschönes Kleid und einen Mantel, der dich beinahe unverwundbar macht. Du trägst eine Waffe bei dir, dein Herz. Und du hast einen Bodyguard, der nicht nur unendlich stark und mächtig, sondern auch noch verdammt gutaussehend ist.
So etwas sagt dir der Spiegel natürlich nicht. Und du selbst bist da auch blind für. Aber vielleicht, so die Vorstellung …

Ach, ich weiß selbst nicht, was ich sagen will. Bitte habe dich lieb.
Ab mit dem Kopf durch die Wand, bis dir Hornhaut an der Stirn wächst.
Und wenn selbst das nicht mehr klappt, könntest du immer noch unter den Tisch kriechen und da „Zwei kleine Wölfe“ singen.
Oder tot stellen.
Aber bitte nicht sein.
Ich brauch dich noch.
Sina